Surreal.

3 Jan

Der letzte Artikel ist schon eine Weile her. Vor Jahren kam mein Vorgesetzter dazwischen, nun das Leben.

Ständig passieren Dinge und irgendwann verliert man die Übersicht und weiß gar nicht mehr wann und wie, mit wem und wo Sachen passiert sind.

2021 war eigentlich ein sehr gutes Jahr für mich persönlich. Wir hatten tolle Zeiten mit unserem Hund, Freunden, Familie. Der Hausbau wurde beendet und wir sind eingezogen. Das Haus wurde Stück für Stück gemütlich und während alles wuchs und gedieh fragte ich mich manchmal, wie ich so viel Glück verdient habe.

Klar, ich gehörte nie zu den Menschen, die anderen etwas neideten. Ich war nie jemand, der anderen etwas Böses wünschte. Bin ich einfach nicht. „Leben und leben lassen“ war und ist das Motto. Bleibt auch so.

Jedenfalls saß ich vor nicht mal 4 Wochen hier in meinem Zuhause. Lichterketten, Weihnachtsbeleuchtung, Spotify-Playlist „Ruhige Weihnachten“, Kamin an, Hund an mich gekuschelt…und dachte „Wow. Perfekt. Ich bin glücklich.“ Und das stimmte. Meine einzige Sorge war einem nahezu Fremden (den ich inzwischen als Freund bezeichnen würde), zu helfen. Das war‘s. Mein Weihnachtswunsch war „Spendet was unter diesem Link. Mehr wünsche ich mir nicht.“ Bäm.

Und dann passierte, was ich mir schon oft ausgemalt hatte – in meinen schlimmsten Albträumen. Da hat ja jeder so sein persönliches Kryptonit…und meins war schon immer der Tod. Der Gedanke, dass ein geliebtes Familienmitglied oder Freunde erkranken oder sterben könnten – mein schlimmster Trigger, der mich fingerschnippsend zum Heulen bringen konnte. (Kann euch meine Familie bestätigen…)

(((CN/Triggerwarnung: Falls euch das Thema ebenfalls belastet oder Erinnerungen hervorruft, dann lest bitte nicht weiter an dieser Stelle. Danke.)))

Bäm. Dienstag, 21.12.2021
Das Telefon klingelt. Meine Schwester. FaceTime. Ich gehe gespielt genervt ran, weil es von meiner Seite noch keinen festen Plan für Weihnachten gibt…aber um Weihnachten geht‘s gar nicht.
„Papa hatte einen Schlaganfall“ sagt sie.
Ich ziehe beide Augenbrauen hoch.
„Es geht ihm aber gut, er wurde operiert. Stents gesetzt. Keine Lähmung, wird schon wieder. Wir sollen morgen Mittag nochmal anrufen für ein Update.“
Nach mehr Details lege ich auf. Atme durch. Glück gehabt.
Ich würde ihn gerne anrufen, aber geht ja nicht. Morgen dann bestimmt.

Mittwoch, 22.12
Ich bin krankgeschrieben (aus anderen Gründen), aber raffe mich auf, um beim Arzt ein Rezept abzuholen. Das eigenartige Bauchgefühl ignoriere ich. Musik an, Kopf aus.
Kurz vor der Ankunft beim Arzt klingelt mein Telefon. Meine Schwester.
„Papa hatte in der Nacht einen weiteren Schlaganfall. Diesmal schwer. Er ist halbseitig gelähmt und nicht ansprechbar. Wir sollen in die Klinik kommen, um zu besprechen wie es weitergeht.“
BÄM. Morgens halb 10 in Deutschland.

Wie ferngesteuert hole ich das Rezept, fahre weiter, gebe ein Paket ab und sitze dann wieder im Auto…und dann bricht es zum ersten Mal raus. Bitterlich weinend auf dem Edeka-Parkplatz. 2 Tage vor Weihnachten. Ich sehe eine Mutter mit Tochter in meinem Alter. Lachend. Vorfreudig letzte Weihnachtseinkäufe machen…und ich soll in die Klinik, um „zu besprechen wie es mit Papa weitergeht“.

Ich erreiche meinen Mann, mache mit ihm einen Treffpunkt aus und dann fahren wir gemeinsam zur Klinik. Sicherheitshalber, falls ich rückwärts nicht mehr in der Lage bin für 1,5h Fahrt. Vor Ort treffen wir meine Schwester, ihren Freund und Papas Freundin.

Wir dürfen trotz Corona und deutlichen „Besucher derzeit nicht erlaubt“-Schildern rein in die Klinik. Laut Website darf man das nur „zur Geburt oder zum Besuch von Sterbenden“. Okay. Vor Ort Schnelltest, Formulare ausfüllen usw. Dann warten wir noch eine knappe Stunde, weil ein neues CT gemacht und sich nochmal besprochen wird.

Gegen 13 Uhr werden wir zum Gespräch auf die Intensivstation/Stroke-Unit gebeten. Unsere „Männer“ müssen unten warten, nur wir Frauen gehen mit…und erfahren, wie schwer es unseren Vater getroffen hat.

„Da er sich selbst nicht mehr äußern kann, müssen Sie uns seinen ‚mutmaßlichen Willen‘ mitteilen“ erklären uns Ärztin und Arzt.

Da sitzen wir nun und sollen sagen, ob unser Vater zwar leben, aber für immer schwerstbehindert und auf Pflege angewiesen sein…oder aber dem Schicksal seinen Lauf gelassen werden – sprich: er sterben – soll. Das sind die Optionen. BÄM.

„Sie richten nicht über ihn. Sie müssen uns nur sagen, was ER gewollt hätte. Das zählt. Natürlich wollen Sie, dass er lebt. Die Frage ist, wie dieses Leben nun aussehen und ob er das wollen würde.“

Unsere Entscheidung fällen wir einstimmig in seinem Sinne…und dürfen ihn dann besuchen.

Zimmer 3. Sauerstoff in der Nase, hier und da angeschlossen liegt er im Bett. Friedlich.
Ich spule vor zu dem Zeitpunkt, an dem ich mir ein paar Minuten alleine erbitte. Meine Schwester bleibt und filmt auf meinen Wunsch.
Um den Fehler, den ich vor Jahren bei meiner Oma gemacht habe, nicht zu wiederholen, sage ich ihm nun alles, was ich ihm sagen will. Wofür ich dankbar bin. Was ich gelernt habe. Wie lieb ich ihn habe.
Währenddessen schaut er mich an, dreht seinen Kopf, streichelt meine Hand, strampelt mit dem Bein. Er hört mir zu, ganz sicher. Er ist da. Er sieht mich. Er spürt mich. Er leidet mit mir. Er hat eine Träne am Augenwinkel. Ich weine. Ich streichle seinen Kopf. Ich küsse seine Stirn, seine Hand…und verabschiede mich dann.

Während sich die anderen ebenfalls alleine von ihm verabschieden („Du bist in guten Händen, wir kommen morgen wieder.“) schreibe ich meinem Mann eine Nachricht. „Er wird es wohl nicht überleben“.

Fassungslosigkeit und Tränen, auch als wir eine Weile später unten wieder auf unsere Männer treffen. Damit haben wir nicht gerechnet. Null. Wir dachten, dass über Reha und Unterstützung gesprochen wird…und nicht über den Tod.

Wir beschließen nach Hause zu fahren und am nächsten Tag zurückzukommen. Im Auto Diskussionen darüber, ob die Entscheidung richtig war…ob man nicht doch lieber ALLES tun sollte, was möglich wäre, um ihn am Leben zu erhalten…Zweifel…Sorgen…Ängste…und dann doch das Bauchgefühl, dass er das nicht gewollt hätte.

Niemals würde unser eigenständiger, unabhängiger, kreativer, selbstbestimmter Vater abhängig von Menschen und/oder Maschinen sein wollen. Niemals.

Es folgt eine recht schlaflose, aber dafür tränenreiche Nacht, die in einen ebenso tränenreichen Morgen mündet.

Donnerstag, 23.12.2021
Ich bin nicht in der Lage aufzustehen. Ich kann nur weinen und schreiben. Schreiben und weinen. Und bei jedem Gedanken zerreißt es mir das Herz.
Irgendwann stehe ich dann doch auf – der Hund muss ja raus – und laufe eine Runde.
Das Telefon klingelt. Meine Schwester. „Der Zustand hat sich über Nacht verschlechtert. Wir sollen nochmal kommen, vielleicht zum letzten Mal.“ Meine Hände sind eiskalt wie die Temperaturen.

Und wieder: telefonieren, organisieren, planen.
Ich ahne, dass ich nicht nach Hause kommen werde, also dusche ich und räume das Haus auf. Ruhig, wie ferngesteuert. Mein Mann kommt nach Hause, wir bringen den Hund weg und fahren dann zur Klinik. 1,5h.

Am Krankenbett angekommen ist klar:
1. wir haben am Vortag richtig entschieden
2. Er ist nicht mehr „da“, nicht mehr ansprechbar, Augen zu
3. Er hat uns die Entscheidung abgenommen: wir müssen ihn gehen lassen.

