Wochen. Ende.

3 Dez

Den Kinobesuch am Freitag Abend hatte ich ja schon angekündigt im letzten Artikel. Es stand „Cloud Atlas“ mit Tom Hanks & Halle Berry auf dem Programm. Mehr als „ein Epos über 500 Jahre“ wusste ich nicht zum Film & das reichte mir auch.
Nach 3 Stunden verliess ich das Kino (man entschuldige meine Wortwahl) Rotz & Wasser heulend.
Was war passiert?
Keine Ahnung. Der Film hat mich offensichtlich mal wieder an einem wunden Punkt getroffen.

Welcher? Hm, schwer zu erklären.

Denkt ihr auch manchmal drüber nach, wie klein & unbedeutend wir eigentlich in Zeit & Raum sind? Wie kurz unser Leben im Vergleich zu Vergangenheit & Zukunft ist? Wie gering die Spuren sind, die wir der Nachwelt hinterlassen? Wie wenig wir das schätzen, was wir haben?

Und gerade am Ende des Filmes wurde mir plötzlich bewusst, was wirklich wichtig ist.
Die Menschen um uns herum.
Und für mich zählt mein Freund zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben. Er ist die Person, die ich jeden Tag sehen will. Die Person, mit der ich aufwachen & einschlafen will. Die Person, mit der ich ein Haus bauen & alt werden will. Die Person, die mich akzeptiert, versteht & schätzt. Die Person, die mich immer zum Lächeln bringen kann.
Ich bin glücklich, ihn zu haben. Seit inzwischen 9 Jahren schon.

Und trotzdem machte mir der Film bewusst, wie vergänglich das alles sein kann. Welche dummen Zufälle sowas beenden können. Wie schnell alles vorbei sein kann.

Sowas kratzt irgendwie an mir.

Weil ich das alles nicht will. Ich will weiterhin so glücklich sein. Ich will, dass alles so wird, wie ich mir das vorstelle. Ich will, dass wir immer gesund bleiben. Ich will, dass diese Nähe bestehen bleibt.
Ich will mir einfach nicht eingestehen, dass alles irgendwann ein Ende hat. Und sei es durch den Tod.

A propos. Das ist noch so ein Thema, mit dem ich nicht umgehen kann. Das fiel mir letzte Woche beim Hospitieren im Ethikunterricht wieder auf. Totensonntag etc. Die Lehrerin erklärte toll das werden, wachsen & vergehen – anhand von Pflanzen & einer Mäusefamilie.
Als sie sagte „wenn die Maus gestorben ist, lebt sie in ihren Kindern weiter“ musste ich schon schlucken. Als sie mir dann einen Text für die 3. Klasse mit ähnlichem Thema („Opa ist tot“) zeigte, konnte ich gerade mal die ersten 4 Zeilen lesen – dann musste ich den Text weglegen, weil mir die Tränen in die Augen stiegen.

Ich hab keine Ahnung, wieso mich das immer so trifft. Seit ich auf der Welt bin, ist noch niemand aus meiner Familie gestorben. Meine Opas waren schon vor meiner Geburt gestorben, also habe ich da keinen Bezug. Bisher sind alle froh & munter.
Und trotzdem. Sobald ich darüber nachdenke, dass meine Eltern irgendwann alt & klapprig & vielleicht gar nicht mehr da sein werden, muss ich heulen. Selbiges gilt für meine Beziehung. Ich kann & will mir mein Leben ohne bestimmte Menschen einfach nicht vorstellen.

Was ist das? Verlustangst? Bin ich kindisch?

Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, dass mich dieses Thema „Verlust“ seit Jahren jedes Mal aufs Neue trifft & zum weinen bringt…und dass es seit Jahren Schatzi ist, der mich dann in den Arm nimmt & sagt, dass alles gut ist. Dass alle gesund sind. Dass ich mir nicht immer so nen Kopf machen soll um alles.

Aber so einfach ist das irgendwie nicht. Manchmal trifft mich das wie ein Schlag & dann brechen die Dämme. Wie am Freitag nach dem Kino.

Komisch.

Geht’s euch auch manchmal so? Oder findet ihr das Ganze merkwürdig & doof.

Keine Ahnung ob es gut ist, sowas öffentlich im Internet zu schreiben, aber…es geht hier ja nicht nur um mich als Lehrerin, sondern auch um mich als Person. Und neben der lustigen, freundlichen Seite gibt es eben noch andere Facetten.
Das war heute eine davon.
Ich hoffe, ihr seid jetzt nicht verschreckt. Aber ich musste das mal loswerden.

In diesem Sinne:
Liebe Grüße,
Frau A.

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12 Antworten to “Wochen. Ende.”

  1. Smut 4. Dezember 2012 um 20:35 #

    Arme Frau a. Muttis Tag 5.15 arbeitsbeginn Arbeitsende 19.50 Ankunft zu Hause 20.05 Anruf Angestellte haben keinen Schlüssel ab ins Auto zurück zur arbeit 21.15 wieder zu Hause 23.30 Uhr ins Bett 1.05 einbruchalarm raus aus dem Bett ab zur arbeit 2.15 wieder zu Hause um 5.15 ab zur arbeit und jetzt 21.30 endlich zu Hause also die Mutti stirbt nicht so leicht wie du siehst hdl

  2. lottamachtkrach 4. Dezember 2012 um 10:59 #

    Same here.
    Tod ist auch so ein Thema, das ich einfach gerne leugne.
    Oder die Tatsache, dass sich irgendetwas verändern könnte, ohne dass ich es aufhalten kann.
    Ich hatte ein ähnliches Erlebnis, so wie du es beschreibst, als ich mit meiner Mutter und meiner Oma vor Jahren den Film „Die Fremde in dir“ gesehen habe.
    Und während sowohl Mutter als auch Oma begeistert waren von Jodie Fosters authentischer Schauspielleistung und Grundsatzdiskussionen über Selbstjustiz führten, bin ich bis zum bitteren Ende nicht über die ersten 10 Minuten des Films hinweggekommen.
    Die haben mich so schockiert, weil ich einfach noch nie vorher darüber nachgedacht habe, dass Beziehungen nicht nur enden, weil man sich trennt oder nach langer Krankheit im Alter, sondern dass Beziehungen auch einfach viel zu früh, spontan und aufgrund sinnloser Gewalt enden können.

