Ausprobiert: „Was würdest du ändern?“

4 Jun

So, nachdem ihr gestern intensiv diskutiert habt, habe ich eine Sache gleich mal ausprobiert.
Diesmal in meiner Matheklasse (in der ich die Schüler seit anderthalb Jahren kenne).

Situation:
Nach der Hofpause kamen erst zwei Mädchen, die sich über einen Schüler beschwerten. Kurz darauf kam ein weiteres weinendes Mädchen in die Klasse.
„Der Florian hat uns gehauen!“
„Der hat uns geschubst!“
Usw.

Er war nach einem kurzen Gespräch uneinsichtig und hatte auch keine richtige Lust auf Unterricht. Statt ihn gammeln zu lassen, dachte ich an eure Tipps und schrieb auf einen Zettel:

„Schreibe auf, was in der Hofpause passiert ist. Was würdest du ändern?“

Nach einem kurzen fragenden Blick machte er sich ans Werk.
Als Ergebnis stand dann da (ich verbessere jetzt mal die Fehler):

Ich habe mit meinen Freunden gespielt.

Ich wies ihn darauf hin, dass beim Spielen keiner weint. Dann erklärte er mir, dass es in der Umkleide passiert ist und fügte auf dem Blatt hinzu:

Im Umkleideraum hab ich Kinder umgeschubst.

Dann hielt er mir den Zettel hin. Ich deutete auf den zweiten meiner Sätze und sah, wie er überlegte & den Stift in die Hand nahm.

Keine Kinder umschubsen.

Das war dann sein Fazit.
Es folgte ein kurzes Gespräch dazu & dann ließ ich ihn die normalen Aufgaben weiter machen.

Mein Fazit:
Prinzipiell ne gute Sache. Durch den Zeitaufwand (ich muss mir ja auch überlegen, welche Fragen ich auf den Zettel schreibe, wo ich das Blatt herkriege etc.) wäre es vielleicht besser, sowas als Blanko-Vordruck immer dabei zu haben.
Und es macht definitiv mehr Sinn, wenn sie selbst den Fehler in ihrem Verhalten suchen und Alternativen überlegen. (Aber in der ersten Klasse von gestern wäre das nicht gegangen, allein von den Fähigkeiten schon nicht)
Zusätzlichen Druck/Schamfaktor könnte hier noch das Verlangen einer Unterschrift der Eltern zur Kenntnisnahme bringen. Wenn sie erstmal merken, dass ihr Verhalten an „Zuhause“ weitergeleitet wird, wird es vielleicht unterbunden. Mal abwarten 😉

Ich habe diese Methode nun in meine „Methodenkoffer“ aufgenommen und werde das im Fall der Fälle versuchen zu praktizieren.

DANKE für eure Ideen und die rege Diskussion gestern!

Liebe Grüße,
Frau A.

Ps.: Sowas steht im Lehrplan übrigens unter Selbstreflexion & schult daher sogar noch Selbst- und Sozialkompetenz. Das hätte ein gutes Ziel für nen Unterrichtsbesuch gegeben – wenn ich denn noch welche hätte… 😉

Pps.: Meine Formulierung finde ich im Nachhinein nicht ganz optimal. Hat zwar ihren Zweck erfüllt, aber gefällt mir noch nicht so. Habt ihr Ideen, wie man das besser schreiben könnte – im Hinblick auf einen Blanko-Bogen in dem z.B. nur 1. Was ist passiert? 2. Was hast du gemacht? 3. Was würdest du anders machen? steht. Wie würdet ihr das machen?

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11 Antworten to “Ausprobiert: „Was würdest du ändern?“”

  1. Carina 5. Juni 2013 um 12:22 #

    Von einem Kollegen habe ich im Ref mal diesen Zettel bekommen:

    „Du kennst unsere Klassenregeln. Kannst du dir denken, was du nicht richtig gemacht hast?
    1. Schreibe die Regel auf.
    2. Wie hast du dich verhalten?
    3. Was kannst du ändern, damit es nicht mehr vorkommt?“

    Das habe ich bei meinen störenden 4. Klässlern (damals Reli Gruppe) auch zvon den Eltern unterschreiben lassen.

    Mitlerweile würde ich auf jeden Fall noch die Emphatie einbauen…also wie bei selma vorgeschlagen, auf die Gefühle der Mitschüler eingehen (falls es sich nicht um einfache Störungen, sondern Streitigkeiten handelt).

    In meiner eignen Klasse gab es vor meiner Zeit zunächst ein Ampelsystem. Darauf reagierten die Kids aber nicht mehr, sodass ich jetzt die Zeiträuber eingeführt habe.
    Vieles raubt mir Zeit, Störungen im Unterricht, Schüler die nicht zuhören und ich es deshalb wiederholt erklären muss (natürlich erkläre ich gerne noch mal, bei Nicht-Verstehen!) usw. Wer mir in einem vorher vereinbarten Zeitraum (1-2 Wochen oder länger, wenn man nciht so streng ist ;)) 5x Zeit geraubt hat, dem raube ich Zeit. Je nach dem mit Zusatzfaufagben oder Aufräumen etc. Zeitgleich kommt eine Elternnotiz ins Heft. Ich habe das System aber vorher auch den Eltern vorgestellt und erklärt.

  2. selma 5. Juni 2013 um 11:31 #

    Super! Klingt nach einem sehr guten Ansatz. Ruhig auch gleich „Was hast du gemacht?“ „Warum hast du das gemacht?“ (Oft spannende Antworten, von Ausreden bis interessanten und wichtigen Einblicken in die Motivation des Übeltäters… hatte z.B. schon – 6. Klasse Gymnasium – da stehen: „Weil mein Meerschwein gestern gestorben ist und ich sauwütend bin.“ Kein Witz.) und „Was meinst du, wie sich die anderen gefühlt haben, als du das gemacht hast?“ mit aufnehmen. Und Wiedergutmachungsvorschläge! („Was könntest du tun, um das wieder gut zu machen?“).Vielleicht etwas zu komplex für die GS, aber eben so in der Art. Wirkt auch schon alleine deshalb, weil sie schreiben müssen bzw. bei der mündlichen Variante während des Einzelgesprächs („xy, du kommst bitte nach der Stunde zu mir“) die attraktive Pause leider versäumen.

  3. Frau E. 4. Juni 2013 um 19:46 #

    Unter Zeiträuber findest du auch einen Reflexionsbogen (zaubereinmaleins)

  4. EXLAA 4. Juni 2013 um 19:08 #

    Hi Frau A,
    also ich habe an meiner Schule ein Streitschlichterprogramm eingeführt, welches sehr gut funktioniert. Einige ausgewählte Kinder aus der Ethikklasse der Vierer leiten dies in meiner Unterstützung. Es gibt einen „Hilfekasten“ (eine Art Briefkasten), dort können alle Schüler einen kleinen Brief schreiben und ihr Probleme schildern. In den Ethikstunden werden dann diese betreffenden Schüler eingeladen und es wird in kleiner Runde über Probleme wie Mobbing, Streit, Gewalt oder auch störendes Verhalten im Unterricht geredet und es werden Ziele gemeinsam aufgestellt . Hier arbeite ich auch mit Verträgen, die dann beide Parteien unterschreiben. Meine Viertklässler sind also kleine Mediatoren. Und wenn es einmal angelaufen ist, dann kann man sich als Lehrer auch immer mehr zurücknehmen.
    LG

    • bambooos 5. Juni 2013 um 11:37 #

      Klingt auch interessant!
      Wenn ich ne Stelle bekomme und Fuß gefasst habe, werde ich sowas sicher auch mal ausprobieren. 🙂 Es ist immer gut wenn die Schüler lernen, selbstständig Probleme zu lösen oder einen Ansprechpartner zu haben – bevor die Fäuste fliegen…

  5. diereferendarin 4. Juni 2013 um 17:24 #

    Ich frage mich ob sich 1. und 2. nicht manchmal doppeln? Der, der was gemacht hat, schreibt dann bei 2. nochmal das was bei 1. schon steht. Obwohl, Grundschüler schreiben bei 1. wohl grundsätzlich, dass die anderen schuld waren oder so….wer weiß?

  6. auchlehrer 4. Juni 2013 um 15:01 #

    Stöbere mal bei 4teachers unter Alltagspädagogik – da findest du einige Vorlagen, die du auf eigene Bedürfnisse zuschneiden kannst: Besinnungstexte für Trainingsräume (wenn es sie denn gibt), Besinnungsbögen, wo Vorgefallenes reflektiert werden muss bis hin zur „Roten Karte“… (die Qualität ist nicht immer hervorragend, aber oft zählt auch die Anregung!)

  7. herr_mess 4. Juni 2013 um 13:55 #

    Wie gesagt, genau so einen Vordruck hab ich immer dabei. Wenn du was brauchst, sag Bescheid!

  8. D. R. 4. Juni 2013 um 11:43 #

    Unterrichtsbesuche? Kein Problem!

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