Allein sein

15 Jan

…in einer Klasse ist schon was feines. 
Keiner beobachtet einen, man kann Späßchen machen, mal nen Moment länger mit den Kindern quatschen, spontan mit ihnen ein Liedchen singen…lauter solche Sachen die man nicht macht, wenn man nur eine Stunde bei/mit/vor ihnen hält und sich dann wieder verabschiedet. 

Schon cool. 

Heute durfte ich das für 4 Stunden machen, weil ich meine Mathementorin vertreten durfte/musste/sollte. Also war ich 3 Stunden in der 2a und unterrichtete Mathe und HSK, unterbrochen von einer Stunde in der 2b. Klappte alles super. Die Kinder waren motiviert, hatten Lust auf das Thema…und wenn ich die Klassenleiterstunde als „Geschenke-Stunde“ verkaufe, flippen sie fast aus vor Freude – obwohl es ganz normaler Unterricht ist 😉 
In der Pause kommen sie vor, erzählen von ihrem Wochenende, zeigen mir ihre BAUCH-Tattoos („Frau A., ich war gestern bei der Sophie und wir haben uns Tattoos auf den Bauch gemacht – guuuuuuuck!!!“) und wollen mal kurz geknuddelt werden. Schule eben. 😉 

Ich Moment merke ich mal wieder, wie sehr mir das „in der Schule sein“ gefällt – und wie sehr mich das Studienseminar nervt. Nicht die Leute dort, sondern die Tatsache Mittwochs 5:30 LOSZUFAHREN um pünktlich dort zu sein. Bei der Wettervorhersage wohl eher 5:00… Das macht keinen Spaß. Und noch weniger Spaß macht es, wenn man lieber den Schriebs für die Lehrprobe fertig machen würde, als über 5 Stunden im Auto zu hocken & durch ganz Thüringen zu gurken – morgen für Ausführungen zum Thema „Differenzierung“ – ich wage zu bezweifeln, dass ich da etwas neues lernen werde… 

Aber: mir bleibt ja nichts anderes übrig. Die Seminare müssen besucht werden, sonst krieg ich die Unterschrift im „Ausbildungstagebuch“ nicht und krieg dann in der Prüfung eins aufn Deckel weil eine fehlt. Oder so. Keine Ahnung, inwiefern das überprüft wird und woran man teilnehmen MUSS (Klar, die Pflichtseminare auf Seite 1 sind Pflicht, aber der Rest?! Hat jemand Insiderinformationen?!). 

Nervig ist auch der Schriebs allgemein. Ich wage zu bezweifeln, dass sich jemand die Sachanalyse (auuuuuusführlichstes Erläutern des Unterrichtsgegenstandes) und methodisch-didaktische Analyse (Warum mache ich das so und nicht anders) wirklich durchliest und für relevant erachtet. Klar ist es wichtig, dass ICH mich fachlich auf die Stunde vorbereite – aber das mache ich sowieso. Dazu muss ich keine 3, 4, 5 Seiten Ausarbeitung schreiben, oder?! 
WAAAAAH. 
Aber meckern bringt nix. Es muss gemacht werden. 
Ich motiviere mich gerade damit, dass ich dass nur noch DIESES Mal und dann noch EIN MAL für die richtige Prüfung machen muss. Dann mach ich nen dicken Haken an das Thema Sachanalyse. Das reicht mir dann für den Rest meines Lebens mit dem Mist. 😉

Ansonsten…hm… habe Rückenschmerzen vom Schneeschippen, bzw. Fegen. Mein Körper scheint jegliche körperliche Anstrengung nicht mehr gewohnt zu sein. Schon verrückt wie man am Schreibtisch und im Auto sitzend verfallen kann… 😉 

