Vom Tellerwäscher zur Lehrerin

27 Mai

Durch einen Kommentar zum letzten Artikel bin ich auf die Idee gekommen, mal aufzuschreiben, was ich jobtechnisch so alles gemacht habe auf dem Weg zur Lehrerin.

Hier erstmal der Kommentar von „ABC“:

„Was ich krass finde, dann bist du doch aus der Schule in die Schule oder? Hast du zwischendrin mal was anderes gemacht? Also mal eine andere berufliche Seite kennen gelernt? Z.B. ökologisches Jahr oder so?Ich finde das immer bissl schwierig, wenn man nicht auch mal was anderes gesehen hat. Oftmals kann man dann nämlich Eltern, die in der freien Wirtschaft arbeiten nicht verstehen.“

Natürlich bin ich nicht nur in der Schule gewesen, dann in einem Vakuum an der Uni und dann in einer Referendariatsblase. Im Gegenteil!

Mit 14 habe ich angefangen, in den Ferien in einer Kunststofffabrik zu arbeiten. Dort habe ich die Verschlüsse von euren Duschbädern, Wasserflaschen und UHU-Klebern nach Fehlern kontrolliert und sortiert. Saß also an einem Tisch und habe palettenweise Kartons mit Stöpseln und Co. überprüft.

Mit 19 bin ich dann „aufgestiegen“ und durfte selbstständig entweder Komplettierungen (die Maschinen, die aus verschiedenen Teilen eins machen) oder Stapelmaschinen bedienen. Eine verantwortungsvolle Tätigkeit, immerhin muss regelmäßig die Qualität überprüft und dokumentiert werden. Die Ware musste dann natürlich auch ordnungsgemäß verpackt, etikettiert und eingelagert werden.

Während meines Studiums arbeitete ich dann etwa ein halbes Jahr in einer Disco. Die wurde zu der Zeit gerade neu eröffnet, ich bewarb mich, wurde angelernt und stieg noch zur Eröffnung der Lokalität zur Thekenchefin auf. Heißt: ich war Boss, hatte n Funkgerät, Kontakt zu Lager, Security, Chefs & anderen Bar – und mir untergebene Mitarbeiter. Das war ne echt coole Zeit, auch wenn die Arbeit neben der Uni [Mittwoch (Putztag), Donnerstag, Freitag, Samstag] schon hart war. Ich war sogar fest angestellt.
Irgendwann kündigte ich aber – einerseits aufgrund meines Chefs, andererseits wegen der Kohle, weil man (gerade als Thekenchef, der von Anfang bis Ende da ist) viele unbezahlte Überstunden machte – und das für nen Stundenlohn von unter 4,50€, wenn ich mich richtig erinnere. Dennoch: viel erlebt, tolle Zeit gehabt. UND: Ich konnte mit meinen kleinen Händen 4 dicke 0,5 Liter-Gläser gleichzeitig mit Vodka-Energy befüllen 😉

Neben des Studiums hatte ich dann einen meiner coolsten Jobs. Ich habe knapp 4 Jahre als Servicetester/Mystery Shopperin gearbeitet. Unter anderem wurden McDonalds, H&M, Douglas, Obi und viele andere Firmen von mir observiert. Das hat Spaß gemacht. Nach einer Weile war ich auch hier so gut, dass ich aufgestiegen bin und dann anderer Tester testen durfte. Heißt: ich habe andere Tester beim testen von Filialen beobachtet und dann Feedbackgespräche gemacht und Berichte geschrieben.
Wirklich viel Geld gabs da auch nicht, aber es war ne spannende Sache, durch die man WITZIGES Insiderwissen erlangt hat.

Da ich eine Zeit lang zum Spaß Fotoshootings gemacht habe (nein, nichts pikantes & auch nichts im Netz – ihr braucht gar nicht suchen), lernte ich einen privaten Jobvermittler kennen. Durch ihn arbeitete ich einmal in einer Edelgaststätte in der Küche mit – sozusagen als Tellerwäscherin (ich hab aber meistens die Töpfe und großen Sachen sauber gemacht). Kurz darauf durfte ich ne Nachtschicht in einer Druckerei machen, in der diverse Prospekte gedruckt und gebunden wurden. Alles interessante Einblicke.

Das war aber nicht so meine Welt – ich benutze schon gerne mein Hirn bei der Arbeit 😉

Im Handel habe ich auch schon aushilfsmäßig gearbeitet. An diversen verkaufsoffenen Sonntagen habe ich da Klimmbimm verkauft, Kundengespräche geführt, beraten, kassiert, verpackt…was man da halt so macht.

Gegen Studienende war ich noch für das Amt für Bildung in Erfurt tätig und habe Englisch-AGs in einer Grundschule ausgerichtet. Die Erst- und Zweitklässler haben noch vor Beginn des regulären Englischunterrichts (in Thüringen in Klasse 3) inbrüstig mit mir „Head and Shoulders, Knees and Toes“ gesungen. Das hat echt Spaß gemacht & ist für mich heute noch Motivation, Englisch als Fach zu unterrichten.

