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„Was braucht ein Referendar?“

13 Aug

…und was braucht er NICHT?! 😉

Da in letzter Zeit vermehrt – wohl durch den Beginn einer neuen Runde Referendariat – Suchanfragen dieser Art zum Blog führen, möchte ich den scheinbar vorhandenen Bedarf mal decken.

Also: Was braucht ein Referendar? 

Zunächst einmal: es ist ganz normal, dass man sich zu Ref-Beginn mit diversen Sachen eindecken will. „Oh Gott, ich brauche noch dies und das und jenes!“ – Ging mir genauso. Meine erste richtige „Lehrer“-Bestellung machte ich damals bei TIMETEX. Was ich mir genau bestellt habe, könnt ihr HIER nachlesen.
Aber was habe ich davon wirklich behalten und genutzt?
Häufig: Füller, Kuli, Timetex-Beutel, Kleber, Markierungs-Streifen, Klebemagnete
Selten: Knetkleber Elastofix
Nie: Referendar-Heft, Lehrer Werkzeug Box Profi

Eine Auflistung der Dinge, die ICH vor Ort habe, findet ihr HIER. Aber nicht erschrecken 😉

Viele Dinge, die man auf den ersten Blick toll findet, stellen sich dann in der Praxis als total sinnlos heraus. Das gilt für Bücher, genauso wie für Materialien, Hefte, Trallala.

Was braucht man nun wirklich? 
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1. Bücher / Zeitschriften
Verkneift es euch, Infobücher wie „Überleben im Referendariat“, „Kursbuch Referendariat“ etc. zu kaufen. Zumindest kurz bevor es losgeht – da bringt es euch sowieso nichts mehr, weil ihr in kürzester Zeit 1000 andere Sachen im Kopf haben werdet & das Buch nur in der Ecke verstaubt. Also dazu ein dickes: NEIN!
Stattdessen: Tauscht euch untereinander aus. Mit Refs die schon weiter sind, mit den anderen Refs aus eurem Jahrgang, egal. Das bringt wesentlich mehr als ein steriles Buch. 

Ein weiteres NEIN geht an diverse Grundschulzeitschriften. Im Ref habt ihr keine Zeit, die Dinger zu lesen – auch wenn sie toll sind, und auch wenn ihr sie günstiger kriegt!

Wozu ich JA sage, sind definitiv die Lehrerhandbücher/Handreichungen zu den Materialien mit denen ihr im Unterricht arbeitet. Dort findet ihr sinnvolle Ideen, Verknüpfungen und ggf. auch Zusatzmaterialien. Sicher nicht immer günstig, aber als Referendar bekommt man meist 50% Rabatt & kann sich die Sachen dann leisten.
Ein weiterer absoluter Gold-Tipp ist gerade für die Grundschule ein Account beim „Zaubereinmaleins“ – dort findet ihr auch hilfreiche Tipps und Ideen und könnt euch einiges an Material selbst herstellen, statt teuer zu kaufen. Voller Zugriff kostet EINMALIG 20€…und ist es definitiv wert, glaubt mir!

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2. Büromaterial 
Was man DEFINITIV haben sollte sind: 
Bleistift, Füller, Patronen, Kuli, Lineal, Rotstift, Tipp-Ex, Locher, Tacker, Drucker, Druckerpapier, Ersatzpatronen für den Drucker (geht schneller leer als man denkt!), Blöcke, Markierstifte, farbige Papiere, Ordner, Klarsichtfolien, Notizzettel, Klebestreifen, Laptop, Internetzugang, E-Mail-Postfach –
…und vor allem ORDNUNG in all diesen Sachen. Dazu habe ich mir HIER Gedanken gemacht – das „Magazin“ nutze ich heute fast täglich! Definitiv Gold wert!

Was man haben KANN, aber NICHT MUSS: 
Laminiergerät (Erhöht Wiederverwendbarkeit der Materialien)
Handhebelschere (Ich liebe sie – erleichtert das Schnippeln massiv!)
Doppelseitige IKEA-Bilderrahmen (z.B. für Gruppenarbeiten etc.)
Kisten, Boxen, Aufbewahrungen für Material
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…mehr ist es eigentlich (zumindest für mich) nicht. Ich denke, dass man die ganzen Sachen ruhig angehen, und sich nicht verrückt machen (lassen) sollte. Was man genau braucht, sieht man dann relativ schnell – und kann es sich dann besorgen. Sich im Voraus mit 1000 Sachen einzudecken beruhigt zwar ein bisschen das Gewissen, schont aber weder den Geldbeutel noch die Umwelt. 

Deshalb: ruhig bleiben, abwarten, Grundausrüstung besorgen und dann flexibel reagieren.

Liebe Grüße,
Frau A. (die auch VIEL ZU VIEL Sachen vor und im Ref gekauft hat…und jetzt den Fehler zu Beginn des „richtigen“ Lehrerlebens wieder macht 😉 )

Übrigens: was die Lehrertasche betrifft – ausprobieren ist da ganz wichtig. Ich würde mir nichts „einfach so“ kaufen, ohne es mal getestet zu haben. Der Rucksack aus meiner Timetex-Bestellung war z.B. unpraktisch für mich. Ich habe mich dann in meinem Kollegium umgeschaut und mich in die – absolut NICHT nach Lehrer aussehende – Tasche meiner Mentorin verliebt…und glücklicherweise eines der wenigen privat verkäuflichen (weil seit 10 Jahren nicht mehr in Produktion) Exemplare aus England importieren können. Es muss also nicht immer ne dicke Lehrertypische-Leder-Umhängetasche sein.

Bleibt euch einfach treu – nicht nur was die Tasche betrifft! 😉

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Mündliche Prüfung. Vorbereitungen.

11 Mai

So, ich muss mich mal ein bisschen von dem ganzen Kram ablenken. 😉 
In knapp 12 Tagen steht die mündliche Prüfung an und ich muss zugeben: ich habe den Aufwand etwas unterschätzt! 

Insbesondere die ersten 5 Minuten der Prüfung, in der ich zu einem selbstgewählten, vorbereiteten Thema sprechen „darf“. Die Themen selbst sind geschrieben und abgeschickt. Die Inhalte stehen prinzipiell auch GROB in meinem Kopf…aber jetzt muss ich das Ganze auch noch irgendwie zu Papier kriegen. 

Profi-Tipp von Ex-Referendaren: 
Schreib dir nen Fließtext und lern den auswendig!
Für 5 Minuten reden sind das etwa 2 A4-Seiten am PC. 

Ähm…WAS?!?!?! 
2 Seiten Text auswendig lernen? 
No way. 

Auswendig lernen ist so ne Sache, die ich in meinem Leben noch nie beherrscht habe und auch nie beherrschen werde. Gerade im Geschichtsunterricht war das nicht gerade von Vorteil (auch nicht in der mündlichen Abiprüfung), aber naja. 

Das mit dem Fließtext schreiben probiere ich jetzt erstmal aus – wobei das für mich wohl mehr ein Grundgerüst wird, auf das ich mich stützen kann. So wie ich mich kenne, werde ich das Ganze am Ende wieder zurecht kürzen und auf ein paar kleine Stichpunkte kommen. Liegt mir einfach mehr, als dieses Pseudo-Gesülze. 

Problem: zur Prüfung darf man keine Notizen o.ä. mitnehmen. Man muss also die 5 Minuten fachlich korrekt, ohne etwas zu vergessen, unter Beachtung aller Kriterien und frei sprechen. 

Der Sinn dahinter sollte EIGENTLICH sein, dass man langsam in die Prüfungssituation kommt und zu Prüfungsbeginn sicher ist (weil man ja wenigstens etwas weiß, sollte dann der große Blackout kommen). 
Ob dieser Sinn wirklich erfüllt wird, weiß ich nicht. Und so richtig erschließt es sich mir auch nicht, warum man sozusagen einen themengebundenen Vortrag auswendig lernen soll. 

Sicherlich ist das Wissen dann vorhanden, wenn man sich darauf vorbereitet – dann muss man egtl auch nix auswendig lernen – aber es gibt feste Bewertungskriterien und da muss dies, das und jenes beachtet werden – wovon man sicherlich was vergisst im Eifer des Gefechts. 😉 

Ich lass mich mal überraschen, wie das alles sein wird. 

