Abwarten Reloaded

5 Jun

Jetzt beginnt mal wieder so eine komische Zeit, in der man in Gedanken immer wieder abschweift, hofft, wartet.
Worauf?
Auf einen Brief oder einen Anruf, der eine Einladung zum Vorstellungsgespräch beinhaltet.

Am 31.5.2013 sind die Nachreichfristen für die Bewerbungen auf Lehrerstellen abgelaufen. Das heißt, dass die Schulämter momentan gerade damit beschäftigt sind, die Sachen zu ordnen und in Listen nach Noten geordnet zu packen. So stell ich mir das zumindest vor. Keine Ahnung wie das wirklich läuft.

Was ich aber weiß ist, dass in den nächsten 2 bis 4 Wochen in etwa die Vorstellungsgespräche laufen werden. Erfahren habe ich auch, dass man sich durch gute Präsentation dabei um einige Notenpunkte besser machen kann, als es die Zeugnisse aussagen. Das ist ja schonmal nicht schlecht.

In meinem Leben hatte ich bisher ein wirkliches Vorstellungsgespräch. Das war vor inzwischen über 2 Jahren, als ich mich als Erzieherin beworben habe. Vor mir saß eine ganze Kommission (ich glaube 6 oder 7 Leute), die mir Fragen stellten und mich kennenlernen wollten.

Aufgeregt war ich dabei nicht. Ich hatte ja keine Ahnung, was mich dabei erwarten würde. Aber ich war einfach wie immer, plauderte munter drauf los, stellte mich vor, machte meine Ziele klar (ich sagte auch, dass ich das nur als Übergang machen wolle – viele meiner Studentenfreunde haben das bei Vorstellungsgesprächen verheimlicht…). Als ich da raus ging hatte ich ein gutes Gefühl, ärgerte mich ein bisschen, dass ich ein, zwei Sachen nicht erwähnt hatte, aber…prinzipiell liefs gut – und nach nicht mal einer Woche hatte ich die Stelle 😉

Mal sehen, wie es diesmal läuft. Die Einstellungszahlen für meinen Schulamtsbereich sehen schlecht aus, gerade mal 13 Stellen für Grundschule – in einem RIESIGEN Bereich. Und das Schlimmste: sollte mir eine Stelle angeboten werden – egal wie weit weg sie von hier ist – und ich würde sagen „Nee, das ist mir zu weit!“ – dann würde ich einfach rausfliegen und hätte Pech, könnte mich nächstes Jahr nochmal bewerben. Irre, oder?

Im Allgemeinen finde ich dieses ganze System verrückt. Es gibt so viele Schulen, die händeringend Lehrer brauchen, die nicht wissen wie der Unterricht abgedeckt werden soll…und dann sollen nur 13 Lehrer neu eingestellt werden? Das muss ein Witz sein, ein Fehler, anders kann ich mir das nicht erklären.

…und es macht mir auch ein wenig Angst – weil es eben Ranglisten gibt, in denen die Note zählt. Okay, das Vorstellungsgespräch zählt auch, aber die Note schwebt immer über einem. Und die ist bei mir – aus diversen Gründen – ja nicht die Beste. Inklusive Studium (was auch Berechnungsgrundlage für die Gesamtnote ist) bin ich bei ner 2,4. Meine Studienkollegen können mit 1,4 und besser aufwarten. Meine Chancen? Gering.

Also stellt sich wieder die Frage: was mache ich, wenns nicht klappt? Wie überbrücke ich wieder EIN GANZES JAHR? Sollte ich vielleicht doch heuchlerisch in die Kirche eintreten, um an der evangelischen Privatschule einige Kilometer entfernt zu arbeiten?
Nein.
Ich werde nicht lügen, um eine Stelle zu bekommen.
Aber was tun?
Ein bisschen Druck nimmt mir die Tatsache raus, dass ich vorübergehend wieder in der Kunststofffabrik arbeiten kann (und werde). Die nehmen mich mit Kusshand und brauchen mich dringend. Aber die Firma ist weit weg von zuhause, von Schatzi, von Mutti. Ich wäre nur am Wochenende daheim. Blöd.
Das Gute an der Sache ist: ich könnte bei meinem Papa wohnen, hätte also keine doppelten Mietkosten für ne Extra-Wohnung, ich würde meinen Papa öfter sehn. Aber trotzdem: das ist nicht optimal und nicht das, was ich auf Dauer will.

