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Referendariat beendet – und nun?

1 Aug

Eigentlich wollte ich diese neue Rubrik ruhiger angehen lassen – aber mal wieder kam mir das Land Thüringen zuvor.

Worum geht es?
Mit dem 31.7.2013 beendete ein neuer Jahrgang Referendare bzw. Lehramtsanwärter die Ausbildung zu „echten Lehrern“. Das ist eine tolle Sache, endlich ist nach einer wirklich langen Zeit (4.5 Jahre Studium plus 1,5 Jahre Vorbereitungsdienst = 6 Jahre) der Moment gekommen, in dem wir uns im Schuldienst beweisen können. Überraschenderweise haben erstaunlich viele Lehramtsanwärter (LAA) in diesem Jahrgang eine Stelle angeboten bekommen – und auch dankend angenommen. „Vollzeit und unbefristet“ – ein absoluter Sechser im Lotto!

Neben all der Freude gibt es aber zunehmend auch Frust, denn mal wieder muss die Übergangszeit überstanden werden. Die sieht leider aus verschiedenen Gründen nicht gerade rosig aus.
Warum?
1. DAS GELD 
Ein Rechenbeispiel:
Als LAA ist man verbeamtet, d.h. man bekommt sein Geld im Voraus. Da der Vorbereitungsdienst am 31.7. endet, heißt das, dass am 30.6. zum letzten Mal Geld auf unsere Konten fließt – das Geld für Juli 2013. Die nächste Zahlung lässt dann aber lange auf sich warten – bis 30. September, genau gesagt.

Da fragt man sich: wieso dauert das so lange?

Ganz einfach! Die neuen Lehrer werden nicht übergangslos zum 1.August eingestellt, sondern erst zum Beginn der Vorbereitungswoche am 19.August. Heißt für uns: wir müssen 2 Wochen überbrücken. Nur wie? Und das Schönste: die Zeit vom 19.-31.August wird dann erst zusammen mit dem Gehalt vom September gezahlt. Wir sitzen also August und September auf dem Trockenen.

Probleme die sich daraus ergeben, sind die Folgenden:
2. DIE KRANKENVERSICHERUNG 
Wie kommen wir in eine gesetzliche Krankenversicherung? (durch die Verbeamtung war die private KV für uns LAA günstiger – nun sind wir aber keine Beamten mehr) Wer zahlt die, wenn wir 2 Wochen keinen Job haben? Wir selbst? Von welchem Geld?!
Eine Möglichkeit wäre es, Hartz4 zu beantragen (ALG I gibt es nicht, weil wir als Beamte nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen mussten) – das Amt würde dann die Beiträge übernehmen.
Aber: wer wie ich mit seinem Freund zusammenwohnt oder ein bisschen Erspartes hat, wird für die 2 Wochen nicht viel bekommen – und wenn, dann eh erst verspätet. Bringt also nichts.
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Heute ist also Tag 1 nach dem Referendariat.
Ich bin arbeitslos und ohne Krankenversicherung.
2 Wochen lang.
Hallelujah!

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Nachtrag: 
Natürlich könnte ich mich in der Privaten weiterversichern. Kostet aber 150 €. Ich könnte auch die Kosten für die Gesetzliche tragen. Kostet 200€. Die habe ich aber nicht. Ich könnte mich auch bei nem Selbstständigen mitversichern lassen. Kenne aber keinen. Also „packe ich mich 2 Wochen in Watte“, wie Frau AOK gesagt hat und sehne den 19.8. herbei. 
Zum Thema „arbeitslos“ – meinen Plan mit Kunststofffabrik habe ich sausen lassen – hab für die Schule noch genug zu tun & vorzubereiten. Arbeitslos melden muss man sich wegen den beiden Wochen nicht – habe mich dazu informiert. 

Abwarten Reloaded

5 Jun

Jetzt beginnt mal wieder so eine komische Zeit, in der man in Gedanken immer wieder abschweift, hofft, wartet.
Worauf?
Auf einen Brief oder einen Anruf, der eine Einladung zum Vorstellungsgespräch beinhaltet.

Am 31.5.2013 sind die Nachreichfristen für die Bewerbungen auf Lehrerstellen abgelaufen. Das heißt, dass die Schulämter momentan gerade damit beschäftigt sind, die Sachen zu ordnen und in Listen nach Noten geordnet zu packen. So stell ich mir das zumindest vor. Keine Ahnung wie das wirklich läuft.

Was ich aber weiß ist, dass in den nächsten 2 bis 4 Wochen in etwa die Vorstellungsgespräche laufen werden. Erfahren habe ich auch, dass man sich durch gute Präsentation dabei um einige Notenpunkte besser machen kann, als es die Zeugnisse aussagen. Das ist ja schonmal nicht schlecht.

In meinem Leben hatte ich bisher ein wirkliches Vorstellungsgespräch. Das war vor inzwischen über 2 Jahren, als ich mich als Erzieherin beworben habe. Vor mir saß eine ganze Kommission (ich glaube 6 oder 7 Leute), die mir Fragen stellten und mich kennenlernen wollten.

Aufgeregt war ich dabei nicht. Ich hatte ja keine Ahnung, was mich dabei erwarten würde. Aber ich war einfach wie immer, plauderte munter drauf los, stellte mich vor, machte meine Ziele klar (ich sagte auch, dass ich das nur als Übergang machen wolle – viele meiner Studentenfreunde haben das bei Vorstellungsgesprächen verheimlicht…). Als ich da raus ging hatte ich ein gutes Gefühl, ärgerte mich ein bisschen, dass ich ein, zwei Sachen nicht erwähnt hatte, aber…prinzipiell liefs gut – und nach nicht mal einer Woche hatte ich die Stelle 😉

Mal sehen, wie es diesmal läuft. Die Einstellungszahlen für meinen Schulamtsbereich sehen schlecht aus, gerade mal 13 Stellen für Grundschule – in einem RIESIGEN Bereich. Und das Schlimmste: sollte mir eine Stelle angeboten werden – egal wie weit weg sie von hier ist – und ich würde sagen „Nee, das ist mir zu weit!“ – dann würde ich einfach rausfliegen und hätte Pech, könnte mich nächstes Jahr nochmal bewerben. Irre, oder?

Im Allgemeinen finde ich dieses ganze System verrückt. Es gibt so viele Schulen, die händeringend Lehrer brauchen, die nicht wissen wie der Unterricht abgedeckt werden soll…und dann sollen nur 13 Lehrer neu eingestellt werden? Das muss ein Witz sein, ein Fehler, anders kann ich mir das nicht erklären.

