Lehrprobe To-Go

6 Jun

So, nachdem ich die erste benotete Lehrprobe rum habe, wurden heute im Seminar von ein paar Leuten nähere Infos gewünscht.
Also los geht´s:

1. Die Vorbereitung
Für die Lehrprobe wird eine umfassende schriftliche Vorbereitung gewünscht. Dafür sind feste Vorgaben einzuhalten (die mit Sicherheit von STS zu STS anders sind. Ich gehe jetzt von unserem STS aus…)
Zuerst natürlich das festgelegte Deckblatt inkl. Ort, Zeit, Stundenthema, Prüfern etc.
Danach (ohne Inhaltsverzeichnis):

1 Sachanalyse. 
1.1 Inhalt
1.2 Didaktik
1.3 Didaktische Reduktion
2 Einordnung der Stunde im Unterrichtsvorhaben
3 Lernbedingungen
4 Didaktisch- methodischer Kommentar
5 Ziele der Stunde
6 Verlaufsplanung
7 Literaturverzeichnis
8 Anhang
[9 Erklärung]

Die Erklärung bzgl. Eigenständigkeit gehört laut Angabe meiner Prüferinnen nur bei der RICHTIGEN Prüfung rein & ist in der Lehrprobe nicht notwendig (deshalb in Klammern).

Zur Sachanalyse:
– die relevanten fachlichen Grundlagen, die auf diese Stunde zutreffen darlegen (mit wissenschaftlichen Quellen & Definitionen… wie an der Uni eben.)
– die benutzten Methoden UND Sozialformen müssen ebenfalls definiert werden (selbst Partnerarbeit soweit ich weiß…)

In den Lernbedingungen müssen nicht zwangsweise alle erlangten Informationen auftreten, sonder nur das, was für die Stunde relevant ist.
Beispiel: Du willst Partnerarbeit machen. Ein auffälliges Kind arbeitet nur mit einem einzigen Schüler gerne zusammen, unter Zwang verweigert er sich oder flippt aus.
SOWAS müsste erwähnt werden. Oder auch mögliche Problemkinder.
So hatte ich z.B. in meiner Werkenstunde einen Schüler, der SEHR viel Aufmerksamkeit braucht & sonst stört. Also steht in meiner Planung, dass ich ihn bei praktischen Übungen (wie Arbeitstechniken zeigen, vorlesen etc.) evtl. öfter drannehmen werde, als andere. Das alles als OPTION – ob es wirklich zutrifft in der Stunde weiß man ja nicht. Aber so wissen die Hospitierenden schon, auf wen sie evtl. Acht geben müssen.

Die Ziele der Stunde müssen wirklich eindeutig und klar formuliert werden. Hilfreich ist hierbei der Lehrplan, an den man seine Formulierungen anlehnen und orientieren kann. Es muss in der Planung nachgewiesen werden, wo/wie man an den festgelegten Zielen arbeitet (sonst bräuchte man sie nicht setzen, wenn man nicht an ihnen arbeitet…).
DAS ist für mich selbst noch am schwierigsten. Ziele passgenau zu formulieren.

WICHTIG für den schriftlichen Entwurf der Lehrprobe:
Die ABGABE ist am Werktag vor der Lehrprobe bis spätestens 12:00 mittags. Sie muss mit Zeitangabe und Unterschrift quittiert werden. Abgegeben werden 2 Exemplare (1x Schulleitung, 1x VfA).

Und noch was: 2x die PERSÖNLICHEN Lernziele (die man sonst nur bei den Unterrichtsbesuchen ausfüllen muss) mitbringen, und die eigenen Stundenziele festlegen.
(für die Nicht-LAAs unter euch: Nicht nur für die Schüler werden Ziele festgelegt, sondern auch für uns. Also auf WAS will ich bei mir selbst in dieser Stunde achten? Ich habe z.B. als Ziel gesetzt, die Selbsteinschätzungsmethode einzuführen und am Ende auszuwerten. Warum? Weil das für mich was Neues war, was ich ausprobieren wollte. NACH der Stunde muss ich selbst Anmerkungen dazu eintragen & DANN schreibt auch die Fachleiterin noch ihren Senf dazu. Ist wirklich mal ganz interessant!)

2. Der Tag der Lehrprobe
Ich habe vorher schon die Stühle für meine Gäste bereitgestellt & jedem den Entwurf auf den Stuhl gelegt.
Danach gings los,
Ablauf:
– Halten der Prüfungsstunden 
Tipp: Einfach alle Gäste ignorieren. Die waren für mich nicht anwesend, ich hab sie nicht mal gesehen. Wenn man sie anguckt, wird man eh nur nervös, weil sie mit Sicherheit NICHT freundlich, sondern kritisch schauen werden. Das ist ihr Job. Es wird sicher niemand mit „Daumen hoch“ drin sitzen und dich anfeuern. Also: ausblenden!
40 Minuten Auswertungszeit (Allein)
Die beginnen gleich im Anschluss an die Prüfungsstunden. Was habe ich in der Zeit gemacht?
Ich habe mir zu den folgenden Dingen Notizen gemacht:
> Allgemeiner Eindruck: Wie lief die Stunde? Bin ich zufrieden? Was war gut?
> Änderungen: Wo habe ich die Stunde im Verlauf spontan abgeändert? Warum?
> Reserven: Wo lagen Knackpunkte? Warum lief das gut & das andere schlecht? Wie könnte man das verbessern? Welche Angebote machten Probleme? Warum?
> Stundenziele: Wurden sie erreicht? Warum nicht? Wie hätte man anders formulieren können?
> Meine persönl. Lernziele: Konnte ich sie umsetzen? Wie? Verbesserungsmöglichkeiten?