Ich will Lehrerin sein, unterrichten, etwas für die Kinder tun.

Liebes Thüringen, sieh das doch ein und gib mir die Chance, das was ich nun in vielen Jahren gelernt habe, anzuwenden, auszuprobieren und etwas Gutes zu tun!
Bitte lass mich nicht in einem Büro versauern und all meine pädagogischen Ideen und Kniffe wieder vergessen. Bitte lass mich nicht frustriert und am System zweifelnd zurück.
Bitte nicht.

Nun ja, ich habe eine Perspektive und das ist auch gut so. Aber was machen andere? Ich habe schon mehrere Strategien gehört:
– Fahrrad-Verkäufer
– Horterzieher
– Kindergarten
– Hartz4
Letzteres gruselt mich besonders. Wir müssen (sollten wir keinen Job finden) nach 4,5 Jahren Studium, Überbrückungszeit und 1,5 Jahren Referendariat als fertig ausgebildete Lehrer wirklich den Staat um Hartz 4 anbetteln. Arbeitslosengeld gibts für uns nicht, weil wir im Ref verbeamtet waren & nicht in die Versicherung eingezahlt haben. Schlau gemacht. Also Hartz 4. Traumhaft, oder?

Naja, ich warte einfach mal ab und hoffe das Beste. Momentan ärgere ich mich ein bisschen darüber, wie ich die Prioritäten angegeben habe. Meine erste Schulamtspriorität ist sehr weit gefächert. Meine zweite (der SA-Bereich beginnt 2 Dörfer weiter) ist dagegen kompakter…und beinhaltet meine Schule in der ich als Erzieherin war und die (wie ich heute erfahren habe) jemanden einstellen wollen. Arghs!!!

Aber grübeln bringt nichts. Ich muss einfach abwarten was passiert und was sich ergibt. Dabei hoffe ich, dass ich wenigstens EINMAL im Leben Glück habe und etwas bekomme, was nicht unendlich viel Aufwand, Zeit, Mühe und Geld bedeutet. Das wünsche ich mir.

In diesem Sinne: abwarten und Tee trinken!
Liebe Grüße,
Frau A.

Ps.: Meine Artikel und Gedanken zur damaligen Wartesituation (Januar 2012) findet ihr unter anderem HIER, HIER und HIER…und am angekratztesten war ich dann HIER, einen Tag bevor ich HIER die Zusage bekam 😉 Auch ein Grund warum ich meinen Blog so mag – zurück schauen kann sehr interessant sein!

Nachtrag
Kaum schreibe ich diesen Artikel wiederholt sich auf Facebook genau das, was ich in den Verlinkungen von vor anderthalb Jahren erlebt habe.
3 Leute posten freudig: Sie haben Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen.
Ich natürlich nicht. Mir ist schlecht.

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33 Antworten to “Abwarten Reloaded”

  1. Käfer 7. Juni 2013 um 08:08 #

    Zum Vorstellungsgespräch…ich war vor fast einem halben Jahr auch in der Situation. Viele andere Refs haben schon Einladungen zu einem Vorstellungsgespräch bekommen, ich nicht. Irgendwann klingelte dann doch das Telefon und ich sollte EINEN Tag später schon hin. Natürlich habe ich zugesagt, auch wenn es kurzfristig ist.
    Selbst wenn du jetzt noch kein Angebot bekommst, denke ich nicht, dass du ein Jahr warten musst. Alle aus meiner Gruppe sind mittlerweile untergekommen, haben 4 Wochen nach der offiziellen Einstellung noch bescheid bekommen. An den Schulen geht das manchmal rasend schnell…Schwangerschaft, OP, Burnout…die Gründe sind vielfältig, dass Lehrer aussteigen müssen. Selbst wenn es eine befristete Stelle sein sollte. Die werden nach Hörensagen eher in unbefristete umgewandelt, als neue Lehrer eingestellt werden. Also immer positiv denken, das Schulamt meldet sich bestimmt!

  2. Jasmin 6. Juni 2013 um 14:01 #

    Hallo!
    Wieso denn gleich ein ganzes Jahr warten, falls es nicht klappt? Es wird doch genauso gut zum Halbjahr eingestellt! Also sieht es nicht ganz so schwarz aus – die Hoffnung stirbt zuletzt!

