Ich bin ein Stein.

5 Mai

Ein Stein, der sich selbst im Weg liegt. Eigentlich war ich immer nur ein Kieselchen, was so mitgerollt ist – aber in den letzten beiden Wochen habe ich mich zu einem Fels entwickelt, der mir irgendwie den Weg versperrt hat.
Was jetzt so philosophisch klingt umschreibt nur meine Lage. Ich stand mir selbst im Weg. Stand? Ja. Denn heute war der erste Tag seit knapp 2 Wochen, an dem ich mal wieder ICH war.
Angefangen hat der ganze Mist mit der Werkenstunde über Isolatoren, in der ich mich plötzlich schrecklich dumm & unwissend fand. Meine Mentorin packte locker ihr ganzes Fach- und Allgemeinwissen aus, macht noch hier was und da was – und es war toll.
Ich stand daneben und dachte: „Warum kriegst du das nicht so hin?“

Ja ich weiß, ich bin noch keine richtige Lehrerin, ich bin auf dem Weg dahin, ich muss noch viel lernen, ich kann noch nicht alles wissen.

Ich weiß.

Und trotzdem nagt es innerlich an einem.

Dann kam die Deutsch- bzw. Ergänzungsstunde in der 1. Klasse. Trotz Kleinschrittigkeit & Bemühungen schien alles aus dem Ruder zu laufen. Aus dem tollen Unterrichtsgespräch wurde ein genervter Haufen Erstklässler, die alles machen wollten – außer von der Tafel abzuschreiben.

Statt das auf die Konzentrationsfähigkeit der Erstklässler in einer 5. Unterrichtsstunde zu schieben (von Konzentration kann da keine Rede mehr sein.  Und viele von euch haben mir ja geschrieben, dass ich auf DAS Ergebnis noch stolz sein kann unter den Bedingungen), nahm ich es irgendwie persönlich. Als ich die vielen Fehler sah, dachte ich, ich hätte irgendwas falsch gemacht.

Und auch das hat genagt.

Dann kam der Auftrag meiner Deutsch-Mentorin: „Greif das in der nächsten Stunde nochmal auf.“ Zum Überlegen, wie ich das am besten machen könnte, hatte ich einige Tage Zeit.
Und ich stand völlig auf dem Schlauch.
Das verlängerte Wochenende verbrachte ich fast ausschließlich damit, in der Wohnung zu sitzen & zu grübeln, wie ich die Deutschstunde bauen könnte. Draußen war blauer Himmel & Sonnenschein, alle schrieben von ihren tollen Wanderungen, Eis essen usw… aber ich saß drin und erlaubte mir nur ab & zu einen kurzen Blick nach draußen. Schließlich raffte ich mich auf & fuhr am Dienstag (ein paar Stunden vor dem Telefongespräch mit meiner Mentorin, bei der ich ihr sagen sollte, was ich geplant habe) zu meiner Mama.
Die war etwas entsetzt, als sie mich wie ein Häufchen Elend auf der Couch sitzen sah. Trotz 25 Grad Außentemperatur in Strickjacke, weil ich fror. Von der Wärme hatte ich noch nichts mitbekommen. Total neben der Spur. Ohne Kreativität. Am Verzweifeln.

Irgendwann konnte ich wieder einen klaren Gedanken fassen. Das war, nachdem meine Mutti mir klar gemacht hatte, dass ich eben noch nicht alles können KANN. Dass das ganz normal ist. Dass ich mir nicht so nen Kopf machen soll. Dass ich sagen kann, wenn mir nichts Passendes einfällt. All das.
Und plötzlich kamen mir dann Ideen.

Ich fuhr nach Hause, bastelte das Arbeitsblatt um, klebte hier, scannte da, füllte dies aus, füllte das aus, scannte wieder, kopierte farbig, kopierte schwarz/weiß… und irgendwann telefonierte ich mit meiner Mentorin.
Als ich ihr sagte, dass ich alle, die viele Fehler hatten, das AB nochmal machen lassen wollte, war sie kurz erstaunt. Dann sagte sie aber „Probier’s einfach mal aus.“ Dann brachte sie mich auf die Idee, die anderen Kinder ein Frühlings-Elfchen schreiben zu lassen.
Nach dem Gespräch brodelte es erst richtig im Kopf. Ich musste noch die Gruppen einteilen (wer machts nochmal, wer darf weiter arbeiten), musste Wortmaterial für die Elfchen bereitstellen, eine Anleitung für das Elfchen…und das wichtigste: überlegen, wie ich es möglichst POSTIV formuliere, dass über die Hälfte der Klasse (12/21) großen Mist geschrieben hatte.
Ich entschied mich für den wahrscheinlich einzig richtigen Weg…und verpackte es in eine motivierende Chance: „…alle anderen haben heute nochmal die Chance, das Blatt neu zu gestalten damit ihr dann etwas Schönes in euren Frühlingshefter heften könnt.“ Klappte ganz gut.

Am besten fand ich aber meinen Einstieg. Statt die Zielorientierung (also WAS machen wir heute WARUM?) frontal vorzustellen, verpackte ich sie in 2 verschiedene Sätze, von denen je einer in den Bankreihen bis zum letzten Schüler per „Stille Post“ weitergeleitet wurde. Für die Methode bekam ich Lob – und fands auch selber irgendwie cool.
Merken: EIN Wort reicht. Ein Satz aus 4-5 Wörtern ist zu lang und führt zum Ergebnis „Wir schreiben Häschen“ 😉 Die Kinder hatten jedenfalls Spaß & auch die Stundenergebnisse waren wesentlich besser als beim 1. Mal.

Da macht es rückblickend kaum Sinn, dass ich in der Nacht vorher mindestens 287 Horrorszenarien geträumt habe, wie die Stunde schiefgehen könnte, was alles passieren könnte.

Irgendwie komisch, diese Psyche.
Einerseits weiß ich, dass nicht alles gleich perfekt sein kann. Andererseits habe ich aber den Anspruch, so wenig Fehler wie möglich zu machen.

Gar nicht so einfach, muss ich zugeben.

Aber ich habe Hoffnung, dass es besser wird. Muss ja, ne?!

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