Auf meinen Wunsch hin wird ein weiteres CT gemacht, welches uns dann zusammen mit allen anderen CTs und Untersuchungen vom Arzt in Ruhe erläutert wird. Ich brauche „Beweise“, irgendwas handfestes, um das alles verstehen zu können.
Wir sehen den massiven Schaden. Wir sehen den Auslöser. Wir sehen, dass es keine Chance auf Rettung oder Heilung gibt. Vom brillanten Gehirn unseres Vaters ist nichts mehr übrig. Der Geist ist weg, das Unvermeidliche wird passieren.

„Wann?“ frage ich.
„Vielleicht schon in dieser Nacht“ sagt der Arzt.

Während meine Schwester durchgängig in der Klinik bleibt, fahren wir kurz die halbe Stunde zu Papas Freundin. Essen, aufwärmen, Sachen packen, wieder hinfahren. Mein Mann bleibt zurück – nach Frühschicht und x Stunden Fahrt ist keine Energie mehr da. Trotz Glatteisregen fahren wir zurück zur Klinik.

Mein Vater wurde inzwischen verlegt auf die Normalstation. Ein ruhiges Zimmer, verschiedene Sitzgelegenheiten, angenehmes Licht, weniger Maschinen und Überwachungsmonitore.

Wir sitzen rundherum um sein Bett. Alle Hände an ihm und lauschen seinem Atem. Das Einatmen klingt wie Schnarchen, das Ausatmen wie ein Blubbern. Der Sauerstoff rauscht durch die Atemmaske. Wir sind bei ihm.

Irgendwann dösen wir ein. Werden vom Pflegepersonal wach gemacht. Absaugen. Umlagern. Wir gehen solange raus. In Strümpfen. Auf Station ist es ruhig. Mitternacht.

Es ist Weihnachten, der 24.12.2021. Es könnte mir nichts egaler sein. Wir gehen wieder rein. Dösen weiter.

Irgendwann werde ich wach, weil das „blubbern“ einmal gefehlt hat. Einbildung? Vielleicht.

Das Blubbern fehlt immer häufiger. Inzwischen fällt es auch den anderen auf. Jedes Mal gefriert mir das Blut in den Adern. Ist das der Anfang vom Ende?

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Ja, ist es.
Die weiteren Details erspare ich euch. Es ist schmerzhaft genug selbst dabei gewesen zu sein, während der eigene Vater stirbt.

„Bis zum letzten Atemzug“ war für mich immer eine Floskel. Nun verstehe ich die wahre Bedeutung und weiß, was das bedeutet jemandem bis zu diesem Moment beizustehen.

Um 3:30 Uhr öffnete ich das Fenster in seinem Zimmer, um die Seele rauszulassen. Unser Vater ist tot. Mit 58 Jahren. Einfach so, aus dem Nichts.

Surreal.

(To be continued)

Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht

18 Feb

Nachdem ich gerade an einer Online-Weiterbildung der Schulpsychologie meines Schulamts teilgenommen habe, möchte ich die gewonnenen Erkenntnisse in Form meiner Mitschriften gerne mit euch teilen. Ich fand die Veranstaltung extrem interessant und habe mich an mancher Stelle dabei ertappt, vorschnell wieder in den „alten“ Modus schalten zu wollen.

Mein Fazit: Erstmal den Stand checken auf dem die Kinder sind – und zwar den emotionalen Stand. Die Leistung ist an Tag 1 zweitrangig. Beziehungsarbeit muss nun an erster Stelle stehen, um wieder aufzubauen, was durch die Schließzeit verschüttet wurde. Also: jeglichen Druck rausnehmen und erstmal gemeinsam durchatmen.

Nachfolgend also meine losen Mitschriften zum Thema, in der Hoffnung, dass es sinnvoll und hilfreich ist für euch. 🙂

Viel Spaß beim Lesen 🙂

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Vorbereitung des ersten Schultages

1. In Kinder hineinversetzen

– Tagesablauf, Familie, Lernstand, Informationsstand, Medienkonsum, Emotionen, soziale Kontakte, Belastungen

  • beachten: Leistungsfähigkeit durch Medienkonsum ggf. verringert
  • Tagesablauf muss neu strukturiert werden (früher aufstehen…)
  • neuer Informationsstand bzgl. Corona (Mutationen?)
  • verschiedene Emotionen zum Neustart (Freude, Angst, …)

Ideen für den ersten Tag

  • sachter Einstieg, keine Tests
  • Redezeit mit Klassenkameraden
  • Morgenkreis, Schließzeit Revue passieren lassen
  • Rückmeldungen zu Wochenplänen
  • gemeinsame Planung der Woche
  • Geburtstage nachfeiern/beachten
  • Kinder mit Problemen besonders loben und hervorheben

2. Kontakt halten/aufnehmen

  • Wissen nutzen: Wie ist Distanzunterricht gelaufen? Unterstützung vorhanden? Gibt es Sorgen/Ängste bei bestimmten Kindern?
  • zu ängstlichen Kindern ggf. vorher schon Kontakt aufnehmen, wie wird der Tag aussehen? Wer ist anwesend? Wie ist es organisiert?
  • Mögliche Eisbrecher: „Bring am Montag einen Gegenstand o.ä. mit, was du mit dem Distanzunterricht in Verbindung bringst“, als Hilfe oder Sache zum dran „festhalten“ bei Ängsten

3. Methodische Ideen und Werkzeuge (Austausch)

  • WICHTIG: Druck rausnehmen, entspanntes Ankommen!
  • Rituale nutzen (Gesprächskreis…) gibt Sicherheit & vertraute Atmosphäre
  • Ziel für Tag 1: Zeitliche Perspektive
    • Blick zurück (Feste, Weihnachten, SIlvester, Geburtstage…),
    • ins Jetzt: Wie geht es euch heute? Was empfindet ihr? Aufregung ist normal, aus Alltag herausgerissen, Neue Regeln? (z.B. bzgl. Masken)
    • die Zukunft: Wie wollen wir die nächste Zeit gestalten?
  • siehe „Achtsame Schulen Schweiz“
  • „Gewinne“ und Erfolge
    • gezielt Blick auf Positives richten
      • mehr Zeit mit Eltern verbracht?
      • neues Haustier?
      • gute Entwicklungen?
      • Was habt ihr alles geschafft? Lernfortschritte schätzen
  • Infos sammeln, nächste Schritte planen
    • nutzbare Fragebögen/Dokumentationsbögen (siehe Handout), oder Selbstreflexionsbögen
    • Infos nutzen zur Planung:
      • Gespräch mit Schulpsychologen, Beratungslehrer, Vertrauenslehrer planen
    • Gruppenprozesse im Hinterkopf haben (Mobbing?)
    • PDF: Achtsame Schulen Schweiz – „Achtsamkeit und Beziehungsgestaltung nach dem Lockdown

Drei wichtige Themen für die erste Woche

  • emotionale und psychische Verfassung der Kinder
    • sind Kinder ängtlich, niedergeschlagen, antriebslos?
  • aktuellen Lernstand checken
  • aktueller Stand bzgl. Corona

Wiedereinstieg

  • längere Aufwärmphase möglich bis Kinder reden wollen/können
  • benutsamer Anfang für alle, auch Lautstärke ist wieder ungewohnt
  • Kinder können auch einfach mal eine Stunde gemeinsam spielen
  • Ziel: Motivation wieder aufbauen, Beziehungsebene stärken, nur dann ist Stoffvermittlung möglich

DRUCK RAUSNEHMEN!!! So wenig Stoff wie möglich!!!
DENN: die Zeit ohne Präsenz war über 8 Wochen, länger als die Sommerferien

Mögliche Herausforderungen:

  • Schülergruppen:
    • DaZ-Kinder (Muttersprache hat überwogen, wenig Deutsch)
    • sozial schwache Familien
    • sonderpäd. Förderbedarf
    • geistige Behinderung
  • Schulanfänger / heterogenerer Jahrgang als „sonst“
    • Schuleingangsuntersuchungen haben nicht regulär stattgefunden
    • fehlende Informationen (Tag der offenen Tür, Schnuppertage)
    • abrupter Übergang zur Schule, kein normaler Abschied von KiTa möglich
    • kleinere Schuleinführungen, weniger Unbeschwertheit
    • unterschiedlich lange Eingewöhnungsphase, manche Kinder sind vll. noch nicht komplett angekommen gewesen im Dezember & dann kam die Schließung
    • Gemeinschaft konnte nicht wie „sonst“ gebildet werden, Namen könnten vergessen worden sein
      • Spiele einbauen, um Namen zu wiederholen
    • sozial-emotionale Entwicklung konnte nicht überall so ablaufen, wie „sonst“
      • durch Masken visuelle Lernerfahrungen nicht möglich
      • Lernerfahrungen durch Zuhause-Sein nicht möglich
      • hatten keine Gelegenheit soziales Miteinander zu erlernen
      • IDEE: gemeinsam zur Schule laufen mit Klassenkameraden, ggf. von Eltern zur Schule bringen lassen, Wiedereinstieg in die Schule
  • Kinder, denen es schwer fällt, wiederzukommen
    • hatten ggf. schon vorher psychosomatische Beschwerden (Bauchschmerzen)
    • IDEE: Partnerkind zur Verfügung stellen, gemeinsamer Schulweg etc.
  • Kinder mit Angst z.B. vor Ansteckung
    • eingehen auf Hygienemaßnahmen, Ängste ansprechen lassen, aufklären
    • Mögliche Beschwerden:
      • Müdigkeit, Unruhe, Unkonzentriertheit
      • Ängstlichkeit im Alltag
      • Aggressivität/Gereizheit
      • Appetitlosigkeit
      • Ein- & Durchschlafprobleme
      • altersunangemessenes Verhalten
      • psychosomatische Beschwerden
      • –> HANDLUNGSBEDARF
        • Einzelgespräch mit Kind und/oder Eltern
        • Beratungslehrer, Beratungsstellen
        • Schulsozialarbeiter etc. einbeziehen