    Ansonsten hast du natürlich Recht, viel zu wenig Stellen, vor allem, wenn man bedenkt, wie viel Bedarf angemeldet wurde und wie viel am Ende genehmigt wird. Aber das macht Thüringen ja derzeit wieder ganz schlau, denn sie stellen fast alle Referendare ein, weil die noch ein bisschen billiger sind.

    Übrigens haben viele meiner Regelschulkollegen schon Vorstellungsgespräche hinter sich, ich weiß ja nicht, wann es bei Grundschule losgeht, aber diesmal sind sie recht fix, so im Vergleich zum Halbjahr!

    Und im Endeffekt kannst du durch ein Gespräch wirklich noch einiges herausreißen und selbst mit dem 2er-Schnitt eine Stelle ergattern. Gutes Beispiel: Freundin von mir stand auf Rangplatz 2 (sie konnte beim Gespräch ein Blick auf die Liste erhaschen). Als sie angerufen wurde und für eine andere Stelle vorgesehen war, fragte sie nach, auf welchen Rangplatz sie denn stände für die 2. Schule. Da war es auf einmal 5. Lief zwar nun gerade nicht so rosig, aber es kann ja auch andersherum sein!

    Viel Erfolg und halte uns auf dem Laufenden!

  3. Phania 6. Juni 2013 um 10:21 #

    Wenn ich dass so lese wundere ich mich ein wenig über die Fächerhäufungen… wieso gibt es Mangelfächer mit denen man sich die Schule aussuchen kann und andere wo ein 2,4 Durchschnitt schon ein Problem darstellt? Wieso studieren (scheinbar) so viele das Selbe wenn man mit anderen Fächern bessere Chancen hat? (Jetzt außer Reli… das ist ja eine Sondersache)
    Aber ich wünsche dir viel Glück. Hast du keine Chance auf eine Vertretungsstelle an einer Schule in der Nähe?

    • umblaettern 7. Juni 2013 um 17:19 #

      Weil die Mangelfächer in der Regel die sind, in denen man Aufnahmeprüfungen machen muss… während der Großteil der anderen Fächer einfach mal NC-frei ist und damit für jeden zugänglich. Und die Hoffnung treibt einen voran. Ein Fach nur zu studieren, weil es gebraucht wird, finde ich nicht besonders sinnvoll – immerhin unterrichtet man das idealerweise den Rest seiner Berufslaufbahn, da sollte ich es schon mögen…

      • Phania 8. Juni 2013 um 15:40 #

        Ich wunderte mich ja über die Häufung der Sympathie :-). Was den NC betrifft muss ich dir widersprechen, zumindest bei uns und für Sek II und BK (sonst gibts hier nichts) sind nur die häufigen Fächer unter NC, die MINT-Sachen z.B. sind alle frei.

      • umblaettern 8. Juni 2013 um 18:05 #

        Womöglich ist das wieder Bundeslandsache, bei uns war das einzige NC-beschränkte Fach Biologie.

  4. B is for beauty 6. Juni 2013 um 04:33 #

    Ich kann verstehen, dass man irgendwann nicht mehr so mega flexibel sein will. Vor allem wenn man schon ein Baugrundstück hat!!! Mir geht es ähnlich. Ich werde zu meiner Schule in Zukunft pro Strecke 50 km fahren müssen. Ich finde es schrecklich. Aber Näher ranziehen kommt nicht in Frage … Und dann irgendwann Versetzungsantrag stellen … geht doch bei euch bestimmt auch, oder?

    • bambooos 6. Juni 2013 um 04:36 #

      Ja, das geht dann irgendwann. Manchmal muss man aber auch Jahre warten… Naja: abwarten 😉

      • Jasmin 6. Juni 2013 um 14:08 #

        Jahre ist gut 😀 An meiner Schule hat eine nach 6 (!) Jahren den Antrag bewilligt bekommen. Was für ein Krampf!

    • umblaettern 7. Juni 2013 um 17:16 #

      50 Kilometer geht doch, die fahre ich ab nächstem Jahr auch. Habe Freunde, die sind durch kranke Verwandte an Zuhause gebunden und die mussten wesentlich längere Einzelstrecken fahren, die der bayrische Staat als „machbar“ ansah…

  5. herr_mess 5. Juni 2013 um 20:00 #

    Blöde Frage: Hast du auch schon mal bei städtischen Schulen angefragt? Die suchen oft händeringend. Du bist halt dann Stadtbeamtin, keine Staatsbeamtin und wärst an eine gewisse Umgebung gebunden. Aber das willst du ja 😉

    • bambooos 5. Juni 2013 um 20:02 #

      Ich wohne in einer ländlichen Gegend…und Thüringen verbeamtet leider überhaupt nicht. 😉

      • herr_mess 5. Juni 2013 um 20:05 #

        Ach, ich Pferd!

