Diskussion: Hausaufgaben – ja oder nein?

30 Jul

Mir wurde gerade von einer Freundin ein Link geschickt – es geht mal wieder um die Diskussion, ob Hausaufgaben beibehalten oder abgeschafft werden sollten.

Hier der Link:

http://www.bild.de/politik/inland/schueler/abschaffen-debatte-deutschland-31588210.bild.html

Irgendwie verstehe ich beide Perspektiven.
Und wenn gerade am Gymnasium nach 8-9 Stunden Unterricht nochmal ca. 2 Stunden Hausaufgaben gemacht werden müssen, dann ist das schon ne große Belastung.
Bei mir sind oft Tränen geflossen, weil mein Kopf einfach überlastet war mit dem Umfang. (Gell, Papa?!) ich hatte aber das Glück. dass ich bei Bedarf jmd hatte, der mir helfen konnte – das hat aber nicht jeder…
Die im Artikel beschriebene Organisationsform finde ich gut, kann aber nur durch das Engagement der Schulleitung & Planer umgesetzt werden – und wenn auch ein Umdenken in den Köpfen der Lehrer geschieht.

Andererseits sind die Hausaufgaben in vielen Familien der einzige Berührungspunkt zwischen Kind, Eltern und Schule. Fallen sie weg, fällt auch das wichtige Thema „Schule“ in den Gesprächen zuhause weg – und die Eltern haben keinen Anlass mehr, sich mit den Aufgaben und schulischen Problemen ihrer Kinder auseinanderzusetzen.

Also mein Kurzfazit: Es muss einen Mittelweg geben. Zu viele Hausaufgaben stressen definitiv, sollten also reduziert werden. In Stoßzeiten am Gym standen Hausaufgaben in Mathe, Deutsch, Englisch und Biologie für den Folgetag an – nachdem man 16:30 aus der Schule nach Hause kam. Gerade in den weiterführenden Schulen könnte sich besser abgesprochen werden – HA für 2 Fächer könnten doch reichen, oder?!

In der Grundschule sieht das schon ein bisschen anders aus. Bei uns wurde täglich eine Mathe- und eine Deutschhausaufgabe aufgegeben. Fertig. Hin und wieder gab es kleine Zusatzaufgaben, wie „Bringe ein Bild von dir als Baby mit“, aber generell beschränken sich die HA auf diese Fächer – und werden von fast allen Schülern (außer den Nicht-Hortkindern) in der Schule erledigt. Einzig die HA von Freitag zu Montag wird unter Aufsicht der Eltern zuhause erledigt – was ich aus o.g. Gründen auch richtig & wichtig finde.
Der Umfang entspricht in etwa den Zeitangaben aus dem Artikel.

Nun zu euch
:
Was ist eure Meinung zu Hausaufgaben? Bist du als Elternteil genervt davon?
An die Lehrer: sprecht ihr euch ab mit den Kollegen oder kocht jeder sein eigenes Süppchen? Könntet ihr euch vorstellen auf HA zu verzichten?

Bin auf eure Meinungen gespannt!

Liebe Grüße,
Frau A.

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18 Antworten to “Diskussion: Hausaufgaben – ja oder nein?”

  1. diereferendarin 1. August 2013 um 11:44 #

    Wir MÜSSEN zu jeder Stunde HA aufgeben. Finde ich total **** . Ich habe selbst ab der 7. Klasse nie mehr Hausaufgaben gemacht, sondern immer schnell vor der Stunde von irgendwem abgeschrieben.
    Ich selbst halte demnach auch nichts von Hausaufgaben aufgeben und werde es garantiert auch nicht bzw. nur seeeehr selten machen, wenn ich hoffentlich irgendwann mal richtiger Lehrer bin. 😉

