Abschied nehmen unter Tränen

12 Jul

Mein eigentlicher Abschied begann schon gestern Abend, als ich für jeden Kollegen in der Schule eine Karte mit persönlichem Dank und Wünschen für die Zukunft formulierte. 
Einige Karten fielen mir leicht, bei anderen flossen Tränen. 

Auch heute in der Schule war ich SEHR nah am Wasser gebaut, einfach weil mir bewusst wurde, dass ich viele Dinge gerade zum letzten Mal tue. Als ich bei den wilden Einsern aussprach, dass dies meine letzte Unterrichtsstunde in meiner Schule ist, flossen die ersten Tränchen. Die Einser waren fasziniert und schockiert zugleich – und ich erlebte sie zum ersten Mal vollständig LEISE. 😉 Im Rest der Stunde konnte ich noch mal zeigen, dass ich in den letzten Monaten etwas gelernt habe – ich schaffte es, die wilde Meute (ich übertreibe nicht) zur Ruhe zu bringen, mit ihnen zu arbeiten und sogar an ihre Moral zu appellieren. All das wesentlich ruhiger als noch in den Vertretungsstunden zuvor. Meine Mentorin schaute kurz rein und resümmierte später: „Hut ab!“ – das war ein schöner Abschluss für mich. 

Bei der Verabschiedung vor der gesamten Schule schniefte ich schon bevor ich beim Schulleiter ankam. Ging nicht anders. Alle Augen waren auf mich gerichtet. Einige flüsterten: „Nicht weinen, Frau A.!“. Stille. Mein Chef fasste die letzten Monate zusammen, erklärte, dass ich im nächsten Schuljahr nicht mehr da sein werde, überreichte ein Geschenk & überließ mir dann das Wort. Mein Dank ging an Kollegen mit Tränen in den Augen, meine Klassen in denen ich unterrichtet habe und ganz besonders an eine Schülerin, die mir während der Hofaufsicht immer zur Seite stand. Ich hätte noch länger reden können, aber die 4. Klassen standen schon mit ihrem Abschlussprogramm in den Startlöchern – das war ganz anders als im letzten Schuljahr, aber dennoch sehr schön! 

Dann wurde es nochmal schlimm. Der Abschied in meinen beiden Klassen stand an. Zuerst ging ich in meine Matheklasse. Alle wollten nochmal gedrückt und geknuddelt werden, es bildete sich eine Traube um mich herum…irre. Ich überreichte mein Geschenk und verabschiedete mich von ihnen. Durchatmen. 

Dann ging es in meiner „Hauptklasse“. Viele gemeinsame Stunden haben wir miteinander verbracht, gelacht, und geärgert, gestritten, vertragen, gelernt.
Die Zeugnisse wurden von meiner Mentorin überreicht, dann kam „der traurige Teil“, wie die Kinder sagten. Alle Augen wieder auf mich. Nach nicht mal 2 Worten meiner Mentorin flossen schon die Tränen. Und zwar nicht nur bei mir – fast alle der 22 kleinen Geschöpfe saßen da und rangen mit sich. Ihre Augen füllten sich…und dann wurde richtig sehr geweint. Manche konnten sich kaum noch beruhigen…es war wirklich sehr emotional und auch schlimm. Sie sind mir irgendwie ans Herz gewachsen, wir haben viel voneinander gelernt – und nun werden wir uns ne ganze Weile nicht mehr sehn. 

Zum Schluss gabs noch tolle Geschenke. Jedes Kind hatte sich etwas für mich überlegt. Geschrieben, gemalt, gedichtet. Bilder, Geschichten, Steckbriefe, kleine Andenken…einfach nur schön! Leider kann ich euch das nicht zeigen, weil überall mein Name drauf steht, aber glaubt mir: zuckersüß! 

Sätze des Tages:
„Wir werden Sie vermissen“
„Bitte gehn Sie nicht!“
„Wann sehen wir uns wieder?“
„Kommst du am ersten Schultag zu uns?“
„Es war schön mit Ihnen!“
und und und…

Mein Fazit?
Ich glaube, dass ich in meiner Schule alles richtig gemacht habe. Ich durfte in ein tolles Kollegium hereinwachsen, mich frei entwickeln und viel mitnehmen aus dieser Zeit. Ich habe viel von meinen Mentorinnen und auch den Kindern gelernt. Es ist schade, dass das Ende nun gekommen ist, aber ich fühle mich gestärkt und motiviert, um den weiteren Weg gehen zu können. 