      • bambooos 5. Juni 2013 um 22:13 #

        Ich verzeihe dir! 😉

  6. umblaettern 5. Juni 2013 um 19:07 #

    Ich warte gerade auf Zu- oder Absage einer Schule. Gehe sogar mit Handy aufs Klo und komm mir blöd dabei vor.

  7. Souly 5. Juni 2013 um 18:01 #

    Willkommen im Leben eines Neu-Lehrers. Ich arbeitet seit mittlerweile 4 1/2 Jahren als Vertretungslehrerin an einer Schule, doch in unserem Gebiet werden kaum Stellen ausgeschrieben. Ich habe mich auch in anderen Städten und Kreise in unserem Bundesland NRW auf die wenigen, ausgeschriebenen Stellen beworben. Aber da ich nun mal Sachunterricht/Mathe habe und kein Mangelfach wie Reli oder Musik, ist die Auswahl der Angebote noch begrenzter und die Anzahl der Bewerber ziemlich hoch. Da nutzt der beste Schnitt nichts, und ich habe einen verdammt guten.

    Ich bin schon im Ref zwei Jahre jeden Arbeitstag 160 km (80km hin, 80 km) gependelt, da ich familiär gebunden bin, noch einmal habe ich das nicht vor. Also heißt es weiter hoffen und beten, dass irgendwann etwas in meiner Region ausgeschrieben wird.

    Letztendlich ist es auch eine persönliche Einstellungssache. Was ist einem wichtiger? Feste Stelle oder Familie? Mehr Geld und Verbeamtung oder soziale Geborgenheit und Wohlfühlen. Notwendigkeit oder nicht? Das muss jeder individuell entscheiden, weil jeder andere Prioritäten hat. Wenn jemandem die Verbeamtung so wichtig ist, muss er halt umziehen oder sonstige Wege gehen, aber anderen auch eine andere Entscheidung zugestehen (ich habe durchaus Kollegen – nicht die meinigen – erlebt, die einem dieses Recht nicht zugestehen).

    Momentan geht es mir mit der aktuellen Situation noch ganz gut, die kritische Masse ist noch nicht erreicht. Sollte ich in in noch einmal 3 Jahren immer noch an diesem Punkt stehen, sähe das ganze wohl anders aus. Wir sprechen uns dann noch mal.

    Fakt ist, dass die ganze Situation ein Witz ist. Wir haben an unserer Schule riesige Klassen mit rund 30 Schülern und Kindern mit Behinderung (geistig, körperlich, emotional), zu wenig Lehrer und trotzdem sind irgendwo auf dem Papier Beamten zu viel und es werden keine Stellen ausgeschrieben. Irgendetwas läuft falsch in unserem Land.

    • snoopylife 6. Juni 2013 um 09:00 #

      stimme vollkommen zu – ich hab orchideenfach-studium, super abschluss, arbeite aber in der pflege, weil ich unbedingt in berlin bleiben wollte. muss eben jeder für sich selbst entscheiden.
      – mit lehramt kenne ich mich nicht aus, finde es aber auch merkwürdig, dass es so schwer ist, eine stelle zu finden, bei den zuständen, die du beschreibst und die ja allgemein bekannt sind… da läuft wirklich etwas gewaltig schief.
      gruß

  8. Frau B. 5. Juni 2013 um 17:26 #

    Deine persönliche Situation kannst nur du beurteilen. Es geht um deine Zukunft. Da kann man durchaus eine Meinung zu haben, aber ich finde es vermessen, zu deiner Einstellung solch harte Urteile auszusprechen.

    Ich habe nach dem Ref 8 Monate als „Feuerwehrlehrerin“ gearbeitet – ich kenne viele, die das viel länger durchziehen mussten.
    Und dann ist einer dieser besagten Glücksfälle eingetreten – 2 schwangere Kolleginnen an meiner Wunschschule. Dazwischen lagen nur 6 unbezahlte Wochen Sommerferien. Was anderes hatte ich auch nicht in Aussicht, aber mein damaliger Freund (jetzt Mann) hatte eine feste Stelle und hat mich unterstützt. Ich hatte sogar ein konkretes Angebot von einer Realschule ca. 80 min Fahrtzeit entfernt – aber das war nie mein Berufswunsch und ich habe auch nic von einer Fernbeziehung oder einem Leben auf der A7 geträumt.