Momentan merke ich wieder die Beeinflussung meines Soziallebens durch das Ref. In der letzten Zeit war alles relativ entspannt (das habe ich echt gebraucht!), das hat sich wieder geändert. Mein Freund schwirrt hier und da umher, ist gerade auf ner Geburtstagsfeier (mit superleckerem Essen 😦 ) von gemeinsamen Freunden – und ich hocke im Arbeitszimmer und zerbrech mir den Kopf. Prüfungszeit eben. 

Aber das Schöne an der Sache ist ja: in 12 Tagen ist das alles vorbei. Dann hab ich mein Zeugnis und darf mich Grundschullehrerin nennen (sollte es denn klappen…). Darauf freue ich mich schon riesig! 

Trotzdem ist es unwirklich, wie viel Vorbereitung man in die je 5min Einsprechthemen – also insgesamt 15min Vortrag – steckt. Ich glaube da wäre es mir lieber, wenn ich zu Prüfungsbeginn aus 5 Begriffen wählen und zu denen 5min reden könnte. Spontan und ohne mir stundenlang den Kopf zu zerbrechen… 
Naja, die Spontanität wird ja dann im zweiten Teil der Prüfung getestet…mit einem Praxisproblem. 

Dazu schreib ich jetzt aber nix, sonst komm ich mit meinen Konzepten nicht voran. 

Nur so viel noch: Ich bin vor der Prüfung nur noch 3 Tage an der Schule (schulfreien Tagen sei Dank) und muss mich zusammenreißen und die Zeit zuhause nutzen, um was ordentliches auf die Beine zu stellen. Immerhin ist die Mündliche die letzte minimal-kleine Chance, um doch noch das Prädikat „GUT“ auf dem Zeugnis stehen zu haben. 

Und ich bin gut, also sollte das da auch zu lesen sein! 

In diesem Sinne: euch noch ein schönes Wochenende! 😉 
Frau A. 

Ps.: Neben den Vorbereitungen für die Einsprechthemen muss natürlich auch noch für den weitaus größeren Teil der Prüfung gelernt werden. Das gestaltet sich schwierig, weil man prinzipiell alles wissen muss. Gesetze, Lehrplan, Dienstrecht…das ist ein dicker Berg, in dem keine Ordnung herrscht, weil es keine Vorgaben hinsichtlich Lernstoff gibt. 
Allein Dienstrecht umfasst neben Schulrecht, Schulordnung, Lehrerdienstordnung noch diverse andere Verordnungen mit gefühlten 7879 Paragraphen. 
Das kann noch heiter werden. 

Pps.: Wer mir jetzt mit „Selbst Schuld, falsches Zeitmanagement“ kommt, kriegt ne Melone vor die Rübe geworfen. 

Die Schrecken des Referendariats

23 Apr

„Die Schrecken“ – ja, Mehrzahl, denn Schrecken gibt es in dieser Zeit der permanenten Ausnahmesituationen einige. 

Nicht nur dass man sich an eine neue Situation gewöhnen muss, neues Kollegium, neue Mitreferendare, neues Umfeld, neue Aufgaben. Nein. Man verändert sich auch vom eigenständigen Studenten wieder zurück zum „Schüler“. Man wird wieder der Schüler von Fachleitern und Mentoren, zu denen man aufblicken und deren Erwartungen man erfüllen will, soll, muss. 

Welche Früchte das tragen kann, sehe ich derzeit in meinem Umfeld. 
Da werden aus motivierten, eigenständigen jungen Menschen plötzlich ängstliche, unsichere und von Selbstzweifeln zerfressene Wracks. 
Wahnsinn. 

Doch woher kommt die wachsende Unsicherheit, das Zweifeln, die Angst? 