    • umblaettern 1. August 2013 um 13:10 #

      Ich habe immer bei Grammatik- und Rechtschreibthemen Hausaufgaben gegeben – für Schüler, die üben wollen, sind das immer noch Chancen, das einzuüben. Hatte eigentlich auch nie Probleme, dass die Hausaufgaben nicht gemacht wurden. Wenn sie abgeschrieben waren – so what. Chance vertan, selber Schuld. Aber ich finde schon, dass man den willigen Schülern Übungen geben sollte – man kann nicht erwarten, dass die sich daheim noch welche raussuchen. Vor allem meine Kleinen waren da auch echt scharf drauf, komischerweise.
      Sich Hausaufgaben aus dem Ärmel schütteln, wo sie keinen Sinn machen – völliger Käse, habe ich nach dem ersten Jahr auch nicht mehr gemacht. Aber gar keine aufzugeben finde ich auch nicht sinnvoll. Das rächt sich für dich spätestens beim ersten Elternabend nach der ersten misslungenen Ex, ob das nun an der fehlenden Heimübung lag oder nicht.

  2. Wortakzente/Kinderohren 31. Juli 2013 um 19:02 #

    1. Hausaufgaben von Freitag auf Montag, damit die Eltern mit den Kindern über die Schule reden? Da könnte ich eine Krise kriegen, wirklich! Erstens ist die Schule dauernd Thema, selbst wenn die Kinder in der Grundschule die Hausaufgaben im Hort machen. Aber es gibt genug, was zu Hause gemacht werden muss (lesen üben, Gedichte lernen, blöde Bilder für die Relimappe fertigmalen, die in die Note einfließen (!), irgendwelche Informationen einholen (Elternhausaufgabe, die Kleinen können ja noch nicht alleine Internet oder Lexikon), Blätter sammeln und pressen (gerne einen Tag vor der Abgabe eingefallen), Plakate machen, Berichtigungen machen, Präsentationen vorbereiten …) An unserer Grundschule gibt es gar keine Hausaufgaben von Freitag auf Montag, damit man auch mal am Wochenende etwas unternehmen kann, ohne die Aufgaben im Nacken zu haben. Es gab HA Do-Mo oder Fr-Di, da konnte man es aussuchen, ob man es am Wochenende macht oder nicht.
    2. Im Gymansium habe ich sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder ihre Aufgaben alleine machen, bis auf Vokabeln abfragen und solche Dinge. Erst wenn eine Warnung kam, dass die HA nicht gemacht werden, habe ich verstärkt darauf geachtet, dass die Kinder sie auch wirklich machen. Sie müssen lernen, selbstständig zu werden.
    3. Ich halte es nicht für realistisch, dass die Lehrer sich absprechen, dass es nur in zwei Fächern HA gibt. Die meisten Fächer sind nicht jeden Tag, da müssen die Lehrer an diesem Tag HA geben, in Mathe, Deutsch, Englisch gibt es fast immer Hausaufgaben.
    4. Ich halte HA teilweise durchaus für sinnvoll. Erst allein daheim merken die Kinder, ob sie wirklich kapiert haben, wie die Matheaufgabe gerechnet wird. Erst daheim merken sie, ob sie wirklich kapiert haben, welche Zeitform sie einsetzen müssen etc. Aber trotzdem finde ich, dass es oft überhand nimmt. Das Kind merkt das auch bei drei Aufgaben, es müssen keine zehn zum gleichen Problem sein.
    4. Meine Söhne sind gute Schüler und haben selten übermäßig lange gebraucht, aber ich habe von vielen Familien anderes gehört. Es darf nicht zu einer Quälerei werden.
    5. Ich hasse unnötige Aufgaben. Jeder Lehrer erwartet im Gymnasium in den niedrigeren Klassen einen Hefter mit dekoriertem Titelblatt. Da reicht es nicht, das Fach draufzuschreiben, nein, da sollen bitteschön Bilder ausgedruckt und aufgeklebt werden oder selbst etwas gemalt. Wozu?
    6. Diese ganzen Elternaufgaben gingen mir manchmal gewaltig auf die Nerven.
    Nein, liebe Grundschullehrer, wir haben keinen ganzen Stapel Bilder unserer Kinder parat liegen, die wir mit einem Griff haben. Da müssen Bilder herausgesucht werden (Porträt? Ganzkörper? Baby? Was darf es dieses Mal sein? Meistens weiß es das Kind nicht so genau), früher mussten wir sie noch einscannen, dann ausdrucken, aber bestimmt ist gerade eine Druckerpatrone leer (Farbpatonen sind ja auch nicht gerade billig). Vielleicht können die Nachbarn es schnell ausdrucken, also auf einen Stick speichern und schnell rüberrennen – kleine Dramen, immer wieder.
    In der 5. Klasse sollten zu Schuljahresbeginn in Deutsch, Englisch und Latein Bilder für Plakate mitgebracht werden. Wir haben ja sonst nichts zu tun.
    Die Grundschüler messen auch nicht alleine ihr Kinderzimmer aus und machen einen Grundriss davon.
    Die Kinder ziehen nicht alleine los und sammeln Blätter und Blumen und pressen sie.
    Zweiklässler ziehen kein Lexikon aus dem Regal, schlagen mal eben einen Begriff nach, lesen alleine den Text, reduzieren das Gelesene auf das Wesentliche und notieren sich das alleine in Stichworten. Das gilt auch für Internetrecherchen.
    Und die Kinder, bei denen keiner hilft, stehen dann ohne Aufgaben da …
    Fazit:
    – Hausaufgaben sollten so lang sein, dass die Kinder merken, ob sie es begriffen haben oder ob sie noch einmal nachfragen müssen. Sinnlose Wiederholungen sind dagegen nicht nötig.
    – Hausaufgaben sollten mit dem Stoff zu tun haben. Hefter verzieren etc. sollte nicht in die Note einfließen und freiwillig sein.
    – Der absolut überwiegende Teil der Hausaufgaben sollte von den Kindern selbstständig bearbeitet werden. Wenn AB UND ZU für etwas Besonderes (ein Projekt) die Hilfe der Eltern erforderlich sein sollte, ist das aber okay.
    – Wenn Eltern und Kinder nur miteinander über die Schule reden, weil irgendwelche Hausaufgaben zu machen sind, läuft etwas gründlich schief! Man redet doch dauernd über die Schule, manchmal ist das Thema viel zu dominant.
    Puh, das ist lang geworden!)

    • bambooos 31. Juli 2013 um 19:59 #

      Lang, aber richtig.
      Danke für deinen Beitrag! 🙂

    • umblaettern 1. August 2013 um 06:16 #

      Ich habe mit meinen Schülern (zugegeben bisher Fünfte bis Siebte) abr auch erlebt, dass sie ein extremes Maß an Selbstständigkeit gezeigt haben). Ich habe meine dritte Schulaufgabe durch ein Projekt ersetzt zum Thema Märchen, bei dem die Schüler in Gruppen Theaterstücke einstudieren konnten beziehungsweise Hörspiele gestaltet haben. Ich habe zwar gesagt, dass sie viel in der Schule machen sollen, damit die Eltern da nciht so viel mit eingrifen (schließlich ist es ja die Schüler-, nicht die Elternnote), aber was Eltern dann am Elternabend den Tag vor der Präsentation an mich herangetragen haben, war mehr als überraschend für mich:

      Eltern aus mehr als einer verschiedenen Gruppe berichteten mir, dass ihre Kinder sich träfen, Requisiten in ihre Kinderzimmer schleppen würden, Bilder von Schlössern usw. malen und wenn sie nachfragen, machten grundsätzlich alle diese Kinder ein Megageheimnis daraus und sagten: Nein, das machen wir ganz alleine. Heraus kamen dabei Hörspiele und Theaterstücke, die so liebevoll und kreativ waren, dass es mich fast vom Hocker gehauen hat. (5. Klasse)

      Gleiches Spiel in der Siebten (Kurzfilm oder Fotostory zu einem deutschen Liedtext entwerfen) – ich hatte damit gerechnet, die Schüler sehr viel unterstützen zu müssen, aber die haben alles selbst gemacht. Das einzige, was die Eltern hier manchmal machen mussten, war, die Kinder an einen Drehort zu fahren (Baggersee oder solche Sachen).