Deshalb geht mein Dank heute besonders an meine lieben Kollegen und meine Schulleitung – ihr werdet mir fehlen! 

Und eins möchte ich noch festhalten:
Den größten Beitrag zu meiner Entwicklung hatte meine D/HSK-Mentorin. Viele Stunden haben wir gemeinsam gesessen, geplant, verworfen, differenziert, geredet – und alle das immer zielgerichtet, konsequent, ehrlich und konstruktiv. Ich bin froh und stolz, dass ich sie an meiner Seite hatte und mich immer auf sie verlassen konnte – ein super Vorbild, nicht nur für mich als Lehrerin, sondern auch für die Kinder.
Wir feierten zusammen Geburtstag, wanderten durch Wälder und hatten wirklich viel Spaß – Sie wird mir fehlen und ich wünsche mir, dass ich irgendwann auch mal eine so tolle Lehrerin wie sie sein werde.
Deshalb: Vielen Dank, meine Gute! 🙂 

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7 Antworten to “Abschied nehmen unter Tränen”

  1. umblaettern 14. Juli 2013 um 07:41 #

    Ich wein bestimmt in meiner Siebten… /: Freu dich auf nächstes Jahr, mit eigener Klasse wird das sicher voll schön (:

  2. spreewaldperle 13. Juli 2013 um 11:25 #

    Nur wenn man die alten Türen richtig geschlossen hat, sollte man die neuen Türen öffnen, sonst entsteht schnell Durchzug. 😉

    Ich habe in den letzten Tagen als Ref auch mehrere Tränen vergossen. Aber das tut der Psychohygiene gut und zeigt, wie wichtig einem das alles war.

    Freu dich auf das Neue.

  3. herr_mess 13. Juli 2013 um 10:14 #

    Na schau. Ist doch toll zu sehen, dass man bei so vielen Menschen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Das lässt doch den Groll der letzten Zeit gleich wieder etwas kleiner werden, oder? Willkommen auf der anderen Seite, Frau Kollegin!

  4. diereferendarin 13. Juli 2013 um 08:33 #

    Hihi, beim Lesen gingen mit mir auch die Emotionen durch. Erst dachte ich: Na, man kann sich auch reinsteigern!
    Dann dachte ich: Naja, wenn es bei mir so toll weiter geht, dann stehe ich am Ende auch heulend vor meinen Klassen und Kollegen.

    🙂 Ist doch schön, dass du zeigst, dass Lehrer auch Menschen und keine Maschinen sind!

    • bambooos 13. Juli 2013 um 08:34 #

      Mein Papa hat gesagt:
      „So ist das eben, wenn man Emotionen hat!“

  5. Christina 12. Juli 2013 um 21:48 #

    obwohl ich Sie kaum kenne, kann ich ihr Gefühl gut nachvollziehen, denn ich war vor einem Jahr in einer ähnlichen Situation. Ich habe meinen Realschulabschluss mit einer großartigen Klasse gemacht. Selbst die Lehrer haben gesagt, sie hätten in ihrer Lehrerlaufbahn selten eine Klasse mit so einem großen Zusammenhalt erlebt, was wahrscheinlich auch an einigen Problemen und Sorgen lag. Aber mit jeder Hürde wuchs nur unser Zusammenhalt 🙂 Als Rat kann ich nur sagen, schauen sie voraus, was sie an der neuen Schule alles erleben werden mit ihrer eigenen Klasse. Sie können jeden einzeln kennen lernen, fördern… . Ich wünsche ihnen für die neue Schule ein genauso nettes und verständnisvolles Kollegium und einen ganz starken Klassenzusammenhalt 🙂 Toll, jetzt sitze ich hier selber mit einem Tränchen im Auge und habe eine ganz bestimmte Melodie im Kopf *Abschied heißt, was neues kommt….mmh mmh…ein kleiner Stern…*

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