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Ich habe einige der oben genannten Themen gerade nochmal in der vorerst letzten Videokonferenz mit meinen Erstklässlern angesprochen und konnte durch die Reaktionen sehen, dass es (z.B. zu erklären, wie die nächste Woche abläuft) schon etwas geholfen hat. 🙂

Für Montag drücke ich allen die Daumen und wünsche euch viel Erfolg, gute Nerven und ein gutes Händchen für die Kinder. 🙂
(Ich selbst werde als Teil der Risikogruppe wohl live in den Klassenraum zu meinen Kids gestreamt – das wird spannend 😉 Aber dazu ein andermal mehr ;))

Tafelfußball in der Videokonferenz

3 Feb

Heute möchte ich kurz erklären, was es mit dem „Tafelfußball“ (HIER erwähnt) auf sich hat. Das Spiel scheint noch nicht jeder zu kennen bzw. scheint die Umsetzung in einer Videokonferenz zunächst schwierig. Da möchte ich gerne Abhilfe schaffen 😉

1. WAS IST TAFELFUSSBALL?

Tafelfußball ist ein Mannschaftspiel, welches man mit (nahezu) beliebig vielen Personen spielen kann. Die Klasse bzw. die TeilnehmerInnen werden in zwei Gruppen geteilt und treten gegeneinander an. Es gibt ein Spielfeld, welches einem Fußballfeld ähnelt und einen „Ball“, der hin und her geschossen wird – daher der Name 😉

2. WIE FUNKTIONIERT TAFELFUSSBALL?

Schritt 1: Spielfeld vorbereiten

In der Schule malt man es an die Tafel, in der Videokonferenz einfach auf die Pinnwand. Dazu kann man (z.B. bei BigBlueButton) die Hilfsmittel (Rechteck zeichnen, Kreis zeichnen etc.) nutzen – dann ist das in Windeseile gezeichnet.
Alternativ kann man das Spielfeld auch als „Bild“ vorbereiten und dann in die Präsentation hochladen.

Es ist ausreichend wenn das Spielfeld von der Punkteanzahl her so aussieht wie bei mir.
Die Spiellänge kann man dann natürlich mit der Anzahl der Punkte (hier gelb) variieren. Ich empfehle aber eher mehrere Runden zu spielen – die Kinder kriegen nicht genug davon und haben schnellere Torerfolge. 😉

Spielfeld für Tafelfußball

2. Mannschaft einteilen
Im Präsenzunterricht teile ich die Klasse einfach in 2 Gruppen und diese stellen sich hintereinander in einer Reihe auf.

Im Distanzunterricht bzw. in der Videokonferenz habe ich 2 zusätzliche Kästchen gezeichnet, in die ich die Namen der jeweiligen Kinder eingetragen habe. So wusste auch jeder in welche Mannschaft er ist.

Auf aufwändige Gruppen-Teil-Techniken habe ich verzichtet & die Mannschaften selbst festgelegt. Wer möchte könnte natürlich auch das klassische „Wählen“ aus dem Sportunterricht machen. 😉


(Auf dem Foto sind die Farben leider nicht so deutlich – ich hatte eine blaue und eine lila Mannschaft, die Pfeile waren nur zur Erklärung für die Kinder. Unter dem Geschwärzten standen ihre Namen.)

Spielfeld inkl. Mannschaftseinteilung

3. Spielen 🙂
Wie im echten Leben treten bei dem Spiel immer 2 Kinder gegeneinander an. Diese beiden Kinder dürfen das Mikrofon einschalten, denn die Antwort muss gerufen werden.

INHALTLICH kann man nun entscheiden worum es gehen soll – ich spiele Tafelfußball meist mit Matheaufgaben (Kopfrechnen) oder z.B. zur Festigung von Wortarten.

Bleiben wir beim Beispiel Mathe:
1) Die beiden Kinder aus den gegnerischen Teams schalten ihre Mikros an.
2) Ich mache kurz einen Mikrotest mit beiden („Zählt bis 3!“).
3) „Seid ihr bereit?“ (Kinder machen Daumen hoch)
4) „Die Aufgabe lautet „4 plus 5““
5) Die Kinder antworten, die richtige Antwort kriegt einen Punkt, sprich:
6) Der „Ball“ bewegt sich.

HINWEIS:
In Präsenz nehme ich dazu einen Magneten, der anfangs in der Mitte liegt – wie beim Fußball – und dann je nach Punkten zum gegnerischen Tor geschossen wird.
In der Videokonferenz nutze ich einfach nur den Pointer (also meinen roten Punkt). Man könnte auch den Ball malen, muss ihn dann aber wieder entfernen und neu malen, wenn er sich bewegt. Der Pointer ist praktikabler.

7) Der „Ball“ bewegt sich so lange hin und her bis er im Tor landet. Dann bekommt die entsprechende Mannschaft einen Punkt und der Spielstand wird aufgeschrieben (siehe Bild oben, wie beim echten Fußballspiel also)

8) SPIELENDE ist entweder nach einer bestimmten Zeitspanne oder bei einem bestimmten Torverhältnis. Das kann man ja flexibel (je nach verfügbarer Zeit) festlegen.

Anmerkungen zum Spiel:
Wie bei jedem Spiel gibt es am Ende natürlich eine Gewinner- und eine Verlierermannschaft. Es sollte einem bewusst sein, dass es am Ende ein paar lange Gesichter geben wird – wie man damit umgeht weiß man als Pädagoge/Pädagogin ja 😉

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren und freue mich über Feedback, Ergänzungen oder Anregungen. Wenn ihr Fragen oder Probleme habt: ab in die Kommentare damit 😉

Unterrichtsplanung im Distanzunterricht

2 Feb

Heute mal ein kurzer Einblick in meine Arbeitsweise zu „Corona-Zeiten“. Die Schulen sind in Thüringen seit Mitte Dezember im Distanzunterrichtsmodus und so richtig weiß keiner, wann sie wieder komplett geöffnet werden. Das erzeugt – zu Recht – Unsicherheit und macht die Planung schwieriger als sonst.

Denn: plant man nun für Distanz oder Präsenz?

Meine Vorgehensweise ist derzeit so:

1. Ich plane immer einen kompletten Monat vor.
Sprich: im Dezember habe ich den gesamten Januar im Fach Deutsch und Mathe für meine Klasse geplant. Stück für Stück, Seite für Seite. So entstand jeweils ein Monatsplan für jedes Fach (je ein A4 Blatt)

Vorteil: Man hat erstmal einen groben Gesamtüberblick über Themen und Umfang
Nachteil: Das dauert natürlich ne Weile – lohnt sich aber, versprochen! 😉

2. Ich markiere mir die Themen, zu denen ich Erklärvideos drehen muss
Auch das hat sich bewährt, damit ich jede Woche sehen kann, welches Videopensum ich noch vor mir habe und zu welchen Themen ich ggf. Material (welcher Art auch immer) suchen muss.

Vorteil: Der Arbeitsaufwand lässt sich besser einschätzen und so planen, dass alles pünktlich zur „Abgabe“ an die Eltern bereit ist.

3. Ich übertrage die Themen aus der jeweiligen Woche in den Wochenplan der Kinder
Wenn man hier das Format beibehält, dann kann man sogar recht einfach mittels Copy&Paste alles rüberkopieren und spart sich Formatieraufwand.
Vorteil: Man ist flexibel und kann je nach Entscheidung bzgl. Schulöffnung den Plan anpassen.

Noch 3 Wochen geschlossen? Okay. Doch nur 2 Wochen Schließzeit? Kein Thema!

Beispiel: In Thüringen wurden die Winterferien vom Februar auf Ende Januar vorgezogen. Meine geplante letzte Januarwoche konnte ich also problemlos auf die Zeit nach den Ferien verschieben und dann einfach weiterarbeiten. Weniger Stress also.