      Manchmal unterschätzt man auch, was Kinder selbst können und was nicht. Blätter und Blumen sammeln halte ich (zumindest hier am Dorf) für etwas, was sie sehr wohl eigenständig machen können, auch schon in der ersten Klasse. In der Stadt ist das schon wieder eine ganz andere Sache.

      Ordner hübsch bemalen finde ich jedoch tatsächlich eine absolute Schwachsinnsaufgabe – die, dies hübsch wollen, machen das dann eh mal von selbst. Ich wollte das auch nie, obwohl es andere Lehrer gerne gemacht haben – mir hat gereicht, wenn alle Blätter eingeordnet waren (;

  3. Kathrin 31. Juli 2013 um 14:57 #

    Ich arbeite an einer städtischen Brennpunktgrundschule. In meinen Klassen sind viele Kinder, deren Eltern sich nicht interessieren oder die aus den verschiedensten Gründen nicht helfen können (sprachliche Schwierigkeiten, Analphabetismus…). Trotzdem bekommen die Kinder von mir in Mathe jeden Tag (Mo-Do) Hausaufgaben auf (individuell) und auf das ganze Jahr habe ich insgesamt vielleicht eine handvoll vergessene Hausaufgaben. Es kann mal sein, dass Kind A eine andere Aufgabe macht, als die, die ich ihm gegeben habe, weil sie zu Hause doch nicht so klar war, aber das haben schon die Erstklässler wirklich selbstständig und gut im Griff. Wenn die Kinder bei uns nicht von Anfang an selber die Verantwortung für IHR Lernen übernehmen, dann lernen sie es auch später nur selten. Und wenn aus ihnen etwas werden soll, dann sind die meisten Kinder auf sich selbst gestellt. Ich achte darauf, dass die Kinder Hausaufgaben bekommen, die sie eigenständig leisten können. Und wir beschränken uns auf Mathe und Deutsch.

  4. Petra Elias 31. Juli 2013 um 10:35 #

    Mutter von 3 Buben an 3 verschiedenen Schulen in Leipzig (durch unser „glorreiches“ teilendes Schulsystem)
    Wir haben und wollen keinen Fernseher, keine Wii, keinen Gameboy, keinen Drucker und kein Auto.

    Hausaufgaben empfinde ich persönlich als Hausfriedensbruch. Ich würde mich lieber mit meinen Söhnen über erfreulichere Themen unterhalten, jedoch nimmt die Schule soviel Raum ein, das die persönlichen Interessen der Kinder meistens außen vor bleiben. Es ist bei weitem nicht so, das die Themen der Schule, jegliche Interessen der Kinder mit abbilden und dann auch nicht im gewollten Umfang. Was verständlich ist, da dies nicht die Aufgabe von Schule ist.

    Hausaufgaben bedeuten bei uns Stress. Irgendwas soll noch recherchiert, kurz mal ausgedruckt, ausgeschnitten, aufgeklebt, ausgemalt oder „schön“ gemacht werden (Horror pur für die Knaben). Weil Aufgaben nicht richtig verstanden wurden, gibt es endlos Telefonate mit Klassenkameraden oder Müttern.

    Ehrlich, ich kann mir meinen Feierabend mit den Kindern angenehmer vorstellen. Gemeinsames Spielen bleibt viel zu oft auf der Strecke.

