Früchte des Zorns

14 Okt

So, heute gibts erstmal ein Update der neusten Ereignisse. Und eine Erinnerung.

Zuerst musste ich gerade lachen bei der Wahl des Artikelnamens… „Früchte des Zorns“ aka „The Grapes of Wrath“ von John Steinbeck war nämlich eines der Bücher, die in dem ominösen Anglistik-Seminar behandelt wurden, aufgrund dessen ich meine Nebenstudienrichtung von Englisch zu Philosophie wechseln musste…
[Zur Info für die, die den Hintergrund nicht kennen: Im zweiten Semester belegte ich ein Anglistik-Seminar. Prüfungsleistung: Eine Hausarbeit über „Of Mice and Men“ von Steinbeck schreiben. Ich habe das Buch gelesen. Das Buch verstanden. Eine Hausarbeit geschrieben & abgegeben. [Zitat einer Freundin, die damals die HA für mich nochmal gelesen hatte: „Also ich würde sagen das ist ne 2“]
Nach einigen Wochen stand dann im Notensystem: „5“. Hieß: nochmal schreiben. Aber zuvor hatte ich mir die Notenbegründung durchgelesen. Von „Ihr Kapitel 4 ist nichtssagend“ bis „Ich habe den Eindruck, sie hätten das Buch weder gelesen, noch verstanden“ war alles dabei. BÄM. Also: die komplette Hausarbeit nochmal neu geschrieben (schließlich brauchte ich den Kurs!). Abgegeben. Und nach ein paar Wochen stand WIEDER eine „5“ drin.
Tränenaufgelöst stand ich…
[Moment, warum tränenaufgelöst?
Nun ja, Semester 1+2 dienen an der Uni Erfurt als Orientierungsphase, d.h. man muss die Kurse nur bestehen (mit 4), in die spätere Note fließen sie nicht ein. Aber: mit 2×5 besteht man das Seminar nicht. *hust*]
Nun ja, tränenaufgelöst stand ich dann vor dem Aushang vor Herrn S.’s Büro. Und wollte wissen WARUM?
„Herr S. ist momentan nicht erreichbar und wird dies auch die nächsten Wochen nicht sein.“
BÄM.
Und was heißt das jetzt für mich? Studienrichtung wechseln? Nicht Englisch-Lehrerin werden? Lebenstraum begraben?

Ja!

Natürlich ließ ich mich nicht ohne eine gewisse Rebellion abkanzeln. Heißt: ich habe mich beschwert. Wo? Bei meiner zuständigen Mentorin, dem Leiter von Anglistik & bei „Studium & Lehre“, die ja für unsere Probleme zuständig sind.
Reaktionen:
1. Die Mentorin: [habe gerade die Original-Antwort gefunden]

„Sehr geehrte Frau A.,
Sie wenden sich an mich, weil ich Ihre Mentorin bin?
Leider kann ich Ihnen nicht konkret weiterhelfen, weil ich mit so einer Situation noch nicht befasst war.
[…]
Es ist nett von Ihnen, dass Sie mir Ihre Hausarbeit anhängen; mein Spezialgebiet ist die Mathematik. Eine fachliche Beurteilung kann hier sicher nur jemand leisten, der fachlich und fachdidaktisch in diesem Fachbereich tätig ist.
Mit freundlichen Grüßen“

Das war damals einer der Momente in denen ich mich gefragt habe: Wozu teilt die Uni eigentlich Mentoren zu? Wenn sie nicht mal wissen, dass ich ihr „Schützling“ bin? Wenn sie einem nicht mal weiterhelfen kann? Hm. Nun ja. Sie sagte, zuständig wäre:

2. Der Anglistik-Leiter

„Liebe Frau A.,
dass ein Dozent wertet wie er wertet, ist nur schwer hinterfragbar; dass eine Begründung
nicht geliefert wird und der Dozent für Sie unerreichbar ist, halte ich für problematisch.
Sie sollten daher gegen die Bewertung der Arbeit Einspruch bei der BA-Prüfungs-
kommission erheben (Prof. S.). Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich
nicht einfach als Zweitgutachter agieren kann.
Mit freundlichen Grüßen“

Das war eine Nachricht, die mir wirklich weitergeholfen hat. Der richtige Ansprechpartner wurde genannt & so habe ich mich an ihn gewandt.