…und es macht mir auch ein wenig Angst – weil es eben Ranglisten gibt, in denen die Note zählt. Okay, das Vorstellungsgespräch zählt auch, aber die Note schwebt immer über einem. Und die ist bei mir – aus diversen Gründen – ja nicht die Beste. Inklusive Studium (was auch Berechnungsgrundlage für die Gesamtnote ist) bin ich bei ner 2,4. Meine Studienkollegen können mit 1,4 und besser aufwarten. Meine Chancen? Gering.

Also stellt sich wieder die Frage: was mache ich, wenns nicht klappt? Wie überbrücke ich wieder EIN GANZES JAHR? Sollte ich vielleicht doch heuchlerisch in die Kirche eintreten, um an der evangelischen Privatschule einige Kilometer entfernt zu arbeiten?
Nein.
Ich werde nicht lügen, um eine Stelle zu bekommen.
Aber was tun?
Ein bisschen Druck nimmt mir die Tatsache raus, dass ich vorübergehend wieder in der Kunststofffabrik arbeiten kann (und werde). Die nehmen mich mit Kusshand und brauchen mich dringend. Aber die Firma ist weit weg von zuhause, von Schatzi, von Mutti. Ich wäre nur am Wochenende daheim. Blöd.
Das Gute an der Sache ist: ich könnte bei meinem Papa wohnen, hätte also keine doppelten Mietkosten für ne Extra-Wohnung, ich würde meinen Papa öfter sehn. Aber trotzdem: das ist nicht optimal und nicht das, was ich auf Dauer will.

Ich will Lehrerin sein, unterrichten, etwas für die Kinder tun.

Liebes Thüringen, sieh das doch ein und gib mir die Chance, das was ich nun in vielen Jahren gelernt habe, anzuwenden, auszuprobieren und etwas Gutes zu tun!
Bitte lass mich nicht in einem Büro versauern und all meine pädagogischen Ideen und Kniffe wieder vergessen. Bitte lass mich nicht frustriert und am System zweifelnd zurück.
Bitte nicht.

Nun ja, ich habe eine Perspektive und das ist auch gut so. Aber was machen andere? Ich habe schon mehrere Strategien gehört:
– Fahrrad-Verkäufer
– Horterzieher
– Kindergarten
– Hartz4
Letzteres gruselt mich besonders. Wir müssen (sollten wir keinen Job finden) nach 4,5 Jahren Studium, Überbrückungszeit und 1,5 Jahren Referendariat als fertig ausgebildete Lehrer wirklich den Staat um Hartz 4 anbetteln. Arbeitslosengeld gibts für uns nicht, weil wir im Ref verbeamtet waren & nicht in die Versicherung eingezahlt haben. Schlau gemacht. Also Hartz 4. Traumhaft, oder?

Naja, ich warte einfach mal ab und hoffe das Beste. Momentan ärgere ich mich ein bisschen darüber, wie ich die Prioritäten angegeben habe. Meine erste Schulamtspriorität ist sehr weit gefächert. Meine zweite (der SA-Bereich beginnt 2 Dörfer weiter) ist dagegen kompakter…und beinhaltet meine Schule in der ich als Erzieherin war und die (wie ich heute erfahren habe) jemanden einstellen wollen. Arghs!!!

Aber grübeln bringt nichts. Ich muss einfach abwarten was passiert und was sich ergibt. Dabei hoffe ich, dass ich wenigstens EINMAL im Leben Glück habe und etwas bekomme, was nicht unendlich viel Aufwand, Zeit, Mühe und Geld bedeutet. Das wünsche ich mir.

In diesem Sinne: abwarten und Tee trinken!
Liebe Grüße,
Frau A.

Ps.: Meine Artikel und Gedanken zur damaligen Wartesituation (Januar 2012) findet ihr unter anderem HIER, HIER und HIER…und am angekratztesten war ich dann HIER, einen Tag bevor ich HIER die Zusage bekam 😉 Auch ein Grund warum ich meinen Blog so mag – zurück schauen kann sehr interessant sein!

Nachtrag
Kaum schreibe ich diesen Artikel wiederholt sich auf Facebook genau das, was ich in den Verlinkungen von vor anderthalb Jahren erlebt habe.
3 Leute posten freudig: Sie haben Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen.
Ich natürlich nicht. Mir ist schlecht.

Fazit Mündliche Prüfung

26 Mai

Am 23.5.2013 war es soweit. Die letzte Prüfung stand an.
Ich war am Vorabend schon in der Seminarstadt eingetroffen, es gab leckere Waffeln zum Dinner, dazu ein Sektchen, alles ganz entspannt. Nachdem meine Freundin ins Bett gegangen ist, saß ich noch ein bisschen, blätterte in den Unterlagen und ging dann gegen halb 12 schlafen.

VOR der Prüfung
Am Prüfungstag wurde in 2 Durchgängen geprüft. Vormittags und Nachmittags. Ich war in der zweiten Gruppe, deren Prüfungen ab 13:00 anstanden. Nur blöd, dass ich schon 6:30 hellwach im Bett saß und noch über 6 Stunden überbrücken musste. Sofort nach dem wach werden war ich irgendwie hibbelig und aufgeregt.

Dann klingelte mein Telefon. Mein Chef war dran und wünschte mir viel Erfolg bei der Prüfung. Fand ich cool. Sein Tipp um die Zeit rumzukriegen: „Gucken Sie sich doch nen Film an!“ – Dazu war ich aber nicht in der Lage. Stattdessen lenkte mich ein Kumpel per SMS ab…und dann klingelte das Telefon erneut. Ein Freund & ehemaliger Studienkollege, der das Ref bereits im Februar beendet hat gab mir letzte Tipps und quatschte so lange mit mir, bis die Nervosität fast weg war. DANKE DANKE DANKE!
Dann traf ich mich mit einer anderen LAA und unseren Vfa’s (Verantwortlichen für Ausbildung uns unseren Schulen – sie waren Teil der Prüfungskommission) und wir machten uns auf gen Studienseminar.
Dort saßen die anderen aus Gruppe 1 schon glücklich und zufrieden mit ihren Zeugnissen und Sektgläsern rum. Echt blöd, wenn man selbst noch alles vor sich hat.

BEI der Prüfung
Die Prüfung lief so ab wie angekündigt. Die ersten 5 Minuten das auswendig gelernte Einsprechthema runterbeten, dann die beiden Praxisprobleme durchlesen, eins auswählen, Stichpunkte dazu machen und dann reden, reden, reden. Als mir nix mehr einfiel, wurden Fragen gestellt. Sobald die Prüfung losging war ich nicht mehr nervös. Ich wusste, dass ich mich vorbereitet hatte, also was sollte passieren?
Nach exakt 30min Prüfung ging es zurück in den Aufenthaltsraum. Dort wurde sich kurz mit den anderen LAA ausgetauscht (wir wurden ja parallel geprüft), nochmal kurz in die Unterlagen geschaut und dann zur nächsten Prüfung gestartet.