Ich glaube das größte Problem ist der Druck, den man sich selbst mit Beginn des Referendariats auferlegt. Man ist sich dessen bewusst, dass dies der letzte Schritt auf dem Weg zum „richtigen“ Lehrer ist, man weiß dass es Noten gibt, man weiß um die Bedeutung des Ganzen. 
Und mit diesem Bewusstsein erlegt man sich unbewusst Zwänge auf. 
Welche?
– „Ich muss das dringend noch laminieren!“
– „Irgendwie klingt das doof, das muss ich ändern!“
– „Was würde die Fachleiterin wohl gerne sehen?“
– „Habe ich genug außergewöhnliche Methoden eingebaut?“
– „Sind alle Handlungsebenen ausgeschöpft?“
– „Reicht die Differenzierung aus?“
– „Erreiche ich ALLE Schüler mit dem Inhalt?“
– „Sieht das gut aus?“

…und und und. 

Man hockt stundenlang an eigentlich einfachen Planungen. 
Man spielt tausend Szenarien durch. 
Verschiebt, ändert. 
Das Hirn verknotet sich. 
Man bekommt das Gefühl, dass einem das alles zu viel wird. 
„Ich kann das nicht.“
„Ich schaff das nicht.“
„Ich will nicht mehr.“
Angst und Panik vor den anstehenden Aufgaben. 

A propos. 
Zu dem wenig anmutenden Stundenpensum in der Schule (in Thüringen 15 Stunden) kommen noch die regelmäßigen Aufträge (z.B. Vortrag halten) vom Seminar. 
„Werde ich bewertet?“
„Was wollen die sehen?“
„Wie detailliert mache ich das Handout?“
„Welche außergewöhnlichen Dinge kann ich zeigen?“
„Wie präsentiere ich mich am Besten?“
„Wird das die anderen überhaupt interessieren?“

Dann wird über eigentlich fertigen und bereits erfolgreich gehaltenen Entwürfen gebrütet. Überlegt. Verändert. Verworfen. 

Aus Mücken werden Elefanten, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht…und zweifelt. 
Zweifelt an sich, dem System, dem Berufswunsch, der Zukunft, allem. 

Nun, was kann man dagegen tun? 
Manche lassen sich von all dem runterziehen und schmeißen hin. 
Manche sprechen mit anderen über ihre Probleme / Gefühle und merken dann: 

Ich bin nicht allein! 

Es geht den anderen ganz genauso. Bei keinem ist alles super, prima, toll. Alle spüren den Druck, die Erwartungen, die Anforderungen. Keiner fühlt sich permanent allen Dingen gewachsen und kann problemlos parieren. 

Deshalb mein Rat: 
– Nehmt euch Zeit für euch selbst! 
Oft vernachlässigt man sich (z.B. was den Schlaf betrifft) zugunsten von Dingen, die im Nachhinein weder gewürdigt noch gewertet werden. 

– Nehmt euch Zeit für Freunde & Familie!
Die Gefahr der sozialen Vereinsamung ist groß. Der Zeitaufwand für Planungen und anderen Aufgaben verschlingt viele Stunden, die man einsam und allein an seinem Schreibtisch oder mit Drucker & Laminiergerät verbringt. 
Wenigstens ein Tag in der Woche sollte SCHUL-und SEMINARFREI sein. Und zwar ohne schlechtes Gewissen! 

– Verabschiedet euch von der Perfektion! 
Die perfekte Stunde gibt es nicht. Es wird immer Verbesserungspotential geben, unerwartete Ereignisse, Probleme. Wichtig ist nicht, im Voraus alles lückenlos und fehlerfrei zu planen, sondern im Problemfall spontan reagieren zu können. Wer sich an Planungen klammert, schränkt sich selbst ein und verliert auch die „Freiheit“ im Kopf um flexibel zu sein. Puffer und Alternativen geben Sicherheit. 
Ausnahme: Prüfungen müssen zu 120% durchdacht & durchgespielt werden! 

– Gesteht euch das eigene Unwissen ein & nutzt es!
Gerade zu Beginn der Lehrerlaufbahn ist man leicht von der Komplexität der Fächer und deren Inhalten überfordert. Das eigene Methodenrepertoire ist überschaubar, die Reaktionsfähigkeit z.B. auf Konflikte ebenso. Solange man das aber erkennt und merkt, dass man noch Lücken hat, kann man sich ans Stopfen machen. Gezieltes Belesen, Gespräche mit Kollegen, Selbstversuche….so wird man Stück für Stück kompetenter und sicherer. Niemand ist perfekt! 

