Wer hat noch keins…?

13 Nov

Heute mal eine Sache, die wohl jeder Lehrer kennt. Und die wohl jeden Lehrer nervt.
Man möchte mit dem Unterricht beginnen, teilt Materialien aus (oder lässt austeilen) und am Ende bleiben immer mindestens 3 Hefte übrig. Warum? Weil kein Name drin steht. Weil der Umschlag fehlt. Weil man sie nicht zuordnen kann.
ODER: ein Heft fehlt, obwohl der Schüler es GANZ SICHER in die Ablage gelegt hat und es BESTIMMT nicht irgendwo zuhause rumschludert.

Dann steht man vor der Klasse und muss a) die Hefte willkürlich verteilen oder b) den Unterricht so umplanen, dass auch die heftlosen Kinder mitmachen können. („Schau mit dem Nachbar ins Heft“ geht eben nicht immer) So geht wertvolle Unterrichtszeit verloren, die am Ende wieder fehlt, um über wichtige Dinge zu reden oder um die Stunde schön abzurunden.

Und warum?

Weil die Eltern am Schuljahresbeginn nicht in der Lage sind, den Kindern Umschläge für Bücher und Hefte zu kaufen und – jetzt kommt der richtig schwere Part – diese mit dem Namen ihres Kindes zu beschriften.

Jetzt mal ehrlich: ist das wirklich so schwer? Uns Lehrern würde ja sogar der Vorname reichen.

Aber nein. Nichts. Da kann man schon froh sein, wenn wenigstens an nen Umschlag gedacht wurde…

Und was besonders schade ist: die Kinder können in den meisten Fällen ja nicht mal was dafür. Stattdessen müssen sie dann drunter leiden, dass sie nicht ordentlich mitarbeiten können. Dass die anderen Schüler mit dem Kopf schütteln, weil schon wieder ein Heft fehlt. Und dass man als Lehrer auch irgendwie missmutig wird, wenn über 2 Monate nach Schuljahresbeginn immernoch nachgefragt, gesucht und improvisiert werden muss.

Und falls jetzt Eltern sagen, dass das zu aufwändig ist…:

Liebe Eltern,
wir Lehrer haben Ihren Kindern schon in sämtliche Bücher die Namen eingetragen, ihn auf Karten vermerkt und noch zusätzliche Zettel ausgefüllt, nur damit ihr Kind die Bücher bekommen kann.
Und nein, nicht nur für IHR Kind, sondern auch für 22 weitere.
Haben Sie doch bitte Erbarmen und tragen ihren Kindern wenigstens in Arbeits- und Übungshefte den Namen ein.
Wir wären Ihnen dafür sehr dankbar!

Natürlich wird dieser Ruf in den Weiten des Internet verhallen und keinen Einfluss auf das Verhalten von Eltern haben.
Vielleicht aber auch doch.

Deshalb abschließend noch ein Hinweis an alle Eltern (& die, die es werden wollen):
Wenn Lehrer vor/zu Schuljahresbeginn Zettel ausgeben, auf denen steht, was genau benötigt wird – besorgen sie es bitte einfach.
Besorgen sie es, schützen sie es mit einem Umschlag (wie stark, hängt von Ihrem Kind ab) und beschriften Sie diese Arbeitsmaterialien.
Wer ganz sicher gehen will, tut dies auch noch bei Stiften, Linealen, Scheren und sonstigem Arbeitsmaterial… denn wir Lehrer können uns nicht die Scheren und Füller von allen Kindern merken.
Unsere Aufgabe ist eigentlich, Wissen zu vermitteln – nicht, den Kindern ihre Sachen hinterherzuräumen und Dinge zu erledigen, für die eigentlich die Eltern zuständig wären. Und Hefte und Stifte sind davon ja noch das geringste Übel, wenn ich sehe, dass Schulpersonal Kindern die Essensbestellungen ausfüllen will, weil die Eltern nicht in der Lage dazu sind & die Kinder hungern müssen…
Aber naja…

In diesem Sinne: schönen Tag noch 😉
Frau A.

Frage an euch: 
Bin ich frech, wenn ich sowas schreibe? Oder habe ich Recht? Wie seht ihr das? 

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8 Antworten to “Wer hat noch keins…?”

  1. Jule 20. November 2012 um 14:25 #

    Nicht jeder ist zum perfekten Elternteil geboren, vielen ist der Umgang mit solchen Lehrerforderungen einfach fremd und/oder sie haben andere Sorgen und Probleme, deren Bewältigung dringender ist bzw. erscheint. Und dass nicht jedes Kind selbstverständlich eine tolle Ausrüstung mit zur Schule bringen kann, liegt oft einfach an der finanziellen Situation. Ich hatte auch oft keinen Block mehr, meine Bücher waren nie eingeschlagen und einen Klebestift gab es ein Mal im Jahr. Warum? Essen kaufen und Miete zahlen waren einfach wichtiger. Wenn man als zehnjährige entscheiden muss, ob man nun Brausepulver oder einen Umschlag kauft, dann ist das einfach – mit Verlaub – scheiße. Dass Kinder dann oft auch noch von den Lehrern dafür entnervte Blicke und Maßregelungen ernten, finde ich schlimm. Einen Kommentar wie jenen von habibi finde ich daher anmaßend, deinen Eintrag in gewissen Punkten ebenso.

