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„Was braucht ein Referendar?“

13 Aug

…und was braucht er NICHT?! 😉

Da in letzter Zeit vermehrt – wohl durch den Beginn einer neuen Runde Referendariat – Suchanfragen dieser Art zum Blog führen, möchte ich den scheinbar vorhandenen Bedarf mal decken.

Also: Was braucht ein Referendar? 

Zunächst einmal: es ist ganz normal, dass man sich zu Ref-Beginn mit diversen Sachen eindecken will. „Oh Gott, ich brauche noch dies und das und jenes!“ – Ging mir genauso. Meine erste richtige „Lehrer“-Bestellung machte ich damals bei TIMETEX. Was ich mir genau bestellt habe, könnt ihr HIER nachlesen.
Aber was habe ich davon wirklich behalten und genutzt?
Häufig: Füller, Kuli, Timetex-Beutel, Kleber, Markierungs-Streifen, Klebemagnete
Selten: Knetkleber Elastofix
Nie: Referendar-Heft, Lehrer Werkzeug Box Profi

Eine Auflistung der Dinge, die ICH vor Ort habe, findet ihr HIER. Aber nicht erschrecken 😉

Viele Dinge, die man auf den ersten Blick toll findet, stellen sich dann in der Praxis als total sinnlos heraus. Das gilt für Bücher, genauso wie für Materialien, Hefte, Trallala.

Was braucht man nun wirklich? 
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1. Bücher / Zeitschriften
Verkneift es euch, Infobücher wie „Überleben im Referendariat“, „Kursbuch Referendariat“ etc. zu kaufen. Zumindest kurz bevor es losgeht – da bringt es euch sowieso nichts mehr, weil ihr in kürzester Zeit 1000 andere Sachen im Kopf haben werdet & das Buch nur in der Ecke verstaubt. Also dazu ein dickes: NEIN!
Stattdessen: Tauscht euch untereinander aus. Mit Refs die schon weiter sind, mit den anderen Refs aus eurem Jahrgang, egal. Das bringt wesentlich mehr als ein steriles Buch. 

Ein weiteres NEIN geht an diverse Grundschulzeitschriften. Im Ref habt ihr keine Zeit, die Dinger zu lesen – auch wenn sie toll sind, und auch wenn ihr sie günstiger kriegt!

Wozu ich JA sage, sind definitiv die Lehrerhandbücher/Handreichungen zu den Materialien mit denen ihr im Unterricht arbeitet. Dort findet ihr sinnvolle Ideen, Verknüpfungen und ggf. auch Zusatzmaterialien. Sicher nicht immer günstig, aber als Referendar bekommt man meist 50% Rabatt & kann sich die Sachen dann leisten.
Ein weiterer absoluter Gold-Tipp ist gerade für die Grundschule ein Account beim „Zaubereinmaleins“ – dort findet ihr auch hilfreiche Tipps und Ideen und könnt euch einiges an Material selbst herstellen, statt teuer zu kaufen. Voller Zugriff kostet EINMALIG 20€…und ist es definitiv wert, glaubt mir!

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2. Büromaterial 
Was man DEFINITIV haben sollte sind: 
Bleistift, Füller, Patronen, Kuli, Lineal, Rotstift, Tipp-Ex, Locher, Tacker, Drucker, Druckerpapier, Ersatzpatronen für den Drucker (geht schneller leer als man denkt!), Blöcke, Markierstifte, farbige Papiere, Ordner, Klarsichtfolien, Notizzettel, Klebestreifen, Laptop, Internetzugang, E-Mail-Postfach –
…und vor allem ORDNUNG in all diesen Sachen. Dazu habe ich mir HIER Gedanken gemacht – das „Magazin“ nutze ich heute fast täglich! Definitiv Gold wert!

Was man haben KANN, aber NICHT MUSS: 
Laminiergerät (Erhöht Wiederverwendbarkeit der Materialien)
Handhebelschere (Ich liebe sie – erleichtert das Schnippeln massiv!)
Doppelseitige IKEA-Bilderrahmen (z.B. für Gruppenarbeiten etc.)
Kisten, Boxen, Aufbewahrungen für Material
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…mehr ist es eigentlich (zumindest für mich) nicht. Ich denke, dass man die ganzen Sachen ruhig angehen, und sich nicht verrückt machen (lassen) sollte. Was man genau braucht, sieht man dann relativ schnell – und kann es sich dann besorgen. Sich im Voraus mit 1000 Sachen einzudecken beruhigt zwar ein bisschen das Gewissen, schont aber weder den Geldbeutel noch die Umwelt. 

