Irrsinn in Thüringen

25 Jun

Was löst das folgende Bild bei euch aus?

20120625-160746.jpg

Bei mir: Kopfschütteln.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus den Ausbildungsplatzhöchstzahlen des TMBWK für den Beginn des Vorbereitungsdienstes im August 2012.

1. Grund fürs Kopfschütteln:
Können die IMMERNOCH nicht rechnen? Jedes Jahr aufs neue stimmt die Gesamtzahl der Plätze für die GS nicht mit der Summe der einzelnen Zahlen überein.
Naja…

2. Grund:
Anscheinend hat Thüringen IMMERNOCH nicht begriffen, was es sich selbst mit diesen mickrigen Zahlen antut.
Beispiel Sport:
Allein an der Uni Erfurt haben dieses Jahr über 20 Leute mit Nebenfach Sport abgeschlossen. Der Großteil davon will am liebsten in Thüringen bleiben.
Bei nur 6 Plätzen (und das noch OHNE Bewerber aus anderen Bundesländern/Härtefälle etc mitzurechnen) werden also mindestens 14 gut & teuer ausgebildete Sportlehrer unser schönes Land verlassen.
…und das allein im Mangelfach Sport.

Irrsinn. Ganz einfach Irrsinn.

Mir könnte das alles ja egal sein – ich hab ja ne Stelle. Aber in ein paar Jahren bin ich dann in ner Schule & buckel mich kaputt, weil keine Lehrer mehr nachkommen oder wie?

Erhöhung der Einstellungszahlen – schön und gut – aber wenn es nach mir ginge, dann müsste eine Referendariatsstelle DIREKT nach dem Studium zugesichert werden. Damit der Theoriekram aus dem Studium nicht (wie bei mir) ein Jahr lang verstaubt & vergessen wird. Damit man (motiviert wie man da nunmal gerade ist) gleich voller Kraft seine Ideen umsetzen & einbringen kann. Damit man schon beim Studienbeginn ein bisschen mehr Sicherheit für die Zukunft hat. Damit die ganze Lehrerausbildung besser verzahnt werden kann….

Es liegt echt noch SO vieles im Argen, da dreht sich einem der Kopf, wenn man darüber nachdenkt.

Übrigens: Ich mecker nicht nur, ich tu auch was. Obwohl mir das Wort „Politik“ oder „Verbände“ oder „Gewerkschaften“ immer ein Dorn im Auge war – ich engagier mich jetzt auch offiziell für uns (Jung)-Lehrer.
Wie genau kann ich durch meine Anonymität hier leider nicht breittreten, aber: ich versuche, etwas zu ändern.

Schön wäre es, wenn das mehr tun würden. Es gibt wirklich kaum junge Lehrer, die ihren Hintern hochkriegen und den Mund auf machen. Das ist schade. Denn was man mit dem „Aufbegehren“ möglich ist, hat ja Matschies Zugeständnis bzgl der Einstellungszahlen von Lehrern gezeigt.

Da aufzuhören wäre falsch. Es muss sich noch VIEL mehr tun in unserem Land.

Also: wenn ihr Probleme habt, wütend oder unzufrieden seid: macht das öffentlich. Wendet euch an Verbände wie den tlv (oder von mir aus auch die GEW)- die nehmen sich der Probleme an & kämpfen auch. Alleine ist man zu schwach – in der Masse können wir was erreichen!

Aber das Wichtigste ist: traut euch & habt keine Angst vor den Folgen – schlimmer als jetzt kann es kaum werden!

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11 Antworten to “Irrsinn in Thüringen”

  1. Stefan 1. Juli 2012 um 13:19 #

    Ich habe mich in zwei „fremden“ Bundesländern beworben, jeweils eine Zusage erhalten. Vielen Freunden aus dem Studium ging es ähnlich und die haben meines Erachtens trotzdem ein vernüftiges soziales Umfeld. Im Gegenteil, das kann ja auch dazu führen, dass man sein verkrustetes Sozialleben ein wenig auflockert.
    Leute, die das Wegziehen um jeden Preis vermeiden, haben sicherlich ihre privaten Gründe und wenn jemand lieber zwei Jahre seine Ausbildung unterbricht anstatt ein wenig Mobilität zu zeigen, so soll er das durchaus machen. Aber diese Gründe als Vorschub für mehr Ausbildungsplätze zu nutzen, erscheint mir ein wenig unrealistisch angesichts der finanziellen Ressourcen des Landes.

  2. B wird Lehrerin 28. Juni 2012 um 14:52 #

    Richtig so! Das 1. und 2. Staatsexamen im Lehramt gehört meines Erachtens nach auch zusammen. Und die Einstellungszahlen die du da beschreibst sind echt ein Witz. Ein Freund von mir hat 2,5 Jahre auf deine Ref-Stelle gewartet. Mit einem StEx-Schnitt von 2,0. Klar, kann man auch wegziehen, um sein Ref zu absolvieren. Das hätte ich selbst aber auch auf keinen Fall gewollt. Irgendwann möchte man auch mal ankommen im Leben und nicht ständig sein Sozialen Umfeld zerschreddern.

  3. Stefan 26. Juni 2012 um 17:57 #

    Auch auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu machen: Worin besteht das Problem, in einem anderen Bundesland den Vorbereitungsdienst zu absolvieren? Berufliche Mobilität und Lehrer-Dasein sind ja per se kein Widerspruch, oder?
    Ich habe manchmal den Eindruck, als sei die Anstellung im Bundesland, in dem man studiert hat, ein Grundrecht von Lehramtsstudenten. Mir erscheint das zumindest für die Neuen Bundesländer ziemlich weltfremd und der gut informierte Student weiß das spätestens in den ersten Semestern. Ich würde deshalb den „Schwarzen Peter“ auch mal bei den Universitäten suchen, die über Gebühr Lehrer ausbilden, die nach dem Studium entweder eine Warteschleife durchlaufen müssen bzw. in ein anderes Bundesland wechseln müssen.

    • bambooos 26. Juni 2012 um 18:06 #

      Ein Grundrecht ist das nicht. Aber wäre es nicht schlau von den Bundesländern, die Studenten gleich zu nehmen & fertig auszubilden (nachdem die 4,5jährige Uni-Ausbildung schon viel gekostet hat)?

      Das Problem ist, dass viel zu viele Leute gerade die neuen Bundesländer verlassen. Eben weil niemand angestellt wird bzw. weil es keine Perspektiven gibt. Wohin führt’s? Noch mehr Lehrermangel als sowieso schon, weil viele dann nicht mehr zurück kommen…

      Klar würde ich lieber „in den Westen“ gehn – mehr Geld, Verbeamtung….Auf der anderen Seiten stehen aber Dinge wie Freunde, Familie, mein Freund der hier seit 10 Jahren ne feste Stelle hat… wieso sollte ich ihn & mich hier rausreißen? Nö. Dann kämpfe ich lieber dafür, dass es besser wird. 🙂

    • umblaettern 28. Juni 2012 um 17:35 #

      Mal abgesehen davon, was die Threaderstellerin gesagt hat: So einfach, in einem anderen Bundesland eine Referendariatsstelle zu bekommen, ist es auch wieder nicht. Wechsel zwischen Bundesländern sind auch nicht „einfach so“ machbar, vor allem wenn man aus dem Schnöselbundesland Bayern kommt (und dessen bin ich mehr sehr wohl bewusst und selbst genervt von den Beschränkungen). Wir haben das Recht auf Ausbildung, aber wie die aussieht, ist das eine, und was danach passiert, das nächste… Mobilität gerne, aber bitte nur im eigenen Bundesland, lautet die Devise.
      Natürlich werden viel zu viele Lehrer ausgebildet, einen NC gibt es auf die meisten Fächer nicht, egal wie überlaufen sie sind, und wie viele Lehrer werden, weil sie „sonst nix anderes gewusst haben“, will ich gar nicht wissen… In meinem Jahrgang waren das genug.

  4. umblaettern 26. Juni 2012 um 15:46 #

    Ob nach dem Examen eine Stelle als Refi mehr Sicherheit bringt…. naja. Für die nächsten zwei Jahre? Sicher. Außer man schmeißt mittendrin hin.
    Aber eins kann ich dir auch sagen: Ein Ref anzufangen, mit der Sicherheit, dass du hinterher an einer staatlichen Schule _keine_ Chance hast, eine Stelle zu bekommen, ist auch nicht das Gelbe vom Ei.In Bayern sitzt du in überfüllten Seminaren mit überfüllten Weiterbildungen, in denen du keinen Platz bekommst, mit überfüllten Drittfachausbildungen, die nur einen Bruchteil derer nehmen, die sich gerne mehr Chancen eröffnen würden. Du kannst dir nicht mal denken, dass du den ganzen Mist mitmachst, weil du unbedingt Lehrer werden willst – weil die nächsten Jahre nach dem Ref gar nicht sicher sind. Halbwegs gut bezahlte Stelle irgendwo annehmen – nix da. Aus dem Bundesland raus? Pah, nicht, wenn du zurück willst…
    Dass der thüringische Staat seltsam plant, steht außer Frage… Kann ja nicht so schwer sein, zumindest grob einzuplanen, wieviele Lehrer in Rente gehen könnten. Zumindest das ist doch eine halbwegs sichere Zahl.

    • bambooos 26. Juni 2012 um 15:55 #

      Naja, aber zumindest hat man dann erstmal seine Ausbildung beendet. In der „normalen“ Welt weiß man danach ja auch nicht, ob man gleich Arbeit bekommt – aber immerhin kann man sich überall bewerben und bekommt die Chance.
      …mit dem 1. Staatsexamen kann ich in Thüringen nicht wirklich was anfangen. Das bedeutet nichts. Also ist das 2. Staatsexamen nur logisch – und das sollte Thüringen auch garantieren.
      Die Bedingungen im Ref sollten natürlich auch ordentlich und der Ablauf durchdacht sein, klar. Überfüllte Seminare hatte ich an der Uni genug, da sowas kann man in der RICHTIG wichtigen Ref-Zeit echt nicht gebrauchen…

      Ich sag ja – es liegt einiges im Argen in unserem schönen Deutschland…

  5. Smut 25. Juni 2012 um 20:49 #

    Joh mein Kind weiter so. Endlich kapiert das meckern nicht hilft sondern tun. Nicht vergessen WIR SIND DAS VOLK!!!!! Das gilt auch für die Benzinpreise.

    • bambooos 25. Juni 2012 um 22:30 #

      Ich glaub die Benzinpreise sind ne Nummer zu groß für mich. Mir würden die Lehrer schon reichen als Ziel.
      Problem: die sind Kummer gewohnt & haben sich mit dem Mist abgefunden. Wird schwer, da noch jemanden zu mobilisieren. Leider!
      Deswegen müssen ja die jungen ran – wenn sie sich denn trauen würden.

  6. Jürgen 25. Juni 2012 um 19:48 #

    Tja. Der Staat.
    Er kann einfach nicht planen und rechnen.

    • bambooos 25. Juni 2012 um 22:28 #

      Ist das nicht traurig?
      Ich meine, ich fordere ja nicht mal die (ebenfalls notwendige) Festanstellung danach…aber sollte man den Studenten nicht die Möglichkeit geben, ihre AUSBILDUNG (was anderes ist das Ref ja nicht) fertig zu machen?
      Oder müssen Bäcker, Banker und Bürokauffrauen auch ihre Ausbildung mittendrin ein Jahr unterbrechen, hoffen und bangen um dann VIELLEICHT weiter machen zu können?
      Nö.
      Aber mit den Lehrern kann man’s ja machen.
      Irrsinn, einfach nur Irrsinn.

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