    Gewiss könnte man sagen, wir seien eine Ausnahme, jedoch kann Schule und sollte auch nicht die Aufgaben von Eltern übernehmen. Schon gar nicht mit der Erklärung, die Eltern würden dies nicht wahrnehmen. Wenn dort mehr Gemeinsamkeit gefördert werden soll – dann ladet bitte die Eltern mit ein in die Schule, lasst sie in der Schule am Leben der Kinder teilhaben. Wenn das nicht gewollt ist, sollte auch nicht „gemeckert“ werden. Schulpflicht wird durch den Staat bestimmt und wird im Schulhaus ausgeübt und so sollte es bleiben, samt Hausaufgaben.

    • diereferendarin 1. August 2013 um 11:49 #

      Schlag doch mal den Begriff ganzheitliches Lernen nach oder die Bildungsvorstellung Alexander von Humboldts.

  5. umblaettern 31. Juli 2013 um 07:57 #

    Bei uns gab es die Regelung, dass ein Schüler insgesamt nicht über soundsoviele Minuten Hausaufgaben am Tag hinauskommen sollte. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Minuten das waren, weil wir über 45 eh nie hinaus kamen (der Wert lag, meines Wissens, auf jeden Fall höher als das). Jeder Lehrer musste im Klassentagebuch eintragen, was Hausaufgabe war und wie lange die geschätzt dauert. Hat wirklich gut funktioniert. Ganztagesklassen hatten grundsätzlich keine Hausaufgaben, sondern zusätzliche Übungsstunden.

    Ich hatte in meinen Sprechstunden sowohl Eltern, die mir erzählt haben, dass sie mit ihrer niedrigeren Schulausbildung dem Kind bei den Aufgaben im Notfall gar nicht helfen können als auch Eltern, die sich beschwert haben, dass nicht täglich Aufgaben aufgegeben wurden. (Wenn ich keine brauche, saug ich mir doch nix Sinnfreies aus den Fingern… -.-) EIne Freundin berichtete mir aber auch, dass ihre Betreuungslehrerin von ihr verlangte, jeden Tag Hausaufgaben aufzugeben und dass sie sich oft etwas ausdenken musste, was sie selbst nicht sinnvoll fand.

    An Waldorfschulen ist das Thema Hausaufgabe ja sowieso noch einmal ein ganz anderes – überfrachten werde ich meine Kleinen sicher nicht.

  6. diewiderspenstige 30. Juli 2013 um 19:17 #

    Mal die Schülersicht (Gymnasium G8 – Oberstufe, Ba.-Wü.):

    Hausaufgaben sind meiner Meinung nach schon sinnvoll, auch wenn sie bei einer 40-Stunden-Woche der Zeitfresser Nr.1 sind. Aber wie soll man sonst lernen, sich Dinge in Ruhe alleine (!) zu erarbeiten? Und an dem Satz „Ubung macht den Meister“ ist wohl oder übel halt auch was dran – ich würde ohne Hausaufgaben nämlich freiwillig keine Matheübungen machen… 😀

    Allerdings gibt es auch die kompletten „Sinnlos-Hausaufgaben“, bei denen man das Gefühl hat, dass der Lehrer einfach irgendetwas aufgibt, Hauptsache, die Schülerchen sind beschäftigt.
    Aber hier habe ich oft einfach selbstständig aussortiert, entschieden, was wichtig ist und was ruhig liegen bleiben kann 🙂
    (Geht eher nur in den höheren Klassen, wenn die Lehrer keine Strichlisten mehr darüber führen 😉 )

    Und in der Grundschule fand ich Hausaufgaben meistens sogar toll 😀 (Bin ein komisches Kind, ich weiß 🙂 )

