Sweet Nothing

4 Apr

Das ist das, was ich in den Ferien getan habe: nichts.
Und es ist herrlich.
Kein Wecker, keine Termine, kein Schreibtisch, nichts.
Aufwachen, Essen, Rumliegen, Lesen, sinnlosen Mist im TV gucken.
Wow.

Echt schön. Aber irgendwie auch erschreckend, wie einfach man nen kompletten Tag mit nichts-tun rumkriegen kann… Und wie leicht man mit Sendungen im TV den Tag verplempert…

Momentan entspreche ich völlig dem Klischee, was der Großteil der Bevölkerung von Lehrern hat. Absolut faul in den Ferien. Hab ich bei „Spiegel Online“ mal wieder nachgelesen. Dort gibt es gerade die „Faktencheck“-Reihe, in der Schul-Klischees getestet / analysiert werden. Am Ende soll es eine 5-teilige Reihe werden, momentan gibt es die ersten 3 Teile der „Schul-Klischees im Faktencheck“: 

Teil 1: Lehrer haben es leicht – oder doch nicht?

Teil 2: Lehrer werden lohnt sich – oder?

Teil 3: Kleine Klassen lernen besser – oder doch nicht?

Dabei sind die Artikel schonmal ganz interessant. Noch interessanter sind aber die vielen vielen Kommentare, die zu den Artikeln abgelassen werden. Hier trifft man immer wieder auf ein Phänomen, welches unter dem Namen „Lehrer-Bashing“ gerade wieder topaktuell ist. Es wird einfach von allen Seiten draufgehauen. Nur weil alle irgendwann mal in der Schule waren, maßen sie sich an, über Schule und die Arbeit der Lehrer zu urteilen.
Besonders schön finde ich immer solche Kommentare:

„Lehrer müssen sich nicht vorbereiten – die kommen ohne Vorbereitung in die Schule, erzählen 45min was und verschwinden wieder.“

Was erwarten die Leute eigentlich? Dass man für jede Stunde ein 10-seitiges Skript mitbringt, durch das die Schüler und Eltern die genaue Stundenplanung des Lehrers nachvollziehen können? Geht’s noch? Solange in der Stunde bei den Schülern was ankommt, ist es schnurzegal ob er mit viel, wenig oder keiner (offensichtlichen) Vorbereitung den Raum betritt. Vorbereiten tut man sich als Lehrer IMMER. Arghs.

„Skifreizeiten, Klassenfahrten…Lehrer haben auch während der Schulzeit noch solche tollen Freizeitmöglichkeiten und können dabei bezahlt Urlaub machen…“

Ähm. Ich weiß nicht, was an 3-5 Tagen 24h Verantwortung tragen für ne komplette Klasse Urlaub sein soll. Hier sieht man wieder, dass die Leute das nur aus IHRER Sicht sehen. Aus Schülersicht mag das oft wie Urlaub aussehen. Da hat man ja auch nur sein EIGENES Wohl im Blick. Aber als Lehrer? Nee – da ist man Aufsichtsperson, Streitschlichter etc. pp. für 24 Schüler – und das dann meist noch auf EIGENE Kosten. Als WÄRE es Urlaub. Ist. es. aber. nicht.

…ach, ich könnte noch ne Weile weitere tolle Sachen raussuchen und mich drüber aufregen. Aber es bringt sowieso nichts. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen bezüglich Schule gemacht, jeder hat sein eigenes Bild auf Schule – und es ändert sich nach dem Verlassen nicht mehr.
Dabei hat sich so viel geändert in den letzten Jahren. Zumindest an einigen Stellen. Grundschule entspricht zum Beispiel nicht mehr dem, was Grundschule zu meiner Grundschulzeit noch war. Da gab es sowas wie Differenzierung kaum. Entweder man kam mit – oder eben nicht. Dann musste man eben auf ne andere Schule und fertig. Gruppenarbeit? Gruppentische? Soziales Lernen? Nö. Vielleicht allerhöchstens mal ne kleine Arbeit mit dem Banknachbar…Lernpartnerschaften oder sowas gabs nicht.
Sowas wird heute ganz anders gehandhabt.
Das habe ich selbst aber auch erst erfahren, nachdem ich im Studium wieder an einer Schule unterwegs war.

