Mein erstes Mal…als Klassenleiterin

2 Okt

Nachdem der Unterrichtsbesuch Mathe/Werken weniger berichtenswert ist (Kurzform: Prinzipiell alles okay, wie immer noch Kleinigkeiten, an denen gearbeitet werden kann), gibt es heute etwas VIEL cooleres zu erzählen.
Ich war nämlich heute das erste Mal einen ganzen Tag alleine in einer Klasse.

Wie kam´s?

Nachdem meine Mentorinnen bereits viel Zeit in mich investiert haben, ist diese Woche die Zeit gekommen, etwas zurück zu geben. Deshalb durfte eine der beiden heute zuhause bleiben – und ich übernahm ihre 4 Unterrichtsstunden in der eigenen Klasse, meiner Matheklasse.

Wie lief´s?

Gut!
Irgendwie ist es viel schöner, zusammenhängend in einer Klasse zu sein. Sonst springe ich in meine Matheklasse rein, unterrichte meine Stunde und verschwinde dann wieder. Heute hatte ich sie von 7:30 bis 11:15 Uhr …in all ihren Facetten. 😉
Am Anfang schrieb ich den Tagesplan an die Tafel… Ma, D, HSK…und in der 4. Stunde malte ich statt eines Faches ein Geschenkpaket. Uuuuuh, was DAS wohl sein wird?! Natürlich ließ ich das offen um die Spannung zu erhöhen und das Highlight nicht zu entkräften…

Dann gings los, Mathe. Weil sie mich in diesem Fach kennen & die Abläufe klar sind, lief das alles easy und wie geplant. Die Aufgaben mit Zehnerzahlen (60+30, 80-20) klappen schon super, die Zahlraumerweiterung kann also weiter gehen… Highlights dieser Stunde waren Tom und Kai, die stärksten Schüler der Klasse. Sie waren bei einer Aufgabe so fix, dass ich ihnen selbst Aufgaben ins Matheheft schrieb. Aber nicht das, was die anderen machen, sondern 130+90 oder 210+70 oder 80+90-30… Knackten sie locker.
Heißt für mich: die tägliche Übung am Anfang ist für die beiden zu leicht & ich muss mir irgendwas überlegen, damit das auch für sie eine Herausforderung wird. Mit 10+20 sind sie unterfordert.

Danach kam Deutsch. Ich führte hier das Hüpfdiktat ein, das ich auch in der anderen Klasse bereits gemacht habe. Zwar war am Polylux (oder Overheadprojektor, wie man anderswo sagt…) das Bild irgendwie schlecht, aber auf ihren Blättern arbeiteten die Schüler super mit. Vom Ablauf her habe ich ein wenig umgestellt, weil die Kinder die 5 verschlüsselten Sätze auf der Kopie hatten – lief sogar noch besser als in der anderen Klasse, weil flotte Schüler dadurch weiter arbeiten konnten. Bei den schwächeren gab es Orientierungsprobleme, aber am Ende klappte es bei allen. Schön! 🙂

Für die HSK-Stunde (Heimat- & Sachkunde) hatte ich den Ablauf wie in meiner eigentlichen D/HSK-Klasse geplant. Am Anfang eine kurze Suchübung im Wörterbuch & dann das Thema „Streiten und Vertragen“ besprechen.
Leider ging ein Teil der Stunde für die Besprechung der Pause drauf (Irgend so ein blödes Spiel, bei dem eine Schülerin rief „Wer würde den Tom küssen?“ und sich die Leute melden sollten. Aber auch so Sachen wie „Wer würde der Tina zwischen die Beine küssen“ und so nen Mist.) Das schrie förmlich nach einer Auswertung, weil einige Schülerinnen empört zu mir kamen.
Fazit: Meldespiele okay, aber dann mit Wissensfragen – nicht mit solchem Mist.

Die Suchübung gestaltete sich schwieriger als gedacht. Wahrscheinlich weil sie nicht so geübt sind, wie meine eigentliche Deutsch-Klasse. Ich schrieb an die Tafel: „Suche Monate“ und erklärte, dass ich die Monate mit Artikel, Seite und Spalte haben wolle.
Für mich war damit alles klar.
Beim herumgehen fiel mir auf: Die Kinder suchten nicht nach „der Januar“, „der März“ etc, sondern nach dem Wort MONATE.
ARGHS!!!!
Also Kommando zurück. Aufgabe nochmal erklärt. Und weiter.

Dafür ging dann der Großteil der Stunde drauf. Das eigentliche HSK-Thema ließ ich weg, besprach etwas anderes („Unser Klassenraum“) und entließ sie dann zur Hofpause.

Puh. Für den erhöhten Schwierigkeitsgrad war Florian verantwortlich, der bei Zählübungen in Mathe permanent reinrief & den Schülern die Möglichkeit zur Antwort nahm. Oder der beim Hüpfdiktat mit dem Spielstein spielte, statt ihn zur Arbeit zu nutzen. Oder der den Mädels hinter ihm Stifte wegnahm und durch den Raum warf. Oder der sich mit dem Stuhl umdrehte und mit dem Rücken zu mir saß. Oder der beim Singen quer durch den Raum lief. Oder der sein Lineal nicht normal aufhob, sondern sich über den Tisch legte, damit es auch alle schön mitbekamen…

Trotzdem – und das finde ich selber gut – versuchte ich ihn in allen Phasen zu motivieren, nahm ihn dran wenn er sich meldete, sprach ihm Mut zu, gab ihm differenzierte Aufgaben, ermahnte ihn freundlich und versuchte, alles in moderate Bahnen zu lenken. War gar nicht so einfach und ohne Drohung / Druckmittel ging es nicht. Das war heute mein bewährtes Strichesystem an der Tafel (Name und 3 Striche = Eintrag ins Hausaufgabenheft). Am Ende hatte er 2 Striche, also knapp dran vorbei. Verdient wären wohl 7 gewesen… Wobei ich auch nicht gewusst hätte, was ich a) hätte schreiben sollen und b) ob es meiner Kollegin so Recht gewesen wäre.

Nun ja. In der 4. Stunde, der „Geschenke“-Stunde griff ich zunächst eine Schülerfrage auf („Was ist das eigentlich für ein Feiertag morgen, dieser 3.10.?“), erklärte den Zusammenhang, verteilte die Essenszettel für November..und dann ließ ich die Schüler wählen zwischen:
a) einer Geschichte, die von mir vorgelesen wird
b) einer Fantasiereise mit anschließendem Herbstbild-malen

Natürlich wählten sie b. 😉
Die Fantasiereise lief sehr gut (im Vergleich zur 1. Klasse) und auch die Bilder waren sehr schön. Parallel zum Malen ließ ich „Das Sams“ als Hörspiel laufen. Das war cool. Ich hab das selbst als Kind immer gehört und liebe es immernoch. 🙂
Am Ende musste ich noch ein Rotz&Wasser-heulendes Mädchen trösten („Die Anja hat gesagt mein Bild ist hässlich“!), was gar nicht so einfach war, weil sie sich wirklich angegriffen gefühlt hat. Dazu gibt es noch Hintergründe, aber das würde heute zu weit führen.

JEDENFALLS…mein Tagesfazit: 
Klassenlehrer sein ist cool! 
Man kann die Stunden flexibler planen, Sachen verschieben, andere Sachen einbauen. Man kann spontan Schülerfragen integrieren, Probleme besprechen und das Einschreiben der HA verlegen. Echt toll!

Deswegen freue ich mich schon auf Donnerstag – da werde ich nämlich meine D/HSK-Mentorin „ablösen“, ihr einen freien Tag verschaffen und mich 4 Stunden um die wilde 2b und eine Stunde anteilig um die 4a kümmern. Bin schon gespannt, wie das laufen wird – die sind ja nochmal ein bisschen ein anderes Kaliber… Aber der Tag ist soweit schon grob geplant, die Feinheiten mache ich noch & dann wird das auch werden.

Für heute bin ich zufrieden. Ein bisschen müde, aber zufrieden. (Als Klassenleiterin muss man ja zur ersten Stunde da sein, also musste ich heute morgen wieder um 5Uhr aufstehen – die Stunde Schlaf weniger merke ich massiv!)

Whatever.

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag!
Morgen geh ich mit Schatzi & Familie wandern, freu mich schon!

In diesem Sinne: Adios Amigos!
Eure Frau A.

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4 Antworten to “Mein erstes Mal…als Klassenleiterin”

  1. Alex 11. Oktober 2012 um 21:49 #

    Ich habe grad mal hier quergelesen (werde jetzt öfter mal vorbeischauen, deine Beiträge machen Spaß und lassen das nervige Referendariat auch mal durch eine andere Brille sehen)…und frage mich, ob es bei euch normal ist, die Ausbildungslehrerinnen einen ganzen Tag abzulösen?? Ich komme aus NRW und habe das noch nie erlebt. Oder hast du das selber vorgeschlagen?

    Alex

    • bambooos 11. Oktober 2012 um 21:52 #

      Dann erstmal Herzlich Willkommen! 😉

      Das war eine Idee meines Schulleiters, die ich dankend angenommen habe. 1. weil meine Mentorinnen das verdient haben und 2. (GANZ uneigennützig) weil ich gerne mal nen Tag alleine in einer Klasse sein wollte. Als „richtige“ Lehrerin, nicht nur Springer zwischen hier & da… Ich fand das war ne coole Erfahrung 🙂

  2. Fräulein Ratgeber 2. Oktober 2012 um 18:06 #

    Ach, bei euch gibt es die Meldespiele auch? DIe gehen in meiner 6. (jetzt 7.) auch schon das ganze Jahr über… „Wer denkt, so und so ist schwul, meldet sich!“, „Wer How I met you mother guckt, meldet sich.“ NERVIG OHNE ENDE!

    Das Sams hatte ich letztens in der 5. Klasse auch zum Thema Wunschbaum. Kam sehr gut an, die Kleinen haben sich erfreut an ihre Grundschulzeit erinnert 🙂

  3. Smut 2. Oktober 2012 um 13:57 #

    Und ich freu mich auch aufs wandern. Und wenn Striche und Eintrag verdient sind dann sollte man das auch durchziehen. Der Florian weiß das ganz genau und nutzt das das nächste mal bestimmt aus. Nach dem Motto dafür gabs aber beim letzten Mal keinen Strich Frau A.

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