  7. selma 30. Juli 2013 um 17:37 #

    fürs bayerische gymnasium: wenn das kind zu lange (wiederholt in mehreren fächern weit über die richtzeiten hinaus) an den hausaufgaben sitzt, dann trödelt es meist herum – dann sind hausaufgaben ein gutes tool, um arbeitsverhalten einzuüben und die konsequenzen von frustrationstoleranz und durchhaltevermögen vs. faulheit (gute noten vs. stress und schlechte noten, sehr arg runtergebrochen) zu erfahren. falls das kind sich bemüht und trotzdem in mehreren fächern in den richtzeiten nicht alleine klar kommt, so sollte ernsthaft über einen wechsel der schulform nachgedacht werden. wir haben viele schülerinnen und schüler, die selbst unter dem geschrumpften anspruchsniveau des aktuellen g8 (vs. das niveau des g9 mit sehr viel (!) geringeren übertrittsquoten) kognitiv völlig, aber wirklich völlig überfordert sind. diese leiden dann freilich auch entsprechend. eltern mit augenmaß fürs eigene kind sind leider nicht immer gegeben.

  8. jezabelbotanica 30. Juli 2013 um 15:06 #

    hallo,
    ich mag es, wie die „Hausaufgaben-Frage“ an unserer Schule geregelt ist. z.B. in Mathe. Dort werden Hausaufgaben aufgegeben, aber ob sie jemand macht, ist freigestellt. Man kann dann am nächsten Tag mit dem Lehrer Probleme mit den Aufgaben besprechen und so den Stoff noch einmal durchgehen, in der gesamten Klasse.
    In Deutsch gibt es etwa 3 – 4 Mal im Jahr Hausaufgaben. Meist sind es Analysen und bereiten auf die Klausur vor. Die werden von der Lehrerin dann aber auch wie eine Klausur korrigiert mit meist einem ganzen Din A 4 Blatt Anmerkungen und Tipps dabei. Diese Hausaufgaben gehen dann in die SoMiNo ein.
    Allein in Physik und der zweiten Fremdsprache werden Hausaufgaben noch klassisch konservativ aufgegeben, gemacht und kontrolliert. Aber ansonsten war es das.
    Aber wir sind auch an einer Schule für Erwachsene. Wir haben uns dafür entschieden, noch einmal die Schulbank zu drücken. Da ist die Motivation sich zuhause nocheinmal an den Stoff zu setzen größer als an der Jugendschule, wo mancher Jugendlicher einfach „hin muss“, aber gar keinen Bock hat.

  9. auchlehrer 30. Juli 2013 um 12:03 #

    1. Als Mutter: Mein Sohn hatte in der Grundschule wesentlich mehr Hausaufgaben auf als jetzt am Gymnasium (inzwischen 7. Klasse). Die GS erwartete z.B., dass Lesen grundsätzlich zu Hause geübt wurde, dazu kamen tägliche HA in Mathe (mind. für 15 min., gesteigert bis 30 min in der 4. Klasse) und ebensoviel in Deutsch. Besonders „mochte“ ich die „Elternhausaufgaben“: Plakate anfertigen – zu den Elternabenden konnten wir dann gegenseitig unsere „HA“ bewundern.
    Weil mein Sohn ein umgelernter Linkshänder war, haben wir ihn zurückgeschult auf die linke Hand und ich war froh, dass meine Lehrerarbeitszeit die nachmittägliche HA- Anfertigung und linke-Hand-Übungszeit ermöglichten. Von daher kann ich den HA-Umfang ganz gut einschätzen. Sicher muss vieles geübt werden, was im Unterricht nicht immer im erforderlichen Umfang geschafft wird, aber an vielen Stellen hätten es auch weniger Aufgaben getan oder vielleicht auch individulisierte HA oder Pflicht- und Wahlaufgaben.
    2. Als Lehrerin am Gymnasium: Ich unterrichte ein Fach, in dem es kaum HA gibt, wenn, dann meist mündliches Lernen oder Vorbereitung von Vorträgen/Referaten.
    In Sprachen finde ich HA zur zusätzlichen Übung schon wichtig; in NaWi-Fächern ist auch mal ein kleines Experiment dran, welches man mit 30 Schülern im Unterricht nicht durchführen kann.
    Wir versuchen aber schon darauf zu achten, dass es an den langen Unterrichtstagen keine HA zum nächsten Tag gibt (die meisten unserer Schüler haben noch die Busheimfahrt vor sich). Zunehmend beobachten wir, dass selbst 5.Klässler vielfach ohne HA kommen und Eltern das auch noch entschuldigen. Natürlich ist es einfacher, ganz auf HA zu verzichten, dann sparen wir uns eine Menge Ärger, nehmen den Schülern aber auch viel Verantwortung für ihr eigenständiges Lernen ab.
    Freiwilligkeit bei der HA-Anfertigung würde wahrscheinlich dazu führen, dass die ehrgeizigen, meist leistungsstarken Schüler die HA machen und die schwächeren, die die zusätzliche Übung dringend bräuchten, eher keine weiteren Aufgaben lösen – Vermutung von mir – vielleicht sollte man es mal ausprobieren?

