Freitag der 13.

13 Jan

Na zum Glück bin ich nicht abergläubisch – sonst hätte ich mich heute schon vor Arbeitsbeginn fertig machen können. Schließlich stand heute auf dem Plan: meine Chefin in ihrer 1. Klasse vertreten, die – ich zitiere – „die schlimmste 1. Klasse ist, die ich jemals hatte“. Ups.

Was ablaufmäßig zu tun war, hatten wir gestern schon abgeklärt, sprich: am Eingang abholen, Sporttaschen an die Seite, Mittagessen gehn, danach mit den Sportsachen hoch in den Klassenraum & dann je nach Wetterlage entweder raus oder spielen.

N bisschen Bammel hatte ich schon davor, schließlich sind einige, sagen wir mal auffällige Schüler dabei. So von der Sorte „ärgern, heulen, petzen“ und „ohne Grund durchdrehn“ und dann noch so ein paar richtige Zimtzicken Diva-Ladies in pink.

Man glaubt ja gar nicht, wie anspruchsvoll schon allein das Ausziehen und Aufhängen einer Jacke sein kann. Da fließen Tränen, weil die Jacke keinen Haken hat zum Aufhängen. „Wie soll ich das denn jetzt hinkriegen? 😦 😦 😦 “
Das Mittagessen verlief ruhig, sogar beim Anstellen gab es keine Probleme. (Ja, man muss sie anstellen lassen, bevor man durchs Schulgebäude nach oben geht – sonst verliert man leicht die Hälfte der Gruppe… „Ich hab mich verlaufen“…)

Oben angekommen gabs jedoch das erste Mal richtige Tränen. „Meine Mütze ist weeeeeeeeeeeeeeg!“
Und ich muss zugeben: Es ist gar nicht so leicht, ein weinendes Mädchen wieder zu beruhigen – die war ja völlig von den Socken (später hab ich auch erfahren warum. Sie verliert nämlich ständig Sachen und kriegt dann zuhause von ihrem Papa „eins aufn Deckel“). Naja, die Mütze tauchte nicht auf, also musste draußen die Kaputze reichen.

Draußen aufm Hof: „Mir ist schlecht. Ich muss mich setzen.“
Paul, einer der Jungs, die besonders durch unwillkürliche Fratzen (und es sind wirklich Fratzen) auffallen, setzte sich wirklich freiwillig hin und ruhte sich aus. Er musste sich so sehr ausruhen, dass ihm sogar egal war, dass die Bank auf der er saß komplett nass war.
„Können Sie meine Mama anrufen, damit sie mich abholt?“
Na klar, also rein geflitzt, den großen Ordner rausgeholt, Mama’s Nummer rausgesucht und angerufen.
Nur doof, wenn keiner rangeht ans Telefon… Sowas ist echt unverständlich – dann brauchen sie ihre Nummer auch gar nicht erst angeben, wenn sie eh nicht ans Telefon gehn. An der Arbeit hab ichs dann auch probiert, da war die gute Frau auch nicht. Also musste der Kleine weiter rumsitzen.

Später, wieder im Klassenraum musste ich mir überlegen, wie ich die Wilden im Zaum halten kann – denn wenn sie einmal angefangen haben zu spielen, dann gibt es kein Halten mehr.
Da kam mir die Idee… „Bankrutschen“!
Nochmal fix die Regeln erklärt & dann gings los. Es war so herrlich. Im Moment sind sie beim Rechnen bei der Zahl 10. Plus und Minus. Also gabs auch solche Aufgaben. Und sie waren voll dabei.
Ich: „Sooo, die nächste Aufgabe ist… 2 Plus 3!“
Zack, schossen die kleinen Fingerchen hoch, es wurde abgezählt und dann ganz laut FÜNF gerufen – zu niedlich. Manche Aufgaben kündigte ich auch als „Besonders schwierig“ an, z.B. „2+3+4″… Ui ui ui… 😉
Nach 2 Runden beendete ich das Ganze und bat die Siegerin nach vorne. Obwohl ich vorher keine Belohnung angekündigt hatte, bekam sie ein Bonbon geschenkt – und freute sich darüber riesig. Herrlich.

Um auf den Jungen zurück zu kommen… Im Klassenraum fragte ich ihn, ob es denn schon besser sei.
Er: „Naja, ein bisschen.“
Ich: „Hast du denn heute schon was getrunken?“
„Nein.“
„Na dann trink doch mal was, das ist gut für deinen Bauch.“
„Wirklich?“
„Ja.“

Dann war er kurz an seinem Platz, aber ohne etwas zu trinken. Und kam zurück.
„Frau A., meine Mama. Die hat zuhause so einen Saft. Einen roten Saft. Und wenn man den trinkt. Dann gehen die Bauchschmerzen weg. Ganz einfach. Der ist toll. Geht das auch mit dem einfachen Saft in dem Päckchen?“
„Na klar, dein Körper braucht doch Wasser und Flüssigkeit, damit es ihm gut geht.“

Dann kam Robin dazu, ein kleiner Schlaumeier. Hob seine Hand bis zum Hals von Paul.
Und sagte: „Du bist ungefähr bis HIER hin voller Wasser. Fast der ganze Körper!“
„Genau. Und damit das so bleibt musst du immer schön trinken, das ist ganz wichtig.“
Damit war das Gespräch eigentlich beendet.

5 Minuten später kam Paul wieder zu mir und sagte:
„Ach Frau A., ich war eh gerade kacken – jetzt gehts mir gleich viel besser!“

^^
Na dann – Problem gelöst 😉

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Eine Antwort to “Freitag der 13.”

  1. B wird Lehrerin 13. Januar 2012 um 18:36 #

    Haha, so simpel ist das. Paul ist toll!

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