Nach der Uni habe ich dann bekanntermaßen als Erzieherin im Hort gearbeitet. Das war eine sehr lehrreiche Zeit, die mir viel Respekt vor diesem Job eingebracht hat. Allein der Lärmpegel und der Konfliktreichtum ist schon eine Verbeugung wert.

Schlussendlich bin ich auch in der Kunststofffabrik noch weiter aufgestiegen – nachdem ich also an Maschinen gearbeitet habe, durfte ich u.a. im Büro detaillierte Arbeitsplatzbeschreibungen für die Mitarbeiter anfertigen (gehört zum Qualitätsmanagement). Hier machte sich meine jahrelange Praxis bezahlt – und mein Wissen, dass dort Anweisungen in SEHR einfacher Sprache gegeben werden müssen, weil viele Mitarbeiter das sonst einfach nicht verstehen. Mein letzter Job dort war es, Fragenkataloge für die Mitarbeiter zu erstellen, mit deren Hilfe sie geschult werden sollen. Längere Geschichte.
Jedenfalls werde ich dort vorläufig wieder einsteigen, wenn das Ref vorbei ist – immerhin gibt es danach über 2 Monate keine Kohle – und die Firma hat mich schon angefragt, ob ich meine Mission weiter ausführe.
Das coole dabei ist: ich kann sowohl mein pädagogisches Wissen (Wie bringe ich neues Wissen bei? Motivation? Zielorientierung?Wie überpüfe ich den Lernzuwachs?), als auch mein praktisches Wissen aus der Arbeit (Welche Abläufe sind zu beachten? Arbeitsschutz?Qualitätsmanagement etc.) dort nutzen – im besten Falle um dort die Produktionsprozesse und Abläufe zu verbessern und der Firma weniger Reklamationen und noch mehr Millionen zu verschaffen… 😉

…also um auf den Eingangskommentar zurück zu kommen: 
Ich denke, dass ich nen großen Einblick in die Arbeitswelt außerhalb der Schule habe. Dadurch habe ich viele Berufe (und Personengruppen) schätzen gelernt…aber auch gemerkt, dass ich trotz allem Lehrerin sein möchte. Auch wenn es da keine Bürozeiten von 8-17 Uhr mit regelmäßigen, richtigen Pausen gibt. Auch wenn man dann nicht nach Hause kommt und gleich Feierabend hat.
Das Schöne am Lehrer-Sein (im Gegensatz zu anderen Berufen) ist das Gefühl, was man nach einem erfolgreichen Tag hat. Zu wissen, dass man etwas erreicht hat in den Köpfen der Kinder. Ihre Freude zu sehen, wenn sie etwas neues beherrschen. Ihre Ideen zu hören, die aus ihnen heraussprudeln. Ihre Zuneigung, ihr Lachen, ihre Art.

Deswegen mein Fazit: 
Ich habe alles richtig gemacht & möchte diese vielfältigen Erfahrungen nicht missen!

In diesem Sinne: schaut über den Tellerrand, solange ihr noch Zeit dazu habt!
Liebe Grüße,
Frau A.

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8 Antworten to “Vom Tellerwäscher zur Lehrerin”

  1. Erstklässermami 2. Juni 2013 um 06:48 #

    Auch wenn der Bericht anscheinend wegen einem nicht so schönen Kommentar geschrieben wurde, finde ich es als jemand, der keine Ahnung von der Ausbildung bzw. dem Studium eines Lehrers hat, sehr interessant. Deshalb danke fürs Posting.

  2. Frau B. 31. Mai 2013 um 12:51 #

    Hallo ABC!
    Ich bin vor allem über die folgenden beiden Sätze von dir gestolpert:
    “Was ich krass finde, dann bist du doch aus der Schule in die Schule oder?“ und
    „Oftmals kann man dann nämlich Eltern, die in der freien Wirtschaft arbeiten nicht verstehen.”
    Ich habe diesen Blog hier fast lückenlos verfolgt und stelle mir Frau A. ziemlich lebenstüchtig vor. Soweit ich das beurteilen kann, ist ihr Werdegang meinem recht ähnlich. Du findest ihren Weg ins Berufsleben nun „krass“.
    Auch ich bin „aus der Schule in die Schule“, habe kein FSJ o.ä. gemacht; demzufolge siehts du bei mir (und Frau A.) die Gefahr, dass ich Eltern aus der freien Wirtschaft nicht verstehen kann.
    Durch deinen Kommentar habe ich mich angesprochen gefühl und ich muss zugeben, auch angegriffen. Für mich klang deine These halt recht pauschal.
    Deine Überlegungen sind meiner Meinung nach grundsätzlich richtig, und es gibt sie wirklich, die Lehrer, die du damit meinst. Ich denke nur, dass das vor allem etwas mit der persönlichen Einstellung zu tun hat und nicht unbedingt mit dem Lebenslauf.
    Liebe Grüße
    Frau B.