    • bambooos 20. November 2012 um 16:27 #

      Deine Bemerkungen verstehe ich. Klar.
      Aber es gibt eine Schulpflicht & wir Lehrer können unsere Arbeit nur machen, wenn die Kinder die notwendigen Sachen dabei haben.
      Und schneiden & kleben sind keine Schikane oder Luxusbeschäftigungen, sondern vielmehr essentiell wichtige Dinge, die man für die motorische – und somit auch für die geistige – Entwicklung braucht.
      Okay, Umschlag ums Buch muss nicht unbedingt sein, aber Kleber & Schere schon. Das sind Pfennigartikel, die einmalig (Schere) und selten (Kleber) anfallen. Die 2-3€ sollte man für sein Kind schon übrig haben. Und Namen auf Hefte zu schreiben kostet keinen einzigen Cent – nur Zeit.
      Und ich finde es schade, dass viele Eltern nicht mal mehr das für ihre Kinder aufbringen können/wollen.

  2. Ninni 13. November 2012 um 18:42 #

    Och, weißt du, die Namen kann ich selbst noch auf Mappen oder Hefte schreiben. Ich habe auch immer Reservestifte/Scheren/Kleber da, die ich aus der Klassenkasse finanziere.

    Was mich stört sind eher Eltern, die sich nicht an die einfachsten Vereinbarungen halten können, die Termine grundsätzlich nicht einhalten, egal wen man noch alles außen herum hinzugezogen hat. Außerdem stören mich Eltern, die sich so überhaupt nicht passend um ihre Kinder kümmern können. Dazu zählen die, die ihre Kinder vor dem Fernseher parken, genauso wie die, die ihre Kinder überwachen und permanent kontrollieren.

    Ich glaube, das variiert alles nach Standort und Einzugsgebiet der Schule. 😉

    • bambooos 13. November 2012 um 18:48 #

      Wir haben auch einen Fundus an Scheren, Kleber und Stiften im Schrank, aber…so ist das alles ja nicht gedacht.
      Später leiht den Kindern auch keiner mehr was. „Auftrag 3x nicht erfüllt? Gefeuert!“

      …und was das andere betrifft, stimme ich dir vollstens zu! Es gibt noch SO viel, über was man sich aufregen könnte 😉

  3. Coco 13. November 2012 um 17:58 #

    Fehlende Namen stören mich nicht, die schreibe ich diesen paar Kindern dann halt auch noch aufs Heft. Allerdings ärgere ich mich auch immer über fehlenden Hefte und Arbeitsmaterialien. Fehlende Stifte etc. nehmen meine Schüler immer aus der Klassenfundkiste. Die ist immer sehr gut bestückt und die Schüler holen sich fehlende Sachen immer ganz leise und heimlich oder leihen sie sich aus. Sie wissen, dass ich sonst vielleicht wieder „explodiere“. 😉

  4. rup 13. November 2012 um 17:45 #

    Mir kommt es auch so vor, als müsse man inzwischen ein anderes Berufsbild zeichnen: Mehr Erzieher, Verwalter (und Hinterherräumer), die umgangsförmliche basics u.w. vermitteln, anstatt den ‚Wissensdurst‘ der kids zu stillen…Bin gespannt, wie unser Beruf sbild in 10 Jahren aussieht?

  5. habibi 13. November 2012 um 17:00 #

    Darf ich da noch Bitten/Fragen hinterherschieben?
    Ist es zu viel verlangt, dass jeder Schüler über eine Schere und einen Klebestift verfügt? Ist es zu viel verlangt, hin und wieder mal das Mäppchen anzusehen, um sich zu vergewissern, dass das Kind einen Bleistift / einen Bleistift in akzeptabler Größe hat?
    Ist es zu viel verlangt, dass jedes Kind einen Radiergummi hat?
    Ist es zu viel verlangt ein neues Heft zu besorgen, wenn das alte noch 2-3 Seiten frei hat?
    Ich bin nämlich kein Schreibwarenladen!!!
    Ich bin leicht genervt von den Fingern, die hochschnellen, wenn ich sage:“Schere und Kleber bereitlegen“…

  6. Fräulein Ratgeber 13. November 2012 um 15:35 #

    Recht hast du! Bei uns haben die Kinder der 5. Klasse teilweise nicht mal im Hausaufgabenheft den Namen stehen… Ist es nur so schwer? Und da könnten sie es sogar schon selbst eintragen… Nein, wieso denn???

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