Reflexion eines Unterrichtsbesuches

8 Okt

Zuerst: ich kann immernoch nicht verstehen, wieso es refleKtieren heißt, aber Reflexion (statt Reflektion)… bringt mich immer wieder zum Kopfschütteln…

Nun ja. Heutiges Thema: das, was NACH einem Unterrichtsbesuch kommt.
So ein Unterrichtsbesuchs-Tag läuft ja so ab: 

1. Fachleiterin kommt. 
2. Fachleiterin hospitiert 2-3 Stunden.
3. Auswertung der Stunde durch mich. 
4. Fragen der Fachleiterin dazu beantworten. 
5. Tipps und Hinweise durch die Fachleiterin. 

Bei Punkt 5 sollte man im Gespräch fleißig mitschreiben, damit man für die anschließende geforderte schriftliche Reflexion genug Material hat. Im Mitschreiben bin ich spitze, also kann sowas bei mir schon mal so aussehen:

Zur Reflexion kann man zum Beispiel die Reflexionsspinne nutzen, über die ich HIER ja bereits geschrieben habe.
Ich selbst mache die Auswertung inzwischen nach Gefühl, schildere meinen Eindruck, was mir positiv/negativ aufgefallen ist, was ich besser machen könnte und ob ich meine Ziele erreicht habe.

Das klappt ganz gut und ich kann immer das unterbringen, was mir besonders wichtig war.

Danach wird es spannend. Die Fachleiterin nimmt Unterrichtsteile auseinander (klingt schlimmer als es ist, man muss aber auch mal hart im Nehmen sein & nicht gleich in Tränen ausbrechen 😉 ), gibt Hinweise, wie man es hätte besser machen können und lässt auch Ideen durch mich zu. Oder auch Fragen zu ihren Ideen. Finde ich cool.

Ich persönlich nehme mir aus diesen Gesprächen immer sehr viel mit. Gerade heute, als mich die Fachleiterin das erste Mal im Unterricht erleben durfte. Sie sieht ja nur meinen Ist-Stand, weiß von meiner vorherigen Fachleiterin, dass es mal Probleme mit der Stimmführung gab und schätzt mich danach ein.

Natürlich gab es wieder extrem viel Input wie man dies dort deshalb hätte anders / besser machen können, aber das sind nun mal alles Erfahrungswerte, die ich noch nicht habe. Und von denen ich profitieren kann. Und werde. Hab mir heute sehr viel mitnehmen können an Idee, wie man Unruhe vermeidet, die Schüler noch besser aktiviert etc. pp. Echt toll!

Danach kommt zuhause dann die ominöse Reflexion, in der man den UB nochmal auswertet. Also ähnlich wie kurz nach der Stunde, aber dazu kommen dann die Erkenntnisse, die man aus dem Gespräch mitgenommen hat.

Ich lass mir heute mal von euch in die Karten schauen und präsentiere euch ein paar kleine Ausschnitte aus der Reflexion von heute:

„Reserven liegen in den Fächern Deutsch/HSK vor allem in der Erteilung von Arbeitsaufträgen. Hier rede ich meist noch zu viel, erkläre doppelt und schiebe Informationen nach, die eigentlich nicht notwendig sind. Viele Arbeitsabläufe (Abschreibregeln, Arbeiten mit dem Wörterbuch…) hätten auch von Schülern erklärt werden können, da es sich um bereits bekannte Sachverhalte gehandelt hat. Hier sollte ich die Schüler mehr aktivieren und mich auf ihr Wissen verlassen und dieses auch nutzen.“

oder aber:

„Sehr hilfreich empfand ich die Ideen bezüglich der Schüleraktivierung. Hier sind noch große Reserven, da im Unterricht nicht immer alle Schüler zu Wort kommen können. In der nächsten Zeit werde ich also versuchen, verstärkt Gespräche mit einem Partner als Austausch in den Unterricht zu integrieren, um alle Schüler zu aktivieren. „

oder:

„Dennoch bin ich der Meinung, dass die Schüler heute etwas gelernt haben, was ich in den Folgestunden aufgreifen, erweitern und festigen kann. In Zukunft werde ich die Angebote genauer überdenken, mögliche Probleme beachten und versuchen, die Ziele passgenau und korrekt zu formulieren.“ 

Das klingt vielleicht an machen Stellen nicht so hochtrabend, wie man das erwarten würde – aber ich bin einfach kein Mensch, der um den heißen Brei herumsülzt und nichts auf den Tisch legen kann. Und auch im Gespräch verteidige ich meine Planung, wenn sie für mich Sinn macht – das gehört auch dazu.
Ich bin der Meinung, dass Fehler da sind, um zu lernen – und wenn ich Mentorinnen & Fachleiter an meiner Seite habe, die mir konstruktive Kritik und Hinweise geben können, dann ist das doch super! Fehler mache ich noch genug. Hier und da, Kleinigkeiten. Mal gröbere Schnitzer (jaja, das liebe Stundenende), aber im großen und ganzen merke ich, dass ich mich immer ein Stückchen weiter entwickle.

Deshalb habe ich mich heute über einige Aussagen GANZ SEHR gefreut. Die möchte ich natürlich auch teilen.

Meine Fachleiterin hat gesagt:

„Sie haben etwas, dass man nicht lernen kann.“
Und dann legte sie sich ihre Hand aufs Herz.

Schön, oder?!

Lustig fand ich von ihr auch:

„Machen Sie das hier in Ruhe fertig und dann hol ich Sie in 5 Jahren ans Studienseminar.“

Ähm. Darüber habe ich  noch nicht nachgedacht. Aber erstmal mit „Ich glaube das wird nix“ reagiert. Entfernung und so. Außerdem glaube ich nicht, dass ich schon in der Lage bin, Studenten / neuen LAAs etwas beizubringen – außer cool zu bleiben & nicht alles so ernst zu nehmen 😉

Aber… und das war das allerschönste am heutigen Tag…meine Mentorin hatte auch noch was zu sagen. Und das sogar mehrfach.
Nämlich:

„Das hast du gut gemacht, ich bin heute richtig stolz auf dich!“

Wow! Und das freut mich wirklich besonders, weil mir ihre Meinung sehr wichtig ist. 🙂

In diesem Sinne: Liebe Grüße & bis bald!
Eure Frau A.

Ps.: Eine Frage an euch schiebe ich aber noch nach:
Wie laufen bei euch solche Gespräche ab? Konstruktiv? Werdet / wurdet ihr auseinander genommen? Wie empfindet ihr diese Besuche?
 

 

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14 Antworten to “Reflexion eines Unterrichtsbesuches”

  1. darthlehrer 23. Juni 2013 um 09:48 #

    “Sie haben etwas, dass man nicht lernen kann.” vs. “Sie haben etwas, das man nicht lernen kann.” -> Schöne Idee für ein Tafelbild zum Thema Relativsatz vs. Konjunktion dass!

  2. Lawweline 9. Oktober 2012 um 06:22 #

    Ist das eigentlich bei euch auch so, dass manchmal die anderen vom Studienseminar zum UB kommen?? Dann wird’s richtig voll und aufregend…
    Bei der Reflexion wurde bei mir immer darauf geachtet, dass man nicht schreibt, dass die Schüler etwas „gelernt“ hätten (quasi verbotenes Wort), sondern genauer schreibt, sie haben jetzt geometrische Formen kennengelernt oder so…

  3. Schülerkontakt 8. Oktober 2012 um 20:48 #

    🙂

  4. Schülerkontakt 8. Oktober 2012 um 20:32 #

    Hmm, man hätte die Stunde ja nicht so geplant, wenn man sie nicht gut finden würde. Also fällt es mir unheimlich schwer, hinterher zu sagen, dass das nicht so gut war. Man kann somit aber noch nen paar Punkte sammeln und schließlich ne bessere Note bekommen.

    • bambooos 8. Oktober 2012 um 20:35 #

      Ich finde meine Stunden vorher auch immer okay, aber meistens fallen mir dann im Verlauf Dinge auf, die ich nicht bedacht habe.

      Beispiel heute: Die Kinder sollten das Wort „Äpfel“ eintragen (ohne Vorlage, nur durch das Hören). Und vorher im Wörterbuch suchen.
      Manche suchten dann eben bei E – manche suchten „Drachen“ bei T… und darauf hätte ich (vielleicht) vorher kommen können.

      Kleinigkeiten halt. Aber man kann sowas ja in Folgestunden aufgreifen, das ist ja das Schöne 😉

      • Schülerkontakt 8. Oktober 2012 um 20:42 #

        Stimmt! Mein Problem ist auch häufig, dass ich mir vorher gar nicht vorstellen konnte, dass die Kids manche meiner Ideen gar nicht verstehen. Da hilft auch die Bedingsanayse nicht viel, wenn die Kids durch den Besuch so nervös sind, dass sie nichts mehr sagen möchten und so tun, als hätten sie noch nie ein Wort geschrieben 😦
        Was lernen wir daraus: Aufschreiben: Es könnte sein, dass die Kids total verstummen, obwohl sie das Ganze eigentlich können 🙂

      • bambooos 8. Oktober 2012 um 20:46 #

        Das stört meine Schüler wenig – manchmal würde ich mir eher wünschen, dass sie sich ein bisschen runterfahren wenn jemand da ist 😉 Aber die Fachleiter werden meist auch in den Pausen von ihnen belagert… aber da müssen sie durch, hehe 😉

  5. Schülerkontakt 8. Oktober 2012 um 20:25 #

    Unterrichtsstunden sind meiner Meinung nach überaus schwierig zu beurteilen, weil es sehr stark von den Leuten abhängt, die einen bewerten. Wenn sie einem erst mal mit „aber die Lehrerpersönlichkeit ist gut“ weiß man, dass die Stunde denen gar nicht gefallen hat. (Egal, was Mentor, man selbst, Schulleiter für ein Gefühl haben) Ich habe mir grundsätzlich abgewöhnt, meine Stunden als „ganz ok“ zu bezeichnen, das kam gar nicht gut. Besser ist, sich selbt zu kritisieren, was das Zeug hält, dann ist man wenigstens reflektiert und hat seine Fehler erkannt.

    • bambooos 8. Oktober 2012 um 20:28 #

      Genau so halte ich das auch. Ich bin meistens „prinzipiell zufrieden, ABER…“ – und so soll es laut Fachleitern ja auch sein, denke ich.

  6. Fräulein Ratgeber 8. Oktober 2012 um 20:18 #

    Es ist immer recht konstruktiv und man kann viel mitnehmen. Blöd empfinde ich bei meiner SL, dass sie grundsätzlich immer irgendetwas sucht, an dem sie rummeckern kann. Meine FL sind da entspannter: „Wo nichts zu meckern ist, such ich auch nicht so ewig herum. Solche Erfolgserlebnisse muss man Ihnen doch auch mal gönnen.“ Außerdem ist das Allerbeste nach so einem UB doch, wenn sie sagt: „Um Sie mach ich mir keine Sorgen!“ 🙂

    • Fräulein Ratgeber 8. Oktober 2012 um 20:19 #

      Ach ja, bei uns läuft so ein UB und die Reflektion (mit k! :p Ja, ich weiß, dass ist falsch!) etwas anders ab… Darüber kann ich ja auch mal schreiben 🙂

      • bambooos 8. Oktober 2012 um 20:20 #

        Mach das mal… Ich hab versucht, mich kurz zu fassen. 😉

    • bambooos 8. Oktober 2012 um 20:19 #

      Ja, das hat meine Mathe/Werken-Frau gleich beim ersten Mal schon gesagt – echt cool! 🙂
      …und perfekt ist man sowieso nie.

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