Deshalb: ruhig bleiben, abwarten, Grundausrüstung besorgen und dann flexibel reagieren.

Liebe Grüße,
Frau A. (die auch VIEL ZU VIEL Sachen vor und im Ref gekauft hat…und jetzt den Fehler zu Beginn des „richtigen“ Lehrerlebens wieder macht 😉 )

Übrigens: was die Lehrertasche betrifft – ausprobieren ist da ganz wichtig. Ich würde mir nichts „einfach so“ kaufen, ohne es mal getestet zu haben. Der Rucksack aus meiner Timetex-Bestellung war z.B. unpraktisch für mich. Ich habe mich dann in meinem Kollegium umgeschaut und mich in die – absolut NICHT nach Lehrer aussehende – Tasche meiner Mentorin verliebt…und glücklicherweise eines der wenigen privat verkäuflichen (weil seit 10 Jahren nicht mehr in Produktion) Exemplare aus England importieren können. Es muss also nicht immer ne dicke Lehrertypische-Leder-Umhängetasche sein.

Bleibt euch einfach treu – nicht nur was die Tasche betrifft! 😉

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Abwarten Reloaded

5 Jun

Jetzt beginnt mal wieder so eine komische Zeit, in der man in Gedanken immer wieder abschweift, hofft, wartet.
Worauf?
Auf einen Brief oder einen Anruf, der eine Einladung zum Vorstellungsgespräch beinhaltet.

Am 31.5.2013 sind die Nachreichfristen für die Bewerbungen auf Lehrerstellen abgelaufen. Das heißt, dass die Schulämter momentan gerade damit beschäftigt sind, die Sachen zu ordnen und in Listen nach Noten geordnet zu packen. So stell ich mir das zumindest vor. Keine Ahnung wie das wirklich läuft.

Was ich aber weiß ist, dass in den nächsten 2 bis 4 Wochen in etwa die Vorstellungsgespräche laufen werden. Erfahren habe ich auch, dass man sich durch gute Präsentation dabei um einige Notenpunkte besser machen kann, als es die Zeugnisse aussagen. Das ist ja schonmal nicht schlecht.

In meinem Leben hatte ich bisher ein wirkliches Vorstellungsgespräch. Das war vor inzwischen über 2 Jahren, als ich mich als Erzieherin beworben habe. Vor mir saß eine ganze Kommission (ich glaube 6 oder 7 Leute), die mir Fragen stellten und mich kennenlernen wollten.

Aufgeregt war ich dabei nicht. Ich hatte ja keine Ahnung, was mich dabei erwarten würde. Aber ich war einfach wie immer, plauderte munter drauf los, stellte mich vor, machte meine Ziele klar (ich sagte auch, dass ich das nur als Übergang machen wolle – viele meiner Studentenfreunde haben das bei Vorstellungsgesprächen verheimlicht…). Als ich da raus ging hatte ich ein gutes Gefühl, ärgerte mich ein bisschen, dass ich ein, zwei Sachen nicht erwähnt hatte, aber…prinzipiell liefs gut – und nach nicht mal einer Woche hatte ich die Stelle 😉

Mal sehen, wie es diesmal läuft. Die Einstellungszahlen für meinen Schulamtsbereich sehen schlecht aus, gerade mal 13 Stellen für Grundschule – in einem RIESIGEN Bereich. Und das Schlimmste: sollte mir eine Stelle angeboten werden – egal wie weit weg sie von hier ist – und ich würde sagen „Nee, das ist mir zu weit!“ – dann würde ich einfach rausfliegen und hätte Pech, könnte mich nächstes Jahr nochmal bewerben. Irre, oder?

Im Allgemeinen finde ich dieses ganze System verrückt. Es gibt so viele Schulen, die händeringend Lehrer brauchen, die nicht wissen wie der Unterricht abgedeckt werden soll…und dann sollen nur 13 Lehrer neu eingestellt werden? Das muss ein Witz sein, ein Fehler, anders kann ich mir das nicht erklären.

