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Linktipp: Ein Studienreferendar erzählt

29 Jul

Auch in Sachsen ist nicht alles Gold was glänzt. Gymnasiallehrer sollen z.B. in Grundschulen unterrichten…eine von vielen weitere Schweinereien.
Das Gute: die Referendare machen endlich auch die Öffentlichkeit darauf aufmerksam…aber lest selbst!

http://www.l-iz.de/Bildung/Leipzig%20bildet/2013/07/Ein-Studienreferendar-erzaehlt-50039.html

Liebe Grüße,
Frau A. 🙂

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Die Schrecken des Referendariats

23 Apr

„Die Schrecken“ – ja, Mehrzahl, denn Schrecken gibt es in dieser Zeit der permanenten Ausnahmesituationen einige. 

Nicht nur dass man sich an eine neue Situation gewöhnen muss, neues Kollegium, neue Mitreferendare, neues Umfeld, neue Aufgaben. Nein. Man verändert sich auch vom eigenständigen Studenten wieder zurück zum „Schüler“. Man wird wieder der Schüler von Fachleitern und Mentoren, zu denen man aufblicken und deren Erwartungen man erfüllen will, soll, muss. 

Welche Früchte das tragen kann, sehe ich derzeit in meinem Umfeld. 
Da werden aus motivierten, eigenständigen jungen Menschen plötzlich ängstliche, unsichere und von Selbstzweifeln zerfressene Wracks. 
Wahnsinn. 

Doch woher kommt die wachsende Unsicherheit, das Zweifeln, die Angst? 

Ich glaube das größte Problem ist der Druck, den man sich selbst mit Beginn des Referendariats auferlegt. Man ist sich dessen bewusst, dass dies der letzte Schritt auf dem Weg zum „richtigen“ Lehrer ist, man weiß dass es Noten gibt, man weiß um die Bedeutung des Ganzen. 
Und mit diesem Bewusstsein erlegt man sich unbewusst Zwänge auf. 
Welche?
– „Ich muss das dringend noch laminieren!“
– „Irgendwie klingt das doof, das muss ich ändern!“
– „Was würde die Fachleiterin wohl gerne sehen?“
– „Habe ich genug außergewöhnliche Methoden eingebaut?“
– „Sind alle Handlungsebenen ausgeschöpft?“
– „Reicht die Differenzierung aus?“
– „Erreiche ich ALLE Schüler mit dem Inhalt?“
– „Sieht das gut aus?“

…und und und. 

Man hockt stundenlang an eigentlich einfachen Planungen. 
Man spielt tausend Szenarien durch. 
Verschiebt, ändert. 
Das Hirn verknotet sich. 
Man bekommt das Gefühl, dass einem das alles zu viel wird. 
„Ich kann das nicht.“
„Ich schaff das nicht.“
„Ich will nicht mehr.“
Angst und Panik vor den anstehenden Aufgaben. 

A propos. 
Zu dem wenig anmutenden Stundenpensum in der Schule (in Thüringen 15 Stunden) kommen noch die regelmäßigen Aufträge (z.B. Vortrag halten) vom Seminar. 
„Werde ich bewertet?“
„Was wollen die sehen?“
„Wie detailliert mache ich das Handout?“
„Welche außergewöhnlichen Dinge kann ich zeigen?“
„Wie präsentiere ich mich am Besten?“
„Wird das die anderen überhaupt interessieren?“

Dann wird über eigentlich fertigen und bereits erfolgreich gehaltenen Entwürfen gebrütet. Überlegt. Verändert. Verworfen. 

Aus Mücken werden Elefanten, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht…und zweifelt. 
Zweifelt an sich, dem System, dem Berufswunsch, der Zukunft, allem. 

Nun, was kann man dagegen tun? 
Manche lassen sich von all dem runterziehen und schmeißen hin. 
Manche sprechen mit anderen über ihre Probleme / Gefühle und merken dann: 

Ich bin nicht allein! 

Es geht den anderen ganz genauso. Bei keinem ist alles super, prima, toll. Alle spüren den Druck, die Erwartungen, die Anforderungen. Keiner fühlt sich permanent allen Dingen gewachsen und kann problemlos parieren. 

Deshalb mein Rat: 
– Nehmt euch Zeit für euch selbst! 
Oft vernachlässigt man sich (z.B. was den Schlaf betrifft) zugunsten von Dingen, die im Nachhinein weder gewürdigt noch gewertet werden. 

– Nehmt euch Zeit für Freunde & Familie!
Die Gefahr der sozialen Vereinsamung ist groß. Der Zeitaufwand für Planungen und anderen Aufgaben verschlingt viele Stunden, die man einsam und allein an seinem Schreibtisch oder mit Drucker & Laminiergerät verbringt. 
Wenigstens ein Tag in der Woche sollte SCHUL-und SEMINARFREI sein. Und zwar ohne schlechtes Gewissen! 

– Verabschiedet euch von der Perfektion! 
Die perfekte Stunde gibt es nicht. Es wird immer Verbesserungspotential geben, unerwartete Ereignisse, Probleme. Wichtig ist nicht, im Voraus alles lückenlos und fehlerfrei zu planen, sondern im Problemfall spontan reagieren zu können. Wer sich an Planungen klammert, schränkt sich selbst ein und verliert auch die „Freiheit“ im Kopf um flexibel zu sein. Puffer und Alternativen geben Sicherheit. 
Ausnahme: Prüfungen müssen zu 120% durchdacht & durchgespielt werden! 

– Gesteht euch das eigene Unwissen ein & nutzt es!
Gerade zu Beginn der Lehrerlaufbahn ist man leicht von der Komplexität der Fächer und deren Inhalten überfordert. Das eigene Methodenrepertoire ist überschaubar, die Reaktionsfähigkeit z.B. auf Konflikte ebenso. Solange man das aber erkennt und merkt, dass man noch Lücken hat, kann man sich ans Stopfen machen. Gezieltes Belesen, Gespräche mit Kollegen, Selbstversuche….so wird man Stück für Stück kompetenter und sicherer. Niemand ist perfekt! 

Ich wünsche allen, die sich im Referendariat befinden bzw. die es noch vor sich haben: 
Verliert den Mut nicht. 
Glaubt an euch. 
Bleibt ihr selbst. 
Es ist keine einfache Zeit. Man lebt in einer Parallelwelt als Lehrer in der Schule und als Schüler im Studienseminar. Das ist NICHT die Realität eines fertigen Lehrers. Das ist eine Übergangsphase, in der man auf seine Tauglichkeit geprüft wird. Dessen muss man sich bewusst sein. 
Zweifel sind erlaubt – aber man sollte sich nicht von ihnen auffressen und kaputt machen lassen! 

In diesem Sinne: Alles Gute! 
Eure Frau A. 
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Ps.: Dieser Text entstand nach einem Telefonat mit einem derzeit zweifelnden LAA und basiert auf meinen Erfahrungen und den rückblickenden Erkenntnissen, die ich gewonnen habe. Ich könnte dazu noch Stunden weiter schreiben, aber ich denke man konnte einen kleinen Einblick in die Thematik gewinnen. Zu den „Freuden des Referendariats“ komme ich ein andermal 😉