NACH der Prüfung
Als wir alle 3 Prüfungen hinter uns hatten, fiel die Nervosität vollends ab. Wir klatschen uns ab, umarmten uns und warteten dann auf die Verkündung unserer Noten.
Meine Gefühle waren gemischt. 2mal hatte ich ein gutes bis sehr gutes Gefühl, einmal ein mittemäßiges. Besonders in Werken fand ich mich persönlich sehr stark. Gerade weil ich ein Thema hatte, in dem ich mich super auskenne, schon viel gemacht habe und gut reden konnte. Trotzdem bekam ich nur ne 3. Unverständlich.

Die Notenverkündung
Nachdem etwa 45min vergangen waren, wurden wir in alphabetischer Reihenfolge einzeln in einen Raum gerufen. Dort teilte uns die Frau vom Schulamt unsere einzelnen Prüfungsleistungen der mündlichen Prüfung mit. Dann gabs von der Seminarleitung das vorläufige Zeugnis überreicht, worauf die obligatorischen Gratulationen erfolgten.
Von Stolz war hier noch keine Rede, immerhin hatte ich es doch nicht geschafft, noch auf „gut“ zu kommen. Der Durchschnitt rief förmlich „HAHA, knapp daneben ist auch vorbei!“ – aber damit hatte ich ja gerechnet.
Auf dem Flur folgten dann noch Gratulationen und gute Wünsche von anderen Fachleitern.

Besonders intensiv war die die Begegnung mit der Fachleiterin, die auch in meiner praktischen Prüfung anwesend war. Ich glaube sie sagte auf dem Flur nur einen Satz, aber der Blick in ihre Augen zeigte mir irgendwie, dass sie sich dessen bewusst ist, was diese Bewertung damals für mich bedeutet. War eine ganz eigenartige Situation und ich bilde mich auch ein, eine Träne in ihrem Auge gesehen zu haben. Wir atmeten beide tief durch und umarmten uns…Puh. [das Ganze ist so unwirklich, weil ich von ihr sehr viel gelernt habe, sie sehr schätze, aber sich das NULL in meinen Bewertungen niedergeschlagen hat]

DANACH
wurden die andere LAA und ich von unseren VfA’s noch zu einem Eis eingeladen. Dann ging’s nach Hause. Es war inzwischen schon fast 18 Uhr.

Auf der HEIMFAHRT
Bevor ich losfahren konnte, musste ich erstmal gefühlte 10000 Nachrichten und Mails beantworten. Dann stöpselte ich mein Handy an und hörte solche Lieder wie DIESES (besonders ab 1:14 bzw. der Refrain sprechen mich da an) und sang lauthals mit. Irgendwann überkam mich der Wunsch, jemanden anzurufen. Ich entschied mich für meinen Papa (mit Mutti und Schatzi hatte ich zwischendurch schon geredet).
Er ging ran, fragte wie’s gelaufen ist und dann sagte ich zum ersten Mal den Satz:

Papa, ich bin jetzt Lehrerin!

Dann fiel dieser Brocken plötzlich von mir ab und mit 160 Sachen auf der Autobahn kamen mir die Tränen und ich heulte voll los. Sturzbäche. Rotz und Wasser.

Papa ich habs geschafft!
Ich bin Lehrerin.
Richtige Lehrerin.

Endlich!

Am Ende der Leitung war es kurz still. Ich glaube mein Papa musste sich auch erst sammeln. Das große Kind hat nach 7 langen Jahren mit vielen Höhen und Tiefen ihr Ziel erreicht. Lehrerin. Wahnsinn.

Und ich muss hier an dieser Stelle ganz ehrlich sagen: ohne meinen Freund und meine Familie wäre ich an manchen Tagen wahrscheinlich durchgedreht. Aber es war immer jemand da (und sei es nur am Telefon), der mir mein Ziel wieder vor Augen gehalten hat. Der gesagt hat, dass ich das schaffe. Dass ich mich durchbeißen soll. Dass ich mal ne Pause machen soll. Dass sie an mich glauben.

DANKE dafür!!!

Auf dem Heimweg hielt ich noch kurz bei meiner Mutti an. An der Haustür fielen wir uns heulend in die Arme. Freude und Stolz, dass es nach der langen Zeit endlich geschafft ist.
„Meine kleine Lehrerin“…sobald das in den letzten Tagen jemand gesagt hat, hätte ich losheulen können. Meine Mutti wollte vor Freude sogar meine ehemalige Grundschullehrerin anrufen und ihr davon berichten 😉

Zuhause angekommen war das alles noch ganz unwirklich. Schatzi schaute mich mit einem ganz besonderen Blick an…und wieder: „Meine kleine Lehrerin“ – Freudentränen.

In der Nacht konnte ich mal wieder richtig schlafen…und obwohl die Nacht nur 5 Stunden lang war, war ich am nächsten Morgen fit.

In der SCHULE
Freitag vertrat ich meine Mathementorin, u.a. in meiner Matheklasse. Die Schüler wussten ja, dass ich am Tag davor Prüfung hatte. Also erzählte ich ihnen, dass ich die Prüfung geschafft habe und nun eine richtige Lehrerin bin.
Und was machten sie?
Sie applaudierten wie wild und freuten sich mit mir 🙂
Die Stunden schüttelte ich aus dem Ärmel, selbst eine Vertretungsstunde in einer mir bisher unbekannten Klasse war kein Problem. Der Tag war einfach nur cool. Erleichtert, entspannt, froh.

Was ändert sich jetzt?
1. Ich glaube die wichtigste Neuigkeit ist, dass dieser immense Druck abgefallen ist. Es kommt keiner mehr, der mich beurteilt. Ich muss keine Ausarbeitungen mehr schreiben. Ich kann einfach nur Lehrerin sein. Das, was ich schon immer sein wollte.

2. Ich habe wieder soziale Kontakte. So viele Menschen, wie ich dieses Wochenende gesehen habe, habe ich sonst in 2 Monaten nicht getroffen. Und so viele Sachen haben wir sonst auch nicht gemacht. Ich war bei meiner Mutti, bei den Schwiegereltern, auf nem Geburtstag, bei einer Freundin, bei einem befreundeten Pärchen und sogar schick Essen mit Schatzi.
Und das Beste: all das OHNE schlechtes Gewissen. Ohne zu denken „Ich muss noch dies, das und jenes machen“. Herrlich!

…eine Sache gibt es noch, die wieder neu für mich ist. Ich habe erstmalig seit mindestens anderthalb Jahren wieder ein Buch zu meinem privaten Vergnügen in die Hand genommen. Damit hab ich mich in mein Bett gekuschelt und einfach nur gelesen. Stundenlang. Mitten in der Nacht, frühs, nachmittags…einfach so! Und es war toll. Ich hatte ganz vergessen, wie schön es ist etwas zu lesen.
[Übrigens ist es das Buch von Philipp Möller: „Isch geh Schulhof“ – hat mir meine Lieblingsmentorin zur bestandenen Prüfung geschenkt. Danke nochmal!]

Jepp. Jetzt muss ich aufhören zu schreiben. Mein Kuchen will nämlich vollendet werden.
Ja, richtig gehört: Kuchen. Dass mein Hirn sich langsam entspannt merke ich auch daran, dass ich plötzlich Lust hatte, nen Kuchen zu backen. Einfach so. Sonntag nachmittag. Irre.

Aber ihr habt Recht: es ist ein tolles Gefühl, alle Prüfungen hinter sich zu lassen und sein Ziel erreicht zu haben. Noch am Prüfungsabend saß ich an meinem Schreibtisch und suchte die Zeugniskopien für meine Bewerbung raus. Dabei wurde mir erstmal bewusst, was ich schon alles geschafft habe in den letzten Jahren…
2006 – Abitur
2009 – Bachelor of Arts
2011 – Master of Arts
2013 – 2. Staatsexamen = Grundschullehrerin
…und das alles mit 25. Verrückt!

Wie geht’s jetzt weiter?
Schule und Studienseminar laufen ganz normal weiter. Einmal wöchentlich Seminarveranstaltungen, ansonsten Schule. Bis zu den Sommerferien. Irgendwann sind dann die Vorstellungsgespräche (in Thüringen schulamtsbezogen) und dann hoffe ich, dass sich jemand findet, der eine junge, motivierte Lehrerin einstellen möchte 😉

Welche Ziele habe ich noch?
Ich würde gerne noch die Zusatzqualifikation machen, um meinem eigentlichen Ziel, Englischlehrerin zu werden näher zu kommen. Dafür muss ich nochmal 2 Semester berufsbegleitend einen Kurs besuchen – aber das ist mir die Sache Wert! 🙂

Jetzt wünsche ich euch aber erstmal noch einen schönen entspannten Sonntag Abend.
Nochmal vielen Dank auch an euch für’s mitfiebern, beglückwünschen und freuen – es ist echt toll zu wissen, dass es euch gibt und dass ihr euch für mich freut!

Ganz liebe Grüße,
Frau Lehrerin 😉

Ps.: Manchmal überlege ich, es dem Philipp Möller gleich zu tun und auch ein Buch zu schreiben. Oder einen Referendariatsratgeber. Was haltet ihr davon?

Pps.: Der Blog endet natürlich nicht hier – ich werde weiter schreiben! 🙂

Countdown mündliche Prüfung

20 Mai

In 3 Tagen ist es soweit, die letzte Hürde auf dem Weg zum Lehrer-Sein muss noch genommen werden. Die letzten 20% meiner Abschlussnote fehlen noch. Das letzte Mal Prüfung für hoffentlich lange Zeit.

Was mir jetzt im Weg steht ist nicht etwa das Fachliche – ich denke Lehrplantechnisch bin ich gut gerüstet (außerdem weiß man eh nicht was drankommt, also kann man sich das Unwissen gut schönreden) – nee, die Einsprechthemen nerven.

Die Themen sind fertig, die je 2 Seiten Text dazu geschrieben…aber wie krieg ich das jetzt in meinen Schädel?!

Wer mich kennt weiß, dass ich keine Probleme mit dem Reden habe, schlagfertig sein kann & auch spontan bin.
Aber das ist ja nicht wirklich gefordert. Das Thema muss wissenschaftlich & inhaltlich umfassend behandelt werden. Und um nicht ins Labern zu verfallen, sollte es sich schon so schön anhören wie es auf dem Papier geschrieben steht. Auf insgesamt 6 Seiten Papier.

Uarghs.

Das nervt. Sehr. Ich hab keine Ahnung wo ich das alles noch hinstopfen soll in meinem Gehirn.

Da haben es die Sachsen besser. Auch 3 mündliche Prüfungen, ähnlicher Aufbau – aber an 3 verschiedenen Tagen mit mindestens ner Woche Abstand. SO kann man sich gut auf die einzelnen Themen vorbereiten. Das ist sicher auch gehirngerechter als das hier grade.

Aber naja. Was soll man machen?!
Ich würde wirklich gern in den Mündlichen ne 1 schaffen um meine Zeugnisnote noch zu retten – ob das realistisch ist wage ich zu bezweifeln.

Meistens kam meine lockere Art nicht so gut an. Wahrscheinlich freuen sich manche Prüfer, wenn vor ihnen aufgelöste, nervliche Wracks sitzen…so bin ich aber nicht. So war ich auch nicht in der praktischen Prüfung, als ich 15min vor Prüfungsbeginn relaxt (weil super vorbereitet) an der Schule ankam & mich die Prüferin abschätzig mit den Worten „Na Sie haben ja auch die Ruhe weg!“ musterte…

Nun ja. Ein Schritt noch. Noch ein bisschen das Hirn quälen mit Dingen, die man später einfach nachschlagen wird.

Dann kann ich mich wieder um die vielen liegen gebliebenen Sachen kümmern. Schreibtisch (ein Gebirge aus Papier & Briefen), Gesundheit (meine Lunge hat definitiv ein Problem, macht mir ein bisschen Angst), Pakete, Freunde, Pflanzen…

A propos Pflanzen… Die sind gerade (neben dem Blick auf meinen Freund) ein wahrer Freundenquell für mich. Meine Balkonbepflanzung sprießt täglich vor sich hin…und es nimmt langsam die Formen an, die ich mir vorgestellt habe.
Guckt, der Vergleich von vorgestern und heute:

20130520-153045.jpg

Cool, oder?!
Mal sehen, was ich mir damit noch einfallen lasse. Meinem Balkonrasen scheint es jedenfalls prächtig zu gehen 🙂

Jetzt aber Schluss mit Ablenkung. Ich muss noch ungefähr 75 Mal die Einsprechthementexte lesen und mich durch die Gesetze pflügen…und und und…

In 3 Tagen um diese Uhrzeit ist schon alles vorbei. Also Augen zu & durch!

Mündliche Prüfung. Vorbereitungen.

11 Mai

So, ich muss mich mal ein bisschen von dem ganzen Kram ablenken. 😉 
In knapp 12 Tagen steht die mündliche Prüfung an und ich muss zugeben: ich habe den Aufwand etwas unterschätzt! 

Insbesondere die ersten 5 Minuten der Prüfung, in der ich zu einem selbstgewählten, vorbereiteten Thema sprechen „darf“. Die Themen selbst sind geschrieben und abgeschickt. Die Inhalte stehen prinzipiell auch GROB in meinem Kopf…aber jetzt muss ich das Ganze auch noch irgendwie zu Papier kriegen. 