…und es macht mir auch ein wenig Angst – weil es eben Ranglisten gibt, in denen die Note zählt. Okay, das Vorstellungsgespräch zählt auch, aber die Note schwebt immer über einem. Und die ist bei mir – aus diversen Gründen – ja nicht die Beste. Inklusive Studium (was auch Berechnungsgrundlage für die Gesamtnote ist) bin ich bei ner 2,4. Meine Studienkollegen können mit 1,4 und besser aufwarten. Meine Chancen? Gering.

Also stellt sich wieder die Frage: was mache ich, wenns nicht klappt? Wie überbrücke ich wieder EIN GANZES JAHR? Sollte ich vielleicht doch heuchlerisch in die Kirche eintreten, um an der evangelischen Privatschule einige Kilometer entfernt zu arbeiten?
Nein.
Ich werde nicht lügen, um eine Stelle zu bekommen.
Aber was tun?
Ein bisschen Druck nimmt mir die Tatsache raus, dass ich vorübergehend wieder in der Kunststofffabrik arbeiten kann (und werde). Die nehmen mich mit Kusshand und brauchen mich dringend. Aber die Firma ist weit weg von zuhause, von Schatzi, von Mutti. Ich wäre nur am Wochenende daheim. Blöd.
Das Gute an der Sache ist: ich könnte bei meinem Papa wohnen, hätte also keine doppelten Mietkosten für ne Extra-Wohnung, ich würde meinen Papa öfter sehn. Aber trotzdem: das ist nicht optimal und nicht das, was ich auf Dauer will.

Ich will Lehrerin sein, unterrichten, etwas für die Kinder tun.

Liebes Thüringen, sieh das doch ein und gib mir die Chance, das was ich nun in vielen Jahren gelernt habe, anzuwenden, auszuprobieren und etwas Gutes zu tun!
Bitte lass mich nicht in einem Büro versauern und all meine pädagogischen Ideen und Kniffe wieder vergessen. Bitte lass mich nicht frustriert und am System zweifelnd zurück.
Bitte nicht.

Nun ja, ich habe eine Perspektive und das ist auch gut so. Aber was machen andere? Ich habe schon mehrere Strategien gehört:
– Fahrrad-Verkäufer
– Horterzieher
– Kindergarten
– Hartz4
Letzteres gruselt mich besonders. Wir müssen (sollten wir keinen Job finden) nach 4,5 Jahren Studium, Überbrückungszeit und 1,5 Jahren Referendariat als fertig ausgebildete Lehrer wirklich den Staat um Hartz 4 anbetteln. Arbeitslosengeld gibts für uns nicht, weil wir im Ref verbeamtet waren & nicht in die Versicherung eingezahlt haben. Schlau gemacht. Also Hartz 4. Traumhaft, oder?

Naja, ich warte einfach mal ab und hoffe das Beste. Momentan ärgere ich mich ein bisschen darüber, wie ich die Prioritäten angegeben habe. Meine erste Schulamtspriorität ist sehr weit gefächert. Meine zweite (der SA-Bereich beginnt 2 Dörfer weiter) ist dagegen kompakter…und beinhaltet meine Schule in der ich als Erzieherin war und die (wie ich heute erfahren habe) jemanden einstellen wollen. Arghs!!!

Aber grübeln bringt nichts. Ich muss einfach abwarten was passiert und was sich ergibt. Dabei hoffe ich, dass ich wenigstens EINMAL im Leben Glück habe und etwas bekomme, was nicht unendlich viel Aufwand, Zeit, Mühe und Geld bedeutet. Das wünsche ich mir.

In diesem Sinne: abwarten und Tee trinken!
Liebe Grüße,
Frau A.

Ps.: Meine Artikel und Gedanken zur damaligen Wartesituation (Januar 2012) findet ihr unter anderem HIER, HIER und HIER…und am angekratztesten war ich dann HIER, einen Tag bevor ich HIER die Zusage bekam 😉 Auch ein Grund warum ich meinen Blog so mag – zurück schauen kann sehr interessant sein!

Nachtrag
Kaum schreibe ich diesen Artikel wiederholt sich auf Facebook genau das, was ich in den Verlinkungen von vor anderthalb Jahren erlebt habe.
3 Leute posten freudig: Sie haben Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen.
Ich natürlich nicht. Mir ist schlecht.