Heißt: es ist nicht mehr wie „damals“.

Aber wie gesagt, aufregen bringt nichts. Dadurch wird es nicht besser oder anders.
Die Lehrer, mit denen ich über dieses Thema geredet habe, sind sich einig:

1. Man muss sich diesbezüglich ein dickes Fell wachsen lassen.
2. Entweder solche Sprüche ignorieren ODER
3. einfach kontern

Wenn das Lehrer sein so einfach ist, man so reich wird und ständig frei und Ferien hat – warum werden dann nicht einfach alle Lehrer? 😉

Nun ja. Trotz allem ist es erschreckend, was manche Menschen zum Thema Schule und Lehrer zu äußern haben. Wie sich dieses Bild entwickelt und weitergetragen wird. Und dabei kann ich nicht mal meine eigene Familie ausschließen. Sogar meine Mutti sagte früher Sachen wie:
„Meine Freundin arbeitet 25 Stunden als Lehrerin und verdient so viel wie ich, die mindestens 40 Stunden arbeitet.“

Das ist ja mein Lieblingsklischee. Lehrer nach der Anzahl ihrer „Stunden“ zu beurteilen. Da hilft es nicht mal, wenn ich ihr sage, dass diese Stundenzahl nur die UNTERRICHTS-Stunden sind. Nicht die reguläre Arbeitszeit. Einfach nur die Anzahl der Stunden, in denen man VOR der Klasse steht und unterrichtet.
Natürlich klingen da 25 und 27 Stunden nach sehr wenig.
Aber nur, wenn man die Augen verschließt und glauben will, dass „Lehrer Sein“ aus „vor der Klasse stehen und reden“ besteht.
Tut es leider nicht.
Nach der Schule geht die Arbeit erst richtig los. Man reflektiert, man plant, man stellt Material her, macht Kopiervorlagen, wählt Methoden aus etc pp.
Und zwar: ZUHAUSE.

Das ist das nächste Ding. Ich würde meine Arbeit lieber IN der Schule verrichten. Frühs hin, bis Mittags unterrichten – und danach an einem eigenen Arbeitsplatz den weiteren Unterricht planen, Sachen vorbereiten…und dann von mir aus 16:30 nach Hause gehen.
Das wäre völlig okay für mich, weil ich dann Feierabend hätte und ein Privatleben.

Leider ist dem nicht so. Nach Schulschluss tobt in den meisten Klassenräumen in Thüringen die wilde Horde der Hortkinder, die sich mangels eigener Horträume dort die Zeit vertreiben müssen. Eigene Lehrerarbeitsplätze gibt es nicht. Und wer jetzt das Lehrerzimmer als Ort der Stille zum Arbeiten anpreisen will…der war noch nie in einem Lehrerzimmer 😉

Nun ja…was nicht ist, kann ja noch werden.
Also liebes Thüringen, liebes TMBWK, liebe Verantwortlichen: wenn ihr noch Ideen zur Verbesserung braucht: ich stehe euch gerne dafür zur Verfügung 😉

Solange lasse ich noch ein bisschen mein „Fell“ wachsen und frage euch: 

– Wie kontert ihr, wenn euch solche Klischees vorgeworfen werden? 
– Was ist eurer „Lieblings“-Klischee?
– Was würdet ihr verändern – wenn ihr könntet? 

Liebe & entspannte Grüße von der Couch,

Frau A.

Ps.: HIER zum Schluss noch ein interessanter Link, der diverse Kommentare bezüglich „Lehrer-Bashing“ inhaltlich etwas bündelt.

Pps.: HIER noch der Link zu einem Video zum Thema Lehrer-Klischees 😉

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14 Antworten to “Sweet Nothing”

  1. ExLAA 11. April 2013 um 18:04 #

    Also ich biete nur an: “ Kannst gerne mal einen Tag für mich unterrichten. Ich bereite auch alles vor und du musst nur vor 20 sechs bis sieben jährigen Kindern 6 Stunden stehen und denen Lesen, schreiben und Rechnen beibringen.!“ Da hat bis jetzt jeder gesagt:“ Ach ne, das ist nichts für mich, ist schon nen harter Job!“
    Ach einfach locker nehmen, es ist doch unser Traumjob und jeder Lehrer weiß die harte Arbeit zu schätzen.

  2. lottamachtkrach 8. April 2013 um 11:06 #

    Meine zukünftige Schwägerin riet mir – als das Gespräch an Ostern darauf kam, ob wir uns ein Haus leisten könnten oder nicht – dazu doch einfach noch einen Halbtagsjob anzunehmen.
    Das wär doch toll. Dann könnte ich noch was dazuverdienen. Ich habe ja schließlich ab Mittags frei.

    • bambooos 8. April 2013 um 14:18 #

      Spitzen Idee! Du könntest doch nach der Schule kurz Pause machen und nachmittags putzen gehn oder so.
      Ja, gute Idee. Das Merk ich mir auch mal für mich, wenn ich dann fertig bin 🙂

      • lottamachtkrach 8. April 2013 um 15:04 #

        Ich rate dringend dazu. Man hat einfach richtig viel Zeit nachmittags. Ich hatte heute bereits um 10:30 Feierabend. So richtig Feierabend. Ich saß nicht noch weitere zwei Stunden in der Schule um die Notenlisten für die Quartalsnoten zu ergattern (heiß umkämpft hier). Und ich bin nicht seitdem zu Hause und bereite zu 80% Unterricht vor und nach. Nein nein. Seit halb 11 habe ich richtig frei.

        Ich möchte ihr auch nichts unterstellen. Aber die Betonung lag, als sie sagte „Nimm doch noch einen Halbtagsjob an.“ Auf – noch einen –
        Denn einen Halbtagsjob habe ich mit dem Lehrerberuf ja offensichtlich schon ergattert.

      • bambooos 8. April 2013 um 15:08 #

        10:30 Feierabend? Geil, ich muss die Schulform wechseln! In der Grundschule ist immer erst um 12 oder 1 Schluss. Das nervt voll, ey. Da muss ich ja 5-6h arbeiten in der Schule. Das geht gar nicht…voll Überlastung. Wie soll ich da noch den Putzjob schaffen? Hm…
        😉

  3. Lene 8. April 2013 um 08:55 #

    Da gibt’s doch diesen tollen Witz wie lange Lehrer arbeiten. Hab den mal kurz gegoogelt.

    Wie lange Arbeitet ein Lehrer im Jahr?
    Das Jahr hat 365 Tage. Davon sind 52 Sonntage und 52 Samstage.
    365 – 104 = 261 Tage
    Arbeitet ein Lehrer wirklich 261 Tage?
    Ein Lehrer Arbeitet ca. 8 Stunden, also etwa 1/3 des Tages.
    261 : 3 = 87 Tage
    Arbeitet ein Lehrer wirklich 87 Tage?
    Im Jahr sind 6 Wochen Sommerferien (30 Schultage), 2 Wochen Winterferien (10 Schultage), 2 Wochen Osterferien (10 Schultage), 2 Wochen Pfingstferien (10 Schultage), 1 Woche Herbstferien (5 Schultage) und noch 8 bewegliche Tage. Ergibt zusammen 73 Schultage.
    87 – 73 = 14 Tage

    Arbeitet ein Leher wirklich 14 Tage im Jahr?
    Es gibt ja auch noch Feiertage: Neujahr, 1.Mai, Fronleichnam, Allerheiligen, Tag der deutschen Einheit, Christi Himmelfahrt. Ergibt zusammen 6 Tage.
    14 – 6 = 8 Tage
    Arbeitet ein Lehrer 8 Tage im Jahr?
    Moment, da entfallen ja 7 Tage wegen Ausflüge, Abiprüfungen, Wandertage!
    8 – 7 = 1 Tag
    Und was ist wenn ein Lehrer mal krank ist?
    _______________________________________________________________________

    Den kann man auch noch ganz toll einsetzen.
    Die Leute die Lehrer- Bashing betreiben haben alle keine Ahnung, sind neidisch (auf die vielen Ferien, auf das gesicherte Einkommen, Beamtentum, etc.) und denken, dass Lehrer ein total einfacher Beruf ist und sie das auch könnten. Und manche Leute kann man da auch einfach nicht eines besseren belehren. Da muss man dann einfach drüber stehen und sich denken: „Arschlecken!“

  4. Leidensgenossin 7. April 2013 um 09:18 #

    „Lehrer haben so viele Ferien/so viel Freizeit.“
    Antwort:
    „Die Urlaubszeit ist immer vorgegeben, immer in der Hauptsaison mit überfüllten Urlaubsorten und immer wenn es am teuersten ist, ohne Ausnahme.“
    „Schon mal darüber nachgedacht, wann Schulanmeldungen, Einführungswochen, Konferenzen, Elternabende und -sprechtage und wöchentliche Dienstberatungen stattfinden?“

  5. Andrea 5. April 2013 um 06:33 #

    Bei Gemecker über die Vorteile des Lehrerberufs (Ferien, nachmittags „frei“, …) finde ich nen netten Konter: „Warum bist du dann kein Lehrer geworden?“. Das lässt die meisten ziemlich blöd gucken.

    • lottamachtkrach 8. April 2013 um 11:04 #

      Das antworte ich auch immer.
      „Ich sag doch immer, dass ich den schönsten Beruf der Welt habe. Wer hat dich davon abgehalten?“

      Und dann kommt in 9 von 10 Fällen „Nee, also ich würde das nicht machen wollen… So viele Kinder auf einmal. Und wenn die dann noch in die Pubertät kommen …“

      Achso…

  6. Jettalein 4. April 2013 um 21:09 #

    Auf den „Lehrer haben vormittags recht und nachmittags frei“-Spruch antworte ich ja nur: NÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖ, ich habe den GANZEN Tag recht! 😉 Und ansonsten ist es ja schon so, dass dieser Beruf bestimmte Vorteile mit sich bringt und für eine Familienplanung sicherlich nicht der schlechteste ist. Und verhungern müssen wir auch nicht.- Allerdings ist es eben auch mehr, als ein Beruf. Es ist Berufung. Denn letztlich ist man 24/7 Lehrer und ertappt sich ständig dabei, wie man ein Buch oder eine Zeitschrift kauft, „weil das doch so toll zum nächsten HSK-Thema passt“, wie man beim Spieleabend denkt, „Muss ich mir merken. Damit kann man wunderbar XY üben.“ oder wie man kurz vom Einschlafen DIE IDEE für den Einstieg in die nächste Deutschstunde hat. Und das tolle daran? Man macht das alles mit einem Lächeln auf den Lippen, weil man weiß, dass man bei der Berufswahl alles richtig gemacht hat. 🙂

    • bambooos 4. April 2013 um 21:46 #

      Ha! Genau so geht’s mir auch – cool 🙂

  7. auchlehrer 4. April 2013 um 17:59 #

    Es ist müßig, sich aufzuregen, meine Lieblingssprüche zu diesem Thema:

    Augen auf bei der Berufswahl!
    Als Lehrer habe ich vormittags recht und nachmittags frei.
    Der Lehrer wird geboren, hat Ferien und stirbt.
    Was unterscheidet den Lehrer vom Terroristen? – Terroristen haben Sympathisanten…

    Also einfach allen recht geben und am besten noch nach Kräften mitmeckern (z.B. über die faulen, unfähigen Lehrer deiner eigenen Kinder) – und dabei immer an die Pinguine aus Madagaskar, Teil 1, denken: Schlussszene – Löwe, Giraffe, Zebra und Nilpferd wollen mit dem Schiff zurück fahren, die Pinguine liegen am Strand im Liegestuhl; einer fragt: „Wollen wir ihnen nicht sagen, dass der Tank leer ist?“ Darauf der andere: „Nö, einfach stur winken und lächeln….. ;-)))

  8. bobblume 4. April 2013 um 16:30 #

    Das ist wirklich lustig. Ich habe gerade, ohne dass ich deinen Artikel gelesen habe, genau zu diesem Thema einen kleinen Text geschrieben. Nur so sachlich wie du bin ich nicht. Liebe Grüße: http://bobblume.de/?p=1042

    • bambooos 4. April 2013 um 16:37 #

      Deine Herangehensweise ist aber auch sehr amüsant 🙂 Ich hab diesmal versucht mich beim Schreiben nicht so aufzuregen, das hab ich beim Lesen der Kommentare KURZFRISTIG ja schon getan 😉

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