Videokonferenzen in der Grundschule

19 Mai

Heute wie versprochen ein kleiner Einblick in die Videokonferenzen mit meiner Klasse.

WOZU Videokonferenzen?
Zum Austausch untereinander. Damit die Kinder mal wieder mehr als nur ihre Familie sehen. Um Entfernungen zu überbrücken. Um Fragen zu stellen. Um zu spielen…

Die Corona-Situation zwingt uns als LehrerInnen gerade dazu, neue Wege zu suchen und den Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht möglichst angenehm für alle Seiten zu gestalten.

Im letzten Blogartikel „Rückblick in Phasen“ habe ich bereits erklärt, dass mir „Buch und Arbeitsheft“ zu wenig geworden ist und wie mein Weg bis heute verlaufen ist. Wer sich dafür interessiert kann gerne dort nachlesen.

WOMIT mache ich die Videokonferenzen?
Programm:
Ich arbeite mit „Big Blue Button“ und bin damit sehr zufrieden. Seit kurzem ist das auch über unsere SchulCloud möglich, wobei ich derzeit noch einen externen Link nutze. Dieser Link ist immer gleich – daher muss ich nicht täglich neue Infos verschicken. Sehr praktisch!

Technik:
Bis letzte Woche habe ich noch parallel mit iPad, iPhone und Laptop (als Backup) und Headset gearbeitet.Das ging gut – solange niemand anruft und dadurch die Konferenz crasht. Das ist mir mehrfach passiert und hatte zur Folge, dass ich die Kinder dann nicht mehr sehen oder hören konnte. Der Flugmodus konnte Abhilfe schaffen, verhindert aber nicht das Stören durch eingehende Videoanrufe der Familie 😉

Diese Phase hat aber ein Ende gefunden. Inzwischen wurde ich durch einen technisch versierten Kumpel mit Profi-Technik ausgestattet – sprich: Headset von Plantronics und HD-Webcam von Logitech. Solche Sachen hat er in seinem „Fundus“, weshalb ich mir diese teuren Sachen (Wert sind mehrere hundert Euro) nicht selbst anschaffen musste. Danke an dieser Stelle! ❤

Headset und Webcam habe ich an meinem Laptop angeschlossen und nun läuft es wie geschmiert. 🙂

WANN finden die Videokonferenzen statt?
Ich öffne den virtuellen „Raum“ immer an den Tagen, an denen die Kinder keinen Unterricht in der Schule haben. Ab 9:45 Uhr bin ich online und begrüße die Kinder. Offizieller Start ist immer um 10 Uhr, wobei wir meist noch ein paar Minuten warten.

Die Wartezeit zu beginn fülle ich mich „Fragen des Tages“ im Chat oder Aufgaben zum Malen auf dem Whiteboard. Heute war die Malaufgabe zum Beispiel „Zeichne dein Lieblingstier“.

Nach etwa einer Stunde – also gegen 11 Uhr – beende ich die Videokonferenz und schließe den Raum. Je nach Fragen oder Redebedarf aber auch mal früher oder später.

WER nimmt an der Videokonferenz teil?
Die Teilnahme ist freiwillig. Das habe ich bewusst entschieden, weil nicht alle Elternhäuser die Zeit/Technik/Möglichkeiten haben, dass das Kind teilnehmen kann. Natürlich habe ich im Voraus eine Abfrage gemacht – mit dem Ergebnis, dass alle Eltern prinzipiell schon die entsprechenden technischen Möglichkeiten haben.

Zu Beginn war über die Hälfte der Klasse täglich mit dabei, inzwischen ist es meist etwa ein Drittel. Die Gesichter sind jeden Tag die gleichen – ab und zu wechselt die „Besetzung“ leicht – aber generell haben wir einen stabilen „Stamm“.

WAS machen wir in der Videokonferenz?
Da es sich um ein freiwilliges Angebot handelt, machen wir keinen Unterricht. Das wäre meiner Meinung nach unfair den Nicht-Teilnehmern gegenüber und würde ich auch nicht machen wollen.

Stattdessen machen wir folgende Dinge, die ich mal exemplarisch darstellen möchte.

In den ersten Konferenzen stand das Kennenlernen der technischen Möglichkeiten im Vordergrund. Wir haben also die Grundlagen geübt:
– Mikrofon anschalten/ausschalten
– Kamera anschalten/ausschalten
– Chat finden, lesen und selbst schreiben
– Geteilte Notizen lesen und schreiben
– Whiteboard nutzen
– Teilnehmerliste anschauen

Natürlich nicht alles auf einmal, sondern Schritt für Schritt jeden Tag ein bisschen mehr. Didaktisch wertvoll 😉 Beim Thema Whiteboard sind wir z.B. erst heute angekommen. Inzwischen sieht eine typische Videokonferenz so aus:

9:45 Uhr – Beginn Einlass, kurze Begrüßung der „Ankommenden“
Mein Mikro ist an, meine Kamera noch aus. Ich begrüße die Ankommenden und schaue, ob man sie sehen/hören kann. Danach werden die Mikros wieder abgeschaltet. (Ganz wichtig, wenn im Hintergrund Geschwister spielen oder Papa staubsaugt!)

Im Chat finden die Kinder die „Frage des Tages“, die sie schriftlich beantworten sollen. Meine Fragen waren z.B. „Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?“ oder „Was ist dein Lieblingsessen und warum?“.

Heute gab es erstmalig eine Aufgabe zum Malen, nämlich „Zeichne dein Lieblingskuscheltier in dieses Feld!“

10:00 – Offizielle Begrüßung / Einstieg
Ich begrüße die anwesenden Kinder und erzähle kurz ein paar Dinge.
Heute zum Beispiel, dass mein neues Headset so schallisolierend ist, dass ich am Vortag nicht bekommen habe, dass mein Hund während der Videokonferenz einen Bleistift geklaut und zerlegt hat.

Dann variiert der Ablauf täglich. Am Anfang habe ich Gesprächsrunden gemacht. Hier habe ich ein Thema vorgegeben und jedes Kind durfte etwas dazu sagen, z.B. „Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?“ oder „Wie war die Woche in der Schule?“ (Wichtig: der Reihe nach. Es ist immer nur ein Schüler-Mikro an.),

Manchmal gibt es Challenges in denen die Kinder etwas in ihrem Zuhause suchen und vorstellen müssen. („Suche etwas Blaues!“ oder „Zeige uns etwas, was du schon immer zeigen wolltest.“)

Wir haben auch schon Thementage veranstaltet, zu denen wir uns vorher verabredet haben. An einem Tag trafen wir uns mit Kostümen verkleidet vor der Kamera, am nächsten Tag zeigten wir uns gegenseitig unsere Haustiere/Kuscheltiere und erzählten dazu.

Fester Bestandteil der Videokonferenz ist meist auch ein Spiel. Bisher haben wir Galgenmännchen und Montagsmaler ausprobiert – das hat gut funktioniert. Manche Spiele gehen aber sehr schlecht online, z.B. „Zählt bis 30 ohne dass eine Zahl doppelt vorkommt.“ Aufgrund der verschiedenen Internetverbindungen war das das reinste Chaos 😉
Inzwischen sind wir bei den Spielen an dem Punkt, dass die Kinder das selbst steuern und moderieren. Ich greife nur ein, wenn es Verständnisfragen gibt – oder Saboteure am Werk sind (dazu später mehr).

Eingebürgert hat sich inzwischen auch die „Fragezeit„, in der die Kinder Fragen zu ihrem Wochenplan stellen können. Manchmal gibt es kleinere Nachfragen oder Anmerkungen, die wir so schnell beantworten können. Sollten sich größere Fragen/Probleme ergeben, kann ich das gleich nutzen und ggf. den Eltern Informationen geben.