Sollten die Schulen dann recht spontan öffnen, habe ich schon einen groben Plan und kann den dann an die schulischen Gegebenheiten in Präsenz anpassen & erweitern. Problemlos 🙂

Weitere Tipps:

  1. LINKLISTE
    Wenn ihr mit Lernvideos auf YouTube arbeitet (egal ob selbstgedreht oder Fremdmaterial), dann empfehle ich euch das Anlegen einer Linkliste. Ich habe für jede Kalenderwoche (KW) einen Tabellenteil, in dem ich Thema, Link und Urheber notiere. So können sowohl die Eltern, als auch ich den Überblick behalten und ggf. passgenau Videos nochmal wiederholen. Die Linkliste wird wöchentlich aktualisiert und den Eltern mit dem Wochenplan zugeschickt. Funktioniert! 🙂
  2. VORHANDENES MATERIAL NUTZEN
    Ich versuche aktuell so zu planen, dass die Eltern NICHTS ausdrucken müssen bzw. die Aufgaben auch ohne Drucker erledigen können. Da ich noch nie ein Fan davon war, ständig Räder neu zu erfinden, plädiere ich gerade in dieser Zeit für die Nutzung des Materials, das die Kinder sowieso gekauft/geliehen haben: Hefte, Arbeitshefte und Bücher.

    Vorteil: Man hat einen festen Rahmen, die Eltern sehen den Fortschritt, es gibt keine Materialschlachten…WIN WIN WIN sozusagen. 😉
  3. ZUSATZMATERIAL EMPFEHLEN
    Hin und wieder wird es Eltern geben, denen der „normale“ Plan nicht ausreicht und die „mehr“ wollen. Oder es gibt Eltern, die wissen wollen, ob Material X „gut“ ist für das eigene Kind.

    Für mich hat es sich da bewährt den Eltern (allen!) eine Übersicht mit empfehlenswerten Übungsmaterialien in die Hand zu geben. Dabei weise ich natürlich darauf hin, dass das keine Werbung ist – in Zeiten von Influencermarketing muss man da ja vorsichtig sein 😉 Ich wähle aber bewusst Sachen aus, die ich gut finde…mein Favorit ist da eindeutig der Jandorfverlag – da stimmen Preis und Leistung und es gibt Lösungshefte mit denen sich die Kinder ggf. selbst kontrollieren können. Wunderbar! 🙂

Ich hoffe, dass ich euch heute ein wenig damit weiterhelfen konnte – das würde mich sehr freuen. Natürlich war’s nur ein kleiner Einblick, aber die grobe Richtung sollte klar sein.

Lassts euch gut gehen und bis zum nächsten Mal. 🙂

Gesicht zeigen in Lernvideos? Memojis als Unterstützung

1 Feb

Anfang Januar 2021 habe ich damit begonnen Lernvideos für meine SchülerInnen zu produzieren – als Bildschirmaufnahme mit Audio-Erklärung. Das erste Video schickte ich stolz an diverse Freunde und Bekannte und bekam das Feedback: „Gut gemacht, aber zeig dich doch mal – das macht das Video persönlicher!“

Den Einwand verstand ich natürlich, aber trotzdem fand ich es etwas eigenartig wie eine Influencerin in die Kamera zu sprechen. Gerade im „HomeOffice“ (oder sind wir mal ehrlich: eigentlich in dieser Pandemie generell) sieht man einfach nicht immer aus wie „aus dem Ei gepellt“ und will sich nicht unbedingt so offen im Netz zeigen.

Also – was tun?

Mein Idee war es kurze Intros und Outros mithilfe eines „Memoji“ (nur bei Apple, ab iPhone10) aufzuzeichnen. Man hat also quasi einen „Filter“ vorm Gesicht, der aber aussieht wie man selbst als Comic-Version. Diese Idee fand ich recht charmant und versuchte herauszufinden, wie sowas funktioniert. Ich fand ein (recht schlecht erklärtes und unvollständiges) Video auf YouTube, probierte etwas herum und fand dann selbst heraus, wie es geht und worauf man achten muss.

Anschließend habe ich ein eigenes Tutorial erstellt, in dem man die Schritte recht gut nachvollziehen kann. (LINK)

Das Feedback mit persönlichem Intro/Outro war sehr positiv, also habe ich das in den folgenden Videos beibehalten.

Inzwischen habe ich mich auch getraut eine persönliche Botschaft an meine Klasse – mit „echtem“ Gesicht – aufzunehmen…bin aber irgendwie kein Fan davon…aus den oben genannten Gründen. 😉

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren – mit ein wenig Übung geht das recht schnell und macht Spaß, weil man sein „Gesicht“ ja auch varriieren kann 😉

Videokonferenzen in Klasse 1

20 Jan

Nachdem ich meiner Erfahrungen mit Klasse 4 schon im Beitrag https://dersteinigeweg.wordpress.de/2020/05/19/videokonferenzen-in-der-grundschule/ geteilt habe, möchte ich diese nun um meinen Eindruck mit Klasse 1 erweitern.

Unterschiede
Der größte Unterschied ist natürlich, dass Erstklässler anfangs (!) noch nicht so selbstständig agieren können, wie Viertklässler. Für das Einrichten und Starten der Videokonferenz (VK) ist also immer noch wenigstens etwas Hilfe von Erwachsenen notwendig – beim Starten der Website, beim Eingeben des Namens und auch bei der Freigabe von Mikrofon und Webcam.
In der VK selbst können die Kinder dann mit meiner Anleitung sehr gut alleine mitmachen.

Im Gegensatz zu den Viertklässlern, die häufig schon alleine am PC/Laptop/Tablet saßen, sind bei Erstklässlern fast durchgängig die Eltern in der Nähe. Meist nicht direkt zu sehen, aber im direkten Umfeld. Wer sich nicht in die Karten schauen lassen möchte, dem könnte das ggf. etwas unangenehm sein. 😉

Manchmal melden sich auch Eltern direkt mit Fragen oder Anregungen – aber dazu später mehr.

Weniger genutzt wird von Klasse 1 auf jeden Fall der Chat und auch andere textbasierte Funktionen – umso beliebter ist die „Tafel“ bzw. das „Whiteboard“.

Was macht man mit Erstklässlern in der Videokonferenz?

1. Technikschulung / Erklärung
Die wichtigste Regel „Mikrofon ist immer aus“ wird gleich zu Beginn besprochen und natürlich mit jedem Kind ausprobiert. Jeder darf (natürlich nacheinander) sein Mikrofon anschalten, bis 10 zählen und dann wieder ausschalten. (Auch hier sind die Eltern anfangs noch sehr hilfreich).

2. Kindgerechte Regeln
Natürlich würde auch bei Erstklässlern eine komplett offene Redezeit die Grenzen sprengen. Daher sind die Gespräche immer moderiert durch mich. Gelegentlich schalte ich selbstständig Mikrofone von Kindern ab, wenn sie „unerlaubt“ aktiviert wurden.

3. Ablauf mit Klasse 1

  • Begrüßung / Ankommen
    Ich öffne den Raum etwa 5 Minuten vor dem offiziellen Beginn und warte bis ca. 3 Minuten danach. In dieser Zeit können die Kinder auf der Pinnwand frei malen oder nach einem Auftrag von mir.

    Die ersten Male ließ ich noch wild kritzeln, dann folgten Aufträge wie:
    „Male einen Tannenbaum“ (oder differenziert: „Nutze dazu die geometrischen Formen“)
    „Schreibe deinen Namen“
    „Male ein Haus mit Garten“
    usw.

    Manche Kinder begrüßen sich auch gegenseitig und winken sich zu – da drücke ich dann mal ein Auge zu was die Mikro-Regel angeht…die Videokonferenzen sollen ja dem sozialen Miteinander dienen und solange nicht 10 Kinder gleichzeitig sprechen ist das noch okay 😉
  • Sportlicher Einstieg

    In den letzten Sitzungen hat sich ein sportlicher Beginn etabliert.
    Alle Kinder stehen auf, räumen sich bei Bedarf etwas Platz frei und dann machen wir gemeinsam ein paar Übungen, z.B.
    Hampelmänner, Kniebeuge, Dehnübungen oder ich erzähle eine Bewegungsgeschichte

    Wir schütteln uns aus (immer mit dem Hinweis vorsichtig zu sein) und dann geht die eigentliche Sitzung los.

    Besonders cool: inzwischen übernehmen den Einstieg auch gern die Kinder. Also kann man ruhig auch ein paar Aufgaben abgeben und die Zügel mal locker lassen 😉
  • Thema des Tages

    Für meine Klasse erarbeite ich passend zum Wochenplan immer ein Thema des Tages. Auch das hat sich etabliert, damit die Kinder schon grob wissen, was auf sie zukommt. Manche Themen finden mehr Anklang als andere. Beispiel: Beim Thema „Wir erzählen Witze“ waren nur 3 Jungs dabei und keine Mädchen – wesentlich weniger Kinder also als sonst. 😉

    Einblick in unsere bisherigen Themen:
    – Wir spielen Worträtsel
    Das klassische Galgenmännchen-Spiel 😉 Um es für Klasse 1 etwas zu erleichtern könnten die Kinder die Fibel dazu nehmen. Es klappt aber auch ohne wunderbar – wenn man die bereits bekannten Buchstaben bedenkt.
    Es gibt natürlich auch andere Worträtsel, z.B. mit Strichen für große und kleine Buchstaben. Dabei ist die Fibel ebenfalls hilfreich, da man sich da z.B. auf Wörter aus der Wortleiste einschränken kann.

    – Wir spielen Suchrätsel
    Hier habe ich die „Lautsuchbilder“ aus dem Zaubereinmaleins genutzt. Für jeden Buchstaben und fast jeden Laut gibt es passende Bilder, in denen die Kinder dann Wörter suchen müssen.
    Gefundene Wörter streiche ich durch.
    Die PDF-Datei kann ganz einfach hochgeladen werden und erscheint dann für alle sichtbar auf der „Tafel“.

    Man könnte natürlich auch andere Suchbilder nutzen, z.B. Fehlersuche oder ähnliches.

    – Wir üben Kopfrechnen
    Das Spiel „Tafelfußball“ kennen sicher viele GrundschullehrerInnen. Das Spielfeld habe ich auf die „Tafel“ gemalt und die Namen der Kinder in die Teamfelder eingetragen. Das ist wichtig, um die Übersicht zu behalten wer als nächstes dran ist.
    Die beiden Kinder, die gegeneinander antreten dürfen ihr Mikro anschalten und bekommen von mir eine Aufgabe gestellt. Wer zuerst das richtige Ergebnis ruft, „schießt“ den Ball in Richtung des gegnerischen Tors.
    Habe ich heute zum ersten Mal ausprobiert und hat großen Anklang unter den Kindern gefunden 🙂

    – Wir lesen gemeinsam
    Am Lesetag suche ich Fibelseiten heraus, fotografiere sie und lade sie auf die Tafel. Die Kinder können also entweder in ihre „echte“ Fibel schauen oder direkt am PC mitlesen. Jedes Kind bekommt nacheinander einen Abschnitt und dann lesen wir. Klassisch wie in der Schule 😉

    Besonders schön: Manche Kinder wollten aus ihren eigenen Büchern etwas vorlesen. Den Raum dafür gebe ich natürlich gerne. Heute kam schon eine Voranmeldung eines Kindes, welches gerne morgen nach der „Lesezeit“ etwas für alle vorlesen möchte. Wunderbar! Das unterstütze ich natürlich sehr gerne 🙂

    – Mein Lieblings-….
    Hier wähle ich ein Thema aus, zu dem die Kinder ihren persönlichen Liebling vorstellen können.
    Ausprobiert habe ich das z.B. mit „Brettspiel“ und konnte einige neue Brettspiele durch die Kinder kennenlernen. Spannend, was bei Erstklässlern beliebt ist. Bei uns wurden „Leiterspiele“ am häufigsten genannt 😉
    Natürlich geht das mit allen möglichen Sachen, z.B. Spielzeugen, Kuscheltieren und vielem mehr

    – Wir verkleiden uns
    Das hatte ich bereits mit den Viertklässlern getestet und für witzig befunden. Auch die „Kleinen“ hatten viel Freude am Verkleiden und Präsentieren ihrer Kostüme. 🙂

  • Feedback
    Nach dem offiziellen Thema dürfen die Kinder kurz einschätzen wie ihnen die „Aktivität“ bzw. das Thema des Tages gefallen hat. Die obigen Ideen sind alle von den Kindern mit „Daumen hoch“ bewertet worden – daher teile ich sie hier 😉
  • Raum für Fragen
    Sollten noch Fragen offen sein, können die Kinder sie gerne stellen. Oft wird gefragt, was das Thema am nächsten Tag ist oder wie es dem ein oder anderen geht.
    Gelegentlich schalten sich an der Stelle Eltern ein und stellen spezifische Fragen.
  • Abschluss
    Dann verabschieden wir uns (gerne mit Mikro an) mit netten Wünschen bis zum nächsten Tag oder zum nächsten Mal. (Anekdote: ein Kind ruft immer ganz goldig „VIEL GESUNDHEIT!!!!“)
    Danach beende ich die Konferenz und es kehrt Ruhe ein 😉

    Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel ein paar gute Ideen teilen konnte und wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren mit der eigenen Klasse. Wie gesagt: mit Klasse 1 klappt das alles schon wunderbar. Die Kinder werden von Mal zu Mal selbstständiger und sitzen nun schon wie Profis vor ihren Geräten – einfach cool!

    Vom zeitlichen Umfang hatte ich anfangs eine Stunde (60min) anvisiert, aber das ist viel zu lang. Als angemessen empfinde ich 30-45 Minuten, dann ist die Konzentration (trotz sportlichem Beginn) erschöpft. An einem der Suchrätsel-Tage haben wir sogar 55 Minuten konferiert, weil die Kinder unbedingt ALLES auf dem Bild finden wollten 😉

Also: traut euch und berichtet gerne von euren Erfahrungen!

In diesem Sinn: Adios Amigos! 🙂

Videokonferenzen in der Grundschule

19 Mai

Heute wie versprochen ein kleiner Einblick in die Videokonferenzen mit meiner Klasse.

WOZU Videokonferenzen?
Zum Austausch untereinander. Damit die Kinder mal wieder mehr als nur ihre Familie sehen. Um Entfernungen zu überbrücken. Um Fragen zu stellen. Um zu spielen…

Die Corona-Situation zwingt uns als LehrerInnen gerade dazu, neue Wege zu suchen und den Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht möglichst angenehm für alle Seiten zu gestalten.

Im letzten Blogartikel „Rückblick in Phasen“ habe ich bereits erklärt, dass mir „Buch und Arbeitsheft“ zu wenig geworden ist und wie mein Weg bis heute verlaufen ist. Wer sich dafür interessiert kann gerne dort nachlesen.

WOMIT mache ich die Videokonferenzen?
Programm:
Ich arbeite mit „Big Blue Button“ und bin damit sehr zufrieden. Seit kurzem ist das auch über unsere SchulCloud möglich, wobei ich derzeit noch einen externen Link nutze. Dieser Link ist immer gleich – daher muss ich nicht täglich neue Infos verschicken. Sehr praktisch!

Technik:
Bis letzte Woche habe ich noch parallel mit iPad, iPhone und Laptop (als Backup) und Headset gearbeitet.Das ging gut – solange niemand anruft und dadurch die Konferenz crasht. Das ist mir mehrfach passiert und hatte zur Folge, dass ich die Kinder dann nicht mehr sehen oder hören konnte. Der Flugmodus konnte Abhilfe schaffen, verhindert aber nicht das Stören durch eingehende Videoanrufe der Familie 😉

Diese Phase hat aber ein Ende gefunden. Inzwischen wurde ich durch einen technisch versierten Kumpel mit Profi-Technik ausgestattet – sprich: Headset von Plantronics und HD-Webcam von Logitech. Solche Sachen hat er in seinem „Fundus“, weshalb ich mir diese teuren Sachen (Wert sind mehrere hundert Euro) nicht selbst anschaffen musste. Danke an dieser Stelle! ❤

Headset und Webcam habe ich an meinem Laptop angeschlossen und nun läuft es wie geschmiert. 🙂

WANN finden die Videokonferenzen statt?
Ich öffne den virtuellen „Raum“ immer an den Tagen, an denen die Kinder keinen Unterricht in der Schule haben. Ab 9:45 Uhr bin ich online und begrüße die Kinder. Offizieller Start ist immer um 10 Uhr, wobei wir meist noch ein paar Minuten warten.

Die Wartezeit zu beginn fülle ich mich „Fragen des Tages“ im Chat oder Aufgaben zum Malen auf dem Whiteboard. Heute war die Malaufgabe zum Beispiel „Zeichne dein Lieblingstier“.

Nach etwa einer Stunde – also gegen 11 Uhr – beende ich die Videokonferenz und schließe den Raum. Je nach Fragen oder Redebedarf aber auch mal früher oder später.

WER nimmt an der Videokonferenz teil?
Die Teilnahme ist freiwillig. Das habe ich bewusst entschieden, weil nicht alle Elternhäuser die Zeit/Technik/Möglichkeiten haben, dass das Kind teilnehmen kann. Natürlich habe ich im Voraus eine Abfrage gemacht – mit dem Ergebnis, dass alle Eltern prinzipiell schon die entsprechenden technischen Möglichkeiten haben.

Zu Beginn war über die Hälfte der Klasse täglich mit dabei, inzwischen ist es meist etwa ein Drittel. Die Gesichter sind jeden Tag die gleichen – ab und zu wechselt die „Besetzung“ leicht – aber generell haben wir einen stabilen „Stamm“.

WAS machen wir in der Videokonferenz?
Da es sich um ein freiwilliges Angebot handelt, machen wir keinen Unterricht. Das wäre meiner Meinung nach unfair den Nicht-Teilnehmern gegenüber und würde ich auch nicht machen wollen.

Stattdessen machen wir folgende Dinge, die ich mal exemplarisch darstellen möchte.

In den ersten Konferenzen stand das Kennenlernen der technischen Möglichkeiten im Vordergrund. Wir haben also die Grundlagen geübt:
– Mikrofon anschalten/ausschalten
– Kamera anschalten/ausschalten
– Chat finden, lesen und selbst schreiben
– Geteilte Notizen lesen und schreiben
– Whiteboard nutzen
– Teilnehmerliste anschauen

Natürlich nicht alles auf einmal, sondern Schritt für Schritt jeden Tag ein bisschen mehr. Didaktisch wertvoll 😉 Beim Thema Whiteboard sind wir z.B. erst heute angekommen. Inzwischen sieht eine typische Videokonferenz so aus:

9:45 Uhr – Beginn Einlass, kurze Begrüßung der „Ankommenden“
Mein Mikro ist an, meine Kamera noch aus. Ich begrüße die Ankommenden und schaue, ob man sie sehen/hören kann. Danach werden die Mikros wieder abgeschaltet. (Ganz wichtig, wenn im Hintergrund Geschwister spielen oder Papa staubsaugt!)

Im Chat finden die Kinder die „Frage des Tages“, die sie schriftlich beantworten sollen. Meine Fragen waren z.B. „Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?“ oder „Was ist dein Lieblingsessen und warum?“.

Heute gab es erstmalig eine Aufgabe zum Malen, nämlich „Zeichne dein Lieblingskuscheltier in dieses Feld!“

10:00 – Offizielle Begrüßung / Einstieg
Ich begrüße die anwesenden Kinder und erzähle kurz ein paar Dinge.
Heute zum Beispiel, dass mein neues Headset so schallisolierend ist, dass ich am Vortag nicht bekommen habe, dass mein Hund während der Videokonferenz einen Bleistift geklaut und zerlegt hat.

Dann variiert der Ablauf täglich. Am Anfang habe ich Gesprächsrunden gemacht. Hier habe ich ein Thema vorgegeben und jedes Kind durfte etwas dazu sagen, z.B. „Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?“ oder „Wie war die Woche in der Schule?“ (Wichtig: der Reihe nach. Es ist immer nur ein Schüler-Mikro an.),

Manchmal gibt es Challenges in denen die Kinder etwas in ihrem Zuhause suchen und vorstellen müssen. („Suche etwas Blaues!“ oder „Zeige uns etwas, was du schon immer zeigen wolltest.“)

Wir haben auch schon Thementage veranstaltet, zu denen wir uns vorher verabredet haben. An einem Tag trafen wir uns mit Kostümen verkleidet vor der Kamera, am nächsten Tag zeigten wir uns gegenseitig unsere Haustiere/Kuscheltiere und erzählten dazu.

Fester Bestandteil der Videokonferenz ist meist auch ein Spiel. Bisher haben wir Galgenmännchen und Montagsmaler ausprobiert – das hat gut funktioniert. Manche Spiele gehen aber sehr schlecht online, z.B. „Zählt bis 30 ohne dass eine Zahl doppelt vorkommt.“ Aufgrund der verschiedenen Internetverbindungen war das das reinste Chaos 😉
Inzwischen sind wir bei den Spielen an dem Punkt, dass die Kinder das selbst steuern und moderieren. Ich greife nur ein, wenn es Verständnisfragen gibt – oder Saboteure am Werk sind (dazu später mehr).

Eingebürgert hat sich inzwischen auch die „Fragezeit„, in der die Kinder Fragen zu ihrem Wochenplan stellen können. Manchmal gibt es kleinere Nachfragen oder Anmerkungen, die wir so schnell beantworten können. Sollten sich größere Fragen/Probleme ergeben, kann ich das gleich nutzen und ggf. den Eltern Informationen geben.

Auf das Padlet unserer Klasse weise ich auch jede Woche neu hin, weil ich es wöchentlich auf den Wochenplan der Kinder anpasse. Dort finden sich Lernvideos zu den fachlichen Themen, aber auch spaßige Dinge „drumrum“. Seit heute können die Kinder (auf ihren Wunsch hin) App-Tipps eintragen und so ihre Klassenkameraden inspirieren.

11:00 Uhr – Endphase
Am Ende jeder Videokonferenz – wenn es keine Fragen/Wünsche/Probleme gibt – machen wir immer ein Gruppenfoto des Tages. Dazu werfen sich alle in Pose und ich mache einen Screenshot, den ich im Anschluss sofort auf das Padlet stelle. Am Ende der Woche verschwinden die Fotos natürlich wieder. (Das Padlet ist natürlich mit Passwort gegen fremde Blicke geschützt.)

Danach dürfen alle ihre Mikros anschalten und wir verabschieden uns in einem lauten Brüll-Getöse 😉 Dann beende ich die Konferenz und schließe somit den „Raum“.


So kann man sich also eine Videokonferenz vorstellen. Spannend finde ich, dass unser Padlet durch die Ideen der Kinder wächst. Spalten für Sport und Englisch sind auf Anregung der Kinder dazugekommen…die Begeisterung für das gemeinsame Bearbeiten von Notizen (während der Konferenz in BigBlueButton) führt mich dazu, dass ich mich wohl mit Etherpads beschäftigen und den Kindern morgen eins zur Verfügung stellen werde…es ist also alles im Fluss und verändert sich täglich.

Was sich auf täglich ändert sind die Fähigkeiten der Kinder. Jeden Tag werden sie sicherer im Umgang mit der Technik und können alles zielgerichteter verwenden. Das führt natürlich dann in manchen Bereichen zu interessanten Entwicklungen, die ich unter dem Begriff „Sabotage“ zusammenfassen würde 😉

Heute loggte sich nämlich plötzlich ein deutscher Musiker in unsere Konferenz ein. „Max Giesinger“ stand als Teilnehmer auf der Liste und kritzelte fröhlich auf dem Whiteboard rum, während eine Schülerin gerade ihr Wort raten ließ. Dann änderte Max G. seinen Namen in den Namen eines Mitschülers und trieb weiter sein Unwesen – bis ich ihn aus dem Raum verbannte. 😉 (in den er unter seinem richtigen Namen kurz darauf wieder dabei war)

Wir haben heute als Gruppe darüber gelacht und mit dem Kopf geschüttelt (Ist ja eigentlich schon schlau von dem Kind sich auszuprobieren und die Schwächen des Systems aufzudecken), aber auch das wird morgen zum Beispiel ein Thema in der nächsten Konferenz sein. Sich unter dem Namen eines Mitschülers auszugeben ist nicht in Ordnung und deshalb werden wir morgen darüber sprechen.

Die Kinder sind ja noch recht frisch in der Online-Welt und sollten auch hier schon wichtige Grundlagen kennenlernen. Also stehen die Themen für morgen schon fest: Etherpad, Klarnamen, Anonymität.

Was ich nach jeder Videokonferenz mache?
Genau über solche Dinge nachdenken. Was lief gut? Was lässt sich ändern? Woran kann man anknüpfen? Was kann ich den Kindern Neues vorstellen? Auf welche Hürden muss ich aufmerksam machen oder drüber helfen?

Recherchieren, lesen, ausprobieren und evaluieren sind gerade große Bestandteile meines Arbeitstages – bis weit in die Freizeit und den Abend hinein.

Dazu hilft die Vernetzung auf Twitter und das Lesen von Blogs. In dem Bereich sind viele KollegInnen, die sich schon Jahre mit dem Thema befassen, eindeutig weiter und dienen als Vorbilder und Inspiration für meine Arbeit.

Loben möchte ich an der Stelle tatsächlich auch unser Ministerium, welches in Zusammenarbeit mit dem Thillm (Weiterbildungsinstitut) derzeit eine Vielzahl an Webinaren anbietet, mit deren Hilfe man sich online weiterbilden kann. Parallel dazu mache ich die kostenfreie „Zusatzqualifikation Informatische Grundbildung“ von Fobizz und klicke mich auch dort durch die verschiedenen Angebote. Die unsäglichen Fahrtzeiten sind momentan passé und das genieße ich sehr.

Generell finde ich es super, dass derzeit so viel online angeboten wird und dass man die Inspiration eigentlich nur noch aufsaugen muss wie ein Schwamm – wenn man denn will und weiß, wo man suchen muss. 😉

Ich hoffe, dass ich euch einen guten Einblick in meine aktuelle Arbeit geben konnte. Wenn ihr Fragen oder Anmerkungen habt, bin ich offen für Kommentare.

Im Sinne der Lehrergesundheit werde ich meinen Laptop jetzt (12:30Uhr) nach 3 Stunden nonstop anstarren mal verlassen, die erste Mahlzeit des Tages essen und das Hündchen ausführen. Um 15 Uhr startet das nächste Webinar des Ministeriums und das würde ich gerne satt und zufrieden verfolgen. 😉

Ich merke gerade wieder, dass ich mich sowohl im Unterricht in der Schule, als auch aus dem HomeOffice total verlieren kann. Man vergisst die Zeit, die eigenen Bedürfnisse und alles um einen herum. Das ist – wie so oft – ungesund. Da müssen wir als engagierte #CoronaTeacher unbedingt auf uns aufpassen – aber dazu ein andermal mehr.