Ich wünsche allen, die sich im Referendariat befinden bzw. die es noch vor sich haben: 
Verliert den Mut nicht. 
Glaubt an euch. 
Bleibt ihr selbst. 
Es ist keine einfache Zeit. Man lebt in einer Parallelwelt als Lehrer in der Schule und als Schüler im Studienseminar. Das ist NICHT die Realität eines fertigen Lehrers. Das ist eine Übergangsphase, in der man auf seine Tauglichkeit geprüft wird. Dessen muss man sich bewusst sein. 
Zweifel sind erlaubt – aber man sollte sich nicht von ihnen auffressen und kaputt machen lassen! 

In diesem Sinne: Alles Gute! 
Eure Frau A. 
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Ps.: Dieser Text entstand nach einem Telefonat mit einem derzeit zweifelnden LAA und basiert auf meinen Erfahrungen und den rückblickenden Erkenntnissen, die ich gewonnen habe. Ich könnte dazu noch Stunden weiter schreiben, aber ich denke man konnte einen kleinen Einblick in die Thematik gewinnen. Zu den „Freuden des Referendariats“ komme ich ein andermal 😉 

Fazit Infoveranstaltung

24 Jan

Wie angekündigt stand ich heute in Erfurt zur Infoveranstaltung „Übergang von Studium ins Referendariat“ an der Uni auf der Matte. 

Zuerst war es ganz eigenartig, wieder an der Uni zu sein. Mein letzter Besuch ist jetzt schon knapp 2 Jahre her und es haben sich einige Dinge geändert. Gerade im Lehrgebäude 2 wurden viele Dinge weggerissen und verändert – vieles ist aber auch noch im Rohbau & sieht nicht gerade einladend aus. 
Der Hörsaal war noch so wie „damals“ – Klappstühle aus Holz, Klapptische und viel Platz für Studenten…Nur dass ich mich diesmal nicht in die Bankreihen quetschen musste, niemand für mich aufstehen musste, nein. 
Mein Platz war ganz vorne. Vor den Studenten. An einer Reihe Tische, mit Blick ins Publikum. 
Ein wirklich interessanter Blickwinkel, auch wenn es ungewohnt ist im ersten Moment. 

Nun ja, zum Ablauf: 
– Begrüßung durch tlv
– Gesetzliches Informationen
– Informationen vom Jobcenter (Hartz4 & so)
– Informationen vom Studienseminar
– Infos von 2 Lehramtsanwärtern (inkl. mir)
– Fragerunde 

Ein bisschen fühlte ich mich zurückversetzt in die Zeit, als ich in der Veranstaltung saß und mir die vielen, vielen, vielen uninteressanten Folien angucken musste. Die haben sich seit dem nicht wirklich geändert. Manöverkritik wird demnächst geäußert, denn viele Dinge, die  dort vorkamen, hätte man wesentlich abkürzen können. Außerdem hören sich manche Leute ja auch selbst gerne reden oder finden Dinge interessant, die einen fast-fertigen Studenten (noch) nicht betreffen… Einkommensrunden und sowas.

Dementsprechend war an manchen Stellen auch die Aufmerksamkeit der Studenten. Da wurde geschnattert, geklappert, mit dem Handy gespielt…das Übliche eben. 

Dann waren „wir“ an der Reihe. Echte Lehramtsanwärter 😉 
Ich durfte anfangen zu erzählen. 
Und plötzlich war Totenstille im Raum. Kein Klappern, kein Gemurmel, nichts. 
Einfach nur ein Saal voller Leute, die an meinen Lippen hingen. 
Der Wahnsinn! 
Ich erzählte von meinem Werdegang nach der Uni, den Problemen und Sorgen. Ich gab Tipps zu einigen Bereichen (Kindergeld, priv. Krankenversicherung etc.) und redete ein bisschen darüber, wie das so läuft. Unter anderem auch darüber, was man denn verdient als Referendar. 

