Eine Woche Chef

14 Apr

So, meine erste Woche als „Klassenleiterin“ ist um und ich muss sagen: es hat Spaß gemacht! Die Kinder haben gut mitgearbeitet, die Ergebnisse waren ansprechend, alles i.O. 

Was schade ist, ist dass ich’s gar nicht so richtig „genießen“ konnte, weil ich spätestens seit Donnerstag eigentlich hätte schweigen müssen. Nach dem Dampfbad am Mittwoch Abend sollte es eigentlich besser werden…aber 30min später hatte ich den Teufel erst geweckt. Man konnte förmlich mitkriegen, wie die Halsschmerzen aufzogen und die Stimme sich verabschiedete…immerhin tat dann die Lunge nicht mehr so weh – aber ein gutes Tauschgeschäft war das nicht. 

Nun ja. Also Donnerstag früh in die Schule, Kinder begrüßt – die haben natürlich große Augen gemacht wegen meine tiefen, kratzigen Stimme. Bis zu einem gewissen Maße trug mein Stimmvolumen dazu bei, dass die Kinder etwas ruhiger waren als sonst… Wobei das auch nur funktioniert, wenn man im Klassenraum ist. 
Da den Kindern aber eine Stunde Sport zustand, bin ich mit ihnen nach unten in die Sporthalle. [Randnotiz: Das Fach Sport darf man nur unterrichten, wenn man darin ausgebildet wurde und die entsprechenden Kompetenzen hat. Da ich das NICHT habe, habe ich „Sportspiele“ gemacht, also vor allem Sachen mit Bällen – prellen, werfen, fangen – also gefahrenarme Spiele]. Schwierig wird es dann aber, wenn man die Klasse in 2 Gruppen teilt, die jeweils am anderen Ende der Halle stehen – und sie einen aber nicht richtig hören können, weil die Stimme nicht ausreicht. 
An diesem Punkt hab ich mir kurz gedacht „Was machst du hier eigentlich?! Sportunterricht ohne Stimme…“, aber ich hab den wuseligen Haufen zur Ruhe bekommen (ein Hoch auf das Tamburin) und dann hatten sie mächtig Spaß beim „spielen“ 🙂 

Fazit: mit wenig Stimme unterrichten geht prinzipiell – aber man verliert als Lehrer sein wichtigstes Instrument. Der Unterricht lebt ja vom lauten und leisen Sprechen – wenn eins davon fehlt, geht viel Farbe verloren. 
Heißt für mich: nächstes Mal halte ich die Klappe und bleibe zuhause. Wenn man sowas übertreibt kann man sich komplett die Stimme ruinieren und das ist in meinem Wunschberuf das Todesurteil. 

Weiteres Fazit: 
„Klassenleiter“ sein bringt nochmal ganz andere Verantwortungen mit sich, als „nur“ LAA zu sein. Klassenbuchführung (Themen, HA, fehlende Schüler), Hausaufgabenstellung/Kontrolle, Vertretung in anderen Klassen, inhaltliche Absprachen mit Kollegen, spontane Umänderungen, organisatorische Dinge (Buszettel, Sportbefreiungen…), Elternfragen, Aufsichtspflicht, Streitschlichtung… ein weites Feld. 
ABER: Es macht mir Spaß. Das habe ich in dieser Woche wieder gemerkt. Der Austausch mit den Kindern, die Erlebnisse, das Wissen, die Ideen…einfach nur toll! Und was mich (für die Zukunft) beruhigt: im Gegensatz zum LAA sein (wo man oft vereinzelte Stunden hat, in denen man möglichst alles „schaffen“ muss) kann man als „richtiger“ Lehrer flexibler sein, Dinge spontan abändern, verschieben, streichen, überdenken. Das nimmt den Druck des „ich muss noch das, das und das machen“ raus und lässt einen eher das „große Ganze“ ins Visier nehmen. Gefällt mir! 🙂 

Ich glaube eines der einprägsamsten Dinge war diese Woche die Rückgabe der HSK-Arbeit. Nachdem ich sie Montag ausgeteilt hatte, sollten mir die Kinder am Dienstag Unterschrift und Berichtigung zeigen. Bei den meisten war soweit alles i.O. Eine Schülerin zeigt mir als Berichtigung aber ihre HSK-Arbeit, in die sie an 2 Stellen ihre Fehler direkt IN der Arbeit korrigiert hatte. 
Konkret: an einem Gebissmodell sollten die Zahnarten in den richtigen Farben angemalt werden. Sie hatte einige Zähne weiß gelassen, andere falsch eingefärbt. Gab in dieser Aufgabe null Punkte. Als Berichtigung hatte sie dann direkt IN der Arbeit IM Gebissmodell die richtigen Farben reingemalt, es sah also so aus, als ob ich falsch bewertet hätte.
Nach meinem überraschten „Oh!“ war die Klasse mucksmäuschenstill und wartete ab. Dann erklärte ich ihnen eindrucksvoll (wenn ich allein in der Klasse bin betone ich wesentlich mehr als wenn jmd drin sitzt), dass und warum man sowas auf KEINEN Fall machen darf. Dass die einzigen Dinge, die NACH meiner Unterschrift und Note noch auf die Arbeit kommen der Notenspiegel und die Unterschrift der Eltern sind. Dass sowas später sogar eine STRAFTAT ist, wenn man nachträglich in Arbeiten herummalt. 
Da waren sie erstmal baff und starrten mich an. 
Ich erklärte dann natürlich noch den Hintergrund (wenn ich null Punkte gebe, sie IN der Arbeit berichtigt, dann ist es ja auf den ersten Blick richtig und die Lehrerin hat falsch bepunktet etc.) und sie waren ganz gebannt, was nun passieren würde. 
Das betreffende Mädchen ist sonst eine ganz fleißige, tolle Schülerin & das war offensichtlich eine neue Information – also gab es keine Standpauke oder Ärger – aber ich denke, dass sich die Sache mit der Berichtigung bei allen Schülern jetzt gut eingeprägt hat 😉 

Ich mag sowieso diese Phasen wo die Kinder ganz gebannt und gespannt sind und die Informationen förmlich in sich einsaugen – das ist immer wieder faszinierend zu beobachten! 

Nun ja. So viel erstmal von mir. Ich beobachte meine Stimmentwicklung und wenn’s morgen nicht besser ist, geh ich zum Arzt statt in die Schule. Meine Lunge gefällt mir immernoch nicht, also läuft’s wohl drauf hinaus. Ätzend! Ich muss noch ein paar Stunden halten vor der Mündlichen…

Egal. Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag und nen guten Start in die nächste Woche – soll ja Frühling werden, hab ich gehört 😉 

In diesem Sinn: adios Amigos! 
Frau A. 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: