Erste-Hilfe-Kurs: Teil 1

3 Aug

Um mich optimal auf die mir bevorstehenden neuen Aufgaben vorzubereiten (und um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten) muss ich an einem 2-tägigen Kurs teilnehmen, der mich fit machen soll in Sachen Erste Hilfe. 

An 2 Samstagen wird dazu ein Berg von Wissen von 8-14 Uhr in meinen Kopf gepustet. 

Heute ging’s los. In einem vergleichsweise kleinen Trüppchen (6 Personen) wurden wir von unserem Kursleiter begrüßt. Als pensionierter Sportlehrer („Ich bin weit über 70!“) verfügte er sowohl über das notwendige Wissen, als auch über eine nicht überhörbare Stimme – einschlafen wäre nicht möglich gewesen. 

Aber: das Bedürfnis hatte ich auch nicht. Im Gegenteil. Ich kam mir heute vor wie ein wissbegieriger Schwamm. Meinen ersten (und letzten) Kurs hatte ich vor mehr als 7 Jahren als Voraussetzung für den Führerschein gemacht – lange her, viel vergessen…und laut Kursleiter hat sich seitdem auch EINIGES verändert. 

Also saß ich heute morgen mit Block und Stift bewaffnet dort und lauschte den Ausführungen. Wie es sich für einen guten Lehrer gehört, folgte nach theoretischen Erläuterungen meist sofort die praktische Umsetzung.  Ich durfte u.a. das Bewusstsein meiner Partnerin überprüfen (am Arm berühren, „Hallo, können Sie mich hören?“ – Zum Glück reagierte sie gleich 😉 Es war wirklich interessant, verschiedene Dinge wieder mal zu hören und auszuprobieren. 

Der Grundtenor war eigentlich immer: wenn man weiß, was man tun muss, dann kann man es schnell und richtig machen & hat so wenig Arbeit wie möglich mit dem Verletzten. Wenn man weiß, was man zu tun hat, kann man selbst auch ruhiger bleiben, als wenn man völligst neben sich versuchen will, zu helfen. 

Neben der Bewusstseinsprüfung ging es heute auch um die anderen Lebenszeichen (Atmung, Bewegung, Puls, Temperatur), Lagerungen und Griffe (Stabile Seitenlage, Oberkörper/Beine hoch lagern, Herzdruckmassage, „lebensrettender Handgriff“). Wir sprachen über Knochenbrüche, Verbrennungen, Erfrierungen und natürlich auch darüber, wie man einen NOTRUF richtig absetzt. 

Entgegen meiner Erinnerung ist nämlich nicht zwangsweise notwendig zu sagen, WER man selbst ist. Dieses W hatte ich noch im Kopf. Stattdessen steht das 5. W für WARTEN auf Rückfragen. 
Würdet ihr aus dem Kopf alle 5 W’s für einen Notruf zusammen kriegen? (*Auflösung am Ende des Artikels) 

Interessant fand ich auch, warum er die Zahlen 
1
10
100
im Zusammenhang mit der Absperrung von Unfallstellen an die Tafel schrieb. Die 100 war mir klar – 100m entfernt muss das Warndreieck aufgestellt werden (bei Kurven, Bergkuppen, Autobahnen gerne auch noch weiter weg). 
Aber 10 und 1?!
Wisst ihrs?! (**Auflösung am Ende)

Im Allgemeinen fand ich den Kurs heute sehr informativ und vor allem anschaulich. Ich (als Lehrerin) konnte einiges an seinem Unterrichtsaufbau & seiner Methodik erkennen und fand, dass er (trotz über 10 Jahren in Rente) noch einen wahnsinnig tollen Job gemacht hat. Wie er selbst sagte: „Es ist schön, auch nach der Zeit im Schuldienst noch Menschen etwas beibringen zu können!“ – und das merkte man ihm auch an. Ich konnte ihn mir förmlich vor einer Schulklasse vorstellen – streng, fordernd, aber auch sehr positiv und wohlwollend. Eben ein richtiger Lehrer. 

Interessant waren aber auch die anderen Kursteilnehmer. Wie ein Mini-Querschnitt durch eine Klasse – und das bei nur 6 Personen. Ich selbst würde mich heute als die Streberin einordnen (mit Block & Stift im Anschlag und immer als Testobjekt vorne). Dann gab es noch „die Schöne Blonde“, den Klassenkasper, den Coolen, den anderen Streber und natürlich auch einen lustlosen genervten Typen, dessen nuschelnde Antworten man kaum verstehen konnte. Nächstes Mal setze ich mich ganz hinten hin, damit ich das Szenario noch ein bisschen weiter studieren kann. Ich beobachte meinen Mitmenschen ja gerne 😉 

Nächsten Samstag geht’s um den Sani-Kasten, Druckverbände, Herzdruckmassage (praktisch), viele andere Dinge…und natürlich eine kleine Prüfung, in der wir unser Wissen und Können beweisen müssen 😉 

Ich freu mich schon drauf, weil es es ne gute Sache ist, sein Wissen wieder aufzufrischen und über bestimmte Dinge nochmal genauer nachzudenken. 

Deshalb mein Appell an euch: auch wenn ihr keine Lehrer seid (die müssen in Thüringen solche Kurse alle 2 Jahre besuchen) – es lohnt sich. Wenn man wirklich mal in eine Unfallsituation kommen sollte, als Erster bei einem Verletzten ankommt – dann kann das Wissen aus einem solchen Kurs wirklich Leben retten. 