    Wer sein Geld durch ehrliche Arbeit verdient, sorgt damit nicht nur für sein eigenes Lebensglück, sondern auch dafür, dass unsere Gesellschaft funktioniert. Und wenn es dir wichtig ist, dass du ein soziales Netzwerk um dich herum hast, mit deinem Lebenspartner zusammen lebst, dann sorgst du damit für deine psychische Gesundheit und kannst auch bei der Arbeit mehr leisten.
    Wem es nicht vergönnt ist, in seiner Heimat Arbeit zu finden, der trägt oft ein hartes Los – und hat mein Mitgefühl. Ich kenne viele Menschen, die weite Wege und viele Einschränkungen auf sich nehmen müssen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Aber dadurch muss man nicht sofort zum Neider derer werden, die einen anderen Weg wählen können oder dürfen.
    Meine Freundin, die sich 3 Jahre als Vertretungslehrerin durchbeißen musste an den verschiedensten Schulformen mit weiten Wegen, hat sich ehrlich für mich freuen können, als sie von meinem Glück erfahren hat.

    Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du eine feste Stelle in deiner Umgebung bekommst und die Wartezeit bis dahin so gut es geht überbrücken kannst. Ich bin mir sicher: die richtig GUTEN finden ihren Platz – es wird sich gut für dich fügen!

    ALLES LIEBE!!!

  9. Janni 5. Juni 2013 um 14:47 #

    Sorry,

    ganz ehrlich ??? So wird das nicht funktionieren. Gebratene Tauben fliegen einem nicht in den Mund!!! diereferendarin hat vollkommen Recht, man muss heutzutage flexibel und mobil sein. Und durchaus auch eine Stelle 200km entfernt annehmen – so bekommt man aber wenigstens “ den Fuß in die Tür“.

    Und bevor ich jetzt die „Puhfrau“ des Blogs werde – ich spreche aus Erfahrung.
    Habe vor 15 Jahren an einem Dienstag um 11.00 Uhr ein Vorstellungsgespräch im Kultus gehabt, um 15.00 Uhr habe ich ( wieder in meinem Heimatort weilend, ca 120 kmm entfernt) telefonisch erfahren , dass ich eine Stelle habe und am nächsten Morgen hatte ich um 8.00Uhr in meinem Dienstort vorstellig zu werden, 150 km von meinem Heimatort entfernt.Und wiederum einen Tag später fing das Schuljahr an!!!
    Tja, so kanns im Schulsystem auch gehen. Und darauf solltest du dich einstellen, wenn du unbedingt Lehrerin werden möchtest!!!
    Ich habe meine Flexibilität nicht bereut – denn ich hebe so eine feste Stelle , ein tolles Kollegium und auch eine neue Heimat bekommen.

    Trotz allem, ich wünsche dir viel Glück bei deiner Bewerbung. Und vielleicht hast du ja Glück und dir fliegen die „gebratenen Tauben wie im Schlaraffenland in den Mund „. ;o)

    • auchlehrer 5. Juni 2013 um 15:39 #

      Tja, liebe Frau A. – herzlich willkommen in Thüringen. Du weißt ja sicher schon, dass mans hier nicht so mit den jungen Leuten hat. Die lässt man erstmal in andere Bundesländer abwandern, um sie später mit groß angelegten Kampagnen zurückzuholen… Heimatverbundenheit zählt da nicht, vielleicht kannst du es noch mit einer Blitzhochzeit versuchen? *ironiemodus aus*
      Nach Bedarf wird schon gleich gar nicht eingestellt; wir hätten schon mehrere gute Referendare liebend gern behalten und auch gebraucht – das Schulamt nickt verständnisvoll mit dem Kopf und das TMBWK stellt sie nicht ein….
      Wenn du also nicht noch mal umziehen willst – was ich sehr gut nachvollziehen kann – dann musst du wohl den „worst case“ in deine Erwartungen einbeziehen müssen und kannst schon mal Kontakt zur Kunststoffbude aufnehmen…
      Ich drücke dir trotzdem ganz fest die Daumen, dass es mit einer Stelle klappt! (Den obenstehenden Vergleich mit den gebratenen Tauben und dem Schlaraffenland finde ich schwer daneben..)
      (Bei uns ist übrigens das Schulamt samt PCs im Keller „abgesoffen“ – da gibt es wohl eher auch keine Vorstellungsgespräche, wenn man gar nicht an die Bewerbungen kommt…)

    • diereferendarin 5. Juni 2013 um 16:45 #

      Ich mische mich mal ein. 1. Satzzeichen sind keine Rudeltiere.

      So und dann muss ich sagen, dass ich bzgl Mobilität auch gespalten bin. Einerseits habe ich in noch keiner Berufsgruppe so wenig Mobilitätsbereitschaft wie bei Lehrern gesehen. Andererseits ist es jedem selbst überlassen, was er macht. Wenn sich jemand dafür entscheidet u.U. ne Weile arbeitslos zu sein und sich das finanziell und persönlich leisten kann/möchte, soll er doch. Wenn sich jemand dafür entscheidet mobil zu sein, was mit persönlichen und durch Umzug usw. finanziellen Einschränkungen verbunden ist, soll er doch. Ich finde es ganz schwierig da Erwartungen zu stellen.

      Klar ICH denke mir: hallo, ich habe 5 Jahre studiert bin jetzt XY Jahre alt, soll ich jetzt NOCH 3 Jahre auf einen scheiß Refplatz warten?! Dann bin ich um die 30, wenn ich VIELLEICHT mal anfange richtig zu arbeiten, also für vernünftiges Geld. So und dann braucht man Berufspraxis und gerade als Frau spielen auch die biochemischen Prozesse im Hirn bzgl Kinderwunsch verrückt und man kriegt die Krise weil man dem gesellschaftlichen akzeptierten Bild der Frau nicht entspricht. Für mich käme es nie infrage vor oder während des Refs Kinder in die Welt zu setzen. Das würde ich nicht auf die Reihe kriegen.
      Aber ich bin ungebunden. Ich habe dort, wo ich herkomme, eine ziemlich traurige Situation, aber ich weiß, dass ich an mich denken muss. Hätte ich einen Partner zu Hause, auch wegen ihm würde ich nicht zu Hause bleiben und Hartz4 machen – das habe ich nämlich einmal durch und in dem Moment, wo ich Hartz4 war, waren die Freunde plötzlich weg. Ich muss also an mich denken und mir etwas aufbauen und dazu gehört der Refplatz und später der Job, für den ich auch nochmal das Bundesland wechseln würde oder ganz auswandern würde. Meine Familie versteht es und ich würde auch auf die Couch müssen, wenn es nicht so wäre. So aber das bin ICH – bestimmte Erfahrungen und Zustände in meiner Biographie haben mich dazu gebracht, so eine Einstellung zu entwickeln. Die kann ich nicht generell von allen einfordern, nur weil ICH das so und so sehe.

      Nur was ich wichtig finde ist eben, dass man seine Entscheidungen überdenkt und sie vor allem erwachsen trifft. Nicht nach „Ooooch ich wähle lieber den Weg des geringsten Widerstandes“ oder wenn doch, dass man in jedem Fall zu seiner Entscheidung steht und nicht herum jammert, wenn einem die mit der Entscheidung verbundenen Konsequenzen nicht gefallen. Und da kommen die Blogs ins Spiel – wenn man das aufschreibt, dann denkt man selbst automatisch darüber nach. Und das ist doch schon mal positiv, oder?

    • Souly 6. Juni 2013 um 04:53 #

      Gestehe anderen bitte zu, was du dir selbst wünschst. Wenn dir die Verbeamtung so wichtig war, dass für dich das Umziehen trotz familiärer Gebundenheit kein Hürde war oder vielleicht auch, weil diese eben nicht vorhanden war, dann ist das dein gutes Recht. Das bestreitet keiner und das ist okay so.

      Es gibt aber andere, wie mich, denen andere Dinge wichtiger sind. Natürlich Wünsche ich mir eine Verbeamtung und eine feste Stelle, aber für mich steht die nicht ÜBER Familie. Genauso weiß ich zum Beispiel, dass ich nicht dafür geschaffen wäre, mich in irgendeiner fremden Stadt oder einem fremden Bundesland neu anzusiedeln und alles neu aufzubauen (Freundeskreis, etc.). Da bin ich nicht der Typ für und würde jämmerlich eingehen. Entschuldige also, wenn ich mental dafür nicht gestrickt bin. Sollte ich mir dann vielleicht besser doch einen anderen Beruf suchen?

