„Im Kino“ oder: Ein Volk voller Feiglinge.

7 Mai

Nein, ich packe heute nicht die Wutbürgerin aus.
Ich will euch nur von einer Sache erzählen, die sich letztens im Kino abgespielt hat & die irgendwie unsere Gesellschaft widerspiegelt. Erschreckenderweise.

Nun ja. Ich war im Kino. Vierte Reihe von hinten. Das Licht war schon aus. Die 3D-Brille auf der Nase. Und „The Avengers“ wurde gerade richtig interessant.
Das schien eine Gruppe von Pappnasen in der letzten Reihe aber nicht die Bohne zu interessieren. Nein. Stattdessen machten sie dumme Witze, rülpsten und mampften Nachos. Natürlich alles lautstark. Und so ziemlich ohne Unterbrechung, sodass man manche Witze und Gespräche aus dem Film gar nicht mehr verfolgen konnte.
Irgendwann brach die halbe Gruppe lautstark Richtung Klo auf. Die andere Hälfte lärmte weiter.
…ich muss sagen, ich hab mich lange zusammengerissen & gewundert, dass wirklich NIEMAND aus dem prall gefüllten Saal etwas sagte. Also legte ICH los. Ohne mich umzudrehen (und ohne groß nachzudenken) schleuderte ich ein lautes „SCHNAUZE JETZT!“ in den Saal.
Und ZACK, es war ruhig. Wahnsinn!

Leider nur, bis der Rest der Gruppe zurück kam.
Dann wurde hinten getuschelt „Irgend so ne Alte hat sich über uns beschwert. Da vorne irgendwo.“
Die Antwort des Typen: „Hat se Pech die Olle. Soll se doch herkommen.“
…natürlich konnten sie nicht wissen, dass sie ne Halb-Lehrerin mit sehr gutem Gehör vor sich sitzen haben… und natürlich konnten sie nicht damit rechnen, dass mir nochmal die Hutschnur platzen würde.
Ihr Pech.
Nach meinem zweiten Ausbruch (sowas in der Art wie: „Ich komm gleich hinter, dann reden wir weiter.“), natürlich mit bitterbösem Unterton in der Lehrerstimme (wer mich kennt, kann sich das wahrscheinlich gar nicht vorstellen – ich bin doch immer nett & fröhlich…) – kehrte dann wirklich endlich Ruhe ein.
Es war fantastisch.

Noch besser war es aber, als nach Filmende das Licht anging.
Der Typ rechts neben mir (der im Dunkeln den Saal betrat & nicht wusste, wer neben ihm saß), schaute ganz vorsichtig zu mir nach links um zu sehen, wer denn da den Mund so weit aufgemacht & für Ordnung gesorgt hatte.

… und ich wette alles was ich habe – er hat nicht mit dem kleinen zarten Mädchen gerechnet, was sich langsam ihre Strickjacke zuknöpfte und grinsend den Saal verließ 😉

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5 Antworten to “„Im Kino“ oder: Ein Volk voller Feiglinge.”

  1. B wird Lehrerin 9. Mai 2012 um 10:37 #

    Sowas nennt sich „Blei in der Stimme“ 😉

  2. Frau Falke 7. Mai 2012 um 16:58 #

    Sehr gut gemacht. Da sieht man wieder, was der richtige Umgang mit der eigenen Stimme bewirken kann.
    Dennoch hoffe ich, dass dies mit Vorsicht geschieht, einfach aus Erfahrung.

    • bambooos 7. Mai 2012 um 21:58 #

      …den wirklich bösen Unterton musste ich vorher nur ein Mal auspacken – bei der Konfrontation mit einem Nazi, der der Meinung war, seine Freundin umherschubsen zu müssen (längere Geschichte).
      DER ist auch zusammengezuckt als ich losgelegt habe.
      Im Unterricht kam die Stimme noch nie zum Einsatz & ich weiß auch gar nicht, wo die aus mir herkommt 😉 Aber fetzen tut es schon irgendwie (genau wie der Adrenalinstoß danach…) – zu wissen, dass man könnte…

  3. Jürgen 7. Mai 2012 um 16:45 #

    Prima, prima, prima.
    Das haben Sie gut gemacht.

  4. Anne 7. Mai 2012 um 16:22 #

    Ich kanns mir vorstellen…ich hab mich grad vor Lachen vom Sofa geschmissen! da wär ich gern dabei gewesen 🙂

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