Nach der Lehrprobe am Freitag freue ich mich schon auf „Ende Januar“. Irgendwann dann ist die Bewertung fertig, die ich von meiner Schule erhalte. Habe schon mal auf die Kategorien gelinst und finde, dass ich das bisher eigentlich unbewusst ganz ordentlich gemacht habe. Wie das die anderen sehen, werde ich dann schon sehen 😉 
ABER – und jetzt muss ich wieder meckern – wie kann es sein, dass wir Lehrer vor unseren Schülern transparent sein sollen („Am Ende dieser Stunde sollt ihr dies, das, jenes besser können“) und in der Ausbildung bzw. vom Studienseminar absolut NICHTS darüber erfahren, wie und wonach wir dann bewertet werden?! Find ich total blöd. 
Ich meine, ich mach das alles so, wie ich das denke. Zu Schulveranstaltungen gehe ich nicht weil ich MUSS, sondern weil ich es interessant finde und gerne helfe. Dazu brauch ich keine Kriterien, ich mach das einfach. Aber manch andere Dinge wären schon interessant zu wissen gewesen. 
Letzte Woche habe ich von einer geheimen Quelle ne Mail zugeschickt bekommen, in der gefühlte 100 verschiedene Bewertungskriterien für uns Referendare aufgelistet waren. Angeblich soll das Ding thüringenweit für die LAA gelten – nur komisch, dass an meiner Schule davon nix angekommen ist… Vielleicht veröffentliche ich das demnächst mal – da schlackern einem aber die Ohren, wenn man liest was man alles können und machen soll 😉 

Nun ja. Meine kurze Kopfpause ist zuende, das Müsli aufgegessen – jetzt gibts ein kurzes Nickerchen und dann muss ich heute den Schreibkrams für Freitag fertig kriegen. Morgen nach dem Seminar geht eh nix mehr. Und Donnerstag früh ist Abgabe. Also heißt es heute nochmal ackern. Aber nicht zu lange, immerhin darf ich ja gegen 5:15 losfahren. 

In unermesslicher Freude, 
Frau A. 

Ps.: Liebe LAA, wie ihr seht muss auch ich mal meckern und nörgeln über das Referendariat. An der Schule sein fetzt, aber das rundherum und die zusätzlichen (sinnfreien) Aufgaben nerven. Andere Dinge auch… Es gibt also noch VIEL mehr in dieser Hinsicht zu berichten, aber… davon erzähle ich euch ein andermal. 😉 

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6 Antworten to “Allein sein”

  1. Silke 15. Januar 2013 um 19:55 #

    Herzliche Grüße aus BW von einer Ex- Referendarin, die sich in deinen Worten sehr wiederfindet.
    Wer liest den Rotz (teilweise 20 Seiten Ausarbeitung)?
    Wieso bekomme ich jene und diese Bewertung…

    Keiner blickt da durch und es geht nicht nur bei euch so rund -.- aber MUSS!!

    • bambooos 15. Januar 2013 um 20:04 #

      In nem halben Jahr ist es vorbei und ich kann – hoffentlich – drüber lachen 😉 Bis dahin werden eben die Zähne zusammengebissen und die Anforderungen so gut es geht erfüllt, ge? 🙂

      • Silke 16. Januar 2013 um 12:08 #

        Mehr bleibt dir wohl auch nicht übrig.
        Und so wie das klingt, bist du eine ganz tolle und engagierte Lehrerin, die Lust auf die Praxis und genug von dem theoretischen Gedönse hat. Ich denke, das muss genau so sein!!

        Alles Gute dabei!

  2. schmani 15. Januar 2013 um 16:36 #

    Hab dir eine Mail geschickt, so sieht es in Niedersachsen aus 😉

  3. Lauri 15. Januar 2013 um 15:41 #

    Ich hatte während meines Praktikums auch das Glück, mal ohne meine Mentorin zu unterrichten. Herrlich: endlich mal keiner, der von hinten die Schüler anschnauzt und die schöne Atmosphäre zerstört. Endlich mal ein bisschen Humor und Nettigkeit, wie schön. Da habe dann auch wieder gemerkt, wie schön es wirklich ist Lehrerin zu sein und den Kids schöne 45 Minuten zu bescheren (und mir auch) *träum schwärm*

  4. Anne 15. Januar 2013 um 13:05 #

    Man muss auch mal meckern dürfen!
    Besteht die Möglichkeit, dass du die Bewertungskriterien veröffentlichst oder evtl. per Email schicken kannst?-Würde mich sehr interessieren!
    Ich drücke die Daumen, dass ein Wunder geschieht und sich die 5 Stunden Anfahrt zum Seminar (in welchem bist du?) lohnen und du doch noch was Neues erfährst! 🙂
    Ansonsten heißt es durchhalten und sich immer wieder die schönen Seiten des Lehrerseins vor Augen halten!!!
    Liebe Grüße
    Anne

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