Was soll ich sagen… ich fands cool. 
Echt. 
Es war ein schönes Gefühl, die Aufmerksamkeit zu haben und zu merken, dass das alles Dinge sind, die die Studenten interessieren, die für sie wichtig sind. 
Wie viel tatsächlich geholfen hat & angekommen ist, weiß ich natürlich nicht. 
Aber sie haben wann immer ich im Verlauf noch was zu sagen hatte zugehört.
Das war toll, echt. 

Anschließend beantwortete ich noch ein paar typische Fragen persönlich. Sowas wie „Welche Note muss ich denn dann dort eintragen?“ oder „Wann kriegt man Bescheid?“. 
Überraschend war die Frage einer Studentin, ob das Ref wirklich SO schlimm ist. Ob man überhaupt durchkommen kann. Ob viele durchfallen. 
Sie schien wirklich verängstigt von dem, was auf sie zu kommt. 
Natürlich habe ich sie beruhigt. SO schlimm ist das Ganze nicht. Verheimlicht, dass es teilweise sehr viele Aufgaben sind, habe ich aber auch nicht. Gehört alles dazu. Aber es ist machbar. 

Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?
Ich würde den Studenten gerne noch mehr Mut machen. Und Vorfreude darauf, sich endlich auszuprobieren, Hilfe zu bekommen, vor einer Klasse zu stehen. 
Das sind alles tolle Sachen, die man während des Studiums aus den Augen verliert oder gar nicht erst kennenlernt, weil kaum Zeit für Praxis ist. Dabei ist gerade DAS wichtig. 

Nun ja. Es ist schon spät jetzt, ich hab mir zur Belohnung nen Schokopudding gekocht & dann gehts gleich ab ins Bett. 
Ich freu mich schon auf die Schule morgen. Hab in Mathe was schönes geplant und in HSK wird die Einheit „Das Jahr“ mit einer Leistungskontrolle zuende gebracht. Natürlich nicht einfach durch hinknallen und „SCHREIBT!“, sondern anders. 
Dazu aber demnächst mehr. 

Für heute bin ich sehr zufrieden. 
Es ist ein schönes Gefühl, sein Wissen und seine Erfahrungen mit anderen zu teilen und ihnen damit ein Stück weit zu helfen. 
Sowas mach ich gerne wieder! 

In diesem Sinne, 
Gute Nacht & bis bald, 
Frau A. 🙂 

Es ist Zeit, sich zu wehren!

10 Okt

So, heute geht es mal nicht um mich & meinen Job, sondern um etwas, was mich persönlich grade sehr beschäftigt / aufregt / bewegt.

Seit ich vorgestern bei einer Kommilitonin DIESE Stellungnahme der GEW gelesen habe, ist mir nämlich schlecht. Warum? Weil ich wütend bin. Ganz einfach.
Ich zitiere mal aus den ersten paar Zeilen des Dokuments:

„Lehramtsstudenten bleiben Thüringen fern / Staatssekretär sucht Abhilfe
Die Zahl der Lehramtsstudenten, die ihre Ausbildung in Thüringen durch ein Referendariat beenden wollen ist enttäuschend gering. Dabei hatte das TMBWK extra den Einstellungstermin um den 1. Februar ergänzt und 200 Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt. Gerade den Absolventen der Universität Erfurt sollte so die Möglichkeit eröffnet werden, nahtlos vom Studium für das Grundschullehramt ins Referendariat überzutreten. Doch genau diese Gruppe schöpfte die Möglichkeit nicht aus.“

So. Alles klar?
Hier wird also behauptet, dass wir Absolventen der Uni Erfurt die Stellen, die EXTRA für uns bereitgestellt wurden nicht annehmen wollen… Okay… Es geht hier um die Stellen für Februar 2011, also um meinen Vorgängerjahrgang. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das stimmt.
Das Problem ist nicht, dass wir die Stellen nicht wollen, sondern vielmehr: wir KÖNNEN sie teilweise gar nicht annehmen. Warum? Weil andere Bundesländer einfach schneller sind als Thüringen. Von Berlin erhält man 8 Wochen nach Bewerbungsschluss eine Zu-oder Absage. Heißt: man weiß schon im Mai/Juni Bescheid, ob es geklappt hat.
Und in Thüringen?
Tja, da erfährt man es Mitte Juli – und hat dann 2 Wochen Zeit für den (ggf. notwendigen) Umzug und alle anderen Formalitäten.