Das war´s erstmal für heute.
Habt einen schönen Tag und bis bald! 🙂

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Ergänzung im Januar 2021: Link zum Artikel „Videokonferenzen mit Klasse 1„, in dem ich über meine Erfahrungen mit meinen „neuen“ Erstklässlern schreibe. 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückblick in Phasen: Schulschließung in der Grundschule

6 Mai

Am 17. März wurden in Thüringen die Schulen geschlossen, um die Ausbreitung des Virus CoVid-19 zu verhindern. Seitedem hat sich einiges getan, worüber ich heute gerne aus meiner Sicht berichten möchte.

Phase 1 – Was zuvor geschah…

Die Schulschließungen kamen ja dann doch recht überraschend und für mich zu einem doppelt ungünstigen Zeitpunkt, da ich schon in der Vorwoche am Donnerstag und Freitag nicht in die Schule durfte. Der fiese Husten, der mich zu diesem Zeitpunkt begleitete, war ein Ausschlusskriterium für das Betreten der Schule und damit war ich schon mal raus. Mit den Kindern sprechen? Beruhigen? Keine Chance.

Phase 2 – OMG, und jetzt?

Nachdem am Freitag, den 13.3.2020, die Schließungen verkündet wurden, liefen im Hintergrund die Arbeiten in den Schulen auf Hochtouren. Alle überlegten, wie sie die nächsten 3 Wochen bis zu den Osterferien (das war damals das erwartete Zeitfenster) für ihre Schülerinnen und Schüler „mit Stoff“ gestalten konnten. Laut Ministerium sollten die Kinder am Montag mit Material und Aufgaben versorgt werden.

Dabei passierten natürlich Fehler, die man rückwirkend gerne ungeschehen machen würde.

Mein größter Fehler, den ich mangels HomeSchooling-Erfahrung gemacht habe:
Ich habe viel zu viel in den 3-Wochen-Plan gestopft. Anhand meines Stoffverteilungsplanes (Hier danke ich mir selbst, dass ich mir die Mühe jedes Jahr mache. Leute, das lohnt sich wirklich!) wählte ich die Inhalte der kommenden 3 Wochen aus, packte sie in einen Arbeitsplan und garnierte die Kombination aus Aufgaben in Buch und Arbeitsheft mit einem kleinen Stapel Arbeitsblättern. Um die Zeit zuhause aufzulockern kam noch eine Übersicht mit „Aktivitäten gegen Langeweile“ dazu, passgenaue Inhalte in der ANTON-App – fertig.

Am Montagmorgen schlich ich mich vor allen anderen (Anmerkung: Ich durfte die Schule zu dem Zeitpunkt ja nicht betreten. Aber: wie hätte es sonst gehen sollen?!) um 6 Uhr in die Schule, kopierte den Plan für meine Klasse(n), packte jedem Kind eine Klarsichtfolie, beschriftete sie und schlich dann wieder aus der Schule raus.

Zufrieden? Definitiv. Ich hatte den Kindern einen strukturierten Plan vorbereitet und war mir sicher, dass das so klappen würde.

Phase 3 – Die Stille

In den darauffolgenden 3 Wochen wurde es gespenstisch still. Die Kommunikation mit Eltern plätscherte vor sich hin. Es kamen zwar regelmäßig Anfragen via SchoolFox (dazu in einem anderen Beitrag mal mehr), aber generell gab es wenig Austausch. Die Kinder ließ ich über die Eltern grüßen, ich verschickte regelmäßig Lösungsblätter zur Selbstkontrolle – das war`s. Ich dachte es läuft super.

Phase 4 – Das Erwachen

Was in den Familien so los war und welche Probleme es gab, erfuhr ich nicht durch Eltern meiner Klasse, sondern im Freundeskreis. In Gesprächen mit befreundeten Familien mit Kindern wurde klar: die Eltern sind überlastet, die Kinder gefrustet und von den Schulen war nichts/wenig zu hören. Ich hinterfragte zum ersten Mal, ob der Weg mit „Erledige Seite x in Buch y und danach Seite z im Arbeitsheft“ allein wirklich gewinnbringend war. Wenn schon unsere klugen und geduldigen Freunde an ihre Grenzen kamen – wie würde es dann in weniger privilegierten Familien aussehen?

Die Erkenntnis „Eltern sind keine Lehrer. Außer sie sind Lehrer.“ wuchs immer weiter.

Phase 5 – Erste Schritte

Um meinen Freunden zu helfen (und weil aus meiner Klasse zunächst wenig Feedback/Arbeit kam), beschloss ich, ihren Kindern täglich je eine Stunde via FaceTime bei ihren umfangreichen Aufgaben zu helfen. Ich schrieb mir einen Plan, baute regelmäßige Pausen (alle 15 Minuten, in Form von „Challenges“) ein und machte „Unterricht“, wie ich ihn in der Schule auch gemacht hätte.

Ausgestattet mit 2 iPads (eins für FaceTime, eins als Planer und „Tafel“ zum Zeigen) und iPhone (als Timer) arbeiteten wir täglich an ihren Plänen. Beide machten die gleichen Challenges – die Zeiten stoppte ich und am Ende jedes Tages machten wir eine Auswertung und bestimmten den Tagessieger. Belohnung war jeweils ein App- oder Websitentipp, wobei der Belohnungsaspekt nach zwei Tagen egal war und es nur noch um den Tagessieg ging. Das reicht wohl bei Geschwistern 😉

Mein Fazit an dieser Stelle: Fernunterricht ist definitiv möglich, hat aber in bestimmten Bereichen seine Grenzen. An die kam ich vor allem bei Bastelaufträgen, bei denen ich natürlich nicht aus der Ferne helfen konnte.

Die Erkenntnis „Das wäre auch was für mich und meine Klasse“ wuchs.

Phase 6 – Die Recherche

Da die Verbindung via Facetime ja nur durch den privaten Kontakt zu unseren Freunden möglich war, schied diese Variante für den Schulkontext aus. Meine private Nummer herauszugeben stand nach schlechten Erfahrungen in den letzten Jahren nicht mehr zur Debatte. (Wer schon mal sonntags um 22 Uhr zehnminütige WhatsApp-Sprachnachrichten von Eltern erhalten hat, versteht mich sicher.)

Nahezu täglich stöberte ich also nach Alternativen…Skype? Jitsi? Zoom? WebEx? BigBlueButton? GoToWebinar? Ich habe alles ausprobiert…und aus diversen Gründen den Großteil wieder verworfen. (Danke an dieser Stelle an die KollegInnen aus dem Twitterlehrerzimmer, die mir dabei viele Anregungen und Tipps gegeben haben. Ihr seid großartig!)

Phase 6 – Die Umfrage

Nun – was nützt all die Recherche, wenn man gar keine Ahnung hat, ob und wie das in den Elternhäusern der eigenen Klasse umgesetzt werden kann? Woher soll ich wissen, welche Technik und Voraussetzungen jedes einzelne Kind zuhause vorfindet?

Also erstellte ich eine kurze Umfrage mit 6 Fragen, in denen ich diese Themen abfragte:

Die Ergebnisse waren überraschend positiv (Ich werde sie aus datenschutzrechtlichen Gründen hier dennoch nicht veröffentlichen.), also gingen meine Planungen weiter.

Maßgabe beim Anbieten von Fernunterricht, wie ich ihn bei den Kindern meiner Freunde gemacht habe, war immer: nur, wenn ALLE Kinder der Klasse das Angebot wahrnehmen könnten. Nur dann würde ich das machen.

Phase 7 – Das Feedback

Inzwischen waren die 3 Wochen Schulschließung vor den Osterferien vorbei und es war klar, dass uns die Situation nicht nur vorübergehend, sondern langfristig begleiten werden würde. Daher holten wir als Kollegium bei den Eltern Feedback zu den vorangegangen Wochen ein – und der Eindruck aus meinem Freundeskreis bestätigte sich auch bei uns:

  • zu viele Aufgaben
  • zu wenig Zeit um den Kindern zu helfen
  • keine Ahnung, wie man die Inhalte erklären soll
  • zu wenig Kontrolle/Feedback durch die LehrerInnen

Dazu kam die Auswertung der Tagebücher der Kinder. Ein Auftrag vor den Osterferien war, dass die Kinder täglich 3 Sätze über ihren vorherigen Tag schreiben sollten. Ich las mir alle Tagebücher durch und schrieb jedem Kind einen individuellen Brief zurück. Viele Kinder schrieben, dass sie ihre Freunde und die Schule  (und auch mich) vermissten…dass sie schon lange keine anderen Kinder mehr gesehen hätten…und dass es zuhause langsam langweilig wurde.

Phase 8 – Die Konsequenzen

In einer Videokonferenz als Kollegium (sehr empfehlenswert übrigens, ich fand es großartig) besprachen wir die Ergebnisse und darauf basierend das weitere Vorgehen nach den Osterferien.

Für mich persönlich folgerte ich diese Änderungen:

– Wochenpläne, die nach Tagen strukturiert sind
– Online-Unterstützungsmöglichkeiten
– Videochat

…und stürzte mich in die Planungen.

1. Ich baute für meine Matheklasse (Kl. 2) ein Padlet mit Erklärvideos zu Inhalten des kleinen Einmaleins, mit Videos zu jeder Malreihe und Hintergrundinformationen für die Eltern. (Erklärvideos zur Erstellung findet man auf YouTube. Aber: es ist wirklich leicht!)

