Dorf.

11 Jun

Ich lebe in einem Dorf – und das ist auch gut so.
Jeden Tag auf meinem Heimweg sehe ich, wie schön unser Bundesland ist.
Thüringen.
Ich liebe die grünen Wiesen, Felder, Wälder, See, Bäche, Flüsse…das volle Programm.
Ich liebe die alten Leute, die auf das Bäckerauto um 15:10 warten.
Ich liebe die urige Atmosphäre in den Ortskernen.
Ich liebe die Opas, die mit Krückstock umher wandern.
…einfach nur schön!

Was ich aber NICHT liebe – und was mich grade kurz vor Betreten meiner Wohnung sehr geärgert hat – sind manche alten Leute die denken, uns „Jungen“ was vorschreiben zu müssen.

Situation:
Ich steige aus meinem Auto aus, gehe Richtung Haustür. In dem kleinen „Vorgarten“ werde ich von der Mutter meiner Obermieterin (die im übrigen stinkend faul ist & im Winter nicht einmal nen Finger draußen krumm gemacht hat) mit den Worten „Ich zupfe hier mal euer Unkraut!“ begrüßt.
Weiteres Gespräch:
Ich: „UNSER Unkraut?!“
Sie: „Ja, das gehört auch zum Haus!“
Ich: „Wir haben schon den ganzen Winter Schnee geschippt, dann das nicht auch noch.“
Dann bin ich rein ins Haus.

Pft. Was bildet die sich eigentlich ein?!
Sicher muss das alles gepflegt werden, keine Frage – aber doch nicht von MIR!
Ich hab hier ne Wohnung gemietet, in einem Haus, das der Gemeinde gehört. Ich habe weder ein Gartengrundstück noch sonst was mit der Bepflanzung hier rundherum zu tun – das gehört alles der Gemeinde.

Bah!

20130611-154517.jpg

Ich könnte mich grad so maßlos aufregen…und mir fallen tausend Sachen ein, die ich der Frau gerne an den Kopf geknallt hätte.
Die gehen von frech („Lassen Sie unser Unkraut in Ruhe!“) über rechtlich („Gehört der Gemeinde!“) bis hin zu beleidigend („Sie können das doch machen, so als Rentnerin mit viel Zeit!“). Über ein schnippisches „Herzlichen Dank!“ habe ich auch nachgedacht.

Tze.

Und das Schönste: die Nachbarin von gegenüber hat das alles mitbekommen.
Sie ist Rentnerin mit Mann, sitzt jeden Tag auf ihrem Balkon – von mir liebevoll „Hochsitz“ genannt – und spioniert, was die Leute so machen.
Das geht dann so:
Sie hört ein Geräusch.
Kopf wird ausgefahren & lang gemacht (sonst kann sie sitzend nicht über das Balkongeländer schauen).
Lage wird ausspioniert.
Kopf wird wieder eingefahren.

…und das geht den ganzen Tag so!
Früher habe ich jedes Mal hoch geguckt und „Hallo“ gesagt…aber inzwischen tu ich so, als ob ich sie nicht sehe – ich gucke also gar nicht erst hoch ob sie da hockt. Sollen sie doch denken, dass ich unfreundlich bin – ist mir egal!

Nun ja. Jedenfalls werden die Weiber draußen jetzt schön drüber gackern (spricht man hier gaaackern aus, mit langem A), dass die Jugend faul ist oder so…Wir sind ja auch ein komisches Volk…. Rasen in den Balkonkästen, keine Fensterdeko zu Weihnachten (durch meine Gardinen / Plissees lohnt sich das nicht – und nur für die Nachbarn & Passanten schmücken?! Nö!) & nicht dazu bereit beim SmallTalk das ganze Leben auszubreiten…skandalös!

Aber wisst ihr was?!
Das ist mir total Schnurz! Sollen sie doch labern und sich aufregen – ich werd da draußen keinen Finger krumm machen. Jetzt erst recht nicht mehr!

Den einzigen Garten, den ich beackern werde, ist (hoffentlich) der Schulgarten in meiner (hoffentlich) neuen Schule. Und natürlich mein Balkonrasen, der sich prächtig entwickelt hat.
Gestern habe ich ihn zum ersten Mal geschnitten – ist ein bisschen krum, weil noch unregelmäßig gewachsen, aber egal – ich bin trotzdem sehr stolz auf mein Projekt 🙂

20130611-154713.jpg

Ob es der heutige Vorfall in den Dorfklatsch geschafft hat, werde ich dann bei meinem nächsten Friseurbesuch erfahren – wenn man da rausgeht, weiß man nämlich über alles & jeden Bescheid. [Zum Glück arbeitet dort ne Freundin, die mich mit dem ganzen Schnulli verschont – aber von den anderen bekommt man ja einiges mit 😉 ]

…und bevor jetzt die Städter anfangen zu lästern: hier zu wohnen ist toll!
Es gibt aber manchmal einfach Mitmenschen, die einem auf den Senkel gehen – aber so ist das ja nicht nur hier, so ist das überall.

In diesem Sinne: Cool bleiben & beim nächsten Mal besonders freundlich lächeln 😉

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12 Antworten to “Dorf.”