Profi-Tipp von Ex-Referendaren: 
Schreib dir nen Fließtext und lern den auswendig!
Für 5 Minuten reden sind das etwa 2 A4-Seiten am PC. 

Ähm…WAS?!?!?! 
2 Seiten Text auswendig lernen? 
No way. 

Auswendig lernen ist so ne Sache, die ich in meinem Leben noch nie beherrscht habe und auch nie beherrschen werde. Gerade im Geschichtsunterricht war das nicht gerade von Vorteil (auch nicht in der mündlichen Abiprüfung), aber naja. 

Das mit dem Fließtext schreiben probiere ich jetzt erstmal aus – wobei das für mich wohl mehr ein Grundgerüst wird, auf das ich mich stützen kann. So wie ich mich kenne, werde ich das Ganze am Ende wieder zurecht kürzen und auf ein paar kleine Stichpunkte kommen. Liegt mir einfach mehr, als dieses Pseudo-Gesülze. 

Problem: zur Prüfung darf man keine Notizen o.ä. mitnehmen. Man muss also die 5 Minuten fachlich korrekt, ohne etwas zu vergessen, unter Beachtung aller Kriterien und frei sprechen. 

Der Sinn dahinter sollte EIGENTLICH sein, dass man langsam in die Prüfungssituation kommt und zu Prüfungsbeginn sicher ist (weil man ja wenigstens etwas weiß, sollte dann der große Blackout kommen). 
Ob dieser Sinn wirklich erfüllt wird, weiß ich nicht. Und so richtig erschließt es sich mir auch nicht, warum man sozusagen einen themengebundenen Vortrag auswendig lernen soll. 

Sicherlich ist das Wissen dann vorhanden, wenn man sich darauf vorbereitet – dann muss man egtl auch nix auswendig lernen – aber es gibt feste Bewertungskriterien und da muss dies, das und jenes beachtet werden – wovon man sicherlich was vergisst im Eifer des Gefechts. 😉 

Ich lass mich mal überraschen, wie das alles sein wird. 

Momentan merke ich wieder die Beeinflussung meines Soziallebens durch das Ref. In der letzten Zeit war alles relativ entspannt (das habe ich echt gebraucht!), das hat sich wieder geändert. Mein Freund schwirrt hier und da umher, ist gerade auf ner Geburtstagsfeier (mit superleckerem Essen 😦 ) von gemeinsamen Freunden – und ich hocke im Arbeitszimmer und zerbrech mir den Kopf. Prüfungszeit eben. 

Aber das Schöne an der Sache ist ja: in 12 Tagen ist das alles vorbei. Dann hab ich mein Zeugnis und darf mich Grundschullehrerin nennen (sollte es denn klappen…). Darauf freue ich mich schon riesig! 

Trotzdem ist es unwirklich, wie viel Vorbereitung man in die je 5min Einsprechthemen – also insgesamt 15min Vortrag – steckt. Ich glaube da wäre es mir lieber, wenn ich zu Prüfungsbeginn aus 5 Begriffen wählen und zu denen 5min reden könnte. Spontan und ohne mir stundenlang den Kopf zu zerbrechen… 
Naja, die Spontanität wird ja dann im zweiten Teil der Prüfung getestet…mit einem Praxisproblem. 

Dazu schreib ich jetzt aber nix, sonst komm ich mit meinen Konzepten nicht voran. 

Nur so viel noch: Ich bin vor der Prüfung nur noch 3 Tage an der Schule (schulfreien Tagen sei Dank) und muss mich zusammenreißen und die Zeit zuhause nutzen, um was ordentliches auf die Beine zu stellen. Immerhin ist die Mündliche die letzte minimal-kleine Chance, um doch noch das Prädikat „GUT“ auf dem Zeugnis stehen zu haben. 

Und ich bin gut, also sollte das da auch zu lesen sein! 

In diesem Sinne: euch noch ein schönes Wochenende! 😉 
Frau A. 

Ps.: Neben den Vorbereitungen für die Einsprechthemen muss natürlich auch noch für den weitaus größeren Teil der Prüfung gelernt werden. Das gestaltet sich schwierig, weil man prinzipiell alles wissen muss. Gesetze, Lehrplan, Dienstrecht…das ist ein dicker Berg, in dem keine Ordnung herrscht, weil es keine Vorgaben hinsichtlich Lernstoff gibt. 
Allein Dienstrecht umfasst neben Schulrecht, Schulordnung, Lehrerdienstordnung noch diverse andere Verordnungen mit gefühlten 7879 Paragraphen. 
Das kann noch heiter werden. 

Pps.: Wer mir jetzt mit „Selbst Schuld, falsches Zeitmanagement“ kommt, kriegt ne Melone vor die Rübe geworfen. 

Vollste Zustimmung

6 Mai

Da es heute nichts besonders erwähnenswertes gibt und alles gut lief, möchte ich euch zu einem Artikel weiterleiten, dem ich vollstens zustimmen kann.

Er ist in der Süddeutschen Zeitung erschienen und trägt den Titel
„Referendare – der Willkür der Ausbilder ausgeliefert“

Ich finde interessant, dass es offensichtlich in allen Bundesländern und Schulformen eine ähnliche Wahrnehmung bezüglich des Referendariats gibt. Insbesondere hinsichtlich der negativen Seiten 😉

Aber lest mal selbst.

Liebe Grüße,
Frau A.

Zum Artikel: Hier entlang!

Die Schrecken des Referendariats

23 Apr

„Die Schrecken“ – ja, Mehrzahl, denn Schrecken gibt es in dieser Zeit der permanenten Ausnahmesituationen einige. 

Nicht nur dass man sich an eine neue Situation gewöhnen muss, neues Kollegium, neue Mitreferendare, neues Umfeld, neue Aufgaben. Nein. Man verändert sich auch vom eigenständigen Studenten wieder zurück zum „Schüler“. Man wird wieder der Schüler von Fachleitern und Mentoren, zu denen man aufblicken und deren Erwartungen man erfüllen will, soll, muss. 

Welche Früchte das tragen kann, sehe ich derzeit in meinem Umfeld. 
Da werden aus motivierten, eigenständigen jungen Menschen plötzlich ängstliche, unsichere und von Selbstzweifeln zerfressene Wracks. 
Wahnsinn. 

Doch woher kommt die wachsende Unsicherheit, das Zweifeln, die Angst? 