Stellt sich die Frage: Wenn ich von Berlin ein JA! bekomme – warte ich dann noch 6 Wochen, ob Thüringen auch JA sagt? Sicher nicht. Man muss sich meist innerhalb von 14 Tagen melden und zu/absagen.
Und: Wenn ich ein JA habe – dann kann ich froh sein & werde auch dort hin gehen. Auch wenn ein Umzug nötig ist.

Naja, offensichtlich scheint Thüringen das nicht zu wissen – stattdessen stellen sie uns LAA (Lehramtsanwärter – die neue Bezeichnung für Referendare) so hin, als ob wir „Bösen“ nicht hier bleiben wollen.

Hm. Ich kann nur für mich sprechen: Ich bin seit März 2011 fertig & würde gerne endlich anfangen. Aber NEIN – es gibt zu wenig Stellen. Meine Bewerbung wurde „aus Kapazitätsgründen“ abgelehnt & ich auf die Warteliste verfrachtet. Vielleicht habe ich im Februar Glück. Vielleicht aber auch nicht. Das Einzige, was sicher ist, ist, dass ich erst Mitte Januar eine Antwort erhalten werde. Olé! Der Herr im Ministerium konnte mir lediglich sagen, dass über 700 Bewerbungen eingegangen sind – mehr wissen die Mitarbeiter über eine Woche nach Bewerbungsschluss noch nicht.

Nun ja. Ich habe gestern einen 5-seitigen Brief geschrieben, in dem ich auf einen Großteil der Missstände in Thüringen in diesem Bereich aufmerksam mache. Diesen Brief habe ich an die zuständigen Gewerkschaften TLV & GEW, an Medien wie MDR, Freies Wort, TLZ, TA usw. gesendet. Auch unser Bildungsminister Christoph Matschie hat eine Mail von mir bekommen. Ob er sie jemals lesen wird ist fraglich. Als Antwort kam nämlich, dass meine Mail „…im Wahlkreisbüro von Christoph Matschie angekommen [ist]. Ich habe sie zuständigkeitshalber an das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur weitergeleitet. Von dort werden Sie auch eine Antwort erhalten“

Warten wir mal ab, was in nächster Zeit noch passieren wird.

Den Brief werde ich aus Platzgründen nicht hier veröffentlichen. Zu diesem Zweck habe ich bei Facebook die Gruppe „GEGEN die aktuelle Situation der LAA in Thüringen“ gegründet. Hier finden sich der Artikel und die bisherigen Rückmeldungen, die ich erhalten habe. Über ein „Gefällt mir“ würde ich mich freuen.

Warum mache ich das alles?
Hm. Zuerst möchte ich nicht, dass wir Studenten / Anwärter in den Medien falsch dargestellt werden. Es liegt nicht an uns, dass so wenig Stellen angeboten werden.
Und: Im Endeffekt führen diese wenigen Stellen dazu, dass viele Studenten abwandern in andere Bundesländer. Die Folge für Thüringen? Wir haben immer weniger Lehrer & die schulische Ausbildung wird zwangsweise darunter leiden. [Ich musste ja bereits trotz „Erzieher“-Status im Unterricht aushelfen. Mehr dazu HIER]
Jetzt sagt ihr euch bestimmt: Na und?!

Aber denkt mal nach.
Irgendwann werden auch viele von uns (wenn noch nicht geschehen) sesshaft werden und eine Familie gründen. Irgendwann sind das nicht „fremde“, sondern unsere eigenen Kinder, die unter der Situation zu leiden haben. Irgendwann werden wir als Eltern die Verantwortung haben und uns einsetzen müssen, weil die Umstände zu schlecht sind.

Ist es nicht besser, sich JETZT schon einzusetzen, BEVOR noch mehr schief geht in unserem System?!

Denkt mal drüber nach.