    Ich denke wir sind hier in unserer Gesellschaft schwer privilegiert, dass so eine Möglichkeit so fern für uns ist. Das ist in anderen Teilen der Welt sicher anders. Aber das mal vor Augen geführt zu bekommen, hat mich wahnsinnig gemacht.
    Genauso wie diese eine Geschichte eines früheren Wohnheimsnachbarn von mir, die ich vor einigen Tagen / Wochen aufgeschrieben habe. Es ist nicht so, dass wir riesen Freunde waren. Aber ich träume so oft von dieser Sache, einfach weil ich es so unglaublich finde, welcher Willkür wir eigentlich unterliegen.

    • bambooos 4. Dezember 2012 um 11:43 #

      Das mit den 10 Minuten am Anfang eines Filmes hatte ich bei „Benjamin Button“ – sterbende Mutter am Bett… Schlimm.

  3. zwischenbuechern 3. Dezember 2012 um 22:53 #

    Ich denke nicht sehr oft an die, die nicht mehr da sind. Denn die Lebenden sind es, die unsere volle Aufmerksamkeit brauchen. Doch wenn ich daran denke, dann weine ich. Denn der Verlust schmerzt noch immer, er ist zum Teil auch noch sehr frisch, sodass es mir schwerfällt, in „normalen“ Lebenssituationen nicht in Tränen auszubrechen – doch ich war noch nie ein Mensch, der gut Trauer zeigen kann; ich bin was das angeht definitv eher ein „Einzelkämpfer“…
    Wenn ich daran denke, was meiner Familie, meinen Freunden und all den Menschen passieren könnte, die ich liebe, dann bete ich für sie – ich bete um Schutz für die, die mir Nahe stehen; und das gibt mir etwas Trost..

  4. Silke 3. Dezember 2012 um 21:40 #

    Da ich dieses Jahr, glücklicherweise nach meinen Examensprüfungen, den plötzlichen Tod meines Vaters wegstecken musste, kann ich verstehen, dass man mit diesem Thema im Leben nicht viel anfangen kann. Eltern sollten uralt werden…manchmal ist das Leben ungerecht und die Menschen gehen, die wir unbedingt im Leben brauchen…aber wie die LEhrerin so schön erklärte: mein vater lebt in mir, die häfte meiner Gene sind seine, seine Fähigkeiten, die er mir übertragen hat, die Erziehung, Einstellungen, Werte…all das ist in mir, hat mich geprägt.

    Schön, dass in diesen Momenten Menschen da sind, die einen auffangen! Man sollte das schätzen und es den Menschen auch mal sagen!!

    Gute Nacht und danke für deine offenen Worte!
    Silke

  5. kuscheldecke 3. Dezember 2012 um 20:00 #

    danke! offen. ehrlich. wahre gefühle.
    und nein, du bist nicht allein!
    und das gefühl wird schlimmer, wenn du den ersten menschen verlierst. aber es lässt dich auch deinen blick auf die dinge, die wirklich wichtig sind,noch weiter schärfen, jeden besonderen augenblick wahrnehmen, ausschöpfen!

  6. Fräulein Ratgeber 3. Dezember 2012 um 18:55 #

    Denke genauso… Und auch wenn’s blöd klingt, ich heule sogar, wenn ich an den Tod meiner Katze denke… Immerhin ist sie schon seit über 11 Jahren meine und ich sehe sie nur noch, wenn ich in die geliebte Heimat komme. Aber allein der Gedanke ist so schlimm, alle Gedanken an Menschen, die mir wichtig sind, sind noch 1000x schlimmer.

  7. Jürgen 3. Dezember 2012 um 18:31 #

    „Ich bin glücklich, ihn zu haben. Seit inzwischen 9 Jahren schon.“
    Schön. Wunderbar.
    Trotzdem muss man/frau sich mit den Gedanken an Trennung/Verlust/Tod auseinandersetzen. Auch wenn es hart ist.
    Ich hatte bisher das Glück, mit meiner Partnerin 43 Jahre zusammen sein zu können. Aber wir müssen auch über Tod oder Krankheit und solch scheußliche Dinge reden. Vielleicht auch mit Hilfe von Dritten.

  8. inneres Stimmchen 3. Dezember 2012 um 16:43 #

    Oh G’tt nein! Frau A ist ein MENSCH 0.0 boa nee ich muss hier weg 😉

  9. sunshinemuffin 3. Dezember 2012 um 14:31 #

    Es gibt immer wieder Artikel von dir, die mich in meinem Herz berühren… Das hier ist so einer…
    Mir geht es ganz genauso…

  10. MissA 3. Dezember 2012 um 13:46 #

    Ich kann das vollkommen verstehen. Gerade wenn man an den Tod der eigenen Eltern denkt. Die Vergänglichkeit des Lebens macht mir auch immer wieder zu schaffen.
    Es ist gut, auch einmal solch persönliche Artikel zu lesen!

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