Auf das Padlet unserer Klasse weise ich auch jede Woche neu hin, weil ich es wöchentlich auf den Wochenplan der Kinder anpasse. Dort finden sich Lernvideos zu den fachlichen Themen, aber auch spaßige Dinge „drumrum“. Seit heute können die Kinder (auf ihren Wunsch hin) App-Tipps eintragen und so ihre Klassenkameraden inspirieren.

11:00 Uhr – Endphase
Am Ende jeder Videokonferenz – wenn es keine Fragen/Wünsche/Probleme gibt – machen wir immer ein Gruppenfoto des Tages. Dazu werfen sich alle in Pose und ich mache einen Screenshot, den ich im Anschluss sofort auf das Padlet stelle. Am Ende der Woche verschwinden die Fotos natürlich wieder. (Das Padlet ist natürlich mit Passwort gegen fremde Blicke geschützt.)

Danach dürfen alle ihre Mikros anschalten und wir verabschieden uns in einem lauten Brüll-Getöse 😉 Dann beende ich die Konferenz und schließe somit den „Raum“.


So kann man sich also eine Videokonferenz vorstellen. Spannend finde ich, dass unser Padlet durch die Ideen der Kinder wächst. Spalten für Sport und Englisch sind auf Anregung der Kinder dazugekommen…die Begeisterung für das gemeinsame Bearbeiten von Notizen (während der Konferenz in BigBlueButton) führt mich dazu, dass ich mich wohl mit Etherpads beschäftigen und den Kindern morgen eins zur Verfügung stellen werde…es ist also alles im Fluss und verändert sich täglich.

Was sich auf täglich ändert sind die Fähigkeiten der Kinder. Jeden Tag werden sie sicherer im Umgang mit der Technik und können alles zielgerichteter verwenden. Das führt natürlich dann in manchen Bereichen zu interessanten Entwicklungen, die ich unter dem Begriff „Sabotage“ zusammenfassen würde 😉

Heute loggte sich nämlich plötzlich ein deutscher Musiker in unsere Konferenz ein. „Max Giesinger“ stand als Teilnehmer auf der Liste und kritzelte fröhlich auf dem Whiteboard rum, während eine Schülerin gerade ihr Wort raten ließ. Dann änderte Max G. seinen Namen in den Namen eines Mitschülers und trieb weiter sein Unwesen – bis ich ihn aus dem Raum verbannte. 😉 (in den er unter seinem richtigen Namen kurz darauf wieder dabei war)

Wir haben heute als Gruppe darüber gelacht und mit dem Kopf geschüttelt (Ist ja eigentlich schon schlau von dem Kind sich auszuprobieren und die Schwächen des Systems aufzudecken), aber auch das wird morgen zum Beispiel ein Thema in der nächsten Konferenz sein. Sich unter dem Namen eines Mitschülers auszugeben ist nicht in Ordnung und deshalb werden wir morgen darüber sprechen.

Die Kinder sind ja noch recht frisch in der Online-Welt und sollten auch hier schon wichtige Grundlagen kennenlernen. Also stehen die Themen für morgen schon fest: Etherpad, Klarnamen, Anonymität.

Was ich nach jeder Videokonferenz mache?
Genau über solche Dinge nachdenken. Was lief gut? Was lässt sich ändern? Woran kann man anknüpfen? Was kann ich den Kindern Neues vorstellen? Auf welche Hürden muss ich aufmerksam machen oder drüber helfen?

Recherchieren, lesen, ausprobieren und evaluieren sind gerade große Bestandteile meines Arbeitstages – bis weit in die Freizeit und den Abend hinein.

Dazu hilft die Vernetzung auf Twitter und das Lesen von Blogs. In dem Bereich sind viele KollegInnen, die sich schon Jahre mit dem Thema befassen, eindeutig weiter und dienen als Vorbilder und Inspiration für meine Arbeit.

Loben möchte ich an der Stelle tatsächlich auch unser Ministerium, welches in Zusammenarbeit mit dem Thillm (Weiterbildungsinstitut) derzeit eine Vielzahl an Webinaren anbietet, mit deren Hilfe man sich online weiterbilden kann. Parallel dazu mache ich die kostenfreie „Zusatzqualifikation Informatische Grundbildung“ von Fobizz und klicke mich auch dort durch die verschiedenen Angebote. Die unsäglichen Fahrtzeiten sind momentan passé und das genieße ich sehr.

Generell finde ich es super, dass derzeit so viel online angeboten wird und dass man die Inspiration eigentlich nur noch aufsaugen muss wie ein Schwamm – wenn man denn will und weiß, wo man suchen muss. 😉

Ich hoffe, dass ich euch einen guten Einblick in meine aktuelle Arbeit geben konnte. Wenn ihr Fragen oder Anmerkungen habt, bin ich offen für Kommentare.

Im Sinne der Lehrergesundheit werde ich meinen Laptop jetzt (12:30Uhr) nach 3 Stunden nonstop anstarren mal verlassen, die erste Mahlzeit des Tages essen und das Hündchen ausführen. Um 15 Uhr startet das nächste Webinar des Ministeriums und das würde ich gerne satt und zufrieden verfolgen. 😉

Ich merke gerade wieder, dass ich mich sowohl im Unterricht in der Schule, als auch aus dem HomeOffice total verlieren kann. Man vergisst die Zeit, die eigenen Bedürfnisse und alles um einen herum. Das ist – wie so oft – ungesund. Da müssen wir als engagierte #CoronaTeacher unbedingt auf uns aufpassen – aber dazu ein andermal mehr.

Das war´s erstmal für heute.
Habt einen schönen Tag und bis bald! 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückblick in Phasen: Schulschließung in der Grundschule

6 Mai

Am 17. März wurden in Thüringen die Schulen geschlossen, um die Ausbreitung des Virus CoVid-19 zu verhindern. Seitedem hat sich einiges getan, worüber ich heute gerne aus meiner Sicht berichten möchte.

Phase 1 – Was zuvor geschah…

Die Schulschließungen kamen ja dann doch recht überraschend und für mich zu einem doppelt ungünstigen Zeitpunkt, da ich schon in der Vorwoche am Donnerstag und Freitag nicht in die Schule durfte. Der fiese Husten, der mich zu diesem Zeitpunkt begleitete, war ein Ausschlusskriterium für das Betreten der Schule und damit war ich schon mal raus. Mit den Kindern sprechen? Beruhigen? Keine Chance.

Phase 2 – OMG, und jetzt?

Nachdem am Freitag, den 13.3.2020, die Schließungen verkündet wurden, liefen im Hintergrund die Arbeiten in den Schulen auf Hochtouren. Alle überlegten, wie sie die nächsten 3 Wochen bis zu den Osterferien (das war damals das erwartete Zeitfenster) für ihre Schülerinnen und Schüler „mit Stoff“ gestalten konnten. Laut Ministerium sollten die Kinder am Montag mit Material und Aufgaben versorgt werden.

Dabei passierten natürlich Fehler, die man rückwirkend gerne ungeschehen machen würde.

Mein größter Fehler, den ich mangels HomeSchooling-Erfahrung gemacht habe:
Ich habe viel zu viel in den 3-Wochen-Plan gestopft. Anhand meines Stoffverteilungsplanes (Hier danke ich mir selbst, dass ich mir die Mühe jedes Jahr mache. Leute, das lohnt sich wirklich!) wählte ich die Inhalte der kommenden 3 Wochen aus, packte sie in einen Arbeitsplan und garnierte die Kombination aus Aufgaben in Buch und Arbeitsheft mit einem kleinen Stapel Arbeitsblättern. Um die Zeit zuhause aufzulockern kam noch eine Übersicht mit „Aktivitäten gegen Langeweile“ dazu, passgenaue Inhalte in der ANTON-App – fertig.

Am Montagmorgen schlich ich mich vor allen anderen (Anmerkung: Ich durfte die Schule zu dem Zeitpunkt ja nicht betreten. Aber: wie hätte es sonst gehen sollen?!) um 6 Uhr in die Schule, kopierte den Plan für meine Klasse(n), packte jedem Kind eine Klarsichtfolie, beschriftete sie und schlich dann wieder aus der Schule raus.

Zufrieden? Definitiv. Ich hatte den Kindern einen strukturierten Plan vorbereitet und war mir sicher, dass das so klappen würde.

Phase 3 – Die Stille

In den darauffolgenden 3 Wochen wurde es gespenstisch still. Die Kommunikation mit Eltern plätscherte vor sich hin. Es kamen zwar regelmäßig Anfragen via SchoolFox (dazu in einem anderen Beitrag mal mehr), aber generell gab es wenig Austausch. Die Kinder ließ ich über die Eltern grüßen, ich verschickte regelmäßig Lösungsblätter zur Selbstkontrolle – das war`s. Ich dachte es läuft super.

Phase 4 – Das Erwachen

Was in den Familien so los war und welche Probleme es gab, erfuhr ich nicht durch Eltern meiner Klasse, sondern im Freundeskreis. In Gesprächen mit befreundeten Familien mit Kindern wurde klar: die Eltern sind überlastet, die Kinder gefrustet und von den Schulen war nichts/wenig zu hören. Ich hinterfragte zum ersten Mal, ob der Weg mit „Erledige Seite x in Buch y und danach Seite z im Arbeitsheft“ allein wirklich gewinnbringend war. Wenn schon unsere klugen und geduldigen Freunde an ihre Grenzen kamen – wie würde es dann in weniger privilegierten Familien aussehen?

Die Erkenntnis „Eltern sind keine Lehrer. Außer sie sind Lehrer.“ wuchs immer weiter.

Phase 5 – Erste Schritte

Um meinen Freunden zu helfen (und weil aus meiner Klasse zunächst wenig Feedback/Arbeit kam), beschloss ich, ihren Kindern täglich je eine Stunde via FaceTime bei ihren umfangreichen Aufgaben zu helfen. Ich schrieb mir einen Plan, baute regelmäßige Pausen (alle 15 Minuten, in Form von „Challenges“) ein und machte „Unterricht“, wie ich ihn in der Schule auch gemacht hätte.

Ausgestattet mit 2 iPads (eins für FaceTime, eins als Planer und „Tafel“ zum Zeigen) und iPhone (als Timer) arbeiteten wir täglich an ihren Plänen. Beide machten die gleichen Challenges – die Zeiten stoppte ich und am Ende jedes Tages machten wir eine Auswertung und bestimmten den Tagessieger. Belohnung war jeweils ein App- oder Websitentipp, wobei der Belohnungsaspekt nach zwei Tagen egal war und es nur noch um den Tagessieg ging. Das reicht wohl bei Geschwistern 😉

Mein Fazit an dieser Stelle: Fernunterricht ist definitiv möglich, hat aber in bestimmten Bereichen seine Grenzen. An die kam ich vor allem bei Bastelaufträgen, bei denen ich natürlich nicht aus der Ferne helfen konnte.

Die Erkenntnis „Das wäre auch was für mich und meine Klasse“ wuchs.

Phase 6 – Die Recherche

Da die Verbindung via Facetime ja nur durch den privaten Kontakt zu unseren Freunden möglich war, schied diese Variante für den Schulkontext aus. Meine private Nummer herauszugeben stand nach schlechten Erfahrungen in den letzten Jahren nicht mehr zur Debatte. (Wer schon mal sonntags um 22 Uhr zehnminütige WhatsApp-Sprachnachrichten von Eltern erhalten hat, versteht mich sicher.)

Nahezu täglich stöberte ich also nach Alternativen…Skype? Jitsi? Zoom? WebEx? BigBlueButton? GoToWebinar? Ich habe alles ausprobiert…und aus diversen Gründen den Großteil wieder verworfen. (Danke an dieser Stelle an die KollegInnen aus dem Twitterlehrerzimmer, die mir dabei viele Anregungen und Tipps gegeben haben. Ihr seid großartig!)

Phase 6 – Die Umfrage

Nun – was nützt all die Recherche, wenn man gar keine Ahnung hat, ob und wie das in den Elternhäusern der eigenen Klasse umgesetzt werden kann? Woher soll ich wissen, welche Technik und Voraussetzungen jedes einzelne Kind zuhause vorfindet?

Also erstellte ich eine kurze Umfrage mit 6 Fragen, in denen ich diese Themen abfragte:

Die Ergebnisse waren überraschend positiv (Ich werde sie aus datenschutzrechtlichen Gründen hier dennoch nicht veröffentlichen.), also gingen meine Planungen weiter.

Maßgabe beim Anbieten von Fernunterricht, wie ich ihn bei den Kindern meiner Freunde gemacht habe, war immer: nur, wenn ALLE Kinder der Klasse das Angebot wahrnehmen könnten. Nur dann würde ich das machen.

Phase 7 – Das Feedback

Inzwischen waren die 3 Wochen Schulschließung vor den Osterferien vorbei und es war klar, dass uns die Situation nicht nur vorübergehend, sondern langfristig begleiten werden würde. Daher holten wir als Kollegium bei den Eltern Feedback zu den vorangegangen Wochen ein – und der Eindruck aus meinem Freundeskreis bestätigte sich auch bei uns:

  • zu viele Aufgaben
  • zu wenig Zeit um den Kindern zu helfen
  • keine Ahnung, wie man die Inhalte erklären soll
  • zu wenig Kontrolle/Feedback durch die LehrerInnen

Dazu kam die Auswertung der Tagebücher der Kinder. Ein Auftrag vor den Osterferien war, dass die Kinder täglich 3 Sätze über ihren vorherigen Tag schreiben sollten. Ich las mir alle Tagebücher durch und schrieb jedem Kind einen individuellen Brief zurück. Viele Kinder schrieben, dass sie ihre Freunde und die Schule  (und auch mich) vermissten…dass sie schon lange keine anderen Kinder mehr gesehen hätten…und dass es zuhause langsam langweilig wurde.

Phase 8 – Die Konsequenzen

In einer Videokonferenz als Kollegium (sehr empfehlenswert übrigens, ich fand es großartig) besprachen wir die Ergebnisse und darauf basierend das weitere Vorgehen nach den Osterferien.

Für mich persönlich folgerte ich diese Änderungen:

– Wochenpläne, die nach Tagen strukturiert sind
– Online-Unterstützungsmöglichkeiten
– Videochat

…und stürzte mich in die Planungen.

1. Ich baute für meine Matheklasse (Kl. 2) ein Padlet mit Erklärvideos zu Inhalten des kleinen Einmaleins, mit Videos zu jeder Malreihe und Hintergrundinformationen für die Eltern. (Erklärvideos zur Erstellung findet man auf YouTube. Aber: es ist wirklich leicht!)

2. Ich baute für meine eigene Klasse (Kl. 4) im ersten Plan nach den Ferien Verweise zu einem Lernvideo von „Lehrerschmidt“ auf YouTube ein. Das Feedback war super, also bastelte ich auch für sie einen kompletten Klassenraum als Padlet. Kleiner Einblick:

Padlet Klasse 4

Zu finden sind dort Inhalte (in Form von Spalten) zu den Themen Witz der Woche, Videokonferenz, Mathematik, Deutsch, HSK, Sport und Englisch – und Platz für Wünsche und Feedback.

3. Ich strukturierte den Wochenplan meiner Klasse so um, dass die Kinder eine tägliche schaffbare Portion Mathe und Deutsch haben – und zwar mit mehr Anmerkungen (um Eltern zu entlasten) und auch Anregungen, um mit Mitschülern in Kontakt zu treten und das Soziale nicht aus den Augen zu verlieren.

Ein Beispiel für Deutsch:

Wochenplan Deutsch

Wie man sieht, arbeite ich derzeit noch viel mit Buch und Arbeitsheft – weil das das Material ist, das alle Kinder definitiv haben. Weitere Angebote (z.B. die ANTON-App und das Padlet) sind zusätzliche Erweiterungen und nicht verpflichtend.

Im Padlet finden sich dann ergänzende Videos und Tipps, die die Kinder anschauen und auch kommentieren können. (Diese Funktion habe ich in Klasse 2 nicht freigeschaltet, da ich dort nur Fachlehrerin bin und mir die Moderation eines Padlets vorerst ausreicht)

4. Ich entschied mich für ein Videokonferenz-Tool und startete die erste Konferenz mit meinen Schülerinnen und Schülern.

Am ersten Tag war ich so aufgeregt, dass ich schon sehr früh wach war und nicht mehr einschlafen konnte. Würde alles klappen? Wer würde dabei sein? Wie viele haben Lust auf das Angebot? Was würden wir machen?

Wie es diesbezüglich lief und läuft, werde ich demnächst in einem separaten Artikel beschreiben – sonst wird dieser hier zu lang. Aber als kurzes Feedback: es klappt und macht allen Seiten Spaß. Einschränkungen gibt es aber leider auch. Dazu bald mehr.

Phase 9 – Wie geht´s weiter?

Nächste Woche sollen die Viertklässler (also auch meine Klasse) wieder in die Schule gehen. In dieser Woche werde ich die nun täglichen Videokonferenzen mit den Kindern weiterführen und ihnen einen täglichen Ankerpunkt geben. Die Pläne bleiben weiter strukturiert und auch das Padlet wird wöchentlich passend zu den Themen bestückt. Die Eltern und Kinder bekommen am Ende der Woche die Lösungen zu den aktuellen Aufgaben und ein Feedback von mir.

Bin ich zufrieden?

Jein.

Könnte man noch einiges optimieren?

Sicher.

Wird sich Schule nach Corona von der Schule davor unterscheiden?

Definitiv.

Dazu dann aber an anderer Stelle mehr. Ich hoffe, dass der kleine Einblick in Veränderungen und Gedanken für euch interessant war. Demnächst dann mehr zum Thema Videokonferenzen und meinen Erfahrungen damit…zum Thema SchoolFox und was mir sonst noch einfällt. 😉

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Bis bald und bleibt gesund! 🙂

Einblick in Mathe Klasse 4 – das Geo-Buffet

19 Feb

Anstelle einer neuen Aufgabe für #DailyMathe gibt es heute einen Einblick in eine besondere Unterrichtsstunde, die vor kurzem in Klasse 4 stattgefunden hat.
Da sich inzwischen einige neue Leser hier eingefunden haben, die scheinbar am Alltag in der Grundschule interessiert sind, ist auch das wieder ein kleiner Einblick in die Anforderungen und Inhalte in diesem Bereich.
Im Vergleich zu den „Knobelaufgaben“ der letzten Zeit ist das natürlich etwas leichtere Kost – aber auch der Bereich der Geometrie sollte nicht unterschätzt werden.
Die Kinder lieben die praktischen Möglichkeiten, die ihnen in diesem Bereich gegeben sind und freuen sich enthusiastisch auf jede Geometrie-Stunde. 😉

Nun aber zum Thema:

Im Rahmen des Unterrichtsthemas „Geometrische Körper“ wurden die entsprechenden Inhalte besprochen und durch eine sehr aktive Stationsarbeit vertieft.

Stationstisch „Geo-Buffet“

Was war das Stundenziel?
– Anwendung des Wissens zum Thema
– Praktische Handlungen mit Körpern
– Vertiefung des Wissens zu Körpern

Material:
– Stationskarten vom Blog
Ideenreise (Vielen Dank!)
– Geometrische Körper aus dem Lehrmittelraum (mindestens 30 Jahre alt)
– Zeitungen, um zwei Tische abzudecken
– Teller (Um den Buffett-Eindruck zu erwecken)
– Zahnstocher

Ablauf:
Die Kinder hatten den umfangreichen Aufbau des Materials natürlich schon beim Betreten des Klassenraumes gesehen und waren dementsprechend neugierig und interessiert an dem, was auf dem Plan stand.

Nach der Begriffsklärung des Wortes „Buffett“ erklärte ich den Kindern die verschiedenen Stationen und Aufgaben und wies auf Besonderheiten hin.

Station „Geo-Burgen“:
Hier sollte nicht nur ein Bauwerk erstellt, sondern das Ergebnis auch aus 4 verschiedenen Ansichten (vorne, hinten, links, rechts, oben…) gezeichnet werden.
Eine herausfordernde Aufgabe, die den Kindern aber viel Freude machte.

Station „Freies Bauen“:
Der Name ist etwas trügerisch, denn es sollten Bauwerke mithilfe von Ideenkärtchen erstellt werden – diese gingen aber weit über „ein Haus“ hinaus.

Station „Zuordnung“:
Hier mussten alltägliche Körper (roter Teller) den entsprechenden Körpernetzen zugeordnet werden.

Station „Merkmale“:
Natürlich wurde auch einfaches Wissen abgefragt, welches mithilfe von realen Körpern als Anschauung unterstützt wurde.

Station „Kantenmodelle“:
Hier sollten mithilfe der Zahnstocher und Knete verschiedene Körper als Kantenmodelle hergestellt werden.

Station „Vollmodelle“:
Auch das Herstellen von „echten“ Körpern stand auf dem Programm. Das Fazit vieler Kinder: „Eigentlich müssen wir gar keine Würfel basteln, die können wir jetzt selbst herstellen.“ Cool! 🙂

Weitere Stationen:
– Basteln eines Quaders
– Lösen eines Arbeitsblattes
– Schreiben von Körperrätseln
– und einiges mehr…

Weiteres Material findet ihr auf dem „Ideenreiseblog“ – es lohnt sich auf jeden Fall. 🙂

Mein persönliches Highlight war jedoch der Test am Ende der Unterrichtseinheit. Dank der Vertiefung und Wiederholung, die im Rahmen der Stationen durchgeführt wurde, gab es ein überragendes Testergebnis, das ich in meinen Jahren als Lehrerin bisher noch nicht erlebt habe.

Vielleicht am Ende noch ein paar Worte zu solchen Tests:
Fast immer, wenn eine Leistungskontrolle überdurchschnittlich gut ausfällt, kommt der Spruch „Dann war der Test zu leicht!“.


Inzwischen rolle ich mit den Augen und ziehe mir diesen Schuh nicht mehr an – stattdessen freue ich mich, denn offensichtlich haben die Kinder den Stoff verstanden und wir können ohne Bauchschmerzen den nächsten Schritt gehen. 👍

Außerdem: Man könnte sich ja auch mal auf die Schulter klopfen und sagen: „Hey, ich habe meinen Job als Lehrerin richtig gut gemacht, wenn alle das Thema verstanden haben. Cool! 💪“

(Sowas machen wir als Lehrer nämlich viel zu selten – man schaut eher nach dem, was nicht so gut lief und sucht nach Verbesserungsmöglichkeiten.)

Aber diesmal sage ich: Wunderbar, weiter so! 😎

#DailyMathe Episode 3

26 Jan

Die dritte Episode hatte folgende Aufgabe:

(Bildquelle: Welt der Zahl 4, Schroedel Verlag)

Hier gingen die Antworten recht zügig ein und ließen viele Leute, die vorher wohl Probleme mit den ersten beiden Aufgaben hatten, wieder Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten fassen. ;)

Die Lösung?

Es gibt verschiedene mögliche Ansätze.

Wenn Tina an Platz 10 und Anne an Platz 15 steht, dann befinden sich zwischen ihnen Platz 11,12,13 und 14 – also vier Personen.

Wenn hinter Anne doppelt so viele Kinder stehen, dann sind es acht (4×2).

Sprich: 15+8=23

Antwort: Es stehen 23 Kinder in der Schlange.

—-

Die nächste Episode gibt es dann am Montag. 😎

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag!

#DailyMathe – Episode 2

23 Jan

Gestern stellte ich folgende Aufgabe zur Diskussion:

Laut Ansicht in Kommentaren war diese Aufgabe leichter, bot aber dennoch einen kleinen „Vorsicht, Falle!“-Moment. (So nenne ich in der Schule Aufgaben, bei denen man genau schauen muss, damit man keinen Leichtsinnsfehler macht.)

Da in den Kommentaren schon super erklärt wurde, wie die Lösungen aussehen (und wie viele es im Zahlenraum bis 1.000.000 geben kann), überlasse ich das Wort nun Anderen:

Hier wird deutlich gemacht, dass ja nur bestimmte Stellen festgelegt sind – und zwar HT, T, Z und E (was die Begriffe bedeuten, findet ihr unter DailyMathe Episode 1). Korrekt! 👍

Der zweite spannende Kommentar bzw. Thread verdeutlicht die mögliche Lösungsmenge, die sich aus den offenen Stellen ergibt:

Natürlich ist in den Kommentaren auch einigen das passiert, was meinen SchülerInnen auch regelmäßig passiert: Schusselfehler (vergessene oder zu viele Nullen, Stellen verwechselt usw.) – sehr amüsant. 🙂

Die nächste Folge DailyMathe gibt es heute bei Twitter & dann erst wieder nächste Woche – freitags habe ich nämlich kein Mathe, sondern bin anderweitig unterwegs.

In diesem Sinne: bis bald! 😎👋

(Ps.: Heute nicht so ausführlich, weil mich das Busunglück in Berka v.d.Hainich beschäftigt. Dazu vielleicht irgendwann anders mal mehr Gedanken. Für heute muss es reichen.)

#DailyMathe Episode 1 / Was bisher geschah…

22 Jan

Ich sitze gerade grinsend an meinem Küchentisch und glaube kaum, dass ich nun diesen Artikel hier schreibe…und doch tue ich es. Aber fangen wir von vorne an. 😉

Vor einigen Tagen postete folgenden Tweet:

Daraufhin entbrannte eine wilde Diskussion, die sich – kurz gefasst – zwischen zwei Extremen bewegte:

Extrem 1: KollegInnen diverser Schularten, die mir beipflichteten.

Extrem 2: KollegInnen und andere Leute, die mir vorwarfen, ich würde die Kinder überfordern und dass solche Aufgaben ja erst in Klasse 7 und später („Dreisatz“) drankommen würden.

Ich verwies dann nach einigen Erklärungen auf das Mathebuch und dessen Inhaltsverzeichnis – denn da steht drin, was in Klasse 4 so behandelt wird. Leider musste ich auch ergänzen, dass es sich bei dem Tweet nicht um „lustigmachen“ handelte, sondern lediglich um eine sachliche Feststellung. Ich würd mich NIEMALS (!) über meine SchülerInnen lustig machen – sowas ahnde ich im Schulalltag sofort.

Am nächsten Tag drehte sich die Welt weiter und ich erzählte meinen SchülerInnen, dass es tatsächlich Leute gibt, die diese Sachaufgaben zu schwer für Viertklässler finden. Das entfachte natürlich ihre Motivation und führte zu einer intensiven Mathestunde, an deren Ende nahezu alle diese Art Sachaufgabe lösen konnten und nach Nachschub verlangten. 😉 Also: danke für den motivierenden Einstieg an alle Zweifler 😀

Spannend fand ich in der Online-Diskussion den typischen Fehlschluss: „Das hatten wir garantiert AUF KEINEN FALL in der Grundschule dran.“ Da bleibt mir nur zu sagen: definitiv doch. 😉
Beim Blick ins Inhaltsverzeichnis (siehe Link oben) sollte klar werden, dass Mathe in Klasse 4 u.a. bedeutet, im Zahlenraum bis 1.000.000 in allen Rechenarten zu rechnen, sich mit Körpern und Formen auszukennen, Würfelgebäude zu zeichnen und diverse Größen (aka Einheiten) umzurechnen.

Leider liegt bei den meisten Menschen die eigene Grundschulzeit so weit zurück, dass sie sich an diese Tatsachen schlicht und einfach nicht mehr erinnern. (Was im Übrigen auch die gesellschaftliche Abwertung unserer Schulform begründet: „Ach, du bist NUR Grundschullehrerin…“)

Nun ja, kommen wir zur Lösung der oben genannten Sachaufgabe:

4,80€ = 480 Cent
480 Cent :8= 60 Cent
60 Cent = 0,60€

Antwort: Ein Los kostet 0,60€.

Sicher kann man sowas später auch über den Dreisatz lösen – das ist aber in dem Fall gar nicht nötig. Nachdenken und einfach dividieren reicht völlig aus. Anmerkung: Wie kompliziert Erwachsene denken, wurde auch in den Kommentaren deutlich. Da wurde nachgefragt: ob es ein Sonderangebot sei…oder gesagt, dass es keine 8 Lose zu kaufen gäbe…und und und. Typisch Erwachsene – alles zerreden, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren 😉

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In einer der folgenden Mathestunden, die wir zur Vorbereitung der Klassenarbeit nutzten, wiederholte ich mit den SchülerInnen verschiedene Aufgabenformate.

Die folgende Aufgabe postete ich danach aus Spaß wieder bei Twitter – unter dem Hashtag #DailyMathe mit dem Ziel, dass die Allgemeinheit so mal einen Einblick in die fachlichen Kompetenzen in der Grundschule bekäme.

(Anmerkung: die krakelige Schrift lag daran, dass ich schon 2 Meter Tafel beschrieben hatte und in Eile war. Die dreckige Tafel hat mein Tafeldienst zu verantworten ;))

Würde ich bei „Buzzfeed“ oder „Heftig“ arbeiten, würde ich nun titeln: „Ihr glaubt nicht, was dann passierte…!“ 😉

Kurzversion: mein Twitteraccount explodierte und explodiert noch immer. Während ich hier sitze und schreibe (und kurz was gegessen habe) sind erneut 50 Follower dazu gekommen. Seit gestern über 250 „Neue“. Unglaublich – alles wegen Mathe… 🙂

In den Kommentaren finden sich:

  • Richtige Lösungen
  • falsche Lösungen
  • Entsetzte GIFs
  • Schilderungen, wie schrecklich Mathe sei
  • Empörungsbekundungen, dass ich Kinder quälen würde
  • Beleidigungen
  • Geschichten aus der eigenen Schulzeit
  • Versicherungen, dass sowas NIEMALS in Mathe drankäme
  • Zweifel, dass die Aufgabe lösbar wäre
  • …und glücklicherweise auch ehrliches und nettes Interesse an der Lösung.

Bevor ich zur Auflösung komme, hier kurz noch etwas zu den Rahmenbedingungen, um vielleicht das ein oder andere Argument zu entkräften:

1. Was sind Plättchen?

Damit sind sogenannte Wendeplättchen oder Rechenplättchen gemeint. (Bild: Link) Diese Plättchen haben eine blaue und eine rote Seite und werden in der Grundschule für verschiedene Zwecke je nach Klassenstufe eingesetzt. (In Klasse 1 z.B. zum Zählen üben)

2. Wofür stehen diese Abkürzungen in der Tabelle?

Bei der Tabelle handelt es sich um eine sogenannte Stellenwerttafel. Diese bildet einfach dargestellt die Grundlage für unser Zahlensystem (Dezimalsystem). Die Buchstaben stehen also – von rechts nach links – für Einer, Zehner, Hunderter, Tausender, ZehnTausender und HundertTausender.

Diese „Tabellen“ begleiten die Kinder durch die Schulzeit, weil in jeder Klassenstufe schrittweise der Zahlenraum erweitert wird.

Klasse 1: Zahlenraum bis 20

Klasse 2: Zahlenraum bis 100

Klasse 3: Zahlenraum bis 1000

Klasse 4: Zahlenraum bis 1000000

3. Wofür stehen die Punkte in der Tabelle?

Die Punkte/Kreise sollen die bereits gelegten/festen Plättchen in der Stellenwerttafel symbolisieren. Sprich: ein Punkt an der Zehnerstelle = 10, zwei Punkte an der Zehnerstelle = 20, ein Punkt/Plättchen an der HT-Stelle = 100.000

Zurück in den Klassenraum.

Die Kinder haben zur Lösung der Aufgabe von mir natürlich Material bekommen – die Stellenwerttafel und 2 Steckwürfel als symbolische Plättchen:

Die Ausgangszahl lautet 203.001 (siehe Bild)

Dann durften die Kinder in Gruppen knobeln, welche die 5 größten möglichen Zahlen sind…die erste Zahl legten wir zusammen fest:

-> Wenn man beide Plättchen an die HT-Stelle legt, hat man 4HT – der Rest bleibt gleich. Die größte Zahl lautet also: 403.001.

Das war für alle leicht verständlich und klar. Dann ging das Knobeln los und die Kinder schoben und diskutierten fleißig.

Nach wenigen Minuten kehrte Ruhe ein und wir verglichen die Lösungen. Manche Kinder waren in die Falle getappt (wie ich im ersten Versuch auch) und hatten beide Plättchen gleichzeitig weiter geschoben. Daraus ergaben sich zwar richtige Zahlen (z.B.223.001), aber nicht – wie in der Aufgabe gefordert – die größtmöglichen Zahlen.

DIE LÖSUNG:

  • Voraussetzung für große Zahlen: ein Plättchen bleibt auf der HT-Stelle liegen – somit beginnen alle Zahlen mit der Ziffer 3

  • Das andere Plättchen wandert dann immer eine Stelle weiter:

    • Auf die ZT-Stelle: 313.001

    • Auf die T-Stelle: 304.001

    • Auf die H-Stelle: 303.101

    • Auf die Z-Stelle: 303.011

KURZVERSION: Die 5 größtmöglichen Zahlen lauten: 403.001, 313.001, 304.001, 303.101 und 303.011

————-

Und um die Frage nach dem „Warum das Ganze?“ zu beantworten:

Die Stellenwerttafeln und Aufgaben wie die obige schulen u.a. das Verständnis des Dezimalsystems, also des Zahlensystems, das uns unser gesamtes Leben lang umgibt. Ohne dieses Grundwissen könntet ihr die Zahl 148.213 nicht lesen oder aussprechen – und wüsstet nicht, ob das mehr oder weniger als 14.213 ist.

Es geht hier um Grundlagen, nicht um Raketentechnik 😉

Und allen, die die Aufgabe anhand meines Tweets (ohne Zusatzerklärungen) nicht lösen konnten, sei gesagt: macht euch nicht verrückt! Ihr steht nicht im Stoff, das ist bei euch schon ewig her und ihr wart auch nicht so großzügig mit Material ausgestattet wie die Kids. Also: entspannt bleiben.

Ich werde diese Reihe gleich fortsetzen mit dem Posten einer weiteren Aufgabe, die meine Viertklässer direkt nach der Plättchen-Aufgabe gelöst haben. Gepostet wird immer bei Twitter, aufgelöst dann hier im Blog – hier habe ich ausreichend Zeichen zur Verfügung, um anschließend alles zu erklären. 😉

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Knobeln!

Liebe Grüße und bis bald! 🙂

Mein erstes EduBreakout

19 Dez

Kennt ihr das, wenn man etwas Tolles entdeckt, Lust auf die Umsetzung hat, aber ein passender Anlass fehlt?

So ging es mir lange mit dem Thema #EduBreakout – darauf gestoßen bin ich (natürlich) über den Hashtag bei Twitter. Beim Stöbern entdeckte ich die App „Padlet“, die wohl sowas wie eine persönliche Pinnwand zu verschiedenen (selbst anlegbaren) Themen ist.

Dieses Padlet von „Klassenkrempel“ (Klick!) hat mich dann vollends inspiriert und überzeugt, das nun auch endlich mal auszuprobieren.

Also bestellte ich im Oktober dazu notwendige Zubehör (Kette, Schlösser, Haspe) und als Ergänzung ein Set Schwarzlichtstifte und (unbenutzte) Eisstiele.

Über die notwendige Box und deren Inhalt machte ich mir da noch keine Gedanken – ich wollte erstmal das Zubehör haben…und packte alles in eine Kiste, schrieb dick „EduBreakout“ drauf & schob sie in eine noch halbwegs freie Ecke meines Arbeitszimmers. 😉

Als dann das Thema „Klassenweihnachtsfeier“ auf die Tagesordnung kam, beschloss ich meine Chance zu nutzen & die Klassentradition (Eltern versorgen die Kinder mit Waffeln, Kinderpunsch, Bastelideen – auch sehr schön) in diesem Jahr durch das „EduBreakout“ zu ersetzen.

Gesagt, getan.

…oder auch nicht 😉

Denn wirklich intensiv bereitete ich das Event erst 2 Tage vor dem Starttermin vor – typischer Dezemberstress & plötzlich fiel mir auf „Wenn ich’s heute nicht mache, dann schaffe ich’s zeitlich nicht bis Donnerstag. Uaaaah!“

Also nochmal schnell an die wichtigsten Sachen gedacht:

  • passende Rahmenhandlung
  • detailliertes Schlössermanagement
  • durchdachte, funktionierende Rätsel
  • Alles vorher ausprobieren!

Dann stöberte ich durch diverse Materialseiten, auf der Suche nach weihnachtlichen Aktivitäten und entschied mich dann für 8 Rätsel. Dabei waren u.a.

  • Rätsel, die mit Schwarzlichtstift zu lesen und dann zu erledigen waren (z.B. „Zählt die Anzahl der Buchstaben aller Jungs. Verdoppelt die Zahl!“ ODER „Frau X ist 52 Jahre alt, ein Mann ist 35 Jahre alt. In welchen Jahren wurden sie geboren? Addiert die Geburtsjahre!„)

  • Rätsel, bei denen zuerst gepuzzelt & dann eine Aufgabe gerechnet werden musste. (Auf der Rückseite war ein Bild, dann mussten die Stäbchen gedreht werden. Natürlich habe ich „Punkt vor Strich“ als Falle eingebaut, um die Kinder zu testen ;))

  • QR-Code: bestimmte Zahlen sauber ausmalen & dann mit meinem Handy scannen, um an die Ziffern für’s Schloss zu kommen:

  • Logicals aus dem internen Bereich der Seite „Zaubereinmaleins“ – hier musste gelesen und zugeordnet werden. Dann wurden zwei Inhalte addiert, um an die Ziffern für’s Schloss zu kommen
  • Ein Nikolaus-Puzzle zum ausschneiden und zählen
  • …und noch einiges mehr.

Natürlich musste mein Mann jedes Rätsel testen & hat mich auf mögliche Stolperstellen aufmerksam gemacht – danke auch hier nochmal für die Unterstützung! ❤️

Mein Schlössermanagement kritzelte ich nebenbei während der Erstellung. Das sah dann so aus. (Und nein, da habe ich mir keine Mühe gegeben – war ja nur für mich)

Dann wurde alles zusammengepackt und nochmal vom neugierigen Neo inspiziert 😉

Am nächsten Tag wartete ich ab, bis die Kinder nicht mehr im Klassenraum waren, und bereitete alles vor.

Die Innenseite der Tafel sah dann so aus:

Sprich: einfach alle zusammengehörigen Rätsel nebeneinander gehangen & ein bisschen was zur Visualisierung dazu gemalt. (Bin keine Kunstlehrerin – zu recht ;))

Da die Kinder am Nachmittag noch im Raum waren – und ich natürlich nicht wollte, dass jemand lunst – wurde alles fachgemäß und mysteriös verschlossen:

Und heute war es dann soweit 😉

Ich war schon leicht aufgeregt und freute mich auf die Gesichter der Kinder…und war gespannt, ob sie alles hinbekommen würden.

Rahmenbedingungen:

  • 4. Klasse, 29 Kinder
  • 2 Räume zur Verfügung

Die verschlossene Kiste stellte ich gleich vor dem Unterricht als erstes in den Raum auf einen separaten Tisch vor der Tafel.

Die Neugier war geweckt 😉

Nach wenigen Minuten kamen empörte Kinder zu mir: „Der X versucht das Schloss zu knacken!!!“ Woraufhin ich nur „Sollen sie’s doch mal probieren, das kriegen sie nie raus!“ antwortete…und Recht behalten sollte.

(Kleine Anekdote: die Kinder haben nicht wild probiert, sondern versuchten sich anhand meiner Daten Zugriff zu verschaffen. „Wann hat sie Geburtstag? Probiert doch mal Tag und Monat als Zahl!“ oder „In welchem Jahr wurde sie geboren? Nehmt mal das!“ – Das Konzept, nach dem sich viele Menschen Passwörter ausdenken, haben also schon Neunjährige durchschaut…)

Dann ging’s – nach einigen offiziellen Programmpunkten – endlich los. Ich erklärte, was es mit der Box und den verschiedenen Schlössern auf sich hat & dann wurde das „Siegel“ an der Tafel gebrochen und der Blick auf die Innenseite frei. (Die Kinder klatschten dazu plötzlich von sich aus den Rhythmus von „We will rock you“ und waren freudig-aufgeregt.)

Das Tafelbild wurde mit lauten „Boooaaaah, geil!“ quittiert. Nach einigen Erläuterungen (z.B. „Tragt eure Zahl erst an der Tafel ins Schloss ein, bevor ihr es löst.“ und „Für fast alle Schlösser müssen mehrere Gruppen zusammenarbeiten. Helft euch, falls ihr schneller als andere seid.„) wurden frei Gruppen gebildet und es ging los.

Schnell verteilten sich alle mit ihren Rätseln und knobelten drauflos. (Bilder dazu bekommt ihr aus datenschutzrechtlichen Gründen natürlich nicht zu sehen – aber es war herrlich! Es war so schön zu sehen, wie alle zusammen arbeiteten, sich halfen und überlegten – mega!)

Zu meiner Überraschung dauerte das Ganze gar nicht so lange, wie ich gedachte hatte – nach weniger als 15 Minuten kamen die ersten Freudenschreie („Es ist ab – YEAH!!!“) aus Richtung Box und dann ging alles ganz schnell und das letzte Schloss fiel unter lautem Getöse. 😉

Die Box wurde – noch verschlossen – feierlich in die Mitte des Raumes getragen und dann jubelnd geöffnet. Inhalt? Taschenrechner. 😂 (Was es damit auf sich hat & warum die Kinder sich darüber total freuten, gehört hier nicht hin. Jedenfalls war der Inhalt bewusst gewählt und genau richtig für meine Schätzchen 😉)

Am Ende ließ ich mir Feedback geben. Meine 3 Fragen

  • Hat es Spaß gemacht?
  • Wollen wir sowas nochmal machen?
  • Soll es dann schwerer sein?

wurden alle lautstark bejaht…also war das wohl nicht unser letztes #EduBreakout 😉

Vielleicht mache ich das nächste im Rahmen unserer Klassenfahrt im neuen Jahr – mal schauen.

Mein Fazit?

Probiert das mal aus! Der finanzielle Aufwand hält sich in Grenzen (fast alles kann nochmal genutzt werden) und sowohl ich, als auch die Kinder waren begeistert.

Danke an dieser Stelle an alle TwitterkollegInnen im #Twitterlehrerzimmer, die ihre Ideen und Anregungen so frei und offen geteilt haben. Da reihe ich mich jetzt gerne ein und stelle euch hier meine Erfahrungen zur Verfügung 🙂

Über Anregungen, Feedback oder eure Erfahrungsberichte in den Kommentaren freue ich mich natürlich sehr!

Falls ich vor Weihnachten nichts mehr hier schreibe, wünsche ich schon mal allen Leserinnen und Lesern eine schöne Weihnachtszeit und möglichst viel Erholung in den Ferien.

(Für mich stehen u.a. die fachlichen Zuarbeiten für Zeugnisse in der Schuleingangsphase & die Einschätzungen für die Lernentwicklungsberichte an…aber auch Entspannung und Ausschlafen ;))

In diesem Sinne: Lassts euch gut gehen!

Eure Frau A.

Die Gedanken sind frei

16 Okt

Reisen inspiriert.

Noch nie ist mir das so bewusst geworden wie in den diesjährigen Herbstferien. Im Gegensatz zu den Sommer- und Osterferien hatte ich dieses Mal nämlich komplett Urlaub. Richtigen, eingereichten Urlaub ohne schulische Verpflichtungen.

(Kleiner Exkurs am Rande: Ja, auch LehrerInnen haben Urlaubstage wie „ganz normale“ Arbeitnehmer. In Thüringen sind das 30 Stück, die man einreichen und genehmigen lassen muss. Hat man keinen Urlaub, kann man unter Umständen für dienstliche Belange herangezogen werden. Abgesehen davon hat man – auch in den Ferien – ausreichend zu tun, was Vor- und Nachbereitung und die allgemeinen Lehrersachen angeht. Dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.)

Jedenfalls: ich hatte bzw. habe Urlaub. 2 Wochen lang. Davon war ich einen Teil auf Reisen mit meiner Mama, den anderen Teil verbringe ich Zuhause mit Mann und Hund.

Dabei ist bemerkenswert, wie schnell ich diesmal von Schulmodus in den Reisemodus wechseln und auch verbleiben konnte. Das habe ich dem Umstand zu verdanken, dass ich in den beiden Wochen vor den Ferien fleißig geackert und vorgearbeitet habe, sodass der Urlaub – und damit der Kopf – wirklich arbeitsfrei sein konnte.

So frei, dass sich plötzlich Gedanken einen Weg bahnten, die ich bis vor 4 Wochen noch für verrückt gehalten hätte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade erfolgreich die 3-jährige Führungskräfteweiterbildung (die immer Freitag/Samstag stattfand und viele persönliche Opfer forderte) beendet und war froh, das Kapitel abgeschlossen zu haben.

Nun habe ich aber schon die nächsten Flausen im Kopf, die mich ebenfalls schon eine Weile umtreiben, aber bisher keine wirkliche Option waren. Bis zu einem Geistesblitz nachts um 3 auf der Heimreise… Worum es geht, werde ich hier sicher mitteilen, sobald ich Genaueres weiß und sich die Machbarkeit herauskristallisiert hat.

Vielleicht so viel schonmal vorweg: es hat etwas mit Digitalisierung zu tun und mit meinen direkten technischen Interessen. In knapp 2 Wochen beginnt die Anmeldung für die spannende Weiterbildungsreihe „Medienpädagogische Qualifizierungsseminare„, die für mich einen ersten Schritt in diese Richtung darstellen wird. Zusätzlich dazu habe ich mich für die Teilnahme am Barcamp Erfurt angemeldet, um einen Einblick in dieses Format zu bekommen. Die Mitwirkung in der Arbeitsgruppe „Medienkonzept und Digitalpakt“ an meiner Schule rundet das Geschehen ab, welches in den nächsten Monaten definitiv einen neuen Schwerpunkt meiner Arbeit bilden wird.