    • bambooos 30. Juli 2013 um 12:24 #

      Diese „Elternhausaufgaben“ finde ich auch ganz schrecklich. Wir lassen Plakate grundsätzlich in der Schule von den Schülern machen – lediglich das Material muss mitgebracht werden. Alles andere ist Blödsinn…

    • Jettalein 30. Juli 2013 um 18:57 #

      Das kommt drauf an, wie man zur Freiwilligkeit motiviert. 😉 An meiner Schule gibt es z.B. keine HA übers Wochenende. Weil ich eine regelmäßige Übung aber als sehr wichtig erachte, habe ich freiwillige Hausaufgaben eingeführt. Bedeutet: Die Kinder können sich völlig frei eine Aufgabe wählen (AB mit nach Hause nehmen oder etwas in nem Arbeitsheft machen oder eben irgendwas zu Hause). Ich kontrolliere den Spaß dann und es gibt einen Punkt für die goldene Kiste. Bei 10 Punkten darf man dort reingreifen und sich etwas aussuchen (Flummi, kl. Buch, Stifte etc.). Insbesondere dann, wenn ein Kind unbedingt etwas bestimmtes aus der Kiste haben möchte, ist es sehr eifrig und erledigt viele freiwilige HA (nicht nur übers Wochenende). 😉

  10. Frau Ella 30. Juli 2013 um 10:16 #

    Ich finde, Hausaufgaben sind so ein Thema… Als Schülerin hatte ich nie Probleme damit und habe immer alles alleine gemacht, sogar noch viel zusätzlich. Mittlerweile – aus der Perspektive als Referendarin – bin ich aber überwiegend gegen Hausaufgaben und gebe deshalb auch so gut wie nie welche auf. Ich kann dein Argument pro Hausaufgaben ein bisschen verstehen, finde aber nicht, dass es so ausschlaggebend ist. Schule ist immer ein Thema in Familien mit schulpflichtigen Kindern, da braucht man die Hausaufgaben nicht. Und wenn sich die Eltern sowieso nicht interessieren, dann läuft was ganz anderes schief – da muss ich dann nicht durch Hausaufgaben zwingen, eine Familienkonversation über die Schule zu führen. Finde ich. Ich bin generell gegen Hausaufgaben, weil eben nicht alle die gleichen Voraussetzungen haben. Nicht jeder hat eine Mami (oder irgendjemanden sonst) zu Hause, die helfen kann. Und – man mag es kaum glauben – auch nicht jedes Kind hat einen Internetanschluss, um sich im www Hilfe zu holen. Naja, ich blase in dein Horn 😉 Allerdings bin ich sehr für Langzeithausaufgaben z.B. in Form von begleitenden Lesetagebüchern oder ähnlichem. Etwas, wo es nicht unbedingt auf Wissen oder die Aneignung davon ankommt, sondern um die ganz persönliche Stellungnahme jedes einzelnen Schülers und zudem das Erlernen von Selbstorganisation (was bei Hausaufgaben „von heute auf morgen“ nicht gegeben ist). Ich könnte da noch soooooooooooo viel zu schreiben…. Es ufert ein bisschen aus, deshalb belasse ich es mal dabei. 😉