Ich glaube das größte Problem ist der Druck, den man sich selbst mit Beginn des Referendariats auferlegt. Man ist sich dessen bewusst, dass dies der letzte Schritt auf dem Weg zum „richtigen“ Lehrer ist, man weiß dass es Noten gibt, man weiß um die Bedeutung des Ganzen. 
Und mit diesem Bewusstsein erlegt man sich unbewusst Zwänge auf. 
Welche?
– „Ich muss das dringend noch laminieren!“
– „Irgendwie klingt das doof, das muss ich ändern!“
– „Was würde die Fachleiterin wohl gerne sehen?“
– „Habe ich genug außergewöhnliche Methoden eingebaut?“
– „Sind alle Handlungsebenen ausgeschöpft?“
– „Reicht die Differenzierung aus?“
– „Erreiche ich ALLE Schüler mit dem Inhalt?“
– „Sieht das gut aus?“

…und und und. 

Man hockt stundenlang an eigentlich einfachen Planungen. 
Man spielt tausend Szenarien durch. 
Verschiebt, ändert. 
Das Hirn verknotet sich. 
Man bekommt das Gefühl, dass einem das alles zu viel wird. 
„Ich kann das nicht.“
„Ich schaff das nicht.“
„Ich will nicht mehr.“
Angst und Panik vor den anstehenden Aufgaben. 

A propos. 
Zu dem wenig anmutenden Stundenpensum in der Schule (in Thüringen 15 Stunden) kommen noch die regelmäßigen Aufträge (z.B. Vortrag halten) vom Seminar. 
„Werde ich bewertet?“
„Was wollen die sehen?“
„Wie detailliert mache ich das Handout?“
„Welche außergewöhnlichen Dinge kann ich zeigen?“
„Wie präsentiere ich mich am Besten?“
„Wird das die anderen überhaupt interessieren?“

Dann wird über eigentlich fertigen und bereits erfolgreich gehaltenen Entwürfen gebrütet. Überlegt. Verändert. Verworfen. 

Aus Mücken werden Elefanten, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht…und zweifelt. 
Zweifelt an sich, dem System, dem Berufswunsch, der Zukunft, allem. 

Nun, was kann man dagegen tun? 
Manche lassen sich von all dem runterziehen und schmeißen hin. 
Manche sprechen mit anderen über ihre Probleme / Gefühle und merken dann: 

Ich bin nicht allein! 

Es geht den anderen ganz genauso. Bei keinem ist alles super, prima, toll. Alle spüren den Druck, die Erwartungen, die Anforderungen. Keiner fühlt sich permanent allen Dingen gewachsen und kann problemlos parieren. 

Deshalb mein Rat: 
– Nehmt euch Zeit für euch selbst! 
Oft vernachlässigt man sich (z.B. was den Schlaf betrifft) zugunsten von Dingen, die im Nachhinein weder gewürdigt noch gewertet werden. 

– Nehmt euch Zeit für Freunde & Familie!
Die Gefahr der sozialen Vereinsamung ist groß. Der Zeitaufwand für Planungen und anderen Aufgaben verschlingt viele Stunden, die man einsam und allein an seinem Schreibtisch oder mit Drucker & Laminiergerät verbringt. 
Wenigstens ein Tag in der Woche sollte SCHUL-und SEMINARFREI sein. Und zwar ohne schlechtes Gewissen! 

– Verabschiedet euch von der Perfektion! 
Die perfekte Stunde gibt es nicht. Es wird immer Verbesserungspotential geben, unerwartete Ereignisse, Probleme. Wichtig ist nicht, im Voraus alles lückenlos und fehlerfrei zu planen, sondern im Problemfall spontan reagieren zu können. Wer sich an Planungen klammert, schränkt sich selbst ein und verliert auch die „Freiheit“ im Kopf um flexibel zu sein. Puffer und Alternativen geben Sicherheit. 
Ausnahme: Prüfungen müssen zu 120% durchdacht & durchgespielt werden! 

– Gesteht euch das eigene Unwissen ein & nutzt es!
Gerade zu Beginn der Lehrerlaufbahn ist man leicht von der Komplexität der Fächer und deren Inhalten überfordert. Das eigene Methodenrepertoire ist überschaubar, die Reaktionsfähigkeit z.B. auf Konflikte ebenso. Solange man das aber erkennt und merkt, dass man noch Lücken hat, kann man sich ans Stopfen machen. Gezieltes Belesen, Gespräche mit Kollegen, Selbstversuche….so wird man Stück für Stück kompetenter und sicherer. Niemand ist perfekt! 

Ich wünsche allen, die sich im Referendariat befinden bzw. die es noch vor sich haben: 
Verliert den Mut nicht. 
Glaubt an euch. 
Bleibt ihr selbst. 
Es ist keine einfache Zeit. Man lebt in einer Parallelwelt als Lehrer in der Schule und als Schüler im Studienseminar. Das ist NICHT die Realität eines fertigen Lehrers. Das ist eine Übergangsphase, in der man auf seine Tauglichkeit geprüft wird. Dessen muss man sich bewusst sein. 
Zweifel sind erlaubt – aber man sollte sich nicht von ihnen auffressen und kaputt machen lassen! 

In diesem Sinne: Alles Gute! 
Eure Frau A. 
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Ps.: Dieser Text entstand nach einem Telefonat mit einem derzeit zweifelnden LAA und basiert auf meinen Erfahrungen und den rückblickenden Erkenntnissen, die ich gewonnen habe. Ich könnte dazu noch Stunden weiter schreiben, aber ich denke man konnte einen kleinen Einblick in die Thematik gewinnen. Zu den „Freuden des Referendariats“ komme ich ein andermal 😉 

Es naht: die mündliche Prüfung

16 Apr

Um nicht über die üblen Nebenwirkungen des Prednisons nachzudenken, dass ich in den nächsten Tagen krankheitsbedingt noch einnehmen muss, lenke ich mich heute mal damit ab, in die Zukunft zu schauen.
Nicht die ferne Zukunft, sondern in die nahe.
Was steht in den nächsten Wochen an:

Das große Ganze steht in der nächsten Zeit unter dem Motto „Mündliche Prüfung“.
Dazu steht in der Prüfungsordnung:

(3) Die mündliche Prüfung für das Lehramt an Grundschulen erstreckt sich auf folgende Gebiete:

1. Pädagogik, Allgemeine Didaktik, Pädagogische Psychologie, soziologische Aspekte der
Erziehung, Schulrecht und Dienstrecht (erste Teilprüfung)
2. Didaktik und Methodik der beiden Ausbildungsfächer, die nicht Gegenstand der praktischen Prüfung waren (zweite und dritte Teilprüfung)

Ablauf der mündlichen Prüfung

Im Allgemeinen besteht jede Mündliche aus 2 Teilen:
– Einsprechthema (5min)
– Praxisproblem (20min)

Das „Einsprechthema“ darf man sich vorher frei wählen / ausdenken. Hierbei darf man 5min zu einem selbstgewählten, klar umrissenen Thema sprechen und dieses sowohl fachlich korrekt, als auch praktisch fundiert darlegen.
Vorher muss das Thema eingereicht und genehmigt werden.
In der Prüfung selbst muss man dazu frei und ohne Notizen sprechen.