  3. ABC 30. Mai 2013 um 13:02 #

    Unser Prof hat immer hervorgehoben, dass es besser ist schon einmal was anderes gemacht zu haben und im Alltag als Lehrerin merke ich, dass das auch stimmt. Man braucht doch nicht zwingend ne Berufsausbildung. Man kann ja auch ein europäisches Jahr oder Ähnliches gemacht haben. Dass sich gleich immer alle angegriffen fühlen, das nervt doch, Frau B. Schade!

    • bambooos 30. Mai 2013 um 13:06 #

      Wie sagt man so schön?
      Der Ton macht die Musik.
      …und bei dir „klingt“ das oft ein wenig angriffslustig 😉

    • umblaettern 31. Mai 2013 um 08:15 #

      Einen anderen Standpunkt zu vertreten heißt ja nicht gleich, dass man sich angegriffen fühlt, nur dass man Dinge anders sieht und das auch mitteilt (;

  4. Frau B. 29. Mai 2013 um 20:29 #

    Ich kann es zwar nachvollziehen, dass einige Menschen denken, dass Lehrer außer der Scheinwelt Schule nix kennen und quasi lebensuntüchtig sind, aber dieses Vorurteil trifft ja längst nicht auf alle zu und nervt irgendwann auch.
    Ich habe einen ähnlichen Lebenslauf, Kellnerin in feinem Restaurant, Kellnerin in Dorfkneipe, Aushilfe in quasi allen Abteilungen eines Schienenfahrzeugherstellers (neben Blumen gießen, Kaffee kochen und kopieren auch Hotelzimmer, Mietwagen, Flüge buchen, Ersatzteile sortieren, Reisekostenabrechnungen anfertigen, Projektmappen zusammenstellen, Konferenzräume eindecken, Büromaterial ordern, Protokolle schreiben, Etikettenlöser auftreiben,…), Kinderbuchparty-Verkäuferin, Mitarbeiterin im Ganztagsbetrieb einer Schule,…
    Außerdem hab ich einen Freund, der Bäcker ist und weiß ziemlich genau, woher meine Brötchen kommen und warum sie ihren Preis wert sind. Ich arbeite eng mit unserer örtlichen Stadtbücherei zusammen und habe viele Einblicke in den Beruf der Bibliothekarin (kann man beim Aufbau einer Schülerbücherei übrigens wunderbar nutzen). Ich kenne auch einen Großteil der Aufgabenbereiche unserer Hausmeisterin und unserer Sekretärin.
    Expertin bin ich allerding nur für meinen Beruf, andere Behauptungen wären anmaßend den Fachkräften der Berufe gegenüber.
    Viel schlimmer finde ich, dass einige meinen, sie wüssten, was ein Lehrer so macht, weil sie schließlich auch mal zur Schule gegangen sind.
    Ich denke jedenfalls, dass ich mich im richtigen Leben ziemlich gut auskenne und auch zurechtfinde und versuche ziemlich viel davon an meine Schüler weiterzugeben.
    Noch eine provokante Frage (v.a. an ABC) am Schluss:
    Wie viele Berufsausbildungen brauche ich denn, um eine lebenstüchtige Lehrerin zu sein?

    Und noch ein Themenwechsel:
    Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung, liebe Frau A.!
    Mein damaliger Konrektor kommentierte meine Vornote in Religion (3,0) damals wie folgt:
    „Mach dir nichts draus. Die Einser-Kandidaten kannst du später im Schulalltag oft nicht gebrauchen, die können oft nur tollen Unterricht planen und sind mir dem ganzen Drumherum überfordert. So eine wie du wird im Schulalltag schon zurecht kommen, dass hast du uns ja schon oft gezeigt.“
    Und ich sage dir jetzt, was ich „meiner“ gestressten Anwärterin gerade so ähnlich ganz oft sage: In dem, was du schreibst, spürt man die Liebe zu den Kindern, den Wunsch, ihnen etwas „beizubringen“, ihnen etwas mitzugeben, sie im Leben zu stärken. Was dir (vielleicht) noch zum perfekten Unterricht fehlt, wirst du durch Berufserfahrung dazulernen, aber die wichtigeren Voraussetzungen und Kompetenzen, die scheinst du mitzubringen, und die kann man kaum erlernen.
    Alles Gute weiterhin und eine feste Stelle wünsch ich dir!
    Frau B.

    • umblaettern 30. Mai 2013 um 08:30 #

      Danke, dass das auch mal jemand sagt. Als Lehrer ist man doch nicht nur umgeben von Lehrern und hat keine Ahnung, wie es in anderen Berufen zugeht.

  5. diereferendarin 29. Mai 2013 um 06:07 #

    Ich erlebe auch „immer wieder“ Lehrer, bei denen man merkt, dass die nie Existenzängste hatten und die eben nie über den Tellerrand geblickt haben. Das ist doch grauenhaft, erstmal für einen selbst und dann natürlich für das Klientel mit dem man arbeitet. Am meisten stört mich dieses Leben in der Blase aber, weil dadurch oft Anspruchsdenken in allen Lebensbereichen herrscht. Das.geht.gar.nicht.

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