    • bambooos 30. Juli 2013 um 10:55 #

      Immer raus damit, mich interessiert das Thema, sonst hätte ich nicht gefragt 😉
      Kannst auch bei dir drüber schreiben & dann hier verlinken 🙂

  11. Zauberlehrling 30. Juli 2013 um 09:56 #

    Ich habe in meiner Praxissemester-Schule (großes Schulpraktikum von 14-15 Wochen mit selbstständigem Unterricht – sozusagen ein Probelauf vor’m Ref.) erlebt, dass meine Mentorin gar keine Hausaufgaben aufgegeben hat. (4.Klasse, ca. 10 Hortkinder – diese meist ohne familiäre Probleme)
    Zum einen weil einige Schüler ständig ohne Hausaufgaben ankamen und die Eltern bei diesen meist desinteressiert sind, was die Schule betrifft und auch nicht die Notwendigkeit sehen sich mit ihrem Kind zu beschäftigen.
    Zum anderen hat sie so verhindern können, dass soziale Ausgrenzung oder andere soziale Probleme in der Klassengemeinschaft auftreten (nach dem Motto „Ey du hast schon wieder keine Hausaufgaben, mann bist du blöd“ o.ä.).
    Und so konnte man sicher gehen, dass es die Leistung des Schülers / der Schülerin ist und nicht von Eltern gemacht wurde. Zudem hat man als Lehrperson so die Möglichkeit didaktisch und pädagogisch richtig zu reagieren, wenn Fehler auftreten oder ein Schüler nicht weiter kommt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Eltern oftmals nicht das Feingefühl / nötige psychologisch, didaktische Fachwissen haben (was natürlich logisch ist, da sie ja zumeist keine Ausbildung darin haben), um ihre Kinder auf deren Lernweg z unterstützen.
    Leider gibt es viele Eltern, die ihren Kindern versuchen ihre eigene Sicht / ihr eigenes Verständnis beizubringen / aufzuzwingen und nicht erkennen, dass das Kind seinen eigenen Weg zur Materie finden muss und mit seinem persönlichen Wissen in Verbindung setzen muss.

    Deshalb denke ich, dass Hausaufgaben grundsätzlich abgeschafft werden könnten. In meiner Schule war es meist so, dass die Schüler, die (bspw. vor einem (Diagnose-)Test oder einer Arbeit) noch einmal üben wollten, freiwillig nach Zusatzaufgaben / AB gefragt haben, welche wir gern zur Verfügung gestellt haben. Und ich bin der Meinung, dass dies genau der richtige Weg ist. Die Schüler müssen wollen, ansonsten fördern wir immer mehr die Ablehnung / den Hass (im schlimmsten Fall) gegenüber der Schule.

    Außerdem finde ich es fragwürdig die Hausaufgaben als Mittel zur Kommunikation zwischen Eltern und Schüler zu nutzen. Es gibt andere Wege, wie man diese effektiv und vor allem zielgerichteter entwickeln / anregen kann. Zum Beispiel über Pendelhefte zwischen Lehrperson und Eltern, welche die Eltern mit den Kindern zu Hause täglich auswerten. Dadurch erzeugt man Kommunikation, die sich mit den tatsächlichen Problemen beschäftigt (wenn die Eltern dazu bereit sind, jedoch war dies bei mir der Fall, da die Eltern eingesehen haben, dass sie Probleme mit ihren Kindern gemeinsam lösen müssen). Bei Hausaufgaben hingegen haben sie Aufgaben der Schule an die Schüler gesehen und sich raus gehalten.

    Fazit: Es kann auf Hausaufgaben (zumindest in der Grundschule) verzichtet werden. Und meiner Meinung nach sind sie kein geeignetes Mittel um die Kommunikation zwischen Eltern und deren Kindern anzuregen.

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