      Ich warte nicht darauf, dass mir ‚gebratene Tauben in den Mund fliegen‘ sondern esse das, was auf dem Tisch ist und damit kann ich – wie bereits erwähnt, momentan noch sehr gut leben.

  10. diereferendarin 5. Juni 2013 um 14:16 #

    Ich glaube mit Hartz4 hat man am Ende mehr Geld zur Verfügung als mit ALG I, Stichwort Miete. Traurig ist es dennoch.Zeigt aber auch, dass man bei den Lehrern mittlerweile auch in der Jobsucherealität angekommen ist und da wird Mobilität erwartet.

    • bambooos 5. Juni 2013 um 14:19 #

      Die hocken mit ihrem Hintern jahrelang von 7:30-17:00 gemütlich in ihren Büros und erwarten von mir Mobilität? Pft.
      Schulen gibt es überall. Lehrer werden überall alt und brauchen Nachfolger. Und wenn sie mich 200km weit weg schicken wollen, dann verzichte ich darauf. Ich muss auch an mich denken…

      • diereferendarin 5. Juni 2013 um 16:49 #

        Wer hockt auf seinem Hintern? Die vom Hartz4amt?

        das ist es ja – wobei ich nicht für dein Bundesland sprechen kann – in meinem ehemaligen Bundesland werden auch händeringend Lehrer gesucht. Aber keine neu eingestellt, weil die ja Geld kosten. Da löst man das Problem mit Lehramtsstudenten, die als Vertretungslehrer arbeiten. Die sind schön billig.

  11. aninug 5. Juni 2013 um 11:55 #

    Ich kann gerade richtig nachempfinden, wie es dir geht!
    Ich warte selbst auf einen Platz für das Ref. Genau wie du, habe auch ich mich nur für Thüringen beworben. Nun heißt es abwarten….
    Das hast du ja nun schon alles erfolgreich hinter dich gebracht! *neidisch*

    Ich drücke dir auf jeden Fall ganz doll die Daumen!!! So junge und engagierte Lehrer, wie dich, braucht sicher jede Schule. Da kann ich leider auch nicht verstehen, warum nur so wenige Lehrer eingestellt werden…. Politik… naja.. :/

    • bambooos 5. Juni 2013 um 12:01 #

      Jepp, „naja“ trifft es gut.
      Ich verstehe ich nicht, wieso die Politik da mitmischen muss. Sowas sollte unabhängig gemacht werden, mit nem bestimmten Etat jedes Jahr – und vor allem vorausschauend und nicht so planlos wie das derzeit geschieht…
      Ich drück dir die Daumen dass es klappt! 🙂

      • aninug 5. Juni 2013 um 12:05 #

        Danke! 🙂

    • diereferendarin 5. Juni 2013 um 14:17 #

      Das soll jetzt nicht falsch verstanden werden, sondern ist als ehrliche Nachfrage gemeint: Hast du mal überlegt, dich auch in anderen Bundesländern zu bewerben?

      • bambooos 5. Juni 2013 um 14:22 #

        Ja.
        Hessen und Bayern kämen entfernungstechnisch in Frage.
        In Hessen war die Frist abgelaufen noch bevor ich mein Zeugnis bekam. Bayern nimmt keinen, der nicht Kunst oder Musik hat.
        Also: aussichtslos.
        Nochmal umziehen werde ich nicht. Mein Freund hat hier langfristig nen festen Job, wir haben ein Baugrundstück…nur meine Stelle fehlt noch.

      • diereferendarin 5. Juni 2013 um 16:30 #

        Verstehe!

  12. stellinchen 5. Juni 2013 um 11:55 #

    „Irre, oder?“
    Ja! Eindeutig O_o
    Aber es gibt viele Dinge, bei denen das so schräg läuft, echt komisch…

    Hmm, ich wäre für „Zum Papa ziehen“
    Das sehe ich dann nicht als Rückschritt, sondern als – ein Schritt zurück um Anlauf zu holen 😉

    Und sonst .. Fahrrad-Verkäuferin. Eindeutig *lach*

    Ich halte dir ganz fest die Daumen, liebe Frau A (:

    • bambooos 5. Juni 2013 um 12:01 #

      Ich hab seit Jahren nicht mehr auf nem Fahrrad gesessen…das wird nix 😉

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