Kosten? Wenn man es selbst zahlen muss: 35€, aber meist zahlen das die Arbeitgeber, bzw. die Berufsgenossenschaft. 

Definitiv wertvoll investierte Zeit! 

In diesem Sinne: schönen Abend noch und bis demnächst!
Frau A. 

Hier wie versprochen noch die Auflösungen zu den Fragen: 
* WO geschah es? WAS ist passiert? WIE VIELE Verletzte? WELCHE Verletzungen? WARTEN auf Rückfragen!

**
10 (Meter entfernt von der Unfallstelle beim Helfen den eigenen Wagen abstellen – damit Rettungskräfte näher ran können)
1 (Meter auf der Fahrbahn das Warndreieck positionieren – also nicht am Straßenrand, sondern AUF der Fahrbahn.)

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10 Antworten to “Erste-Hilfe-Kurs: Teil 1”

  1. m0f 4. August 2013 um 22:13 #

    Klingt nach dem Lehrer beim DRK SM, bei dem ich im Winter meine Auffrischung gemacht habe. Abgesehen von ein paar kleinen Logikfehlern, die sich in seine Ausführungen eingeschlichen haben, hat er das Wissen sehr gut vermittelt. Im Übrigen musst du die zweitägige Grundausbildung nur einmal machen und nach zwei Jahren die Auffrischung, die nur sechs Stunden geht.

    Meiner Freundin, die 2010 in EF ihr Studium begonnen hat, wurde geraten bzw. musste sogar die Grundausbildung bereits im Basisstudium absolvieren. Das heißt während dem Studium schon zwei Mal zur Auffrischung, bevor sie überhaupt im Ref ist. Schaden tuts zumineest nicht!

    • m0f 4. August 2013 um 22:21 #

      Achso, unsere Prüfung zum Abschluss des Grundkurs sah folgendermaßen aus: Auffinden eines Verletzten, rütteln und Feststellung Bewusstlosigkeit, Hilfe bei Passanten anfordern, Atmung überprüfen und Herz-Lungenmassage durchführen bis man „Abgeklopft“ wird. Und zwar nicht nur ein Durchgang, sondern zwölf Minuten lang – das ging dann schon an die eigene Kondition, aber im echten Leben muss man eben auch so lange durchhalten, bis der Rettungswagen da ist.

    • bambooos 5. August 2013 um 07:51 #

      Ist ja lustig, dass es noch mehr solche Kaliber an pensionierten Lehrern gibt 🙂
      Während des Studiums ist bei uns „Erste Hilfe“ nicht ein Mal gefallen – wäre wohl zu praxisnah gewesen…

      • m0f 5. August 2013 um 19:43 #

        Wo machst du denn den Kurs? Deine Beschreibung des Herren passt einhundert Prozent auf den Lehrer, bei dem ich in Schmalkalden war.

      • bambooos 5. August 2013 um 19:48 #

        Kann ich dir leider nicht sagen aus Anonymitätsgründen. Schmalkalden war es aber nicht, das kann ich sagen. 🙂

  2. zwischenbuechern 4. August 2013 um 12:49 #

    Ich wusste nur noch 3 der 5 W Fragen – WAS ist passiert, WIE VIELE Verletzte und WO ist es passiert – WELCHE Verletzungen war ebenso raus aus meinem Gehirn wie WARTEN auf Rückfragen 😉
    Mein letzter Erste Hilfe Kurs ist jetzt auch 4 Jahre her, eben auch zum Führerschein. Den hab ich damals als quasi als Kombikurs gemacht – normal Erste Hilfe & Erste Hilfe für Reiter und Pferd, was auch wahnsinnig interessant war und wo ich viel lernen konnte.
    Bei uns war es damals so, dass eine (bei dem Pferd Teil) das Blut nicht sehen konnte und erstmal in Ohnmacht gefallen ist – da konnten wir gleich unfreiwillig unser Wissen vom ersten Tag anbringen 😉

  3. Katecholamin 3. August 2013 um 20:25 #

    „korrekterweise“ gibt es eine Abstufung je nach Art der Straße.
    Geschlossene Ortschaft 50m
    Landstraße 100m
    Autobahn 150m

    Wobei das so oder so nur Richtwerte sind und man im Zweifel an der nächsten Querstraße eh anhalten muss 😉

    Wie sieht’s bei euch mit Fallbeispielen aus?

    • bambooos 3. August 2013 um 20:41 #

      Stimmt! Uns wurde es auch nach der Geschwindigkeit erklärt – also wenn man 130 fährt 130m, bei 110 dann 110m etc.

      Fallbeispiele gabs auch – gefühlte 200 Karten. Wir sollten lesen, überlegen was wir tun würden – und dann hat er die Karten umgedreht, die mögliche „Lösung“ gezeigt & dann ggf. nochmal kurz erläutert. 🙂

      • Katecholamin 3. August 2013 um 20:45 #

        Interessantes System. Ich schick immer 2 Leute raus und wenn ich sie wieder reinhole, finden sie einen oder mehrere Verletzte vor, die sie betreuen/versorgen müssen.
        Je mehr Praktisches ich mache desto besser bleibt es bei den Teilnehmern hängen hab ich das Gefühl.

      • bambooos 3. August 2013 um 21:43 #

        Das ist auch ne gute Idee – mal sehn was uns nächste Woche zur „Prüfung“ erwartet 😉

        Und es ist wirklich so – Reden ist schön & gut. Da sieht alles leicht aus. Einprägen tut sichs nur, wenn man es SELBST tut. Am Besten mehrfach. Ganz wie in der Schule 😉

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