Das „Praxisproblem“ ist ein von den Prüfern festgelegtes Problem, zu dem man sein Wissen zeigen muss. Dabei handelt es sich um ein grob umrissenes Problem aus dem schulischen Alltag mit Bezug zum jeweiligen Fach.

In Werken könnte das zum Beispiel so aussehen:
„Im Werkunterricht muss die Lehrerin vermehrt Schüler versorgen, die sich beim Sägen mit der Laubsäge verletzen haben.“ [Kurzform]

Dann sollte man sich u.a. mit dem Lehrplan auskennen (In welcher Klassen wird mit der Laubsäge gearbeitet?) und auch sein fachliches Wissen anbringen (Wurde die Säge richtig eingeführt? Welche Probleme kann es bei der Arbeit geben? Wie kann man sie vermeiden? etc. pp.) Das Ganze garniert mit eigenen Praxisbeispielen, fertig!
Mit seinem Wissen sollte man seine 20min Redezeit möglichst vollständig füllen um Fragen der Prüfer zu entgehen. 😉

Zeitlicher Ablauf (soweit ich das verstanden habe):
– 5min Einsprechthema
– Auswahl des Praxisproblems (man hat 2 zur Auswahl)
– 3min Zeit für Notizen zum Problem
– 20min Redezeit (inkl. Fragen, wenn noch Zeit ist)

Jepp. Die Vorbereitung auf die Prüfung ist je nach Fachbereich ganz unterschiedlich. Die Prüflinge in HSK dürfen sich bestimmte Bereiche ankreuzen, in denen sie gerne geprüft werden würden. Die Prüflinge in Mathe (also ich) dürfen lediglich die Klassenstufe angeben, in der sie unterrichtet haben. Und wie es bei D, Werken und im allgemeinen Seminar aussieht, weiß ich noch nicht.

Was ich ein bisschen doof finde: in Mathe könnte z.B. aus Geometrie als Thema drankommen – auch wenn ich das noch nicht einmal selbst im Unterricht durchgeführt habe. Meine Mathementorin macht Geometrie nämlich immer, wenn ich am Studienseminar bin. Also hab ich weder eine Stunde gesehen, noch eine gehalten. Das ist den Prüfern aber egal. Juchu! 😉

ABER: Es gibt noch ein paar Kniffe, die einen retten können, DENN:
Das Thema, das man als Einsprechthema wählt, wird im Anschluss NICHT in den Praxisproblemen vorkommen.

Heißt: wenn ich Geometrie wähle, wird das danach nicht als Praxisproblem vorkommen. Aber ich könnte mich fachlich im Voraus gut vorbereiten…Hm…

Naja, mal abwarten, wie das Ganze laufen wird. Ich habe jetzt meinen Prüfungstermin, meine Prüfungszeiten und auch die Prüfer erfahren. Dabei werde ich nach der Mittagspause dran sein – wenn alle Prüfer hoffentlich schön gegessen haben und entspannt sind 😉

Nachtrag:
Es sind also 3 Teilprüfungen, die zeitlich mit je etwa 30min angesetzt sind. Also 1,5h Prüfung mit jeweils 30min Pause dazwischen
Nachtrag 2: mein Jahrgang ist der letzte, der nach dieser Prüfungsordnung geprüft wird. Mal sehn wie’s danach wird 😉
.

Also Planung für die nächste Zeit:

– Einsprechthemen überlegen und einreichen
– Einsprechthemen vorbereiten und einüben
– Lehrpläne auswendig lernen (zumindest grob)
– …

Jepp. Das Problem, das ich noch sehe ist: WANN zum Teufel soll ich das machen und WANN soll ich dafür lernen? Der Schulbetrieb geht ganz normal weiter, ich muss ganz normal noch ins Seminar fahren und alles andere läuft auch ganz normal.

Motivation?
In 5 Wochen ist es vorbei!
(Natürlich nur theoretisch – das Ref geht offiziell bis 31.7.-aber in 5 Wochen sind ALLE Prüfungen durch und ich kriege mein Zeugnis)

In diesem Sinne: auf in die letzte Phase der Lehrerausbildung! 🙂

Resozialisierung

17 Mrz

Nachdem die ersten 2einhalb Monate des Jahres massiv stressgeplagt waren (Abschlussarbeit, 2. Lehrprobe, Prüfung) und ich mein Arbeitszimmer selten bis nie verlassen habe, findet langsam die Wiedereingliederung in die normale Menschheit statt.

In den letzten Wochen bestand die Woche aus:
– Aufstehen, Fahren, Schule, Fahren, Nickerchen, Schreibtisch, Schlafen
Und das Wochenende aus
– Aufstehen, Essen, Schreibtisch, Essen, Schreibtisch, Schlafen

Damit ist jetzt Schluss! 

Aus dem massiven (und wenn man nach der Note geht VÖLLIG unnötigen, weil nicht erfolgreichen) Arbeitsaufwand entstand eine massive Einigelung, sodass ich außer meinen Kollegen und meinem Freund so gut wie niemanden mehr zu Gesicht bekommen habe.
Freunde? Keine Zeit.
Familie? Tut mir leid.
Putzlappen? Nee danke.

Jetzt, wo sich der Stress langsam verflüchtigt und ich „nur“ noch die normalen Stundenplanungen machen muss, kann ich wieder aufatmen und genehmige mir ein paar soziale Kontakte. Das freut mich vor allem für Schatzi, weil er in den letzten Wochen überall ohne mich auftauchen musste und in Dauerschleife „Sie schreibt gerade Abschlussarbeit/Lehrprobenentwurf/Prüfungsentwurf“ runterbeten musste.

Jetzt bin ich wieder da und kann selbst von meinen großartigen Taten berichten 😉
Na gut, wenn jemand nach der Prüfung fragt, sage ich trotzdem nur „Bestanden“ – die Noten gehn mir einfach nicht über die Lippen. Sollte ich irgendwann damit klarkommen werde ich sie sagen, aber solange mich das noch so sehr grämt bleiben sie unter Verschluss. 

Nun ja. Dieses Wochenende stand also die massive Resozialisierung auf dem Programm…:

Freitag: 
– Schatzis Eltern und Schwester besuchen.
Besonders seine Schwester (3.Klasse) hing an mir wie eine Klette und freute sich wahnsinnig, mich endlich wieder zu sehen. Sie erzählte mir Geheimnisse, wollte meinen Rat, zeigte mir neue Sachen und verabschiedete sich – wenn auch widerwillig- mit den Worten „Schön dass du da warst, kommst du morgen wieder???“  – was kanns schöneres geben?!

Samstag: 
– Shopping mit Mutti & Schwester
Unser letzter Mädelsausflug war schon so lange her, dass ich mich kaum dran erinnern kann. Das liegt einerseits an meinem Arbeitspensum, andererseits am Arbeitsplatz meiner Schwester, der in den letzten Jahren ein Kreuzfahrtschiff mit weltweiten Zielen war. Also haben wir die Chance genutzt und waren ne Runde einkaufen, quatschen, Tee trinken. Sehr schön! Gekauft hab ich nicht viel – ich geb mein Geld bekanntermaßen ja lieber für Benzin aus… 😉

– Besuch bei Freunden
Auf dem Heimweg setzten mich die Mädels ab, ich sprang zu Schatzi ins Auto und düste mit ihm ohne Pause direkt zu unseren Freunden. Die habe ich NOCH länger nicht mehr gesehen – und war dementsprechend völligst entzückt über die Entwicklung ihrer beiden Kinder. Schon verrückt, wie schnell das alles geht. Inzwischen kann man sich mit dem Großen (wird dieses Jahr 3) richtig unterhalten…und sich über sein Geplapper amüsieren. Als er seinen Teddy mit den Worten „Er ist wieder gesund. Er hat Vitamiiiiiine gegessen!“ aufrichtete, lag ich vor Lachen in der Ecke. Hallo? Vitamine? Herrlich! 🙂
Und auch so war es schön, einfach so quatschend auf der Couch zu hocken und zusammen zu sein.

Sonntag 
– Schatzi-Tag
Normalerweise hat Schatzi sonntags immer gegen Nachmittag die Wohnung verlassen, damit ich in Ruhe meinen Schreibkrams erledigen konnte. Heute blieb er da. Wir haben zusammen gefrühstückt, ein bisschen aufgeräumt, gequatscht und waren einfach mal zusammen. Das war auch mal schön.

Die Stundenplanung hab ich wie immer auf den späten Abend verlegt, gleich nachdem ich den Antrag zur Reisekostenerstattung ausgefüllt habe.
GLÜCKLICHERWEISE werden die Fahrtkosten nämlich seit 2013 wieder erstattet. Das bedeutet zwar dennoch den massiven Geldverlust von 10 Monaten in 2012, aber immerhin werden 2013 die letzten 8 Ref-Monate noch gezahlt.
Um den Antrag auszufüllen, wird wohl mindestens Abitur und n Internetzugang vorausgesetzt – sonst ist man kaum in der Lage, das Ding zu bewältigen.
384.000 verschiedene Sachen muss man da angeben, ausfüllen, eintragen…irre!
Ich hab’s nach bestem Wissen und Gewissen gemacht – mal sehn ob mein Chef mich morgen auslacht weil alles falsch ist – oder ob er das Ding ohne Mängel unterschreiben kann…ich bin gespannt.
SOLLTE der Antrag so durchgehen, wie ich ihn gestellt habe, werd ich endlich mal was zurück kriegen von den dicken Ausgaben der letzten Monate. Wie gesagt, allein der Sprit für Januar war 360€ wert. Und da waren noch anteilig Weihnachtsferien dabei. Verrückt, wirklich. ABER: ich will mich nicht beschweren. Die Fahrtkosten werden ab 2013 wieder erstattet und das freut mich sehr sehr sehr! Eine kleine Entlastung von dem Belastungsberg – juchu!

In diesem Sinne grüßt: eine teilresozialisierte und ganz zufriedene
Frau A.

Einatmen, ausatmen, ruhig bleiben.

11 Mrz

Das ist gerade meine Devise. 
Habe ein komisches Gefühl im Bauch und bin ein bisschen hibbelig. Jetzt schon. Na prima. Wahrscheinlich werde ich diese Nacht kein Auge zu kriegen – letzte Nacht war’s schon schwer zu schlafen. 
Status heute: 
– pünktlich die Entwürfe abgegeben
– Tafelbild für Deutsch halb vorbereitet 
– Raum ein bisschen aufgeräumt 
– Lösungsblätter gestaltet 
– Tafelkarten fertig gemacht 
– Kopien geschnibbelt & geordnet 
– …

Was ist noch zu tun: 
– Ablauf für meinen Tisch vorbereiten
– Reflexionsbogen für die Auswertung vorbereiten
– Sachen einpacken 
– Lebensmittel zum probieren nicht vergessen 
– Ablauf nochmal genau durchgehen
– To-do-Liste für die Pause schreiben 
– Material für HSK ordnen 
– cool bleiben

Jupps. Eigentlich war ich bisher ganz zufrieden. Dann fiel mir ein, dass die Lösungsblätter bestimmt auch in den Entwurf gemusst hätten. Und dass im D-Entwurf der Sitzplan fehlt (den ich aber nicht planen konnte, weil wir heute erst die Tischgruppen gestellt und das mit dem Lernpartner in dieser Form ausprobiert haben) – aus einer der beiden Sachen wird mir morgen bestimmt n Strick gedreht. 

Meine Ziele für morgen – neben cool bleiben- : 
– nichts zerreden, klare Anweisungen geben 
– auf die Zeit achten 
– in der Auswertung zu meiner Planung stehen 
– NICHT heulen (!!!) 

Jepp. Ich sitz echt die ganze Zeit da und muss mich anstrengen, meine Schultern runter zu drücken, weil ich so angespannt hier sitze. Total verrückt. 

Aber was mich freut: 
Von überall bekomme ich gerade „Viel Erfolg“-Nachrichten. Sogar eine Fachleiterin hat mir geschrieben, dass sie mir alles Gute wünscht. Das freut mich sehr. Wenn das Handy blinkt und über Facebook, Twitter oder SMS was Nettes reinkommt…schön! 🙂 

Ich hoffe, dass ich morgen positives zu berichten habe. Nach den langen Nächten und der Vorbereitung wäre ich sehr enttäuscht, wenn das morgen nicht klappen würde. Das wäre echt blöd. Sicher ist das Ziel: „Hauptsache bestehen“ – aber ich hätte schon gerne zweistellige Notenpunkte am Ende. Nicht wieder 4 und 5 Punkte. Da müsste ich dann wirklich heulen 😉 

Nun ja. Ich mach mich mal an die letzten Aufgaben – vielleicht komme ich heute mal vor Mitternacht ins Bett. Daran glauben tu ich aber noch nicht 😉 

In diesem Sinne: bis morgen!
Daumendrückzeiten: 
D: 8:20-9:05
HSK: 9:20-10:05
Reflexionszeit für mich (allein): bis 10:45
Reflexion vor der Prüfungskommission: ab 10:45 bis 12:45 maximal
Notenverkündung: gegen 13:00 schätzungsweise

Ich mach dann mal weiter mit Vorbereitung und 
einatmen, ausatmen, ruhig bleiben. 
einatmen, ausatmen, ruhig bleiben. 
einatmen, ausatmen…..