Fazit Mündliche Prüfung

26 Mai

Am 23.5.2013 war es soweit. Die letzte Prüfung stand an.
Ich war am Vorabend schon in der Seminarstadt eingetroffen, es gab leckere Waffeln zum Dinner, dazu ein Sektchen, alles ganz entspannt. Nachdem meine Freundin ins Bett gegangen ist, saß ich noch ein bisschen, blätterte in den Unterlagen und ging dann gegen halb 12 schlafen.

VOR der Prüfung
Am Prüfungstag wurde in 2 Durchgängen geprüft. Vormittags und Nachmittags. Ich war in der zweiten Gruppe, deren Prüfungen ab 13:00 anstanden. Nur blöd, dass ich schon 6:30 hellwach im Bett saß und noch über 6 Stunden überbrücken musste. Sofort nach dem wach werden war ich irgendwie hibbelig und aufgeregt.

Dann klingelte mein Telefon. Mein Chef war dran und wünschte mir viel Erfolg bei der Prüfung. Fand ich cool. Sein Tipp um die Zeit rumzukriegen: „Gucken Sie sich doch nen Film an!“ – Dazu war ich aber nicht in der Lage. Stattdessen lenkte mich ein Kumpel per SMS ab…und dann klingelte das Telefon erneut. Ein Freund & ehemaliger Studienkollege, der das Ref bereits im Februar beendet hat gab mir letzte Tipps und quatschte so lange mit mir, bis die Nervosität fast weg war. DANKE DANKE DANKE!
Dann traf ich mich mit einer anderen LAA und unseren Vfa’s (Verantwortlichen für Ausbildung uns unseren Schulen – sie waren Teil der Prüfungskommission) und wir machten uns auf gen Studienseminar.
Dort saßen die anderen aus Gruppe 1 schon glücklich und zufrieden mit ihren Zeugnissen und Sektgläsern rum. Echt blöd, wenn man selbst noch alles vor sich hat.

BEI der Prüfung
Die Prüfung lief so ab wie angekündigt. Die ersten 5 Minuten das auswendig gelernte Einsprechthema runterbeten, dann die beiden Praxisprobleme durchlesen, eins auswählen, Stichpunkte dazu machen und dann reden, reden, reden. Als mir nix mehr einfiel, wurden Fragen gestellt. Sobald die Prüfung losging war ich nicht mehr nervös. Ich wusste, dass ich mich vorbereitet hatte, also was sollte passieren?
Nach exakt 30min Prüfung ging es zurück in den Aufenthaltsraum. Dort wurde sich kurz mit den anderen LAA ausgetauscht (wir wurden ja parallel geprüft), nochmal kurz in die Unterlagen geschaut und dann zur nächsten Prüfung gestartet.

NACH der Prüfung
Als wir alle 3 Prüfungen hinter uns hatten, fiel die Nervosität vollends ab. Wir klatschen uns ab, umarmten uns und warteten dann auf die Verkündung unserer Noten.
Meine Gefühle waren gemischt. 2mal hatte ich ein gutes bis sehr gutes Gefühl, einmal ein mittemäßiges. Besonders in Werken fand ich mich persönlich sehr stark. Gerade weil ich ein Thema hatte, in dem ich mich super auskenne, schon viel gemacht habe und gut reden konnte. Trotzdem bekam ich nur ne 3. Unverständlich.

Die Notenverkündung
Nachdem etwa 45min vergangen waren, wurden wir in alphabetischer Reihenfolge einzeln in einen Raum gerufen. Dort teilte uns die Frau vom Schulamt unsere einzelnen Prüfungsleistungen der mündlichen Prüfung mit. Dann gabs von der Seminarleitung das vorläufige Zeugnis überreicht, worauf die obligatorischen Gratulationen erfolgten.
Von Stolz war hier noch keine Rede, immerhin hatte ich es doch nicht geschafft, noch auf „gut“ zu kommen. Der Durchschnitt rief förmlich „HAHA, knapp daneben ist auch vorbei!“ – aber damit hatte ich ja gerechnet.
Auf dem Flur folgten dann noch Gratulationen und gute Wünsche von anderen Fachleitern.

Besonders intensiv war die die Begegnung mit der Fachleiterin, die auch in meiner praktischen Prüfung anwesend war. Ich glaube sie sagte auf dem Flur nur einen Satz, aber der Blick in ihre Augen zeigte mir irgendwie, dass sie sich dessen bewusst ist, was diese Bewertung damals für mich bedeutet. War eine ganz eigenartige Situation und ich bilde mich auch ein, eine Träne in ihrem Auge gesehen zu haben. Wir atmeten beide tief durch und umarmten uns…Puh. [das Ganze ist so unwirklich, weil ich von ihr sehr viel gelernt habe, sie sehr schätze, aber sich das NULL in meinen Bewertungen niedergeschlagen hat]

DANACH
wurden die andere LAA und ich von unseren VfA’s noch zu einem Eis eingeladen. Dann ging’s nach Hause. Es war inzwischen schon fast 18 Uhr.

Auf der HEIMFAHRT
Bevor ich losfahren konnte, musste ich erstmal gefühlte 10000 Nachrichten und Mails beantworten. Dann stöpselte ich mein Handy an und hörte solche Lieder wie DIESES (besonders ab 1:14 bzw. der Refrain sprechen mich da an) und sang lauthals mit. Irgendwann überkam mich der Wunsch, jemanden anzurufen. Ich entschied mich für meinen Papa (mit Mutti und Schatzi hatte ich zwischendurch schon geredet).
Er ging ran, fragte wie’s gelaufen ist und dann sagte ich zum ersten Mal den Satz:

Papa, ich bin jetzt Lehrerin!

Dann fiel dieser Brocken plötzlich von mir ab und mit 160 Sachen auf der Autobahn kamen mir die Tränen und ich heulte voll los. Sturzbäche. Rotz und Wasser.

Papa ich habs geschafft!
Ich bin Lehrerin.
Richtige Lehrerin.

Endlich!

Am Ende der Leitung war es kurz still. Ich glaube mein Papa musste sich auch erst sammeln. Das große Kind hat nach 7 langen Jahren mit vielen Höhen und Tiefen ihr Ziel erreicht. Lehrerin. Wahnsinn.

Und ich muss hier an dieser Stelle ganz ehrlich sagen: ohne meinen Freund und meine Familie wäre ich an manchen Tagen wahrscheinlich durchgedreht. Aber es war immer jemand da (und sei es nur am Telefon), der mir mein Ziel wieder vor Augen gehalten hat. Der gesagt hat, dass ich das schaffe. Dass ich mich durchbeißen soll. Dass ich mal ne Pause machen soll. Dass sie an mich glauben.

DANKE dafür!!!

Auf dem Heimweg hielt ich noch kurz bei meiner Mutti an. An der Haustür fielen wir uns heulend in die Arme. Freude und Stolz, dass es nach der langen Zeit endlich geschafft ist.
„Meine kleine Lehrerin“…sobald das in den letzten Tagen jemand gesagt hat, hätte ich losheulen können. Meine Mutti wollte vor Freude sogar meine ehemalige Grundschullehrerin anrufen und ihr davon berichten 😉

Zuhause angekommen war das alles noch ganz unwirklich. Schatzi schaute mich mit einem ganz besonderen Blick an…und wieder: „Meine kleine Lehrerin“ – Freudentränen.

In der Nacht konnte ich mal wieder richtig schlafen…und obwohl die Nacht nur 5 Stunden lang war, war ich am nächsten Morgen fit.

In der SCHULE
Freitag vertrat ich meine Mathementorin, u.a. in meiner Matheklasse. Die Schüler wussten ja, dass ich am Tag davor Prüfung hatte. Also erzählte ich ihnen, dass ich die Prüfung geschafft habe und nun eine richtige Lehrerin bin.
Und was machten sie?
Sie applaudierten wie wild und freuten sich mit mir 🙂
Die Stunden schüttelte ich aus dem Ärmel, selbst eine Vertretungsstunde in einer mir bisher unbekannten Klasse war kein Problem. Der Tag war einfach nur cool. Erleichtert, entspannt, froh.

Was ändert sich jetzt?
1. Ich glaube die wichtigste Neuigkeit ist, dass dieser immense Druck abgefallen ist. Es kommt keiner mehr, der mich beurteilt. Ich muss keine Ausarbeitungen mehr schreiben. Ich kann einfach nur Lehrerin sein. Das, was ich schon immer sein wollte.

2. Ich habe wieder soziale Kontakte. So viele Menschen, wie ich dieses Wochenende gesehen habe, habe ich sonst in 2 Monaten nicht getroffen. Und so viele Sachen haben wir sonst auch nicht gemacht. Ich war bei meiner Mutti, bei den Schwiegereltern, auf nem Geburtstag, bei einer Freundin, bei einem befreundeten Pärchen und sogar schick Essen mit Schatzi.
Und das Beste: all das OHNE schlechtes Gewissen. Ohne zu denken „Ich muss noch dies, das und jenes machen“. Herrlich!

…eine Sache gibt es noch, die wieder neu für mich ist. Ich habe erstmalig seit mindestens anderthalb Jahren wieder ein Buch zu meinem privaten Vergnügen in die Hand genommen. Damit hab ich mich in mein Bett gekuschelt und einfach nur gelesen. Stundenlang. Mitten in der Nacht, frühs, nachmittags…einfach so! Und es war toll. Ich hatte ganz vergessen, wie schön es ist etwas zu lesen.
[Übrigens ist es das Buch von Philipp Möller: „Isch geh Schulhof“ – hat mir meine Lieblingsmentorin zur bestandenen Prüfung geschenkt. Danke nochmal!]

Jepp. Jetzt muss ich aufhören zu schreiben. Mein Kuchen will nämlich vollendet werden.
Ja, richtig gehört: Kuchen. Dass mein Hirn sich langsam entspannt merke ich auch daran, dass ich plötzlich Lust hatte, nen Kuchen zu backen. Einfach so. Sonntag nachmittag. Irre.

Aber ihr habt Recht: es ist ein tolles Gefühl, alle Prüfungen hinter sich zu lassen und sein Ziel erreicht zu haben. Noch am Prüfungsabend saß ich an meinem Schreibtisch und suchte die Zeugniskopien für meine Bewerbung raus. Dabei wurde mir erstmal bewusst, was ich schon alles geschafft habe in den letzten Jahren…
2006 – Abitur
2009 – Bachelor of Arts
2011 – Master of Arts
2013 – 2. Staatsexamen = Grundschullehrerin
…und das alles mit 25. Verrückt!

Wie geht’s jetzt weiter?
Schule und Studienseminar laufen ganz normal weiter. Einmal wöchentlich Seminarveranstaltungen, ansonsten Schule. Bis zu den Sommerferien. Irgendwann sind dann die Vorstellungsgespräche (in Thüringen schulamtsbezogen) und dann hoffe ich, dass sich jemand findet, der eine junge, motivierte Lehrerin einstellen möchte 😉

Welche Ziele habe ich noch?
Ich würde gerne noch die Zusatzqualifikation machen, um meinem eigentlichen Ziel, Englischlehrerin zu werden näher zu kommen. Dafür muss ich nochmal 2 Semester berufsbegleitend einen Kurs besuchen – aber das ist mir die Sache Wert! 🙂

Jetzt wünsche ich euch aber erstmal noch einen schönen entspannten Sonntag Abend.
Nochmal vielen Dank auch an euch für’s mitfiebern, beglückwünschen und freuen – es ist echt toll zu wissen, dass es euch gibt und dass ihr euch für mich freut!

Ganz liebe Grüße,
Frau Lehrerin 😉

Ps.: Manchmal überlege ich, es dem Philipp Möller gleich zu tun und auch ein Buch zu schreiben. Oder einen Referendariatsratgeber. Was haltet ihr davon?

Pps.: Der Blog endet natürlich nicht hier – ich werde weiter schreiben! 🙂

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13 Antworten to “Fazit Mündliche Prüfung”

  1. Erstklässermami 2. Juni 2013 um 06:37 #

    Herzlichen Glückwunsch, ich drücke Ihnen nun ganz fest die Daumen, dass Sie jetzt auch eine Stelle und Ihre erste eigene Klasse bekommen.

  2. ABC 27. Mai 2013 um 20:48 #

    Kein Buch. Lohnt nicht. Blog einfach weiterschreiben ist sinnvoller.
    Was ich krass finde, dann bist du doch aus der Schule in die Schule oder? Hast du zwischendrin mal was anderes gemacht? Also mal eine andere berufliche Seite kennen gelernt? Z.B. ökologisches Jahr oder so?
    Ich finde das immer bissl schwierig, wenn man nicht auch mal was anderes gesehen hat. Oftmals kann man dann nämlich Eltern, die in der freien Wirtschaft arbeiten nicht verstehen.

    • bambooos 27. Mai 2013 um 20:50 #

      Oh ja, ich hab in vielen Bereichen gearbeitet, nicht nur im pädagogischen. Ich hab sowohl Fabriken, als auch Discos, Büros, Küchen und und und von innen gesehen. Ich glaub das wird der nächste Artikel 😉 Danke für die Inspiration! 🙂

  3. umblaettern 27. Mai 2013 um 06:36 #

    Das Gefühl, jetzt endlich richtige Lehrerin zu sein, ist schon umwerfend. Bei den Prüfungen hätte ich aber auch einmal beinahe geweint, als mein Seminarlehrer meinte, ich würde mich unter Wert verkaufen – uiui, da kamen die Tränen aber fast durch. Ab wann weißt du denn, wie es weitergeht?

  4. kekss 26. Mai 2013 um 17:48 #

    Congrats!!! 🙂 mir gings an dem tag genauso! …und jetzt noch viel mehr!man ist auf einmal soooo locker – herrlich! Ich drück dir auf jeden fall die daumen für thüringen-siehts für grundschullehramt wenigstens gut aus? Bei gymnasium ja gar nicht 😦 egal-nun stoß an und genieß dieses wahnsinnige gefühl 🙂 🙂 🙂

  5. zwischenbuechern 26. Mai 2013 um 17:21 #

    Ich freu mich für dich 🙂 Und werde weiterhin deinen Blog verfolgen… wenn ich daran denke das ich die Hälfte auch schon rum habe… sehr seltsam!

  6. D. R. 26. Mai 2013 um 16:56 #

    Zum Buch: Isch geh‘ Schulhof gibt’s ja nun schon. Und …Konzentration auf das Wesentliche. Es gibt viel zu tun – packen Sie’s an!!!
    Sagt der Klugscheißer!

  7. Rosita Pamplona 26. Mai 2013 um 16:54 #

    Machs einfach!!!!!!!

  8. Claudi 26. Mai 2013 um 16:43 #

    …und ich bleibe JETZT ERST RECHT und freue mich drauf. 🙂
    Herzlichen Glückwunsch, du hast es geschafft und hast alles hinter dir! Ich habe so oft mit dir gefiebert, die Daumen gedrückt, manche Mitleid- oder Freudenträne runtergeschluckt oder weggedrückt und dich bedauert. Mein Sohn hat seine letzte Prüfung noch vor sich und bekommt dann, wie du jetzt virtuell, eine Karte mit folgendem Wortlaut, die ich kürzlich in einem Schreibwarenladen fand:
    Du hast die Prüfung geschaaft! Du bist so kluk! Die lustige Illustration fehlt nun leider hier, dennoch, genieße ab nun jede Stunde als fertige Lehrerin.
    Alles Liebe und Gute für dich!

  9. Katja 26. Mai 2013 um 15:49 #

    Noch ein Buch darüber, wie man es schafft, einen Lebensabschnitt zu überstehen? Nee, lass mal. Gratuliere zu Erreichen Deiner Ziele.
    Aber ich werde mich aus dem Verfolgen Deines Blogs jetzt ausklinken.

    • bambooos 26. Mai 2013 um 15:57 #

      Kein Problem. Schön dass du da warst 🙂

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