Das wird sicher interessant und wird einige neue Impulse geben, über die ich hier gerne berichten werde. 😉

In diesem Sinne: gönnt euch auch mal Kopf-frei-Urlaub, um auf andere Gedanken zu kommen – es lohnt sich!

2013-2019

13 Okt

Da ist sie wieder 😉

Hier mal ein kleines Update, um in Kurzform aufzuholen, was in den letzten 6 Jahren passiert ist.

Mal schauen, ob ich das chronologisch hinbekomme… 😉

  • Ich habe:
    • meine erste ganz eigene Klasse 3,5 Jahre begleitet (❤️)
      als stellvertretende stellvertretende Schulleiterin gearbeitet (Echt 😂)
      die Beschulung von 30 Flüchtlingskindern organisiert und koordiniert (💪)
      die Schule gewechselt (🙏)
      diverse Projekte angestoßen und beendet (😎)
      3 Jahre Führungskräfteweiterbildung absolviert (👩‍🎓)
      32 Grundschüler gleichzeitig unterrichtet (😫)
      eine Überlastungsanzeige eingereicht (🤯)
      Unterstützung bekommen (🙌🏻)
      3x den Klassenraum gewechselt (😅)
      ein Videokonzept für ein Schul-Crowdfunding geschrieben & moderiert (🤓)
      im Ministerium hospitiert (❤️)
      eine Abschlussarbeit geschrieben & das Kolloquium absolviert (🎉)
      mich an der Lehrergewinnungskampagne für Thüringen beteiligt (😁)
      einen kleinen Hund adoptiert (😍)
      geheiratet (❤️❤️❤️)

    …und soooo vieles mehr. 😉

    Sicher wird in den nächsten Monaten (und Jahren) genug Gelegenheit sein, um den ein oder anderen Aspekt dieser Reise genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Ich freue mich, wenn ihr mich auf meinem weiteren Weg begleiten wollt! 🙂

    Heute habe ich meinen Abschiedsartikel von 2013 nochmal durchgelesen und bin an einer Zahl hängen geblieben: 317.000. So viele Klicks hatte mein Blog an dem Datum, an dem ich aufhörte zu schreiben.

    Heute hat er unglaubliche 955.000 Klicks, also fast eine Million. Und das, obwohl ich in den letzten 6 Jahren nichts veröffentlicht habe.

    Wie das funktioniert?

    Meine Artikel wurden so oft geteilt und gelesen, dass der Blog trotz „Stillstand“ weiter Traffic bekam und all die Jahre auf Platz 1 bei Google stand, wenn man „Der steinige Weg“ eingab…letztes Jahr habe ich ihn komplett offline genommen, sodass das nun nicht mehr der Fall ist. Aber das ist auch nicht wichtig für mich.

    Vielen Dank für die treuen Leser und Weiterempfehler, die noch immer da sind und – hoffentlich – einiges an Tipps, Tricks und Anekdoten mitnehmen konnten. Stöbert gerne mal ne Runde in den „alten“ Artikeln, das ist ne wahre Fundgrube 😎

    Ich freue mich, wieder da zu sein und euch einen Einblick ins #Lehrerleben mit all seinen Höhen und Tiefen zu geben. 😉

    In diesem Sinne: schönen Sonntag noch und bis bald mal wieder 😉

    Phönix

    11 Nov

    Aktuelles Datum: 13.10.2019

    Auf der Suche nach den richtigen Worten, um hier nach über 6 (!) Jahren weiter zu machen, bin ich auf den nun folgenden Beitrag gestoßen, den ich vor 4 Jahren geschrieben, aber nur kurz online gestellt habe.

    Die Wut, die im ersten Abschnitt deutlich wird, ist inzwischen verflogen und auch deren Auslöser habe ich vergessen – der Inhalt passt aber auch Jahre später noch. 😉

    Es ist viel passiert in den letzten Jahren und ich habe mehr zu erzählen, als es möglich ist bei Twitter, in privaten Chats oder über Verbände. 😉

    Wir leben in Zeiten, in denen selbst der Ministerpräsident bloggt und in denen die Kanzlerin auf Instagram postet (oder posten lässt ;)), also warum sollte ich mein Herzensprojekt nicht auch wieder aktivieren?!

    Was mich genau dazu bewogen hat und wie es weitergeht, dazu dann demnächst mehr. Jetzt gibt’s erstmal den „alten“ Beitrag und am Ende noch ein kurzes aktuelles Nachwort.

    Viel Spaß beim Lesen 😉

    ——-

    Lange habe ich gezögert, gehadert, gewartet…aber inzwischen haben die Emotionen ein Level erreicht, bei dem ich entweder ein Magengeschwür bekomme oder Dampf ablassen muss. Die Magenprobleme haben mich schon vor ein paar Wochen sehr unangenehm verfolgt, also wähle ich nun das letztere als Ventil.

    Dabei bin ich mir dessen bewusst, dass dieser Blog früher oder später wieder auf einem Monitor in der Schule, im Schulamt oder im Ministerium landen wird. Und ganz ehrlich? Das finde ich gut so. Ich habe nichts zu verbergen.
    Bevor ich eben angefangen habe, den Blog vorsichtig zu reanimieren, habe ich mich durch meinen Arbeitsvertrag und die dazugehörigen Gesetze und Verpflichtungen gelesen.
    Mein Fazit dazu: ich verletze mit diesem Blog keinerlei Persönlichkeits- oder Datenschutzrechte.
    Habe ich nie, werde ich nie. 
    Wer denkt zu wissen, wer ich bin und wo ich arbeite: schön.
    Wer es nicht weiß: gut, denn es ist völlig unerheblich.
    Das Einzige, was man wissen muss ist: hier schreibt eine junge Lehrerin, die hier bisher ihren durchaus steinigen Weg durch die Lehrerausbildung dokumentiert hat. Aus ihrer Sicht, mit einem positiven Menschenbild, mit viel Freude und auch so manchem Schmerz. Es geht hier weder um bestimmte Personen, noch um meinen Arbeitsplatz im Besonderen. Im Gegenteil. Mich erreichen täglich so viele Nachrichten von Lehrern mit Begebenheiten, die uns Steine in den Weg legen oder sprachlos machen, dass ich diesen Dingen wieder eine Plattform geben möchte.

    Warum? 
    1. weil auch nach einem Jahr ohne neue Artikel noch täglich über 500 Menschen hier her finden
    2. weil ich gerne die vielen Fragen von Referendaren und Junglehrern hier beantworten möchte
    3. weil ich gerne aus meinem Alltag berichte
    4. weil es so viele schöne Dinge gibt, die sonst ungehört untergehen würden
    5. weil ich – wie ich früher schon geschrieben habe – damit loslassen kann. Psychohygiene.
    6. weil manches einfach mal offen gesagt werden muss

    Wie geht’s jetzt weiter? 
    Sobald dieser Artikel online ist (also jetzt) schreibe ich den nächsten, der die Reanimation des Blogs hervorgerufen hat. Einfach weil mir das Thema so am Herzen liegt und mich so beschäftigt, dass ich darüber schreiben MUSS.

    Maßgabe ist weiterhin: 
    Wenn dieser Blog nur EINER einzigen Person weiterhilft, sie unterstützt, bestätigt oder die Last von den Schultern nimmt: dann machen meine Texte einen Sinn. Dann werde ich weiter schreiben.

    Und nachdem diese Zeilen eingetippt sind kann ich sagen:
    der ersten Person ist mit diesem Schritt bereits eine Last von den Schultern gefallen:
    mir. 

    ——-

    In diesem Sinne: ich bin wieder da! 😎