  1. umblaettern 15. Juni 2013 um 09:33 #

    Ach, das Leben am Dorf. Gott sei Dank bin ich unauffällig, über mich wird nicht so viel getratscht, und unsere Nachbarn sind ganz nett (ist auch easy, wenn eine Partei davon Schwiegereltern + Schwager sind 😀 Und das Nebenhaus leer steht.) Ich bin aber auch neu hergezogen (weite 6 Kilometer weg aus meinem ursprünglichen Dorf. ^^), in meiner alten Heimat bin ich auch gern Gesprächsthema, aber Gott sei Dank nicht der negativen Sorte. Meine Karriere wird trotzdem minitiös verfolgt. Die wissen bestimmt nochmal vor mir, wenn ich heirate. 😀 Würde trotzdem niemals in eine große Stadt ziehen…

    (Ich wüsste ja trotzdem unheimlich gern, wo du wohnst, ich vermute nämlich immer noch, nicht weit weg von mir (; )

  2. Jettalein 11. Juni 2013 um 19:47 #

    Wie… jetzt “hoffentlich Schulgarten“? Klang im vorangehenden Artikel ja noch anders. 😉 Als Grundschullehrer wirst du zwar für dein Nebenfach eingestellt, musst am Ende aber alles unterrichten. Man muss sich erstmal reinfuchsen und die studierten Fachleute wissen sicher auch mehr… aber es kann trotzdem Spaß machen. Bin auch Schulgartenlehrerin seit Februar (und Kunstlehrerin und PC-Lehrerin…) und nun wachsen unsre Erbsen und das ist toll. 🙂 In dem Fall muss man echt offen für alles sein. Übrigens: Für die Stelle bei uns (u.a.) kamen von 4 Bewerbern…KEINER. Und drei Schulleiter haben Zeit vergeudet. TRAURIG!

  3. Susi-q 11. Juni 2013 um 17:01 #

    Da muss ich gleich an das Lied von den Ärzten denken „Lass die Leute reden…“ =)

    • diereferendarin 11. Juni 2013 um 18:19 #

      Hör bloß auf, ich hatte das mal einem solchen Nachbarn rezitiert…genauer gesagt die Textstelle „Du darfst nie mehr in die Vereinigten Staaten, denn du bist die Geliebte von Osama bin Laden“, seitdem hat der mich angeschaut als hätte ich tatsächlich nicht mehr alle Tassen im Schrank – vorher dachte er wohl bloß, ich sei einfach nur unerzogen oder was weiß ich.

      • bambooos 12. Juni 2013 um 05:25 #

        Haste nicht gemacht! Ich lach mich kaputt. Herrlich!!! :)))

      • diereferendarin 12. Juni 2013 um 06:05 #

        Doch. War aber auch für mich eine sehr eigenartige Situation, da mir in dem Moment, wo ich damit anfing auffiel, dass das schon leicht bescheuert ist – aber einfach abbrechen ging nicht mehr!

  4. diereferendarin 11. Juni 2013 um 16:58 #

    Hi hi, ich komm‘ ja auch vom Dorf, ich weiß, was du meinst. Sieh es mal so: diese Menschen haben den ganzen Tag über nichts anderes zu tun. Die haben vielleicht ihr ganzes Leben lang gearbeitet, sind nun Rentner und wissen nichts mit sich anzufangen außer irgendwelchen „Haushaltskram“ erledigen und sich über junge Leute aufzuregen. Da fällt mir mein Kumpel Sokrates wieder ein. 😉 Jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, dass die irgendwie frustriert sind und das selbst nicht mal merken.

  5. lottamachtkrach 11. Juni 2013 um 15:58 #

    Puh, da wächst meine Angst demnächst aufs Dorf zu ziehen doch noch mal ein gutes Stück 😉

    • bambooos 11. Juni 2013 um 16:03 #

      Ach Quatsch! Einfach alle ignorieren, dann passt das! 🙂

  6. bobblume 11. Juni 2013 um 14:07 #

    Das kann ich sehr gut verstehen. Der Trick ist, glaube ich, nicht mitzuspielen, dann gelten die Regeln nicht, die das Kollektiv aufgestellt hat und mit dem es den Einzelnen quält. Ich finde so etwas immer wieder ein wenig erschreckend, denn es kann auch ganz anders laufen, und dann hat plötzlich keiner was gesehen: http://bobblume.de/?p=979

  7. stellinchen 11. Juni 2013 um 13:56 #

    Geniaaaal *kaputt lach*
    GENAU diese Sorte Weiber sind überall auf der Welt verstreut, sodass jeder todsicher mindestens einem begegnet xDDD
    Ich hätte mitfühlend erwidert „Stelle ich mir schon schwer vor, wenn man so gar keine Arbeit mehr hat .. Da fehlt ja auch die Tagesstruktur .. Können Sie GERNE machen!“

    • diereferendarin 11. Juni 2013 um 16:59 #

      Na so fies sollte man auch nicht sein, finde ich. Ich glaub, wenn man sachlich bleibt, erreicht man da mehr um des lieben Friedens Willen.

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