3. Prof. S.

Stellte zunächst einige Fragen & reagierte auf meine prompten Antworten dann erst 2 Wochen später. Immerhin erhielt ich auf erneute Nachfrage plötzlich schon nach 30min eine Antwort:

„Sehr geehrte Frau A., inzwischen hat mit dem Studierichtungssprecher (prof. N.) sowie mit Herrn Prof. Sch. ein ein intensiver Schriftverkehr bezüglich Ihres Problems stattgefunden; mit letzterem aus persönliche Gespräche. Im Ergebnis ist eine Zweitkorrektur erfolgt, und zwar von Herrn PD Dr. habil. Schw.. Dieser stimmt dem Urteil von Prof. Sch. zu, so dass die Bewertung „Mangelhaft“ als endgültig für Ihre Arbeit im Rahmen der LV „Der sozialkritische Roman…“ anzusehen ist.- Mit freundlichem Gruß“

Was mir hier zuerst aufgefallen ist: Die vielen fehlenden Buchstaben & sogar falsche Schreibungen der Dozentennamen. Über die Gründe kann man ja nur spekulieren. *hust* Ich vermute aber, dass diese Korrektur niemals stattgefunden hat – sonst hätte er sich früher melden können. Und mal ehrlich: Wenn meine Kollege sagt, „das ist ne 5“, dann kann ich ihm doch nicht so ein Ei ins Nest legen & sagen: „Nö. Ich würde ihr ne 2 oder 3 geben.“

Die Folge der ganzen Geschichte?
Ja, ich musste wechseln. Aus einer hochmotivierten Englisch-Lehrerin (Hey, ich war in den Semesterferien zu einer 3-wöchigen Sprachreise in Oxford. Hat mich nur mein komplettes damaliges Vermögen gekostet. Aber naja.) wurde eine Philosophiestudentin, aka. spätere Ethiklehrerin.

Ach ja, das Bizarre an der ganzen Geschichte: Eine einfache, popelige 4 hätte gereicht. Die hätte niemandem weh getan, weil sie eh nicht gezählt hätte.
Aber ich gehe (auch heute noch) davon aus, dass es Quoten-Durchfaller gibt bzw. geben muss. Und diese ehrenhafte Rolle durfte ich also im Sommersemester 2007 einnehmen. Olé.

—————————–
So, Ausflug in die Vergangenheit beendet. Wie ihr wisst habe ich mich in einem Brief an diverse Medien gewandt & Antworten erhalten. Am erfreulichsten ist ein Bericht in der TLZ – HIER nachzulesen.
Ich hoffe sehr, dass dies nicht der einzige Artikel bleiben wird – dafür ist das Thema zu wichtig. Gefreut habe ich mich über die vielen positiven Rückmeldungen meiner Kommilitonen, die diese Aktion unterstützen. Zusätzlich setzte sich der Fachschaftsrat MaL (Master Lehramt) mit mir in Verbindung und möchte uns ebenso unterstützen.
Weitere Reaktionen habe ich in der Facebook-Gruppe gesammelt.

Wenn ihr selbst etwas an die Medien geschickt habt, könnt ihr das natürlich gerne auch dort als Dokument hochladen. Wäre schön zu wissen, an welchen „Fronten“ noch gekämpft wird.

Jupps, das wars von mir. Ich werd mich jetzt arbeitsfertig machen & meine heutigen 2,5 Arbeitsstunden absolvieren. Danach gibts einen weiteren Blog-Artikel, ich hätte nämlich gestern mal wieder verrückten Eltern-Kontakt.

Mehr dazu später.

Bis dahin… 🙂

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3 Antworten to “Früchte des Zorns”

  1. Janine 8. Oktober 2012 um 17:54 #

    Warum hast du nicht einfach die Uni gewechselt?

    • bambooos 8. Oktober 2012 um 18:03 #

      Einfach? Uni gewechselt?
      Um nochmal von vorne anzufangen? Nee. Ich hatte ja ne Wohnung, Freunde und kam gut zurecht, Da war der Wechsel der Studienrichtung das geringste Übel.
      Rückblickend ist das auch ganz okay so – auch wenn es immernoch ärgerlich ist.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Reaktionen des Abschieds « Der steinige Weg - 12. Januar 2012

    […] was ich UNBEDINGT loswerden will: „The Grapes of Wrath“ von John Steinbeck. Warum? HIER […]

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