Sieht ganz schön viel aus, aber wenn man die Stunden frisch gehalten hat, hat man ja immer Ansatzpunkte bei denen man sich denkt „Wieso lief das nicht so?“ oder „Warum hat der plötzlich das Schleifbrett genommen?“ oder „Welchen Aspekt habe ich beim Erklären vergessen?“… lauter solche Dinge…

Ich habe versucht, das ein bisschen zu ordnen, damit ich im
– anschließenden Gespräch einen kleinen roten Faden hatte (und nicht allzu verwirrt wirkte 😉 )
Das Gespräch selbst soll pro gehaltener Stunde MAXIMAL 60 Minuten dauern.
Ablauf:
– Erst redet der LAA (eben über die Dinge, die er sich zum jeweiligen Fach notiert hat.)
– Danach stellt die Fachleiterin Fragen bzgl. Inhalt, Verständnis etc. Alles Dinge, die man locker begründen kann, weil man ja die Stunde geplant und durchdacht hat. Halb so schlimm…
– Dann kommt das BERATUNGSGESPRÄCH. Das gibt es in der Form NUR in den Lehrproben. Bei der praktischen Prüfung später kommen nur die ersten beiden Anstriche & dann sofort die Note.
HIER wurde ich dann aber beraten, mir wurden Tipps gegeben (z.B. dass die Wiederholung sich auf das Stundenthema beziehen kann / sollte) usw.

Also dient es wirklich mehr der Beratung und Hilfe. Auch der schriftliche Entwurf wurde bei mir thematisiert (war ja klar…*g*).

DANACH kommt der spannende Teil.
– die Benotung
Dazu musste ich 5-10min den Raum verlassen, während die anwesenden Personen (Schulleiter/VfA, Fachleiterin, Seminarleitung, fachbegl. Lehrerin) über die Note entschieden haben.
Die wurde mir dann ohne DSDS-artige Umschweife sowohl in Punktzahl, als auch Note mit kurzer Begründung mitgeteilt.
Danach musste ich beides auf einem Blatt unterschreiben.

Jupps.

3. Nachbearbeitung
Innerhalb von 3 Tagen wird vom Studienseminar eine schriftliche Reflexion der Lehrprobe erwartet.
Also: was habe ich aus dem Beratungsgespräch und dem Unterricht mitgenommen? Was würde ich anders machen?
Nochmal als Fixierung dessen, was besprochen wurde.
Soweit ich weiß, kommt das zusammen mit der Bewertung in unsere Akte.
UMFANG war bei mir pro Fach etwa eine Seite. Mir persönlich reicht das, wenn jemand mehr schreiben will: von mir aus 😉 Ich fasse mich generell lieber kurz.

Ich glaube, das war’s.
Wenn jemand noch Fragen hat – einfach unten kommentieren, oder in der Gruppe bei Facebook [rechts auf „Gefällt mir“ klicken] in die Kommentare schreiben.
Wenn ich euch helfen kann, mach ich das doch gerne.

In diesem Sinne: liebe Grüße & noch nen schönen Abend 🙂

Ps.: Und behaltet immer im Kopf: das Ding HEISST nur BENOTETE Lehrprobe.
JA, es gibt eine Note – aber die geht NIRGENDWO mit ein. Also selbst wenns nur 7 Punkte werden – das hat nix zu bedeuten 🙂  

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3 Antworten to “Lehrprobe To-Go”

  1. Jolly 8. Juni 2012 um 18:07 #

    Wow, das ist aber alles sehr viel! Ich bin gerade selbst im Referendariat, aber ich muss meine Stundenentwürfe erst am Tag der Lehrprobe ca. 1 Std vorher bereitlegen. Das ist auch gut, denn meist fällt mir am Abend doch etwas ein, was ich noch ändern will 😉
    Wir haben dann nach der Lehrprobe 10-15 Min. Zeit zur Reflexion und anschließend folgt das Gespräch mit AS Leiter, FL, SL und Mentorin. Bei der Notengebung dürfen wir dabei bleiben, das fand ich auch sehr aufschlussreich.
    Anschließend muss ich eigene Optimierungs- und Erhaltensziele formulieren…zB in Bezug auf Differenzierung, Klarheit- und Strukturierung, Lehrerverhalten usw.
    Zum Glück habe ich diese Sachen bereits hinter mir, jetzt fehlt „nur noch“ die Hausarbeit und dann die Examensprüfungen.

    Werde deinen Blog weiterhin gespannt verfolgen! 🙂
    Wünsche dir viel Erfolg!

    LG
    Jolly

  2. Nicole 7. Juni 2012 um 21:34 #

    Sehr spannend 🙂
    Danke, dass du uns das mal gezeigt hast!

  3. grundschulkletterei 6. Juni 2012 um 20:34 #

    Danke für den netten Überblick, ich werde es mir mal ausdrucken und zur Seite legen!

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