2. Ich baute für meine eigene Klasse (Kl. 4) im ersten Plan nach den Ferien Verweise zu einem Lernvideo von „Lehrerschmidt“ auf YouTube ein. Das Feedback war super, also bastelte ich auch für sie einen kompletten Klassenraum als Padlet. Kleiner Einblick:

Padlet Klasse 4

Zu finden sind dort Inhalte (in Form von Spalten) zu den Themen Witz der Woche, Videokonferenz, Mathematik, Deutsch, HSK, Sport und Englisch – und Platz für Wünsche und Feedback.

3. Ich strukturierte den Wochenplan meiner Klasse so um, dass die Kinder eine tägliche schaffbare Portion Mathe und Deutsch haben – und zwar mit mehr Anmerkungen (um Eltern zu entlasten) und auch Anregungen, um mit Mitschülern in Kontakt zu treten und das Soziale nicht aus den Augen zu verlieren.

Ein Beispiel für Deutsch:

Wochenplan Deutsch

Wie man sieht, arbeite ich derzeit noch viel mit Buch und Arbeitsheft – weil das das Material ist, das alle Kinder definitiv haben. Weitere Angebote (z.B. die ANTON-App und das Padlet) sind zusätzliche Erweiterungen und nicht verpflichtend.

Im Padlet finden sich dann ergänzende Videos und Tipps, die die Kinder anschauen und auch kommentieren können. (Diese Funktion habe ich in Klasse 2 nicht freigeschaltet, da ich dort nur Fachlehrerin bin und mir die Moderation eines Padlets vorerst ausreicht)

 

4. Ich entschied mich für ein Videokonferenz-Tool und startete die erste Konferenz mit meinen Schülerinnen und Schülern.

Am ersten Tag war ich so aufgeregt, dass ich schon sehr früh wach war und nicht mehr einschlafen konnte. Würde alles klappen? Wer würde dabei sein? Wie viele haben Lust auf das Angebot? Was würden wir machen?

Wie es diesbezüglich lief und läuft, werde ich demnächst in einem separaten Artikel beschreiben – sonst wird dieser hier zu lang. Aber als kurzes Feedback: es klappt und macht allen Seiten Spaß. Einschränkungen gibt es aber leider auch. Dazu bald mehr.

Phase 9 – Wie geht´s weiter?

Nächste Woche sollen die Viertklässler (also auch meine Klasse) wieder in die Schule gehen. In dieser Woche werde ich die nun täglichen Videokonferenzen mit den Kindern weiterführen und ihnen einen täglichen Ankerpunkt geben. Die Pläne bleiben weiter strukturiert und auch das Padlet wird wöchentlich passend zu den Themen bestückt. Die Eltern und Kinder bekommen am Ende der Woche die Lösungen zu den aktuellen Aufgaben und ein Feedback von mir.

Bin ich zufrieden?

Jein.

Könnte man noch einiges optimieren?

Sicher.

Wird sich Schule nach Corona von der Schule davor unterscheiden?

Definitiv.

Dazu dann aber an anderer Stelle mehr. Ich hoffe, dass der kleine Einblick in Veränderungen und Gedanken für euch interessant war. Demnächst dann mehr zum Thema Videokonferenzen und meinen Erfahrungen damit…zum Thema SchoolFox und was mir sonst noch einfällt. 😉

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Bis bald und bleibt gesund! 🙂

Einblick in Mathe Klasse 4 – das Geo-Buffet

19 Feb

Anstelle einer neuen Aufgabe für #DailyMathe gibt es heute einen Einblick in eine besondere Unterrichtsstunde, die vor kurzem in Klasse 4 stattgefunden hat.
Da sich inzwischen einige neue Leser hier eingefunden haben, die scheinbar am Alltag in der Grundschule interessiert sind, ist auch das wieder ein kleiner Einblick in die Anforderungen und Inhalte in diesem Bereich.
Im Vergleich zu den „Knobelaufgaben“ der letzten Zeit ist das natürlich etwas leichtere Kost – aber auch der Bereich der Geometrie sollte nicht unterschätzt werden.
Die Kinder lieben die praktischen Möglichkeiten, die ihnen in diesem Bereich gegeben sind und freuen sich enthusiastisch auf jede Geometrie-Stunde. 😉

Nun aber zum Thema:

Im Rahmen des Unterrichtsthemas „Geometrische Körper“ wurden die entsprechenden Inhalte besprochen und durch eine sehr aktive Stationsarbeit vertieft.

Stationstisch „Geo-Buffet“

Was war das Stundenziel?
– Anwendung des Wissens zum Thema
– Praktische Handlungen mit Körpern
– Vertiefung des Wissens zu Körpern

Material:
– Stationskarten vom Blog
Ideenreise (Vielen Dank!)
– Geometrische Körper aus dem Lehrmittelraum (mindestens 30 Jahre alt)
– Zeitungen, um zwei Tische abzudecken
– Teller (Um den Buffett-Eindruck zu erwecken)
– Zahnstocher

Ablauf:
Die Kinder hatten den umfangreichen Aufbau des Materials natürlich schon beim Betreten des Klassenraumes gesehen und waren dementsprechend neugierig und interessiert an dem, was auf dem Plan stand.

Nach der Begriffsklärung des Wortes „Buffett“ erklärte ich den Kindern die verschiedenen Stationen und Aufgaben und wies auf Besonderheiten hin.

Station „Geo-Burgen“:
Hier sollte nicht nur ein Bauwerk erstellt, sondern das Ergebnis auch aus 4 verschiedenen Ansichten (vorne, hinten, links, rechts, oben…) gezeichnet werden.
Eine herausfordernde Aufgabe, die den Kindern aber viel Freude machte.

Station „Freies Bauen“:
Der Name ist etwas trügerisch, denn es sollten Bauwerke mithilfe von Ideenkärtchen erstellt werden – diese gingen aber weit über „ein Haus“ hinaus.

Station „Zuordnung“:
Hier mussten alltägliche Körper (roter Teller) den entsprechenden Körpernetzen zugeordnet werden.

Station „Merkmale“:
Natürlich wurde auch einfaches Wissen abgefragt, welches mithilfe von realen Körpern als Anschauung unterstützt wurde.

Station „Kantenmodelle“:
Hier sollten mithilfe der Zahnstocher und Knete verschiedene Körper als Kantenmodelle hergestellt werden.

Station „Vollmodelle“:
Auch das Herstellen von „echten“ Körpern stand auf dem Programm. Das Fazit vieler Kinder: „Eigentlich müssen wir gar keine Würfel basteln, die können wir jetzt selbst herstellen.“ Cool! 🙂

Weitere Stationen:
– Basteln eines Quaders
– Lösen eines Arbeitsblattes
– Schreiben von Körperrätseln
– und einiges mehr…

Weiteres Material findet ihr auf dem „Ideenreiseblog“ – es lohnt sich auf jeden Fall. 🙂

Mein persönliches Highlight war jedoch der Test am Ende der Unterrichtseinheit. Dank der Vertiefung und Wiederholung, die im Rahmen der Stationen durchgeführt wurde, gab es ein überragendes Testergebnis, das ich in meinen Jahren als Lehrerin bisher noch nicht erlebt habe.

Vielleicht am Ende noch ein paar Worte zu solchen Tests:
Fast immer, wenn eine Leistungskontrolle überdurchschnittlich gut ausfällt, kommt der Spruch „Dann war der Test zu leicht!“.


Inzwischen rolle ich mit den Augen und ziehe mir diesen Schuh nicht mehr an – stattdessen freue ich mich, denn offensichtlich haben die Kinder den Stoff verstanden und wir können ohne Bauchschmerzen den nächsten Schritt gehen. 👍

Außerdem: Man könnte sich ja auch mal auf die Schulter klopfen und sagen: „Hey, ich habe meinen Job als Lehrerin richtig gut gemacht, wenn alle das Thema verstanden haben. Cool! 💪“

(Sowas machen wir als Lehrer nämlich viel zu selten – man schaut eher nach dem, was nicht so gut lief und sucht nach Verbesserungsmöglichkeiten.)

Aber diesmal sage ich: Wunderbar, weiter so! 😎

#DailyMathe Episode 3

26 Jan

Die dritte Episode hatte folgende Aufgabe:

(Bildquelle: Welt der Zahl 4, Schroedel Verlag)

Hier gingen die Antworten recht zügig ein und ließen viele Leute, die vorher wohl Probleme mit den ersten beiden Aufgaben hatten, wieder Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten fassen. ;)

Die Lösung?

Es gibt verschiedene mögliche Ansätze.

Wenn Tina an Platz 10 und Anne an Platz 15 steht, dann befinden sich zwischen ihnen Platz 11,12,13 und 14 – also vier Personen.

Wenn hinter Anne doppelt so viele Kinder stehen, dann sind es acht (4×2).

Sprich: 15+8=23

Antwort: Es stehen 23 Kinder in der Schlange.

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Die nächste Episode gibt es dann am Montag. 😎

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag!