Gastbeitrag: Regelschul-Referendariat in Thüringen

7 Jul

…oder auch: Zeit kürzen, Geld sparen, Prüfungsordnung die gleiche!

Sonderausgabe!!!
Heute schreibt hier eine angehende Regelschullehrerin, die auch mit dem Referendariat zu kämpfen hat. Ich freue mich, dass sie sich die Zeit genommen hat, hier ihre Eindrücke zu schildern. Vielen Dank dafür & viel Spaß beim Lesen!
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Um auch einen kleinen (oder großen) Einblick in den Regelschulbereich zu werfen, denn der steinige Weg ist ja am explodieren seitens Leserzahlen, freue ich mich, hier einen Gastbeitrag veröffentlichen zu dürfen.

Ich hatte ja nun die glückliche Ehre, fast nahtlos an meine teure 6jährige Studienausbildung in Erfurt das Referendariat anzuschließen, jedoch mit der kleinen Einschränkung, dass uns Regelschulanwärtern einfach mal sechs Monate gekürzt wurden (von eigentlich 24 Monaten nun auf 18 Monate), ohne sich aber genauer darüber Gedanken zu machen, wie das ganze umgesetzt werden soll. Die Verkürzung gab es übrigens, weil wir ja ach so viele Praktika im Studium hatten, in unserem wirklich praxisorientieren Magisterstudium an der Universität Erfurt, welches jetzt umgestellt werden soll, weil es eben doch nicht so praxisorientiert ist. Und am besten: „Was verfolgen Sie mit der Umstellung?“ – „Äh… Ich dachte, Sie können uns das sagen!“ (Frage – Antwort, als der neue Studiengang unserer Seminarleitung vorgestellt wurde). Zurück zum Thema der Verkürzung: Zunächst dacht ich ja: Oh super, nur 18 Monate quälen, klasse, dann aber das Problem: Die Prüfungsbedingungen wurden in keinster Weise angepasst. Wir haben also im Prinzip genau die gleichen Leistungen wie unsere Mitstreiter mit 24 Monaten zu erledigen: Unterrichtsbesuche wie die SL und FL wollen, 4 benotete Lehrproben, eine Hausarbeit ohne jegliche Seitenkürzung, Seminarveranstaltungen, Prüfungen (ist klar). Übrigens: Für die künftigen Regelschulanwärter wird dann jetzt im Sommer der Prüfungsplan angepasst…
Aber mal ehrlich: Ich bin ja nun nicht in den großen Studienseminaren wie Erfurt oder Gera, sondern in einem süßen Seminarschulverbund. Dort ist alles sehr familiär (9 Refis) und uns 18monatigen wird so gut wie es geht unter die Arme gegriffen. Ich kann mich nicht beschweren, die Lehrproben liefen alle super, die Examensarbeit ist abgegeben. ABER ich weiß ja, dass es den Erfurtern und Geraern nicht so gut geht. Natürlich kann auch bei mir einiges besser gemacht werden, zum Beispiel meine Ausbildungsschule… Das Lehrerkollegium, von dem ich umgeben bin, ist sehr nett und lieb, doch manchmal, erscheint es mir, ist es zu lieb, denn die Schüler nutzen das sehr aus, Problemkinder kommt alle her, bei uns dürft ihr machen was ihr wollt. Also dort bleiben möchte ich auch nicht.
Und das größte Problem ist ja immer noch die Sache mit der Einstellung nach dem Referendariat. Es besteht ja nicht nur die Frage, ob ich überhaupt einen Platz hier in Thüringen bekomme (zu dem ich gleich auch noch was sage), sondern die viel größere Frage ist: Zu welchem Zeitpunkt kann ich mich bewerben? Mein letzter Arbeitstag wird einmal der 31. Januar 2013 sein, dass ist ein Donnerstag, mitten in der Woche, anderthalb Wochen vor den Winterferien. Prüfungen haben ich im Dezember? Vielleicht auch Januar? Bewerbungen sind derzeit nur für Sommer vorgesehen. Es kann also gut sein, dass ich nach 5 Monaten zwischen Studium und Referendariat nun auch noch 6 Monate darauf warten kann, mich in Thüringen zu bewerben. Und was mach ich in der Zeit? Ich meld mich Hartz IV, das war schon immer mein größter Traum. Also ehrlich mal… Man kann doch nicht die Zeit des Referendariats kürzen und dann meinen: „Also, ob sie dann zum Februar sich bewerben können, das können wir nicht garantieren.“ (Aussage aus Erfurt) – Hartz IV kommt im Lebenslauf dann sicher auch gut.
Man könnte ja die Zeit sinnvoll überbrücken, zum Beispiel mit Familienplanung… Aber da man ja nicht weiß, wo man dann demnächst, bald, in ein paar Jahren, gar nicht hinkommt, einen Freund hat, der auch noch sein Referendariat vor sich hat (und zweimal den Ort wechseln muss somit), hat sich das zumindest scheinbar für mich auch erledigt… Und 2016 brauch ich dann auch nicht mehr anfangen.
Die Einstellungsaussichten für Regelschullehrer sind nämlich in Thüringen derzeit nicht rosig. Da gibt es 50%-Stellen, manchmal 70%-Stellen, Vollzeit gar nicht, und euren Beamtenstatus vom Referendariat könnt ihr euch auch abschminken. Manch einer mag nach dem Referendariat vielleicht denken: ´Oh Gott, ich bekomm kaum 12h geplant, wie soll ich da 25, 26 und mehr Stunden schaffen?` Aber auf lange Sicht gesehen zählt ja dann der Geldunterschied zwischen einem 50% Angestellten und einem 100% Beamten irgendwie doch schon. Geld regiert die Welt – und wer das nicht so sieht, hat noch nie welches besessen ^^ Sehr empfehlenswert ist dann auch der am 5.7. erschienene Artikel der TLZ, der die missliche Lage darstellt: 26 Stellen wurden gefordert in Westthüringen von den Regelschulen, zwei laut Artikel, drei sind es übrigens offiziell, nur genehmigt… Das ist doch ein Witz. Auch an meiner Schule gehen viele Lehrer in Rente, einen Sozialkundelehrer wird es nicht mehr geben, nachkommen wird nichts, denn ich bezweifel ja, dass gerade die zwei/drei Stellen, die es gibt, zu uns kommen und dann auch noch gerade Sozialkunde haben. Soweit ich weiß, hat der Direktor auch schon die Mitteilung, dass zu uns nichts kommt. Das heißt also für mich, dass ich wieder viele, viele Vertretungsstunden machen darf (dieses Schuljahr waren es übrigens bis jetzt 37, normale Beamte haben so drei im Monat, jede weitere wird abgebummelt zu Hause, aber die Referendare sind da viel praktischer zum Einsetzen, Abbummeln oder zusätzliches Bezahlen gibt es nicht in Thüringen), aber das mach ich doch gerne, denn so sammel ich total viele Erfahrungen… Witz beiseite! Es ist einfach belastend. Und die Stimmung im Kollegium und der Schule ist seit der Nachricht, dass niemand nachkommt auch nicht toll. Dafür erwarten uns aber zwei 5. Klassen mit 29 Schülern. Juhu!
Schlussendlich… Warum soll ich mich NICHT in Hessen bewerben? Mir fällt ehrlich gesagt nur der Grund ein, nämlich, dass ich gern wieder in die Nähe meiner Familie möchte, die in Thüringen wohnt, nur leider am anderen Ende von meiner Ausbildungsschule. Aber ansonsten, wird der Plan Hessen immer sichtbarer in meinem Kopf, denn dort kann man sich neben den zentralen Terminen auch noch ständig auf Stellen bewerben, die in einer Art Forum tagtäglich ins Internet gestellt werden. Auch mein Freund hat wohl eher bessere Aussichten in Hessen ein Referendariat zu bekommen als in Thüringen. Und: Wir werden mit Kussmund genommen, denn wir haben ja eine superteure geniale Ausbildung in Thüringen gemacht, wurden dort für teuer Geld ausgebildet (nicht auf Kosten von Hessen), also her mit den Thüringern, denn wir bieten euch Beamtenstatus und 100%. Und ganz zu schweigen davon, sind wir ein westliches Bundesland. Jeder weiß ja, was das bedeutet.
Und zu guter Letzt mein Hoffnungsschimmer: Noch 20 Schulwochen, dann hab ich das Referendariat geschafft. Ich bin gespannt, wie die Prüfungen verlaufen und vor allem, wie und ob es weiter geht. Vielleicht darf ich bald mal wieder hier schreiben 🙂

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